Tabletop ermöglicht Spielern, in fremde Welten einzutauchen, Abenteuer zu erleben und Geschichten selbst mitzugestalten. Deswegen gibt es auch eine Menge Videospiele, die versuchen, mithilfe von verschiedenen Genre-Mischungen dieses Gefühl nachzubilden. Unser Tech-Autor Jan Hartmayer hat nun aber ein Spiel gefunden, das für ihn genau ins Schwarze trifft.
Ich bin immer auf der Suche nach Games, die meine Liebe zu Tabletop teilen und die beiden Medien miteinander verschmelzen. Baldur’s Gate 3 war für mich zum Beispiel ein absolutes Meisterwerk. In letzter Zeit gab es aber keinen Titel, der mich so abholte, wie es das RPG damals tat.
Doch dann fand ich Esoteric Ebb. Ein unscheinbares isometrisches Einzelspieler-RPG, das meine lange Durststrecke beenden sollte. Bereits beim Öffnen der Steam-Shopseite spürte ich: Das Spiel ist einzigartig!
Das Game ist kurz gesagt eine Mischung aus Dungeons and Dragons und Disco Elysium. Heißt: Es gibt sehr, sehr viele Dialoge, euer Handeln hat Konsequenzen und ein Würfelwurf inklusive eurer Fähigkeitswerte entscheidet, ob euch eine gewisse Aktion gelingt, oder auch nicht.
Das simple Spielprinzip und der gezeichnete Artstyle haben mich in kürzester Zeit überzeugt und ich konnte das Game einfach nicht mehr weglegen.
Zeitdruck und ein Mysterium
Das Spiel ist in fünf Tage aufgeteilt und ihr müsst die Explosion eines Teeladens innerhalb dieses Zeitraums aufklären. Dabei frisst jeder Dialog und jede Interaktion wertvolle Minuten, die ihr euch gut einteilen müsst. Manche NPCs reden zum Beispiel nur nachts mit euch. Schlafen müsst ihr ebenfalls 8 Stunden am Tag, wenn ihr keine Nachteile in Form von Erschöpfung wollt.
Außerdem versteht es Esoteric Ebb, seine vielen Dialoge aussagekräftig, verständlich und trotzdem anspruchsvoll zu halten. Kein Satz wirkt deplatziert und viele Bedeutungen werden erst später oder in einem zweiten Spieldurchlauf klar. Es ist die Art von Dialog und das damit einhergehende Worldbuilding, über die man mit Freunden noch stundenlang diskutieren kann.
Genauso ist der sarkastische Humor wie geschaffen für mich. Es gab zum Beispiel mehrere Momente, in denen mein Charakter Schaden nahm, da er bei einem Flirtversuch (mal wieder) scheiterte. Aber nicht, weil mein Gegenüber mich verprügelte. Nein, die Situation war für den Hauptcharakter so peinlich, dass er und ich gemeinsam am liebsten im Boden versunken wären.
Ebenso sind die Charaktere und die Welt so geschrieben, dass sie sich lebendig anfühlen. Kein NPC fühlt sich wie leblose Füllung an. Jeder hat einen Tagesablauf und geht Tag für Tag seinen eigenen Zielen nach.

Nicht für jedermann
Selbst wenn das Game für mich ein sagenhaftes Erlebnis und eine nahezu perfekte und kompakte D&D-artige Story war, gibt es Punkte, die für manch anderen ein No-Go darstellen können:
- Das Spiel ist (momentan) nur in Englisch verfügbar und der Dialog ist stellenweise sehr anspruchsvoll, weswegen man die Sprache gut beherrschen sollte.
- Es gibt keine vertonten Voicelines. Das ganze Spiel ist streng genommen ein interaktives D&D-Buch, mit einigen Gameplay-Funktionen on top.
- Wer keine Lust auf Hintergrundinfos hat, ist hier fehl am Platz. Esoteric Ebb erzählt gerne ausschweifend, wie seine Welt und deren Charaktere aufgebaut sind. Das kann schnell trocken und langatmig werden.
Dennoch rate ich jedem D&D-, Disco-Elysium- und Pen-and-Paper-Fan dringend, einen Blick auf das unbekannte Esoteric Ebb von Christoffer Bodegård zu werfen.
Der Titel ist nicht nur wunderhübsch, sondern sprüht vor Leidenschaft. Denn jeder Dialog fühlt sich einzigartig an. Ich wünsche mir nur, dass das Spiel mit seinen etwa 25 Stunden Spielzeit länger gewesen wäre. Wer jetzt immer noch kein Dungeons and Dragons spielt, aber anfangen will, für den hat unsere Autorin Sophia Tipps: Kostenlos und schnell in D&D starten? Mit diesen 8 Essentials klappt es
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