Bungie gab das Ende von Destiny 2 bekannt. MeinMMO-Redakteur Dariusz blickt auf die vergangenen Jahre und schaut, wie es dazu kommen konnte.
Destiny 2 ist tot. Knapp 9 Jahre nach dem Release des Loot-Shooters veröffentlicht Bungie das letzte Update für Destiny 2. Am 9. Juni erscheint das finale Update „Monument of Triumph“, anschließend wechselt der Shooter in den Wartungsmodus. Das Spiel bleibt dann zwar weiterhin spielbar, aber bekommt keine neuen Inhalte mehr.
Der Tod von Destiny 2 ist besonders bitter, weil die Zukunft des Franchises jetzt ungewiss ist. Destiny hat beim Release des ersten Teils das Genre „Loot-Shooter“ revolutioniert und mit MMO-Elementen wie einer Shared-World und 6-Spieler-Raids verheiratet – verküpft mit dem legendären Bungie-Gunplay und einem mystischen SciFi-Setting sowie tiefgreifender Lore. Dieser Mix kam bei Gamern gut an und schon 2016 soll Destiny über 30 Millionen registrierte Nutzer gehabt haben. 7 Jahre später erreichte Teil 2 auf Steam sogar einen Spitzenwert von 316.000 gleichzeitig aktiven Spielern (via SteamCharts).
Das nun verkündete Ende des einst so erfolgreichen Loot-Shooters kam am 21. Mai zwar plötzlich, doch war für viele Fans keine Überraschung. Über die vergangenen Jahre zeichnete sich dieser Weg bereits ab, und so kann man eine Reihe von Gründen benennen, die zu diesem unausweichlichen Ende führten.
Der Content-Vault und das Sunsetting
Mit der Erweiterung „Jenseits des Lichts“ (engl.: „Beyond Light“) hat Bungie Spielinhalte aus Destiny 2 entfernt, für die Fans bezahlt haben. In der Destiny-Community wird dabei meist vom sogenannten „Content-Vault“ gesprochen. Die Spieler meinen damit: Die entfernten Inhalte landeten sozusagen in einem „Tresor“ und wurden weggeschlossen.
Zu den entfernten Inhalten zählen etwa die komplette Kampagne von „Die Rote Schlacht“, die Erweiterungen „Der Fluch von Osiris“ und „Kriegsgeist“, mehrere Raids sowie die Forsaken-Kampagne.
Der Content-Vault und das „Sunsetting“ haben Destiny 2 unwiderruflichen Schaden zugefügt, meinen viele Spieler. Zum einen wurden ihnen Inhalte weggenommen, für die sie Geld bezahlt haben. Das hat das Vertrauen vieler Fans in Bungie zerstört. Zum anderen war es für die Erhaltung der Story ein komplettes Desaster.
Wer als Spieler ganz frisch mit Destiny 2 anfangen wollte, konnte zwar hunderte Euro in DLCs stecken, aber nicht die komplette Saga erleben.
Das Entfernen der Inhalte machte den Einstieg für neue Spieler uninteressant und bedeutete, dass man der Story schwieriger folgen oder eine Art emotionale Verbundenheit aufbauen kann, weil die Geschichte in ihrer Gesamtheit jetzt zerstückelt war. Wichtige Ereignisse der Geschichte fehlten vollständig und neue Spieler wurden im Verlauf der Handlung mit Charakteren konfrontiert, die sie nicht kannten, weil die dahinterliegende Story nicht mehr im Spiel war.
Es war, als würde man eine neue Serie schauen, aber er in der Mitte der zweiten Staffel einsteigen.
Aggressive Monetarisierung bei dünner werdendem Content
Destiny 2 ist teuer, obwohl das Spiel free-to-play ist. Ihr könnt 2026 über 250 Euro für Erweiterungen ausgeben. Dazu kommt der aus allen Nähten platzende Everversum-Shop, bei dem ihr kosmetische Inhalte für eine Premium-Währung erwerben könnt. Zudem hat das Spiel jahrelang das Geld der Spieler für Dungeons-Keys und Event-Pässe verschlungen.
Auf der anderen Seite stand jedoch der Mangel an neuem Content. Dabei fielen besonders Kernaktivitäten wie Strikes, Gambit und das PvP ins Gewicht, die Bungie über die Jahre komplett sterben ließ.
Hinzu kommt das seitens der Community verpönte Recyclen von Inhalten. Alte Aktivitäten, die vor Jahren aus dem Spiel entfernt wurden, kamen mit einem neuen Anstrich zurück und wurden den Spielern als tolles Beipackspielzeug eines neuen Updates präsentiert. Die Spieler wollten zwar die alten, verlorengegangenen Aktivitäten zurück, aber dazu haben sie ausreichend neue Inhalte erwartet.
Mit der Zeit war immer wieder in der Community zu lesen, dass sich viele Spieler „ausgemolken“ fühlten. Es hieß oftmals, man würde den maximalen Preis für minimalen Inhalt zahlen.
Das „Post-The-Final-Shape“-Vakuum inklusive Orientierungslosigkeit
Mit The Final Shape endete im Jahr 2024 die langjährige Saga von Licht und Dunkelheit. Damit hätte Destiny 2 eigentlich einen natürlichen narrativen Abschluss gefunden. Doch in den folgenden 2 Jahren kamen die Episoden und weitere Erweiterungen, die langsam eine neue Saga einleiten sollten.
Viele Fans nutzten jedoch das Ende der Saga für den Absprung, schließlich war der Zeuge besiegt und es gab kein neues, episches Ziel. Fans, die nach The Final Shape erhalten blieben, wirkten aber nie richtig glücklich mit dem weiteren Verlauf.
Destiny 2 schien jetzt irgendwie orientierungslos. Die Episoden fühlten sich wie ein Epilog ohne klaren Kurs an. Man spielte zwar neue Inhalte und eine eigenständige Story, aber großer Enthusiasmus kam bei den Fans nicht auf.
Die Inhalte von Mitte 2024 bis Anfang 2025 erweckten den Eindruck, als wolle Bungie den Loot-Shooter nicht aufgeben, aber ein Plan für die nächste große Erweiterung existierte ebenso wenig. Die Episoden wirkten wie eine Notlösung oder ein Lückenfüller.
Als dann die großen neuen Erweiterungen „Am Rande des Schicksals“ und „Renegades“ kamen, konnte zwar eine neue Saga interessant eingeleitet werden, aber verschiedene Änderungen am Gameplay-Loop sorgten erneut für Missmut.
Plötzlich machte der Grind keinen Spaß mehr
Mit der Erweiterung „Am Rande des Schicksals“ führte Bungie das Portal-System als Hub zum Starten von Aktivitäten ein. Was zunächst cool klang, kam in der finalen Umsetzung allerdings nicht gut an – besonders, weil es keine zusätzliche Alternative zum bisherigen System war, sondern das alte System vollständig ersetzte. Viele Spieler meckerten zudem, dass man mit Pathfinder das perfekte System zum Farmen einfach entfernt hat.
Das neue Portal-System inklusive des anpassbaren Schwierigkeitsgrades barg obendrein ein weiteres Problem: Die Spieler fanden schnell den effektivsten Weg, um mit möglichst wenig Aufwand an den bestmöglichen Loot zu kommen. Statt – wie ursprünglich vorgesehen – den Grind abwechslungsreicher zu machen, wurde der Gameplay-Loop noch repetitiver und Spieler warteten nur noch auf den wöchentlichen Reset.
Zudem führten die Änderung am Loot und die Einführung der Waffen-Tiers von „Am Rande des Schicksals“ dazu, dass viele Spieler ihre besten Waffen nicht mehr nutzen konnten. Jahrelang investierten sie viel Zeit und Mühe, um einen God-Roll zu finden, und plötzlich war diese ursprünglich perfekte Waffe nutzlos.
Man benötigte nun Waffen mit einer hohen Stufe, die es zuvor nicht gab, wenn man bei den schwierigsten Inhalten konkurrenzfähig sein wollte. Der eigene Tresor fühlte sich wertlos an.
Das Gefühl wurde dann auch nicht besser, als die Möglichkeit eingeführt wurde, die Stufe einer Waffe mittels Infusion zu erhöhen. Die alten God-Rolls waren trotzdem nutzlos – außer man gab sich einem neuen Grind nach einer neuen „Währung“ hin, um die einstigen Lieblingswaffen zu retten.
Das versetzte der Grind-Motivation vieler Veteranen den Todesstoß. Man fragte sich: „Warum soll ich die bestmögliche Ausrüstung ergrinden, wenn ich nicht weiß, ob sie mit der nächsten Erweiterung nutzlos wird?“
Vertrauensverlust und mangelnde Kommunikation
Blickt man nach dem angekündigten Ende von Destiny 2 in den Subreddit des Shooters, wird eine Sache schnell klar: Die Spieler sind den Entwicklern für ihre Arbeit unheimlich dankbar, verbinden tiefe Erinnerungen mit dem Spiel und sind überzeugt, dass sie ein tolles Erlebnis erschaffen haben.
Aber die Betonung dabei liegt auf „den Entwicklern“.
Die Spieler haben jeglichen Glauben, jegliches Vertrauen in die Führungsebene von Bungie verloren. Ob es die Kritik am Finanzierungs-Modell, der Menge neuer Inhalte oder der generellen Ausrichtung des Spiels ist: Die Community sieht die Schuld bei den Entscheidungsträgern.
Außerdem haben Destiny-Fans in den vergangenen Jahren riesige Entlassungswellen bei Bungie ansehen müssen, während das Studio weiterhin hohe Preise für etliche Skins und DLCs verlangt. Sie haben von Horror-Storys der betroffenen Entwickler gelesen, die etwa berichteten, dass Entlassungen als Waffen eingesetzt worden seien, um Mitarbeiter loszuwerden, die versuchten, eine gesündere Arbeitskultur zu schaffen.
Der ehemalige CEO Pete Parsons galt dabei bis zu seinem Rücktritt 2025 als besonders problematisch, denn 2024 habe er nur 3 Wochen nach einer größeren Entlassungswelle bei Bungie knapp 200.000 $ für einen Porsche ausgegeben.
Fazit: Spieler wurden aus der „Falle der versunkenen Kosten“ rausgetrieben
Vor dem drastischen Fall der Spielerzahlen und dem letztendlichen Tod von Destiny 2 war immer wieder zu lesen, dass Spieler an ihren jahrelang gepflegten Hüter festhielten und ihn nicht aufgeben wollten.
Der Shooter lebte in dieser Zeit von der sogenannten „Sunk Cost Fallacy“ (deutsch etwa: „Versunkene-Kosten-Falle“). Das beschreibt das Verhalten von Menschen, an einer Sache festzuhalten, weil man bereits viel Zeit oder Geld investiert hat.
Die verschiedenen Gründe, die schließlich zum Tod von Destiny 2 führten, haben den Spieler quasi aus dieser Falle herausgeholfen. Ob gekaufte Inhalte, die einfach weggenommen wurden, oder geliebte Waffen, die plötzlich nutzlos waren: Wenn der Einsatz eines Spielers nicht wertgeschätzt wird, sinkt das Interesse.
Obendrein schien der große Sony-Deal Spuren zu hinterlassen. Das japanische Unternehmen zahlte 3,2 Milliarden Euro für Bungie, doch bereits 2023 hieß es, dass Bungie 45 % unter den Erwartungen gewesen sei. Dann folgte ein Bericht, dass es Sony möglich sei, beim Ausbleiben finanzieller Ziele den bestehenden Vorstand von Bungie aufzulösen und die volle Kontrolle zu übernehmen.
Dabei weckte Sony wenig Vertrauen in den Spielern, weil das Unternehmen klarstellte, Bungie nicht für Destiny gekauft zu haben, sondern für ihre technische Kompetenz und Erfahrung, ein Live-Service-Spiel zu entwickeln – doch Sonys teures Live-Service-Projekt „Cocord“ scheiterte krachend.
Aktuellen Berichten zufolge soll Destiny 3 derzeit noch nicht in Entwicklung sein, obwohl Leaks im November 2025 das Gegenteil behaupteten. Ich habe zu dem Zeitpunkt analysiert, ob ein mögliches Destiny 3 überhaupt eine Chance auf Erfolg hätte. Ich habe mir dort auch den schlimmstmöglichen Fall angeschaut, der auch beinhaltet, dass Bungies inzwischen veröffentlichter Extraction-Shooter „Marathon“ ein Flop wird. Den gesamten Artikel findet ihr auf MeinMMO: Zwischen Rettungsanker und Sargnagel: Kann Destiny 3 ein Erfolg für Bungie werden?
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Für mich gibt es eigentlich nur einen Grund, warum ich Destiny 2 den Rücken kehrte – großspurige Ankündigungen von Content und restaurierten Alt-Content, wie zBsp Strikes und dann Funkstille, während man immer mehr Entwickler für die Totgeburt, mit Ansage, Marathon und andere Spiele, die Sony bei Übernahme einstampfte, abzog. Aus meiner Sicht gab es die letzten 2 Jahre viel heisse Luft seitens Bungie und keine Liebe für ihr Main-Game.
Ernsthaft, endlich hat das Leiden ein Ende und die Destiny-Fans wissen woran sie sind. Ich denke, Bungie gibt es nächstes Jahr nicht mehr – und das zurecht. Sony sollte aber Bungies Vertriebler einstellen. Die können garantiert Kühlschränke in der Arktis verkaufen. Sie haben schließlich Bungie Sony angedreht. Das ist schon eine Leistung.