MeinMMO-Dämon Cortyn erklärt, warum der Launch von WoW Forever reines Chaos wird. Viel gespielt wird in der Nacht wohl nicht.
Ich weiß. Es kribbelt euch in den Fingern. Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ist nicht mehr fern. Die Energy-Drinks sind schon gekühlt, das Junkfood steht bereit, der Urlaub ist genehmigt, die Charakter-Namen sind reserviert. Bald steht der Launch von World of Warcraft Forever an. Die Vorfreude ist riesig, Veteranen aus den letzten 22 Jahren stehen in den Startlöchern und auch viele Neulinge wollen mit dabei sein.
Die Erwartungen für den Launch sind gigantisch. Doch anstatt den Hype weiter anzuheizen, will ich ihn heute mal ein klein wenig dämpfen – zumindest für die ersten Stunden und Tage. Denn die Erfahrung mit verschiedenen WoW-Launches zeigt einfach: Es wird Chaos geben.
Daher hier ein paar Dinge, auf die ihr einfach vorbereitet sein solltet, weil sie zum Launch eines jeden WoW-Inhalts gehören.
Server, die in die Knie gehen
Auch wenn das jetzt ein Satz ist, den ihr alle mit „Nein? Doch. Oh!“ beantworten könnt: Die Server werden zum Launch in die Knie gehen. Der Ansturm wird riesig. Das neue Layer-System sieht zwar gut aus, doch es wird eine Weile brauchen, bis sich alles eingependelt hat. Es wird zu Überlastungen kommen.
Rein wirtschaftlich betrachtet ist das aber auch logisch, dass die Server bis an ihre Grenze (und darüber hinaus) belastet werden. Immerhin wird das der Augenblick sein, zu dem die allermeisten versuchen, ins Spiel zu kommen – danach wird der Andrang immer geringer sein. Es wäre demnach wohl schlecht investiertes Geld, sich Server zu besorgen, die diese „Maximalbelastung“ permanent stemmen können. Ein klein wenig Überlastung wird also wohl einkalkuliert sein.
DDoS-Angriffe sind quasi vorprogrammiert
Für manche klingt es wie eine wiederkehrende Ausrede, aber es gibt viele Belege dafür, dass Blizzard regelmäßig von DDoS-Angriffen heimgesucht wird – eigentlich immer dann, wenn ein großer Release ansteht. Gegen solche Attacken kann man sich kaum vollständig schützen, aber die Auswirkungen sind für alle Spielerinnen und Spieler sofort ersichtlich:
Die Warteschlangen werden lang und länger, man kann nicht einloggen. Das sorgt für Frustration in der Community, jede Menge wütender Forenbeiträge und irgendwelche Deppen, die sich diebisch ins Fäustchen kichern, weil sie hunderttausende Fans für ein paar Stunden genervt haben. Das ist jedes Mal das gleiche Spiel, es wird hier nicht anders sein.
Der Stau beim Questen
Selbst wenn irgendwann alles funktionieren sollte, werden die Startgebiete überfüllt sein. So überfüllt, dass an Quest-Fortschritt kaum zu denken ist. Ein paar Kobolde an der Abtei von Nordhain töten? Ja, viel Spaß, denn das wollen die 200 anderen Charaktere auch, die sich um die 15 Kobold-Spawnpunkte prügeln. Oder um die 10 Fässer Trauben. Oder den einen Boss-Defias, den alle umhauen müssen.
Klar, dieser Stau entzerrt sich später, wenn sich alle in unterschiedliche Gebiete aufteilen. Doch am Anfang wird es zäh und schleppend. Das Spannendste wird die Beantwortung der Frage sein: Trifft mein Angriff den Mob vor dem Angriff der 30 anderen Charaktere, die ihn auch angreifen?

Der Content nach Stufe 30 ist nicht ausführlich getestet
Das wohl größte Problem dürfte erst in den Tagen nach dem Launch auffallen.
Der logische Grund: Während der Beta haben die Spielerinnen und Spieler tausende Fehler und Probleme bei dem spielbaren Content gefunden, die nach und nach behoben wurden. Diese Fehler wird es in Hülle und Fülle auch in den Inhalten geben, die gar nicht in der Beta zur Verfügung standen. Quests werden fehlerhaft sein, bestimmte Kreaturen zu langsam respawnen oder andere Probleme auffallen, an die man jetzt noch gar nicht denkt.
Außerdem haben die Entwickler gesagt, dass sie auch im niedrigstufigen Bereich „tausende Dinge“ versteckt haben, die in der Beta nicht zugänglich waren. Wenn auch nur 1 % davon nicht korrekt funktioniert, sind das bereits dutzende Fehler, die so manche Spielerfahrung trüben könnten.
WoW Forever wird Kinderkrankheiten haben und sie werden in den ersten Wochen spürbar sein. Woher meine Glaskugel das weiß? Das war immer so. Bei absolut jeder einzelnen Version von WoW in den letzten 22 Jahren. Es wird hier nicht anders sein.
Warum ich mir das dennoch antun werde, obwohl ich aus der Vergangenheit ziemlich sicher weiß, wie groß das Chaos wird? Weil es einfach dazu gehört. Weil ich genau wie ihr diesen kleinen Funken Hoffnung habe, der niemals erlischt und mir jedes Mal sagt: „Cortyn, dieses Mal wird es bestimmt ganz anders und reibungslos verlaufen. Keine Bugs, keine Warteschlangen, keine DDoS-Angriffe, nichts!“ Außerdem gehört es einfach dazu.
Dieser riesige Ansturm, bei dem man oft lange nur in der Warteschlange hängt, um am Ende der Warteschlange dann einen Disconnect zu haben und sich wieder einreihen zu müssen, bevor man dann irgendwann in ein komplett überfülltes Startgebiet kommt, bei dem man ohnehin keinen einzigen Mob für sich taggen kann – das ist irgendwie besonders. Das ist ein MMO-Erlebnis, das man so nur in den ersten Stunden eines neuen Spiels bekommen kann.
Natürlich ist das kein grandioses Gameplay. Aber gemeinsam (minimal frustriert) bis 4 Uhr im Discord zu hängen, um dann doch dem Drang, schlafen zu gehen, nachzugeben, obwohl man genau weiß, dass es 5 Minuten später nun bestimmt reibungslos losgehen würde – das ist einfach etwas, das man nur beim Launch erlebt. Ich bin dabei. Ihr auch?
Auch unser Karsten weiß jetzt schon: WoW Forever wird ihn Jahre seines Lebens kosten …
Deine Meinung ist uns wichtig!
Gefällt dir der Artikel? Hast du irgendwelche Kommentare? Sag uns, was du denkst!

Kommentare