WoW Forever ist ein Zeitfresser, der Jahre meines Lebens kosten wird, aber ich kann nicht widerstehen

WoW Forever besonderes MMORPG

Wer WoW: Forever spielen möchte, muss sehr viel Zeit einplanen. Doch es lohnt sich sooooo sehr, findet MeinMMO-Redakteur und MMORPG-Enthusiast Karsten Scholz.

Wer damals Vanilla-WoW oder ab August 2019 WoW Classic gespielt hat, der weiß: Allein die Level-Phase auf die Maximalstufe 60 dauert im klassischen World of Warcraft deutlich über 100 Stunden. Wer sich Zeit lässt oder sich nicht so gut auskennt, dürfte sogar die Marke von 200 Stunden überspringen.

Und dann geht’s erst los mit der Vorbereitung auf die Endgame-Raids: Ruf farmen, Dungeons laufen, wichtige Quest-Reihen abschließen, Berufe meistern. Kurzum: das klassische WoW ist ein Zeitfresser, auch in der Forever-Variante.

Ich selbst war schon mehrfach Opfer des klassischen Zeitfressers aus Azeroth. Während Vanilla-WoW. Später in WoW Classic. Und dann nochmal Anfang des Jahres, in WoW Classic Hardcore (dazu kommen unzählige Jahre an Spielzeit in den ganzen nachfolgenden Erweiterungen, Saisons und besonderen Auskopplungen wie Remix oder Plunderstorm).

Daher weiß ich, was alles auf der Strecke bleiben wird, wenn ich mich in den kommenden Monaten (und vielleicht sogar Jahren) voll in Forever stürze. Schließlich bleibt neben Arbeit und Familie nur ein überschaubar großes Kontingent an Freizeit über. Andere, spannende Neuerscheinungen wie GTA 6? Sorry, muss leveln! Es gibt aber sehr gute Gründe, warum ich mich diesem Zeitfresser mit großer Vorfreude erneut hingebe!

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World of Warcraft: Forever im Ankündigungs-Trailer von der BlizzCon 2026

Ein Genre ohne Identität

Wenn ich mir als Genre-Fan die Online-Rollenspiele der vergangenen Dekaden anschaue, muss ich leider festhalten, dass da zwar durchaus viele gute Spiele dabei waren, mit denen ich viel Spaß hatte (in den letzten 10 Jahren leider sehr viel weniger als in den 10 Jahren davor), aber richtig gute MMORPGs waren die wenigsten.

Ein richtig gutes MMORPG ist aus meiner Sicht von seinem ganzen Design her fundamental darauf ausgelegt, die potenziellen Stärken des Genres und seine Besonderheiten zu fördern, also

  • die Massively-Ausrichtung, mit einer riesigen Welt, in der sich hunderte oder tausende andere Charaktere befinden, und mit Inhalten, die in die Welt locken und an denen auch mal viele Spieler gleichzeitig teilnehmen können
  • das soziale Miteinander und Gegeneinander in der offenen Welt und in instanziierten Bereichen wie Dungeons, Raids und Schlachtfeldern
  • eine Progression durchs Spiel, die sich belohnend anfühlt und die sich mit den Fortschritten anderer Spieler vergleichen lässt

Viele MMORPGs der vergangenen Jahre haben diese Stärken aus den Augen verloren, um zugänglicher und optionsreicher zu sein. Sie wollen Solisten und Gelegenheitsspieler ansprechen, mit viel Komfort, Inhalten für kleine Zeitfenster und einen kurzen Weg ins Endgame.

Das macht auch Spaß, wenn es gut gemacht ist, aber das faszinierende Potenzial des MMORPG-Genres schöpfen sie so nicht aus. Sie fühlen sich ganz oft eher an wie Rollenspiele mit Online-Zwang sowie optionalem Koop oder PvP. Teils torpediert das gemeinsame Spielen sogar die Erfahrung, weil man die vollvertonten Dialoge der Story nicht mehr mitbekommt.

Das beste MMORPG ist 21 Jahre alt

Die bittere Realität des MMORPG-Genres spiegelt meine Antwort auf die Frage wider: „Was ist deiner Meinung nach im Jahr 2026 das beste MMORPG?“ Ich würde nämlich trotz seiner ganzen Macken auf das 21 Jahre alte Vanilla-WoW beziehungsweise WoW Classic zeigen.

Kein anderes MMORPG unterstützt heute die potenziellen Stärken des Genres so gut und vertreibt mich auch nicht mit einer zu hässlichen Grafik oder einer merklich angestaubten Steuerung. Gehen wir die drei Punkte von eben kurz durch:

Das klassische Azeroth fühlt sich einfach wunderbar Massively an. Denkt nur an die vollen Startgebiete zum Start, die Schlachten um Southshore und Tarrens Mill, die Kämpfe um Weltbosse, die Öffnung von Ahn’Qiraj oder die Angriffe auf die Hauptstädte der feindlichen Fraktion.

Dazu kommt, dass das Design vieler Quest und der Kampf um Ressourcen das Mit- und Gegeneinander in der Welt unterstützt – letzteres natürlich vor allem auf PvP-Servern.

Weil man sich beim Questen im klassischen WoW ständig nochmal und nochmal über den Weg läuft und dadurch irgendwann auch mal Elite-Quests oder Dungeons zusammen macht, sind während den Level-Phasen in Classic und Vanilla ein Vielfaches mehr an Leuten auf meinen Freundeslisten gelandet als in allen anderen MMORPG-Level-Phasen zusammen.

Auch das Fehlen einer automatisierten Gruppensuche für Dungeons und Raids zwingt die Leute, miteinander zu kommunizieren. Oder die Wichtigkeit und Seltenheit bestimmter Berufe-Rezepte, die einen zu den Experten führen, die diese Rezepte bereits in ihrer Sammlung haben.

WoW Creep
Karstens Schurke, irgendwann im Frühling 2005, beim Leveln in Uldaman.

Und dann ist da noch die Progression. Allein, wie viele Meter man zurücklegen muss, bis man endlich auf den Rücken des ersten Mounts steigen darf … wie gut sich das anfühlt. Das ist eine Belohnung, die man sich verdient hat. Und danach warten noch viele weitere Ziele, in die man viel Zeit investieren muss, die dann aber auch ebenfalls spürbar belohnt werden.

All diese Stärken wird WoW: Forever sehr sicher von Vanilla-WoW beziehungsweise WoW Classic erben, und damit eine MMORPG-Erfahrung bieten, die heutzutage fast überall sonst ausgestorben ist. Und deswegen kann ich als großer Genre-Fan gar nicht anders, als WoW: Forever spielen … zumal uns dieses Mal ja sogar richtig viele neue Inhalte mit der starken Classic-Formel erwarten.

Wie geht es euch damit? Kennt ihr ein MMORPG, das die Stärken des Genres richtig gut fördert? Oder zockt ihr Forever vielleicht sogar aus ähnlichen Gründen? Verratet es gern in den Kommentaren! In einem anderen Artikel hatte ich die schwindende Faszination des Genres schon einmal thematisiert: Echt traurig – Wer jetzt erstmals ein MMORPG ausprobiert, wird nie die Faszination der Veteranen nachfühlen

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