Warum mich Battlefield 5 zugleich verstört und begeistert

Der Online-Shooter Battlefield 5 ist mittlerweile erschienen und lockt mit extrem packenden Schlachten aus dem 2. Weltkrieg. Dieses „Schlachtfeld-Feeling“ erzeugt das Spiel aber laut unserem Autor Jürgen fast schon zu gut.

Mein erstes Battlefield: Kaum zu glauben, aber in meiner mittlerweile über 20-jährigen Gaming-Erfahrung hatte ich bisher nie ein Battlefield-Spiel gezockt. Irgendwie gingen diese Games immer an mir vorbei, da ich (Online-) Rollenspiele, Adventures und abgedrehte Shooter á la Doom, Fortnite und Borderlands bevorzugte.

Das moderne Kriegs-Setting von Call of Duty oder eben Battlefield war für mich immer weniger sexy. Dafür zockte ich gerne und oft die Star-Wars-Version Battlefront.

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Doch als Teil meines Jobs als Redakteur bei MeinMMO fiel mir dieses Jahr erst Black Ops 4 und nun auch Battlefield 5 zu. Also startete ich letzten Abend das Game und spielte mit einem Kumpel zusammen ein paar Runden.

Auf zur Front!

Das ist nicht Fortnite: Vor der Runde fummelte ich ein wenig in den Menüs herum und passte meine Soldaten an. Ich bin nicht erst seit Fortnite ein totaler Skin-Junkie und war etwas enttäuscht, das es in Battlefield halt eher traditionelle Uniformen in maschigem Tarnfleck und Feldgrau gab.

Die erste Schlacht beginnt: Also ließ ich die militärische Modenschau bald sein und startete mit meinem Freund zusammen eine „Grand Operation“. Die wären laut Kumpel nämlich die beste Idee, um mal ins Spiel reinzukommen, da sie trotz dem Namen recht flott gingen und man auf verschiedenen Maps eine Art Mini-Kampagne spielen würde.battlefield 5 x3

In unserem Fall war das der erste Vorstoß der Wehrmacht im Blitzkrieg gegen Frankreich zu Beginn des Krieges. Unsere Mission lautete: Nehmt als Fallschirmjäger-Division feindliche Artilleriestellungen ein, damit der Haupt-Vorstoß unbehelligt vorrücken kann.

Was für eine Atmosphäre: Dabei begann die Runde tatsächlich im Transportflugzeug, in dem unser ganzer Zug anwesend war. Ein NSC-Feldwebel nahm sogar noch eine letzte Truppen-Inspektion vor und bugsierte mich dann zur Luke des Fliegers.

Dort sah ich zum ersten Mal das „Battlefield“. Eine grüne Landschaft, die wie Narben von hässlichen braunen Schützengräben durchzogen war. Dazwischen standen dicke Geschütze, unser Ziel. Derweil spuckten FLAK-Batterien Tod und Verderben an den Himmel. Die Luftabwehr-Granaten detonierten überall um meinen Flieger herum.Battlefield 5 Teaser Titel

Ein Flugzeug in der Formation wurde jüngst von den Geschossen zerfetzt und stürzte mitsamt den Insassen brennend in die Tiefe. „Ach du Scheiße!“ entfuhr es mir da: „Das ist ja echt wie im Krieg hier!“

Und genau in dieses Inferno musste ich als armer Soldat abspringen? Aber gut, das Missionsziel erledigt sich nicht von allein und meine Kameraden brauchten mich, immerhin war ich Sanitäter und musste die Verwundeten versorgen. Also sprang ich tapfer aus dem Flugzeug, der Schlacht entgegen.

Krieg ohne Gnade

Unten am Boden ging es gleich ordentlich zur Sache. Ich kam zusammen mit ein paar anderen Soldaten herunter und sofort dünnte feindliches Sperrfeuer unsere Linien aus. Ich rannte geduckt durch einen Graben und versuchte als Sani zu retten, was zu retten war. An Verwundeten war kein Mangel, die Kameraden fielen wie die Fliegen im Kugelhagel.

Das Grauen des Krieges: Und selbst wenn ich kein Sani gewesen wäre, hätte ich es kaum übers Herz gebracht, die armen Teufel liegen zu lassen. Denn in Battlefield 5 jammern und schreien die Verwundeten zum Gotterbarmen.battlefield 5 gc trailer

Kein Herz für Sanitäter: Auf die Idee, aus meinem geschützten Graben rauszugehen, kam mir übrigens im Angesicht des tödlichen Abwehrfeuers gar nicht in den Sinn. Blöd nur, dass der Gegner das anders sah und ein Feind mit einem Sturmgewehr sich angeschlichen hatte und mich hinterlistig durchsiebte. Die Genfer Konvention wird in Battlefield wohl nicht so ernst genommen und Sanis sind Freiwild.

Ein erschreckendes Erlebnis

Von da an spielte ich offensiver und stürmte zusammen mit Kameraden todesmutig die feindlichen Stellungen. Dort entbrannten wilde Gefechte und ein heilloses Chaos aus Schüssen, Explosionen, zerberstenden Gebäuden und gellenden Schreien.

Wie in Opas Kriegsgeschichten: Dabei wurde ich immer mehr an die dramatischen Kriegsgeschichten meines Großvaters erinnert. Der hatte damals selbst im Krieg an einer ähnlichen Stelle wie hier im Spiel gekämpft und die ganze Szenerie kam mir daher erschreckend bekannt vor.Battlefield-V-Trailer-04

Das ist fast zu viel Atmosphäre: Battlefield 5 macht bei der Darstellung des Schlachtfeldes fast schon einen zu guten Job. Denn so viel Spaß die filmreifen Schlachten auch machen, so bleibt mir im Hinterkopf immer der Gedanke, dass vor rund knapp 80 Jahren halt wirklich so ähnlich eine Schlacht hier in Europa getobt hatte und das die armen Frontschweine damals keine Respawns und keinen „Insta-Sani-Rez“ hatten.

Darf Krieg Spaß machen? Dieses ungute Gefühl hatte ich übrigens in Battlefront nie, auch wenn ich zum tausendsten Mal als Stormtrooper oder Klonsoldat im Feindfeuer verglühte. Der Konflikt in der weit weit entfernten Galaxie ist trotz fast gleichem Gameplay halt klar fiktiv, währen der Zweite Weltkrieg ein greifbarer und realer Krieg war, dessen Auswirkungen noch heute spürbar sind. Unter anderem bei dem beklemmenden Gefühl, das ich beim Spielen habe.Battlefield-V-Trailer-05

Leider trotzdem geil: Das wird umso unangenehmer, weil das verdammte Spiel ja tatsächlich ordentlich Laune macht. Es bleibt aber halt immer das mulmige Gefühl, das durch das Setting bei mir ausgelöst wird.

Aber genug von meinen Ansichten und Gefühlen zum Spiel: Wie seht ihr dieses Thema? Ist Battlefield für euch halt einfach ein Shooter mit einem bekannten historischen Setting, bei dem man sich nichts weiter denken sollte? Oder ist es eher problematisch, reale Konflikte der jüngeren Vergangenheit mit Millionen von Opfern als Spiel zu vermarkten?

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