Als Shooter-Fan liebe ich CoD Modern Warfare – Als Russe blutet mein Herz

Unser Autor Sven hat sich durch die Kampagne des neuen Call of Duty: Modern Warfare gekämpft und meint in seinem Anspielbericht, dass es seit Jahren die beste Singleplayer-Erfahrung eines CoD-Ablegers bietet. Doch eine Sache stört ihn massiv.

Wie spielt sich die Story in neuen Modern Warfare 2019? Am 25. Oktober feierte Call of Duty: Modern Warfare seinen Release. Während sich viele in den Multiplayer-Part des Spiels stürzen, gibt es auch so manch einen Spieler, der sich auf die Singleplayer-Kampagne des neuen Modern Warfare gefreut hat und sich zuerst dort austobte – so auch unser Autor Sven.

Hier erfahrt Ihr, was er von der Kampagne hält und hier, wie das neue Modern Warfare in ersten Tests abschneidet.

So finde ich die Story des neuen Call of Duty: Modern Warfare

Daran musste sich das Call of Duty: Modern Warfare messen lassen: Ich bin ein „Call of Duty“-Fan der ersten Stunde und habe die Story von Modern Warfare 1-3 geliebt und wirklich genossen. Klar, war sie nicht sehr tiefgründig, doch durch die eigene Beteiligung am Geschehen trotzdem spannend, spektakulär umgesetzt und sehr unterhaltsam – wie ein guter Action-Film.

Seitdem konnte für mich kein anderer CoD-Ableger in Punkto Story mehr begeistern.

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Modern Warfare Spec Ops Schießen Hubschrauber

Das liebe ich an der neuen Kampagne

Genau darauf habe ich gewartet: Entsprechend groß waren meine Hoffnungen, die ich in die Geschichte des neuen Modern-Warfare-Reboots gesetzt habe. Nun habe ich die Singleplayer-Kampagne fast durch und muss als Spieler sagen: Das ist die beste Story, die ist seit dem letzten Modern Warfare aus dem Jahr 2011 gespielt habe – zumindest wenn ich einen bestimmten Aspekt komplett ausblende. Doch dazu später mehr.

Deshalb liebe ich die Story: Das neue Modern Warfare bietet für mich endlich das Singleplayer-Erlebnis, wonach ich mit seit Jahren bei Call of Duty sehne. Endlich fühlte ich mich wieder wie in einem spannenden Action-Film.

Ohne viel spoilern zu wollen, aber die Story ist durchaus spannend – nach dem Ende will ich unbedingt wissen, wie es weiter geht. Die Atmosphäre ist einfach atemberaubend.

Als Spieler fühlt es sich an, als sei man mittendrin, wenn im Zentrum von London ein Anschlag passiert und man sich in einer belebten Fußgängerzone in all dem Chaos eine Schießerei mit Terroristen liefert.

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Es knistert förmlich, wenn ein Zugriffs-Team des SAS ein Haus voll mit Terroristen infiltriert und dabei auch auf Frauen und sogar ein Baby trifft. Und der Spieler ist mittendrin

Auch die Einsätze als CIA-Agent an der Seite von Rebellen im Nahen Osten sind Gameplay-technisch echt gut gemacht.

Mehr zur Story erfahrt ihr übrigens hier: Ist die Kampagne von CoD Modern Warfare so heftig wie angekündigt?

Wer sollte sich die Story anschauen? Kurzum: Auch wenn sich die meisten Call of Duty aufgrund des Multiplayers kaufen dürften – ich kann jedem nur empfehlen, die neue Kampagne zu spielen oder zumindest auszuprobieren:

  • Wer generell auf Story bei Call of Duty steht, dürfte so oder so nicht viel falsch machen.
  • Und Story-Muffel entdecken möglicherweise für sich, dass auch der Singleplayer-Part durchaus einen Abstecher wert sein kann.

Die Story von Modern Warfare spielt sich wie ein Action-Streifen aus Hollywood, in dem man selbst der Held ist. Wer dabei eine Herausforderung und eine dichtere Atmosphäre sucht, kann das Ganze auch auf Realismus spielen – mit nur minimalistischen Anzeige-Hilfen und nur begrenzten Nehmer-Qualitäten.

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Und gefällt die Story Euch nicht, so war es trotzdem nicht umsonst. Denn über die Kampagne könnt Ihr auch Sachen freischalten, die Ihr im Multiplayer gebrauchen könnt.

Und deswegen blutet mir bei der Story von Modern Warfare das Herz

Was mich konkret stört: So cool ich die Story des neuen Modern Warfare finde, so sehr stört mich ein bestimmter Aspekt, bei dem die Entwickler in meinen Augen kein Fingerspitzengefühl beweisen. Nur wenn ich diesen Aspekt komplett ausblende, kann ich das Spiel genießen.

Ich muss gestehen, dass ich mich als gebürtiger Russe zum ersten Mal von einem Spiel angegriffen fühle.

Beim Spielen wusste ich stellenweise nicht, ob ich lachen oder weinen soll – und das sah man mir offenbar auch an. Denn meine Frau musste öfter schmunzeln und meinte, dass sie mich noch nie so emotional aufgewühlt von einem Spiel sah.

Konkret geht es mir um die dämonisierende Darstellung von Russland, die in meinen Augen fast schon den Charakter einer politischen Schmutzkampagne erreicht, die mit der Realität nur wenig gemein hat.

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So wird Russland in Modern Warfare dargestellt: Dabei bedient sich die Story so gut wie aller plumpen Klischees und Vorurteile gegenüber Russen, die man sich nur vorstellen kann. So habe ich das bisher noch in keinem anderen Videospiel erlebt – nicht einmal in den ursprünglichen 3 Modern-Warfare-Teilen, wo Russland ebenfalls als Gegenspieler auftrat.

Ich will hier kein Fass aufmachen oder eine politische Diskussion lostreten, doch in meinen Augen hat Modern Warfare hier deutlich übertrieben.

So verkörpern die russischen Streitkräfte einen der Gegenspieler, gegen die man im Rahmen der Kampagne zu Felde zieht. Dabei werden die Russen durchweg als mordende, plündernde, saufende und fast schon hirnlose Bestien dargestellt, die die Zivilbevölkerung in einem fiktiven Land im Nahen Osten grausam misshandeln – aus Spaß und wo immer es nur geht:

  • Russen verschaffen den Terroristen im Prinzip Giftgas
  • Frauen werden vergewaltigt
  • Kinder werden erschossen
  • das Land teils sinnlos bombardiert
  • der russische General versucht, das Volk durch eine Geburtenkontrolle auszumerzen
  • einige Bürger werden einfach öffentlich erhängt
  • andere lässt man wie Sklaven schuften
  • wiederum andere werden einfach aus Spaß erschossen
Call-of-Duty-Modern-Warfare-Jubel titel

Sieht so wirklich die Realität aus? Eigentlich hatte Modern Warfare den Anspruch, die Realität des Krieges glaubhaft darzustellen. Es sollte kein Schwarz oder Weiß geben. Stattdessen sollte durch die Kampagne vor allem deutlich werden, dass Krieg aus wechselnden Schattierungen von Grau besteht.

Doch ein deutlicheres Schwarz und Weiß kann man in meinen Augen gar nicht mehr präsentieren. Amerikanische „Fehltritte“ bleiben gänzlich unerwähnt, genau wie die Tatsache, dass eigentlich auch Russland gegen den weltweiten Terrorismus kämpft. Aber davon wollen wir hier nicht reden.

Bashing schlimmer als in den 90ern: Alles was mit Russland zu tun hat, wird durchweg als negativ, böse und barbarisch dargestellt. Im Prinzip wird Russland fast schon zu einem größeren Feind aufgebauscht, als der eigentliche Widersacher „Der Wolf“ und seine Terror-Organisation, die man im Visier hat.

Wo immer es nur geht, wird auf die Russen eingeprügelt. Dabei artet das Russland-Bashing teils soweit aus, dass es selbst richtig schlechte 90er-Jahre Action-Filme oder alte James-Bond-Streifen blass aussehen lässt.

Das zieht sich leider durch die gesamte Kampagne, verleiht dem Ganzen (in meinen Augen) absolut unnötig einen bitteren Beigeschmack und wirkt dabei größtenteils einfach nur künstlich und lächerlich.

Selbst meine Frau musste mich lachend fragen „welcher hängengebliebene US-Falke das Drehbuch dafür geschrieben hat“, als sie mir eine Weile beim Spielen zuschaute.

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Warum mich das enttäuscht: Ich als gebürtiger Russe fühle mich dabei verletzt und gleichzeitig enttäuscht. Es ist schon ziemlich uncool, wenn man das Gefühl hat, die eigene Lieblingsspiel-Reihe hält einen für einen Arsch.

Nach einigen Gesprächen mit Freunden bin ich damit wohl nicht allein. Denn das Bild, das hier von Russland gezeichnet wird, entspricht kaum der Realität, ist einseitig und stellt Russen als das größte Übel der Gegenwart dar. In einer solchen Form habe ich das in Videospielen noch nie erlebt.

Das größte Problem dabei: Das Spiel hat eine große Reichweite und wird von vielen Jugendlichen gespielt. Und genau dieser Eindruck könnte bei vielen hängen bleiben, was wirklich schade wäre.

Mein Fazit zur Story von Modern Warfare 2019

Ist Modern Warfare dadurch ein schlechtes Spiel? In meinen Augen ist das der einzige Aspekt, der das sonst durchweg gelungene Erlebnis im Rahmen der Kampagne für mich persönlich stellenweise deutlich schmälerte.

Blende ich das aus, bekomme ich unter dem Strich das beste Singleplayer-Erlebnis von Call of Duty seit 2011 geboten, was mit etwas mehr Fingerspitzengefühl noch um einiges besser hätte sein können – zumindest für mich.

Und dass man es selbst mit Russland als Gegenspieler besser und vor allem eleganter lösen kann, hatten Spieleentwickler eigentlich bereits mit Modern Warfare 1-3 bewiesen.

Was haltet Ihr von der Darstellung Russlands bei Modern Warfare? Unnötig überspitzt und übertrieben? Oder ist das bei einem Videospiel mit einem an sich fiktiven Setting durchaus ok?

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