MeinMMO-Dämon Cortyn hat einem Rollenspiel-Event beigewohnt. Aber das war von Problemen geplagt, die einfach nicht sein müssten.
Wer meine Artikel schon eine Weile lang liest, weiß sicher, dass eines meiner großen Hobbys Rollenspiel in World of Warcraft ist.
Allgemein gelten zwei Grundsätze für Rollenspieler in World of Warcraft:
1. Jeder Rollenspieler und jede Rollenspielern ist ‘ne Diva, ausnahmslos. Wenn du gerade “Nein, ich nicht!” denkst – doch, du auch. Ganz besonders du.
2. Rollenspieler und Rollenspielerinnen sind ziemlich genügsam. Gib ihnen einen leeren Raum und Text-Chat, den Rest macht die Fantasie.
Während Punkt 1 einfach ein Umstand ist, mit dem man klarkommen (und auch für sich selbst akzeptieren) muss, ist Punkt 2 vor allem daraus geboren, dass RP-Communitys im Grunde nicht viel Content brauchen und es über Jahrzehnte auch gewohnt sind, dass da wenig von Blizzard kommt. Wie Ion Hazzikostas es kürzlich in einem Interview sagte: Viele Rollenspieler spielen nicht wegen der Entwickler WoW, sondern trotz ihnen. Man weiß, dass man hier mehr tun könnte.
Rollenspiel in WoW – Verbesserungen im Kleinen, Probleme im Großen
Klar, im Laufe der Jahre hat sich manches gebessert und der eine oder andere Entwickler scheint offenbar ein Herz für RP zu haben, denn dadurch haben wir Spielzeuge wie die genialen Zelte in der offenen Welt erhalten oder neuerdings immer mehr Gegenstände, mit denen der Charakter längerfristig eine bestimmte Pose einnimmt – etwa das Halten einer Fackel, eines Bierkruges, einer Kiste oder einem neuen Anlehnen-Emote. Es sind kleine Details, die das Spiel schöner machen und für die RP-Community viel bedeuten.
Vom Housing möchte ich hier gar nicht erst anfangen – das war für die RP-Community die Erfüllung eines absoluten Traumes, der für unendlich viele schöne Geschichten gesorgt hat und noch sorgen wird.
Doch was Rollenspieler auch brauchen: Platz in der offenen Welt. Die World of Warcraft ist eine unfassbar schöne Umgebung mit viel Geschichte und daher eben ein zentraler Bestandteil von großen RP-Events. Doch ausgerechnet in den neueren Gebieten wird es schwerer, große Events abzuhalten.
Kampf gegen die Grenzen der Spielwelt
Auf meinem Realm wird von einer Gilde jedes Jahr die sogenannte „Wollmesse“ veranstaltet. Ein großes Markt-Event über mehrere Wochen mit Festspielen und einer Menge Chaos – immer ein wenig anstrengend aufgrund der großen Teilnehmerzahl, aber im Kern doch ein Traum für Rollenspieler.
In den letzten Tagen wirkte es aber eher so, als müssten die Veranstalter des Events gegen Blizzard und deren Einschränkungen kämpfen.
Ein eher kurioses Problem hatten wir auf der Reise durch das Arathihochland. Das ist eines der Gebiete, das sowohl in der „alten“ Cataclysm-Version noch besteht, aber auch in der „neuen“ Version aus Battle for Azeroth. Hier muss man sich für eine Phase entscheiden, damit alle Charaktere einander sehen können.
Doch irgendwie hat Blizzard es vergeigt. Denn es gibt noch eine Reihe weiterer Phasen, mit einem ganz kuriosen Bug: Manche Spieler sehen ein anderes Layout der Umgebung. Böden, Felsen, Bäume – alles hat eine andere Höhe und ein anderes Design. Das heißt, dass das Arathihochland bei zwei Charakteren, die genau nebeneinander stehen, vollkommen anders aussieht. Während Charakter A denkt, er steht auf der Straße, sieht das für Charakter B so aus, als würde A gerade in der Luft schweben oder im Boden versinken.
WoW versucht das durch Gravitation auszugleichen. Wenn Charakter A bei Charakter B in der Luft schwebt, dann fällt Charakter A hinab. Allerdings meldet der Server dann, dass Charakter A tatsächlich erhöht steht und reißt den Spieler wieder in die Luft.
Das Ergebnis: Charaktere hüpfen wild auf und ab.
Klar, einen Moment lang ist das natürlich witzig, wenn ein Tross aus 100 Leuten plötzlich wild anfängt zu springen, als hätte das Musik-Genre Jumpstyle noch einmal eine Renaissance erlebt – doch spätestens nach 30 Sekunden denkt man sich doch: Wie atmosphärisch könnte diese Reise gerade sein, wenn der schmucke Elf neben mir, mit dem sich mein Charakter so schön unterhält, nicht alle 2 Sekunden zwischen „Ich bin im Boden versunken“ und „Ich schwebe über dir und fall dann auf dich herab“ wechseln würde.
Der zweite Vorfall war dann gestern Abend. Passend zum längsten Tag des Jahres fand ein Fackelzug in Dunkelheit statt, zusammen mit einem Mittsommernachts-Ritual bei einem der großen Steinkreise im Arathihochland. Ein bisschen mystisch-spirituell angehaucht eben.
Doch das Arathihochland fiel aufgrund des vorherigen Phasing-Problems flach. Die Event-Leitung musste kurzfristig Ersatz finden und hatte eine andere, schöne Idee: Man baut den Steinkreis einfach im Housing nach, indem man eines der Außenareale eines Grundstücks hübsch dekoriert. Das ist nicht so viel Aufwand, aber für eine spontane Lösung eben das bestmögliche.

Der Fackelzug zog los, es wurde durch das halbe Hügelland gepilgert und dann in die Nachbarschaft gewechselt. Tja, denkste.
Nicht nur das Arathihochland sorgte für Probleme, auch die Nachbarschaft. Denn selbst eine Nachbarschaft aktiviert Phasing, sobald mehr als 100 Charaktere anwesend sind – und zwar ein Phasing, bei dem auch Gruppeneinladungen nicht helfen, um in die korrekte Version der Phase zu kommen.
Das Ende vom Lied war, dass die Event-Leitung ein weiteres Mal umplanen musste und man sich stattdessen für einen anderen Ort in der offenen Welt entschied, in dem es kein Phasing gab.

Man könnte jetzt natürlich sagen: „Was stellen sich die Rollenspieler so an, es gibt eine große Spielwelt, die finden schon einen hübschen Ort.“
Und ja, das stimmt. Am Ende hat es auch gepasst.
Die neue Welt legt Groß-Events Steine in den Weg
Was mich aber massiv stört: Es ist ein alter Ort, an den ausgewichen werden musste. Sowohl das Arathihochland als auch die Housing-Nachbarschaft sind neue bis ganz neue Gebiete. Es sind Spielinhalte, die am weitesten entwickelt sind und die bestmögliche Spielerfahrung bieten sollten. Tun sie aber nicht.
Stattdessen sorgte die Nachbarschaft – ein Gebiet, das explizit mit Rollenspielern im Hinterkopf erdacht wurde – für Probleme. Vor allem ist die Anwesenheit von 100 Personen in einer Gilden-Nachbarschaft nicht einmal so ungewöhnlich. Da Gilden auch deutlich mehr als 100 Charaktere umfassen können, bedeutet das sogar im Umkehrschluss: Als große Gilde einfach mal im Vorgarten des Gildenchefs treffen, um für ein größeres Gilden-Reparatur-Budget zu protestieren, das geht gar nicht. Und das ist schon ein bisschen absurd, wenn ein soziales Feature gar nicht den Größen der sozialen Gruppen im Spiel gewachsen ist.
Ja, mir ist klar, dass Housing ein neues Feature ist und Blizzard ohnehin noch mit der Performance kämpft – immerhin wurden erst mit Patch 12.0.7 Außenbeleuchtungen zugelassen. Doch wenn Blizzard möchte, dass man hier ein wahres Paradies für die RP-Community hat, die sich buchstäblich ewig mit neuem Content selbst versorgen kann, dann muss es da noch ein paar Verbesserungen geben.
Immerhin ein Gutes hatte die Sache: Der sonst so prominente Troll, der Rollenspieler ohne Sinn und Verstand schikaniert, war an diesem Abend mal nicht zu sehen. Vielleicht kam er bei dem ganzen Phasing einfach nicht zu uns durch. Hm. Vielleicht überdenke ich meine Aussagen zum Phasing dann doch noch einmal.
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