Im Zuge der Gerichtsverfahren rund um Intrepid und Ashes of Creation sind neue Dokumente ans Licht gekommen, die ein Gerücht zu bestätigen scheinen, bei dem es um ein Investitionsangebot von Riot in Millionen-Höhe geht. Riot-Mitgründer Marc Merrill hat sich dazu geäußert.
Update vom 17. April 2026: Marc Merrill, der Mitgründer und CPO von Riot Games, hat sich zu den Behauptungen rund um eine mögliche Investition in Intrepid und Ashes of Creation geäußert.
Bezüglich der Gerüchte um Ashes of Creation / Riot (ein Gruß geht raus an /r/mmorpg): Wir haben vor einigen Jahren in Erwägung gezogen, in Intrepid zu investieren oder das Studio sogar zu übernehmen, aber Riot entschied sich letztendlich dagegen, die Gespräche weiterzuführen.
Das Team dort verfolgte dasselbe Ziel wie wir – das nächste große MMO zu erschaffen, ein Vorhaben, dem wir uns mehr denn her verpflichtet fühlen –, aber die Kräfte zu bündeln, ergab für uns am Ende schlichtweg keinen Sinn.
Marc Merrill auf X
Was sind das für Dokumente? Nach dem plötzlichen Rücktritt von CEO Steven Sharif Ende Januar 2026, der nachfolgenden Implosion von Intrepid und dem wohl sicheren Ende von Ashes of Creation kursierten allerlei Gerüchte, Dokumente und Vorwürfe durchs Netz, die sich oftmals nur schwer verifizieren ließen. In ganz vielen Fällen steht bis heute Aussage gegen Aussage.
Da sich die involvierten Parteien rund um Steven Sharif, die Vertreter der TFE Games Holding und Investoren wie Jason Caramanis mittlerweile in gleich mehreren Verfahren vor Gericht bekämpfen, dürfte mit der Zeit zunehmend Licht ins Dunkel kommen. Dabei helfen die vielen Dokumente, die im Laufe der Prozesse öffentlich zugänglich eingereicht werden.
Darunter befindet sich ganz frisch eine Mail vom 20. Dezember 2022, mit der Mark Sottosanti (der Finanzchef von Riot Games) ein Angebot an Steven Sharif und John Moore abgegeben hat. Konkret geht es um die mögliche Übernahme von Intrepid durch Riot Games und eine Investition in Ashes of Creation in Höhe von 250 bis 500 Millionen US-Dollar. Konkret heißt es:
Anknüpfend an unser Gespräch aus der letzten Woche möchte ich unsere ersten Überlegungen zur finanziellen Komponente einer potenziellen Übernahme von Intrepid durch Riot mit Ihnen teilen. Es ist offensichtlich, dass wir das gemeinsame Ziel verfolgen, ein genreprägendes MMO zu erschaffen und weiterzuentwickeln, das Millionen von Spielern über Jahrzehnte hinweg begeistert.
Mit diesem Ziel vor Augen streben wir danach, unsere Anreize aufeinander abzustimmen: Wir möchten Ihr Investment in Ashes of Creation (AoC) kurzfristig absichern, während wir Ihnen langfristig bedeutende Gewinnchancen ermöglichen. Vor allem aber wollen wir sicherstellen, dass das Spiel über ausreichende Ressourcen verfügt, um die Vision und die Ergebnisse zu erreichen, die wir gemeinsam anstreben. […]
Dies entspricht einer Gesamtinvestition von 250 bis 500 Millionen Dollar durch Riot, die nach dem Launch weiter steigen könnte, wenn wir im Laufe der Zeit in zusätzliche Inhalte und Features für AoC investieren.
Auszug aus einer Mail von Mark Sottosanti an Steven Sharif vom 20. Dezember 2022 (geteilt auf Reddit, via courtlistener.com)
Ashes of Creation war kaum im Early Access auf Steam, da platzte der MMORPG-Traum auch schon:
Die Lösung aller finanziellen Sorgen?
Woran scheiterte das Angebot? Wir kennen hier bislang nur die Perspektive von Steven Sharif, die ihr in einer der Klageschriften nachlesen könnt (via ibb.co). Dort erklärt der Entwickler, dass er von Robert Dawson dazu gedrängt worden sei, das Angebot von Riot Games auszuschlagen. Als Belege dafür hat er offenbar die Transkriptionen von Voicemails beim Gericht eingereicht.
Schon vorher hatte Steven Sharif schwere Vorwürfe gegen speziell Robert Dawson vorgebracht, die von der gezielten Zerstörung von Intrepid über Fälschung von Dokumenten bis hin zur physischen sowie psychischen Einschüchterung reichen. Aufgrund seiner enormen Investitionen soll sich Dawson dabei zunehmend mehr Mitspracherecht erzwungen haben, was letztlich zum Rücktritt von Steven Sharif geführt haben soll.
Ob all das oder ein Teil davon der Wahrheit entspricht, müssen die Gerichtsverfahren in den kommenden Monaten zeigen.
Nachgefragt: Mit der Hoffnung auf Einblicke von einer nicht direkt in die Prozesse involvierten Partei haben wir bei Riot Games nachgefragt, ob sie sich zum damaligen Angebot äußern möchten und welche Auswirkungen diese Investition für das LoL-MMORPG gehabt hätte. Sobald wir eine Antwort bekommen, ergänzen wir diese hier im Artikel.
Wie bewertet MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz das Angebot von Riot Games? Klar ist: Eine Investition von Riot in Höhe von 250 bis 500 Millionen US-Dollar hätte die finanzielle Situation von Intrepid spürbar entspannt und man hätte den zunehmenden Einfluss von Investoren wie Robert Dawson (die laut Berichten ab 2020/2021 eine Rolle gespielt haben sollen) eindämmen können.
Darüber hinaus hätte Riot Games mit seiner Expertise sicherlich dabei helfen können, ein großes MMORPG wie Ashes of Creation fertigzustellen und auf den Markt zu bringen.
Wären dadurch aber alle Probleme gelöst worden? Wahrscheinlich nicht. Zum einen muss ja noch geklärt werden, ob an dem Vorwurf der Veruntreuung von Geldern etwas dran ist. Wenn das Geld für die Entwicklung in Teilen nicht bei der Entwicklung landet, bringt jede noch so hohe Investition nichts.
Mindestens scheint aber die interne Dokumentation von betrieblichen Ausgaben und Einnahmen bei Intrepid eine Katastrophe gewesen zu sein. Eine klare Trennung von privaten und geschäftlichen Konten scheint es nicht gegeben zu haben – darauf weisen aktuell diverse Dokumente und Berichte hin.
Zum anderen gibt’s aber ja noch die Berichte diverser Intrepid-Entwickler, laut denen Steven Sharif zwar ein angenehmer Chef gewesen sein soll, aber – mit Blick auf die Entwicklung eines AAA-Spiels – kein allzu kompetenter.
Dass er dennoch alles absegnen und seine Ideen einbringen wollte, wirkte sich wohl spürbar negativ auf die Entwicklung aus – wie etwa das Beispiel vom Battle-Royale-Ableger Ashes of Creation Apocalypse gezeigt hat, durch das viel Zeit und Geld verbrannt worden sein soll.
Ob die Riot-Investition auch diese Baustellen hätte lösen können, scheint unwahrscheinlich. Zumal Riot in der Vergangenheit nicht immer ein gutes Händchen bewiesen hat, wenn es um Investitionen in externe Projekte geht – die Entwickler von Hytale können davon ein Liedchen singen.
Was ist mit dem LoL-MMORPG? Bleibt die Frage, warum Riot so viel Geld in Ashes of Creation investieren wollte. Schließlich lief 2022 die Entwicklung des LoL-MMORPGs auf Hochtouren – damals noch unter der Führung von Greg „Ghostcrawler“ Street. Unklar ist, ob der Weggang von Street im März 2023 und der Neustart des Projekts in irgendeiner Form etwas mit der gescheiterten Investition in Ashes of Creation zu tun hat.
Vielleicht war man sich schon 2022 unsicher, ob man sich beim LoL-MMORPG auf dem richtigen Weg befinden würde. Eventuell hatte Riot auch die Server-Technologie von Intrepid im Blick, dank der es später möglich war, 8.000 Spieler gleichzeitig auf einem Server von Ashes of Creation zu begrüßen – das soll bis dato noch keinem Spiel mit Unreal Engine 5 geglückt sein.
Das MMORPG für League of Legends soll sich derweil aber auch heute noch in Entwicklung befinden. Im Januar 2026 konnte man mit Senior Game Producer Raymond Bartos ein neues Team-Mitglied begrüßen. Bartos hat in seiner Karriere unter anderem an WoW und H1Z1 gearbeitet. Mehr dazu erfahrt ihr hier: Nach einem halben Jahr ohne neue Infos zeigt das LoL-MMORPG, dass es noch lebt, sichert sich einen erfahrenen Entwickler von WoW
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Zum Glück haben sie es nicht getan. Sonst wäre das Geld vielleicht nun dort, wo das Geld vieler anderer auch ist