WoW hat mir eine jahrelange Freundschaft beschert und das nur, weil ich unbedingt Leinenstoff haben wollte

WoW Leinenstoff Special

Manche Ereignisse in WoW können weitreichende, positive Folgen haben. Davon kann auch MeinMMO-Autor Paul Kutzner im Zuge unserer Grindfest-Themenwoche 2026 berichten.

Als Vanilla-WoW 2005 in Europa erschien, schlug es in meinem Freundeskreis ein wie eine Bombe. Während viele, mich eingeschlossen, bereits begeisterte Spieler von Warcraft 3 waren, wirkte World of Warcraft eine unfassbare Strahl- und Anziehungskraft auf uns aus.

Also starteten wir fröhlich ins Abenteuer in Azeroth. Dabei trafen wir einige Entscheidungen, die im Nachhinein betrachtet vielleicht nicht ideal waren, jedoch für sehr schöne Erinnerungen sorgten. So wie die Entscheidung, einen Krieger mit Schneiderei zu spielen.

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Suche Items, finde Freundschaft

Der erste Beruf: Mein erster Charakter wurde ein Untoter Krieger. Da ich unter chronischem Platzmangel im Inventar litt, entschied ich mich bei meiner ersten Berufswahl für die Schneiderei. Ob das der ideale Beruf für einen Krieger ist? Darüber lässt sich streiten. Fand ich allein die Vorstellung grandios, mir selbst Taschen herstellen zu können? Definitiv!

Also war ich fortan als schneidernder Krieger unterwegs, der nicht nur für sich selbst, sondern auch für Freunde Taschen herstellte. Anderen Spielern, die ich in den Anfangsgebieten traf, überlies ich für einen schmalen Taler ebenfalls Taschen. Doch recht schnell stieß ich hierbei auf ein Problem: Leinenstoff. Ohne Leinenstoff keine Taschen.

Da mir das Farmen von Leinenstoff in Durotar und Umgebung zu langweilig und zu langwierig war, musste eine andere Idee her. Also begab ich mich nach Orgrimmar und versuchte mein Glück im allgemeinen Channel des Chats: „Suche jemanden, der mich durch den Ragefire-Abgrund ziehen kann“.

Leinenstoff en masse: Zu meiner Überraschung meldete sich tatsächlich jemand auf mein Gesuch. Ein hochleveliger Krieger bot mir an, mich fix durch den ersten Dungeon der Horde zu ziehen. Natürlich bot ich ihm an, dass wir die Beute aufteilen, damit der Run für ihn nicht komplett verschwendet war. Schließlich war mein kleiner Krieger alles andere als reich, sodass ich ihm kein Gold anbieten konnte.

Doch er winkte dankend ab und bot mir nicht nur an, dass ich den kompletten Loot behalten konnte, sondern sogar, dass wir gleich doppelt durch den Dungeon rennen. Also leerte ich schnell meine inzwischen geschneiderten Taschen und wir zogen los.

In Windeseile rannten wir, dank des hohen Levels meines Mitstreiters, durch den Dungeon. Und mein kleines Schneider-Herz pochte wie verrückt: sooo viel Leinenstoff – und ich durfte ihn komplett behalten.

Mehr als nur ein Run: Nach den Runs fügten wir uns als Freunde hinzu. Und schrieben ab diesem Tag immer mal wieder miteinander, um zu hören, was der andere gerade so macht und wie es im Spiel läuft. Irgendwann tauschten wir unsere Skype-Namen aus und begannen, beim Spielen nebenbei zu reden.

Während jeder primär seine eigenen Ziele im Spiel hatte, die vor allem den unterschiedlich hohen Leveln unserer Charaktere geschuldet waren, unterhielten wir uns teilweise stundenlang nebenbei. Weder die verschiedenen Aktivitäten im Spiel noch die individuellen Lebensumstände wie das stark unterschiedliche Alter waren für uns ein Problem. Wir hatten immer schöne und unterhaltsame Gespräche.

Im Laufe der Zeit gab es immer wieder Phasen, in denen einer von uns beiden nicht spielte. Doch irgendwann waren wir beide wieder in WoW unterwegs und die Gespräche waren wieder fester Bestandteil unserer Reisen.

Ich habe jedoch irgendwann endgültig das Interesse am Spiel verloren. Während man sich ab und an noch schrieb, ging der Kontakt jedoch immer weiter zurück und ist heutzutage leider komplett abgebrochen.

Auch wenn wir heute keinen Kontakt mehr haben, so blicke ich doch freudig auf diese Zeit, die Gespräche und eine jahrelange Freundschaft zurück. Die ist nur entstanden, weil mein kleiner Krieger Taschen herstellen wollte.

Habt ihr ähnliche Freundschaften und Erfahrungen durch WoW gemacht? Schreibt uns eure Geschichten gerne in die Kommentare. Auch in der Community gibt es immer wieder Geschichten darüber, wie WoW für Erinnerungen und starke Bindungen sorgt. Manche davon sind durchaus herzzerreißend und sorgen dafür, dass auch mal ein Tränchen kullert: „Um halb eins nachts über einen WoW-Beitrag zu schluchzen, stand heute nicht auf meiner Bingokarte“.

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