Nach Nostalrius kam WoW Classic, jetzt muss das Ende von Turtle WoW zu WoW Classic Plus führen

WoW Was kommt nach Turtle WoW

Vor Gericht hat Blizzard einen Sieg gegen den Privat-Server Turtle WoW errungen. Das erinnert stark an einen vergleichbaren Rechtsstreit, der schließlich zu WoW Classic führte. Es scheint sicher, dass die Entwickler von World of Warcraft jetzt erneut eine große Ankündigung folgen lassen.

Als am 27. August 2019 der Startschuss für WoW Classic fiel, lag ein langer Kampf hinter der Community und den Entwicklern von Blizzard. Jahrelang hatten Fans die Verantwortlichen des MMORPGs nach einer Bereitstellung der Vanilla-Version aus 2005 gefragt.

Die Antwort von Blizzards J. Allen Bracks auf der BlizzCon 2013 sollte in die Geschichte eingehen: “You think you do, but you don’t!” Seine Einschätzung damals: Alle haben vergessen, wie unkomfortabel, zäh und langwierig sich das klassische WoW anfangs gespielt hat. Das will doch heute niemand mehr wirklich erleben.

Die arrogante Antwort des Entwicklers kam bei Teilen der Community natürlich gar nicht gut an.

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WoW Classic: Die Hardcore-Server sind da!

Nostalrius ebnete den Weg

Eben jene Community zeigte Blizzard dann auch, dass Brack falsch lag. Privat betreute Server, auf denen man die originale Version von World of Warcraft spielen konnte, wurden immer beliebter. Das größte Projekt – Nostalrius – soll auf 800.000 registrierte Nutzer und mehr als 150.000 aktive Spieler gekommen sein.

Das waren ganz schön viele WoW-Fans, die kein Abo zahlten. Blizzard fühlte sich daher verpflichtet, die eigenen Rechte zu schützen und gegen Nostalrius vorzugehen. Mit Erfolg. Im April 2016 ging der Server offline. Zahlreiche Fans verfolgten das Ende live in den Hauptstädten und verabschiedeten sich voneinander.

Dabei blieb es dann aber nicht. Es folgten Petitionen und unzählige Forenposts mit noch unzähligeren Kommentaren, mit denen Spieler ihren Wunsch nach einer offiziellen Classic-Version von World of Warcraft bekräftigen wollten. Unterstützt wurden sie dabei auch von ehemaligen Blizzard-Entwicklern wie Mark Kern.

Die Reaktionen von Blizzard reichten zuerst von „Die Umsetzung ist extrem schwierig“ bis hin zu „Wir denken darüber nach“. Am Ende war es ein Blizzard-Entwickler mit dem Namen Omar Gonzalez, der es schaffte, einen lauffähigen Prototyp zu entwickeln. Das zeigte dem Rest des Teams: Es ist machbar!

Dass viele Entscheider bei Blizzard dennoch nicht so recht an den Erfolg von WoW Classic glaubten, zeigt allein, wie sie den Launch umsetzen wollten: Die geringe Zahl der Server für die Namensreservierungsphase war ein Witz. Die Community musste um Sprachen-Server für Deutschland und andere Länder, aber auch um einzelne RP-Welten erneut kämpfen. Am Ende übertraf der Erfolg von WoW Classic die Erwartungen von Blizzard um ein Vielfaches.

WoW Classic Kampf
Das klassische WoW spielt sich ganz anders als das moderne Midnight. Viele Fans von Classic wollen mehr davon.

Was folgt auf Turtle WoW?

Die Geschichte wiederholt sich. Das wird euch jeder Historiker bestätigen. Mit Blick auf World of Warcraft könnten wir so eine Wiederholung gerade live miterleben: Blizzard ist erneut gegen einen Anbieter eines Privat-Servers für WoW vorgegangen und hat diesen aus dem Weg geräumt. Dort konnte man eine Variante von WoW Classic Plus erleben, die seit vielen Jahren auf dem Wunschzettel zahlreicher WoW-Fans steht.

Bei WoW Classic Plus geht es darum, das Fundament von WoW Classic zu nehmen und dann nach dem finalen Naxxramas-Patch einen anderen Weg einzuschlagen, als es seinerzeit mit Burning Crusade passiert ist. Die Hoffnung vieler Spieler von so einer Classic-Variante:

  • Die Entwickler haben die Möglichkeit, aus gemachten Fehlern zu lernen und Inhalte sowie Verbesserungen zu ergänzen, durch die sich die klassische WoW-Spielerfahrung beibehalten lässt.
  • Das Team könnte viele der ursprünglich geplanten, aber im Laufe der Entwicklung gestrichenen Konzepte für WoW erneut angehen und finalisieren.
  • Es kommen völlig neue Classic-Inhalte, in die man unzählige spaßige Stunden investieren kann.

Doch warum geht Blizzard gerade jetzt gegen Turtle WoW vor? Nun, es gibt Hinweise darauf, dass die Entwickler in diesem Jahr tatsächlich eine offizielle Variante von WoW Classic Plus ankündigen werden. Ihre bisherigen Classic-Saisons waren ja bereits erste Testläufe, um zu schauen, wie erfolgreich und umsetzbar so etwas sein könnte (und was gut bei der Community ankommt und was nicht).

Die Roadmap für World of Warcraft im Jahr 2026 – keiner weiß, was auf WoW Classic: Mists of Pandaria folgt.

Was sind das für Hinweise? Den wichtigsten Hinweis gab’s Anfang des Jahres von WoW-Chefin Holly Longdale, die während der „State of Azeroth“ auf YouTube für WoW-Classic-Fans eine riesige Ankündigung für 2026 in Aussicht stellte, dann aber mitten im Satz unterbrochen wurde, als sie gerade konkreter werden wollte. Das war sehr sicher ein Teaser für die im September anstehende BlizzCon, auf der seinerzeit auch WoW Classic angekündigt worden ist.

Wenn man die Vorfreude auf diese Art in die Höhe treibt, sollte man dann auch abliefern und etwas ankündigen, auf das die Community schon lange hofft. Diese Lektion hat Blizzard – ebenfalls auf einer BlizzCon – durch die Ankündigung von Diablo Immortal schmerzhaft lernen müssen.

Es gibt aber noch weitere Hinweise auf Classic Plus. Beispielsweise eine klaffende Lücke in der Roadmap für Classic im 4. Quartal 2026. Umfragen von Blizzard, in denen es konkret um Classic Plus und neue Inhalte für Level 60 geht. Aber auch einige Datamining-Funde, in denen Classic-Inhalte von WoW ans Licht gekommen sind, die seinerzeit nicht in ihrer ursprünglichen geplanten Form fertiggestellt wurden – etwa Gilneas, Hyjal oder die Dracheninseln.

Wie bewertet MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz die Situation? Classic Plus wäre der logische Schritt nach den enormen Erfolgen von WoW Classic, Hardcore und den Classic-Saisons. Die Community hat jetzt nicht nur mehrfach bewiesen, dass sie in großer Zahl Bock darauf hat, die klassischen WoW-Inhalte hoch und runter zu spielen, es sind dadurch auch spannende Projekte wie OnlyFangs oder Sauercrowd entstanden.

Durch diese Events war das über 21 Jahre alte MMORPG immer wieder auch bei Zielgruppen ein Thema, die Blizzard normalerweise eher nicht erreicht. Diverse neue Spieler haben WoW erstmals kennen- und liebengelernt, und sind danach zu Burning Crusade Classic oder dem modernen Midnight weitergezogen.

Ich bin mir daher sehr sicher, dass Blizzard das Classic-Thema ernst nimmt und mit ordentlich Entwickler-Ressourcen daran arbeitet, es sukzessive auszubauen. Wie gesagt: Classic Plus wäre der nächste, logische Schritt, da sich die kleineren Saisons sowie der Zyklus durch alle Erweiterungen hinweg irgendwann abnutzen wird. Das rigorose Vorgehen gehen Turtle WoW unterstreicht, dass Blizzard in diesem Bereich keine Konkurrenz haben möchte.

Ich freue mich daher sehr auf die BlizzCon im September und nehme Holly Longdale beim Wort: Alles unter einer riesigen Ankündigung für WoW Classic wäre eine riesige Enttäuschung. Bis es soweit ist, eine Anekdote aus meiner Zeit mit Vanilla-WoW: World of Warcraft hat mein Leben verändert, dabei hätte ich fast nicht einmal die Levelphase bis Stufe 60 geschafft

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