Destiny 2 will transparent sein, aber ich finde: Das gelingt nur so mittelgut

Bei Destiny 2 hat der Director Luke Smith einen langen Brief an die Spieler geschrieben, in der er offen einen Blick auf die Entwicklung von Destiny 2 geben will. Unser Autor Schuhmann sagt: Das kann er gar nicht, weil er die wichtigste Information bis Sommer 2020 geheimhalten muss.

Warum ich Luke Smith mag: Ich mag Luke Smith und die Art, wie er mit Spielern redet. Ich hab das Gefühl, er will wirklich jemand anders sein als ein Entwickler im Elfenbeinturm, der weit weg von den Spielern sitzt und PR-Blasen von sich gibt. Er ist keiner, für den alles Awesome ist, er ist jemand, der sagt: Da haben wir echt Mist gebaut. Jemand, der auch weiß, wie das, was sie bei Bungie machen, auf andere wirkt und wie es ankommt.

Luke Smith ist ein Gamer, der vom WoW-Suchtie, der bis in den Mittag schlief, zu jemandem wurde, der irgendwie die Geschicke eines riesigen AAA-Shooters leitet, das von einem kultisch verehrten Studio betrieben wird. Das muss man als Gamer einfach respektieren.

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Luke Smith (links) und Mark Noseworthy (rechts)

Auch wenn Luke Smith dann mal Dinge sagt, wie „Spieler werden Geld gegen den Monitor“ werfen, hatte ich das Gefühl, er ist authentisch und möchte mit Spielern auf Augenhöhe reden.

Viele Fans geben Smith die Schuld daran, dass Destiny 2 Vanilla so ein Fehlgriff war, denn er haftete da mit seinem Kopf für den Tetel, er machte die PR-Tour 2017 für Destiny 2. Ich hab das nie so gesehen.

Ich hatte immer das Gefühl, Smith musste da eine Suppe auslöffeln und als Sündenbock für was herhalten, das andere verbrochen hatten. Aber – das ehrt Smith – er hat nie versucht, diese Schuld wegzuschieben.

Luke-Smith-Destiny

Wenn Smith ungefiltert in einem Live-Interview redet, kriegt man den Vibe von ihm, dass er das sagt, was ihm auf dem Herzen liegt. Obwohl es auch da Themen gibt, die er strikt abblockt, über die er einfach nicht reden kann, hab ich bei Smith das Gefühl: Er meint alles so, wie er es in diesem Moment sagt. Auch wenn er im Nachhinein dafür Ärger bekommt.

Smith will Klartext schreiben

Das war die neue Ankündigung: Jetzt hat Luke Smith schon vor einigen Tagen angekündigt, er wird einen riesigen Post schreiben, wo er sich mal ganz anders gibt und anders über Destiny 2 spricht: ein Experiment. Er will transparent sein, will zeigen, wie die Entwicklung von Destiny 2 läuft, wie sie sich auf das Team auswirkt, welche Lehren Bungie aus den letzten Monaten gezogen hat.

Das hat große Erwartungen geweckt.

Gestern war der Post dann auch wirklich da und nachdem Smith wieder betont hat, wie lang das jetzt wird, hab ich angefangen zu lesen – doch nach Sätzen hatte ich das Gefühl, „da stimmt was nicht.“

Smith sagt gleich zu Beginn

  • der „Annual Pass“ war für das Team schwerer, als man gedacht hat. Die Belastung war zu hoch und der Aufwand, den man betrieb, war nicht durchzuhalten.
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Das ist mein Problem mit der Aussage: Ich kann völlig nachvollziehen, was Smith da sagt und wie er das analysiert.

Aber: Mir fehlen die Umgebung, die Umstände, in denen diese Sachen gesagt werden.

Die entscheidende Frage ist für mich:

  • Arbeitet Bungie jetzt gerade mit dem vollen Studio und 800 Leuten an dem aktuellen „Jahres-Pass“ und an Shadowkeep? Und dann ist der Jahrespass trotzdem nicht „aufrechtzuerhalten“
  • Oder arbeitet Bungie mit einem Rumpfteam an diesen Dingen, während man im Hintergrund das Kern-Team schon an Destiny 3 sitzen hat? Dann verstehe ich, dass 3 Episoden mit unterschiedlichen Systemen im Jahr nicht aufrecht zu erhalten sind und man das weiter optimieren muss
Destiny-3-Typen

Arbeiten sie schon an Destiny 3 oder nicht?

Es ist völlig klar, warum Bungie die Frage nicht beantworten kann, ob 2020 ein Destiny 3 für PS5 und Xbox Scarlett kommt:

  • Bungie will jetzt noch bis in den Sommer 2020 hinein (bis zur E3 2020), Destiny 2, Shadowkeep und die nächsten Episoden verkaufen.
  • In dem Moment, wenn Bungie das erste Mal „Destiny 3“ sagt, ist „Destiny 2“ ein altes Spiel und im Geist schon vorbei, es wird weniger verkauft werden.

Aber damit ich nachvollziehen kann, ob ein „Entwicklungs-Zyklus nicht aufrechtzuerhalten ist oder nicht“, brauch ich die Information, wie viel Prozent des Teams eigentlich an Destiny 2 gerade arbeiten.

Daher hab ich das Gefühl, die Gedanken und Ideen, die Luke Smith hier teilt, sind zwar nett und durchaus informativ. Aber dass Bungie hier wirklich transparent darüber redet, was im Haus los ist, kann ich Luke Smith im Moment nicht glauben. Auch wenn ich ihn mag.

Ich weiß, dass Smith noch weitere Teile seines Director’s Cut veröffentlichen will – aber ich zweifle stark daran, dass er uns wirklich einen Einblick gewährt, ob

  • Destiny 2 gerade das „Hauptprojekt“ vom Studio Bungie ist
  • oder ob der eigentliche Fokus schon auf Destiny 3 liegt

und gerade diese Frage wäre so wichtig, um zu verstehen, was bei Bungie wirklich abgeht.

So bleiben die 4000 Worte von Smith eine interessante Analyse, es gibt ein paar Anekdoten und es ist für den Fan sicher interessant. Was wirklich bei Bungie los ist, erfährt man aber nicht.

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