Warum raiden in Destiny 2 weniger Spieler als noch in Teil 1?

Ein Blick auf die Trophäen verrät, dass deutlich weniger Spieler den Leviathan-Raid in Destiny 2 abgeschlossen haben als einen Raid im Vorgänger Destiny 1. Woran liegt das? MeinMMO-Autor Robert begibt sich in Columbo-Manier auf Spurensuche.

Darum sind Raids so wichtig für Destiny: Wer kann sich noch an seinen ersten Streifzug durch die Gläserne Kammer erinnern?

Der erste Destiny-Raid überhaupt zählt noch heute (völlig zurecht) zu den besten Aktivitäten, die Bungie für Destiny jemals erschaffen hat.

Raids wie die Gläserne Kammer sind längere Instanzen, in denen sich bis zu sechs Spieler Sprung-Puzzles, dicken Bossgegnern und fiesen Mechaniken stellen müssen, um den besten Loot abzustauben, den das Spiel zu bieten hat.

destiny-atheon-gläserne-kammer

Das war Atheon, der 1. Raidboss von Destiny.

Der große Reiz der Raids besteht daran, diesen zum Start blind zu betreten und gemeinsam an den Mechaniken zu tüfteln, bis der letzte Gegner besiegt ist.

So hat sich mittlerweile eine Tradition etabliert, die Spielern, die einen Raid zuerst absolvieren, besondere Ehre zuteilwerden lässt.

Speziell mit Destiny 2 sind die relativen Zahlen absolvierter Raids im Vergleich zum Vorgänger jedoch gesunken. Woran liegt das? Schauen wir uns zunächst die nackten Zahlen an.

Destiny grimoire Oryx

Erstmalige Raid-Abschlüsse im Vergleich: Verglichen wurden die relativen Zahlen der erstmaligen Raid-Abschlüsse anhand der Trophäen auf der Playstation 4:

  • In Destiny 1 haben 20,6% der Playstation-Spieler erfolgreich einen Raid absolviert. Die heroische Variante eines Raids haben immerhin 14,3% der Spieler abgeschlossen.
  • In Destiny 2 haben lediglich 9,8% der Playstation-Spieler den Leviathan-Raid abgeschlossen. Die heroische „Prestige“-Schwierigkeit wurde von 4,7% der Spieler geschafft.

Noch deutlicher wird es, wenn man die Erweiterungen ebenfalls in die Berechnung mit einfließen lässt.

Haben in Destiny 1 immerhin noch knapp 9% der Spieler den Raid Königsmord abgeschlossen, wurde der Forsaken-Raid Letzter Wunsch in Destiny 2 nur von 1,9% der Spieler absolviert.

destiny-oryx

Oryx, Schar-Gottheit und Papa von Crota

Selbstverständlich sind diese Zahlen kein Abbild der absoluten Wahrheit. So sind einige Spieler mit Destiny 2 auf den PC ausgewichen, was in Destiny 1 noch nicht möglich war. Auch bezieht sich die Trophäe in Destiny 1 auf einen globalen Raid-Abschluss, während es in Destiny 2 nur um den Abschluss des Leviathan-Raids geht.

Die Zahlen mögen also nicht die absolute Wahrheit widerspiegeln, bieten jedoch eine gute Indikation für die These „Raids sind in Destiny 2 für die Spieler nicht so interessant, wie noch im Vorgänger“. Das hat vielfältige Gründe.

Mehr zum Thema
Destiny 2: Raid-Guide zu Geißel der Vergangenheit - Der Anfang

Die Einstiegshürde – Eklatante Unterschiede zwischen Destiny 1 und 2

Die Raid-Bedingungen zwischen Destiny 1 und 2 im Vergleich: Die Gläserne Kammer startete mit dem Lichtlevel 26, was selbst für Feierabend-Hüter keine große Herausforderung darstellte. Nicht einmal legendäre Ausrüstung war zwingend erforderlich.

destiny-crota

Zwar zog der Schwierigkeitsgrad im Verlauf der Gläsernen Kammer an. Aber zumindest konnten viele Hüter am ersten Tag einen Blick in die Gläserne Kammer werfen. Zwischen Release von Destiny 1 und dem Start der Kammer hatten Spieler eine Woche Zeit, das geforderte moderate Level zu erreichen.

Springen wir zum neuen Destiny-2-Raid Geißel der Vergangenheit. Zwischen der Erhöhung des Level-Caps auf 650 und dem Start des neuen Raids lagen genau drei Tage. Da der neue Raid mit einer Powerlevel-Empfehlung von 640 gestartet ist, blieben den Hütern demnach 72 Stunden Zeit, das entsprechende Level zu erreichen.

Destiny-2-Boss

In der Level-Ökonomie von Destiny 2 ist es für Feierabendhüter nahezu unmöglich, in drei Tagen 40-50 Powerlevel zu bewerkstelligen – vorausgesetzt, man war schon nahe am ehemaligen Cap von 600 dran.

Da die meisten Hüter nicht das erforderliche Level hatten, haben sich viele nicht einmal die Mühe gemacht, dem neuen Raid einen Besuch zu abzustatten.

Das ist das Problem mit dem Licht-Level: Content-Creator auf Twitch und Youtube werden in der Lage sein, jeden Raid an Tag 1 zu besuchen und dabei eine realistische Chance haben, diesen auch erfolgreich zu bewältigen.

d2 morgeth

Quelle: Alex @doczep auf Instagram

Die große Masse der Spieler wird vermutlich schon vorher resigniert aufgeben, da die Level-Anforderung nicht zum Start eines neuen Raids erreicht werden kann.

Diese Spieler werden sich (wenn überhaupt) erst in den Raid wagen, wenn sie über das nötige Level verfügen.

Die Beute – Von den krassesten Waffen zu Allerwelts-Wummen

So stark waren Raidwaffen in Destiny 1: Die Waffen, die Spieler in der Gläsernen Kammer ergattern konnten, treiben noch heute Veteranen Freudentränen in die Augen.

Die Handfeuerwaffe Schicksalsbringer in ihrer ursprünglichen Form gilt auch heute noch als Maßstab für DIE Primär-Waffe in Destiny.

destiny-schicksalsbringer

Der Schicksalsbringer

Auch Bungie hat erkannt, dass die Gläserne Kammer die besten Waffen beherbergte, die das Spiel lange Zeit prägen sollten. Es folgten Maßnahmen, die die Spieler dazu bringen sollten, zu neuen Knarren zu greifen.

Damit hat sich jedoch auch ein Sinneswandel vollzogen. Galten die Waffen der Kammer und des Crota-Raids zu den besten überhaupt, sieht die Sachlage in Destiny 2 fundamental anders aus.

destiny-crota-rüstung-hüter

Rüstung von Crota: coole Nebeneffekte

So ist es in Destiny 2 bei den Waffen: Die Waffen aus dem Leviathan-Raid sorgten für lange Gesichter. Bis auf wenige Ausnahmen waren die Raid-Waffen simple Abwandlungen der Schießeisen, die auch in der Welt zu finden waren.

So ist es bei den Raidrüstungen: Auch die Rüstungen sorgten für Enttäuschungen: Waren die Rüstungen in Destiny 1 mit Fähigkeiten versehen, die spezifisch auf den Raid sowie der darin befindlichen Gegner zugeschnitten waren, gelten die Rüstungen aus dem Leviathan-Raid speziell zum Release als simple Rüstungs-Skins ohne Funktion.

leviathan-destiny2

Das Schiff und Schauplatz des Raids Leviathan

Das ist das Problem mit Destiny 2: Wenn Ausrüstung, die in einer der schwersten Aktivitäten verdient werden muss, nur enttäuschender Plunder ist, verspüren die Hüter wenig Lust, dieser nachzujagen.

Mit Perks auf Rüstungen aus dem Leviathan-RAid sowie dem Forsaken-Raid Letzter Wunsch hat Bungie versucht, die Kurve zu kriegen, die relativen Zahlen der Trophäen legen jedoch nahe, dass diese Maßnahmen zu spät gekommen sind.

Die Raid-Trakte als Spaßbremsen

Was sind Raid-Trakte überhaupt? Im ersten Jahr von Destiny 2 hat Bungie das Spielprinzip Raid über Bord geworfen und Änderungen eingeführt, die nicht bei allen Hütern gut ankamen.

Statt einem komplett neuen Raid wurde der bestehende Leviathan-Raid um weitere Areale, sogenannte Trakte, erweitert.

Destiny 2 Argos HD

Argos

So diente das gigantische Gebiet der Leviathan als Themenpark, in dem Hüter verschiedenen Aktivitäten nachgehen konnten. Durch die Raid-Trakte kam zwar neuer Raid-Content, allerdings im alten Setting. Doch das war nicht der einzige Knackpunkt.

So kamen die Raid-Trakte an: Nicht nur, dass sich die Raid-Trakte thematisch im Leviathan wiederfanden, die Spieler hatten aufgrund der dort verfügbaren Ausrüstung auch wenig Lust, sich diesen Herausforderungen zu stellen.

destiny-2-calus

Zwar wurden einige neue Waffen ergänzt, die Rüstungen galten jedoch als Schrott, der die Mühe nicht wert war.

Kurios: Hüter besuchen die Raid-Trakte hauptsächlich zum Farmen der Katalysatoren von exotischen Waffen wie der Schläfer-Simulant.

Das ist das Problem mit den Raid-Trakten: Zu kurz, mieser Loot und der bereits bekannte Schauplatz schreckten viele Hüter ab. Dabei waren die Aktivitäten mitunter durchaus fordernd und spaßig. Bungie hat es jedoch versäumt, den Hütern die Karotte vor die Nase zu halten, die sie dazu veranlasst hätte, die Raid-Trakte auch dauerhaft zu spielen.

Mehr zum Thema
Destiny 2: Raid-Guide zu Geißel der Vergangenheit – Der Boss-Kampf

Raids in Destiny – Sind wir einfach satt?

Das war der Zauber der Raids in Destiny 1: Mit dem Release der Gläsernen Kammer sahen sich die Hüter mit einer Herausforderung konfrontiert, die es im Shooter-Bereich so noch nicht gegeben hat. Der Raid war eine komplett neue Erfahrung – erfrischend, geheimnisvoll und lohnenswert zugleich.

Die Verzahnung von Spielmechaniken, Sprung-Rätseln und Shooter-Passagen werden den Spielern lange in Erinnerung bleiben. Dieser Zauber des „Neuen“ ist jedoch in Destiny 2 gefühlt nicht mehr so omnipräsent wie noch im Vorgänger.

glaeserne-kammer

Der Raid Gläserne Kammer

Darum waren Raids in Destiny 1 so beliebt: Ich bin der Meinung, dass die alten Raids deutlich länger im Gespräch geblieben sind. Dies hatte vielfältige Gründe. Wer erinnert sich nicht an kuriose Runden durch die Gläserne Kammer, in denen der Templer wie die Sau durch die Arena gejagt wurde, um schlussendlich in einen Abgrund zu stürzen?

Auch für Atheon selbst gab es zahlreiche Exploits mit den skurrilsten Auswirkungen. Der absolute Höhepunkt wurde schließlich bei Crota erreicht. Denn der schwertschwingende Sohn von Oryx konnte mithilfe eines clever gezogenen Internetkabels manipuliert werden.

Destiny-Crota-World-First

Der Crota-Raid

Die Raids in Destiny 2 sind zwar auch nicht fehlerfrei, selten sind diese Bugs jedoch ein Spaßfaktor für die Hüter.

Sie wirken polierter, was einerseits eine bessere Spielerfahrung bietet, auf der anderen Seite jedoch dafür sorgt, dass die neuen Raids weniger im Gespräch bleiben und schneller an öffentlicher Aufmerksamkeit einbüßen.

Fazit – Raids in Destiny sind einfach nicht mehr so cool wie früher

Das ist die 3 Problem mit Destiny 2: Signifikant gestiegene Einstiegshürden zum Raid-Start, weniger Aussicht auf fette Beute und das ungeliebte Raid-Trakt-System haben viele Hüter in Sachen Raids bei Destiny 2 verschreckt.

destiny-2-raid-letzter-wunsch

Auch wenn die Zahlen aus den Playstation-Trophäen nicht repräsentativ sind, sie zeichnen ein deutliches Bild. Auf den ersten Blick erscheint es als sinnvolle Maßnahme, dass Bungie sogar Belohnungen für Teams auslobt, die einen neuen Raid innerhalb von 24 Stunden oder sogar als Erstes abschließen.

Auf den zweiten Blick zeigt sich jedoch, dass die Schere zwischen Vielspielern und Feierabend-Hütern immer weiter auseinandergeht.

Content-Creator und Streamer werden immer die Möglichkeit haben, Raids frühzeitig und dauerhaft zu spielen, während sich die Mehrzahl der Hüter enttäuscht abwendet.

destiny-2-letzter-wunsch-raid

Was muss Bungie tun, um wieder mehr Hüter in die Raids zu locken? Folgende Maßnahmen können die Spieler-Population in den Raids deutlich erhöhen:

  • Verringerung der Einstiegshürden – Ein neuer Raid muss mit einem moderaten Time Investment betretbar sein. Starke Spieler werden immer noch um die Krone des World First kämpfen, aber deutlich mehr Spieler erhalten früheren Zugang
destiny-sparrow-aksis

Aksis, der Endgegner aus dem Raid Zorn der Maschine

  • Bessere Beute – Mit dem Letzten Wunsch hat Bungie zumindest wieder Rüstungen und Waffen gebracht, die brauchbar sind. Auch das exotische Fusionsgewehr Eintausend Stimmen ist fantastisch und lohnt sich. Dieser erste Schritt sollte in kommenden Raids fortgeführt werden.

Sollte es Bungie nicht gelingen, mehr Spieler für Raids zu begeistern, muss kritisch die Frage gestellt werden, ob sich der hohe Programmier-Aufwand dafür lohnt.

Was haltet Ihr davon? Interessieren Euch die neuen Raids in Destiny 2 auch weniger oder habt Ihr nach wie vor Spaß daran, alle Geheimnisse so schnell wie möglich zu lüften?

Autor(in)
Deine Meinung?
Level Up (30) Kommentieren (286)
Passwort vergessen

Bitte gib Deinen Benutzernamen oder Deine Email-Adresse ein. Du erhälst einen Link, um ein neues Passwort per Email zu erstellen.