Mit Marathon hat Bungie einen Fuß in das Genre der Extraction-Shooter gesetzt. Wie geht es dem neuesten Spiel des Destiny-Studios einen Monat nach Release?
Vor knapp 1,5 Monaten hat Bungie mit Marathon ein neues Spiel veröffentlicht. Dabei handelt es sich um einen Extraction-Shooter, in dem ihr Klassen mit verschiedenen Fähigkeiten spielen könnt und versucht, Loot zu sammeln oder Quests zu erfüllen, während ihr gegen andere Spieler und NPCs kämpft.
Marathon hatte einen schwierigen Start, obwohl der Shooter einige spielerische Qualitäten hat. Für MeinMMO-Redakteur Dariusz ist es sogar einer der besten Shooter, die wir 2026 bekommen.
Marathon hat zwar eine kleine Community, die sehr positiv über das Spiel spricht, doch die großen Spielerzahlen blieben selbst zu Release aus. Wochenlang waren die Steam-Charts und die Entwicklungskosten ein viel diskutiertes Thema. Schon früh hieß es, das Spiel habe über 250 Millionen US-Dollar gekostet, und inzwischen soll Bungie-Experte Paul Tassi von internen Quellen beim Entwicklerstudio erfahren haben, dass diese Zahlen angeblich akkurat sind (via Forbes).
Einen Monat nach Release stellt sich also die Frage: Wie steht es um Marathon und kann das Spiel überleben?
Bungie überrascht mit starkem Post-Launch-Support
Bevor wir uns die blanken Zahlen anschauen, werfen wir einen Blick auf die bisherige Arbeit der Entwickler, die seit dem Release geleistet wurde. Bungie offenbart hier nämlich eine Stärke, die sie für viele Fans lange Zeit bei Destiny 2 vermissen ließen:
Schnelles und gutes Reagieren auf Spieler-Feedback.
Bungie zeigt, dass sie willig sind, der Marathon-Community ein bestmögliches Spiel zu liefern und Probleme oder Kritikpunkte anzugehen. Das Team um Creative Director Joe Ziegler kommuniziert transparent mit der Player-Base und nimmt tatsächlich schnell Änderungen vor.
- Spieler wünschen sich einen Duo-Modus → Bungie testet einen Duo-Modus → Bungie kündigt an, einen Duo-Modus zu bringen
- Das UI wird scharf kritisiert → Bungie nimmt Verbesserungen vor, etwa an der Darstellung von Gegenständen, und zeigt jetzt beispielsweise besser an, ob eine Waffen-Mod auf eine Waffe passt
- Die „Recon“-Runner-Hülle ist zu schwach → wird gebufft
- Eine Waffe, die der Endgame-Boss droppt, ist zu stark → wird generft
- Der Battle Pass bietet zu wenig lohnenswerte Inhalte → Bungie fügt weitere Inhalte hinzu, darunter Runner-Skins
Der größte Kritikpunkt am Spiel ist weiterhin die Schwierigkeit. Marathon soll eher für Hardcore-Gamer ausgerichtet sein und ist wenig Casual-freundlich. Das zeigt auch die nach Release veröffentlichte Endgame-Map „Kryo-Archiv“, die von Spielern nicht nur bestmögliche Ausrüstung fordert, sondern auch einen gewissen Skill in einem 3er-Trupp. Das Problem ist klar: Es gibt Inhalte in Marathon, die manche Spieler niemals sehen werden.
Wer den Gameplay-Loop aber mag und kein Problem damit hat, dass Endgame-Inhalte wirklich für Spieler sind, die das Endgame erreichen, und diese Inhalte nicht beim ersten Versuch abschließen, der hat auch einen Monat nach Release noch Spaß am Spiel. Die Casual‑Freundlichkeit von Kryo-Archiv ist in etwa vergleichbar mit den Raids in Destiny.
Die Zahlen – volle Katastrophe oder Grund zur Hoffnung?
Einen Monat nach Release zeichnet sich ein Bild von Marathon, das einen besseren Eindruck darüber verschafft, ob der Extraction-Shooter für Bungie und Sony ein finanzieller Erfolg ist oder nicht – und die jüngsten Erkenntnise deuten eher auf Misserfolg.
Laut dem Marktforschungsunternehmen „Alinea Analytics“ habe sich Marathon plattformübergreifend in den ersten 2 Wochen nach Release rund 1,2 Millionen Mal verkauft und dabei einen Umsatz von rund 55 Millionen US-Dollar generiert. Die stärkste Plattform sei dabei Steam mit 800.000 verkauften Kopien gewesen (via X). Paul Tassi von Forbes berichtete indes, dass diese Zahlen laut seinen Quellen bei Bungie hinkommen würden.
Marathon bietet obendrein Mikrotransaktionen in Form von Skins, Battle-Pässen und Ingame-Währungen an. Hierfür wird jedoch eine bestehende und treue Spielerschaft vorausgesetzt. Auf Steam, Marathons stärkster Plattform, setzt sich jedoch der Abwärtstrend fort:
- In der vergangenen Woche schwankte der 24-Stunden-Peak zwischen 22.000 und 28.000 zeitgleich aktiven Spielern.
- Zum Vergleich: Sogar jahrealte Spiele wie DayZ, Dead by Daylight und Warframe haben jeden Tag einen Peak von über 55.000
- Die Core-Community von Marathon ist schätzungsweise vor allem in den USA. Das zeigen auch die Spielerzahlen. Wenn US-Amerikaner offline sind, fallen die Zahlen auf teilweise 6.000 bis 7.000 Spieler ab.
- Selbst nach inhaltlich guten Patches oder der Einführung von Kryo-Archiv war kein merklicher Anstieg der Spielerzahlen zu verzeichnen und der Abwärtstrend ging kurz danach weiter.
Selbst wenn jeder der geschätzten 1,2 Millionen Spieler für rund 35 Euro Ingame-Währung erworben hätte, um sich den Battle Pass und einen Skin für seine Lieblingsklasse zu holen, wäre der Gesamtumsatz von Marathon immer noch unterhalb von 100 Millionen Euro – die Rechnung ist allerdings nicht 100 % repräsentativ, weil wir den europäischen Preis der Ingame-Währung genommen haben, der meist höher ausfällt als in anderen Regionen.
Es ist deutlich: Marathon ist kein finanzielles Desaster wie Concord, aber dennoch weit weg davon, die geschätzten Entwicklungskosten von über 250 Millionen Euro wieder reinzuholen.
Falsche Farbpalette im dafür falschen Genre
In meiner letzten Analyse zu Marathon habe ich die These aufgestellt, das größte Problem von Marathon ist die aktuelle Wahrnehmung Bungies durch die Spieler. Das Entwicklerstudio hat die Gunst der Spieler verloren. Ein weiterer Kritikpunkt, der zum fehlenden Erfolg von Marathon beitrug, ist jedoch der Artstyle.
Marathon ist futuristisch und setzt auf satte Farben. Die Handlung spielt auf dem fremden Planeten Tau Ceti und man selbst spielt einen kybernetischen Söldner, der in 3D-gedruckten Runner-Hüllen auf dem Planeten rumläuft, während sein Bewusstsein an einem weitentfernten, unbekannten Ort ist. Alles auf Tau Ceti sieht dabei etwas 3D-gedruckt aus, weil dort mit einfachen Ressourcen versucht wurde, eine Kolonie zu errichten.
Das Spiel ist nicht klassisch bunt und kann an manchen Orten sogar recht düster sein, aber viele Gebäude sind in knalligen Farben gehalten. Die farbliche Gestaltung des Spiels ist dabei wahrscheinlich von realen Firmen oder Ähnlichem inspiriert. Dort werden Farben etwa zur Unterteilung der Abteilungen und zur Orientierung eingesetzt.
- Die grüne Linie führt zu dem Bereich mit den grünen Wänden, in dem die Warenproduktion ist.
- Die gelbe Linie führt zu den gelben Wänden, wo das Produkt verpackt wird.
In Marathon gibt es auf der Map „Düstermoor“ etwa das Gewächshaus, das von außen in einer kräftigen Farbkombination aus Blau und Neongrün daherkommt, oder das Bio-Forschungslabor, das in einem auffälligen Türkis angestrichen ist. Vielen Shooter-Fans ist das zu bunt. Besonders im Genre der Extraction-Shooter sind bunte Farben bislang eine Seltenheit. Selbst das futuristische, postapokalyptische ARC Raiders setzt trotz fliegender Alien-Roboter auf eine bodenständigere Farbpalette, mit viel Grau, Braun und grünen Pflanzen.
Kein erfolgreicher Extraction-Shooter ist farblich auffällig. Escape from Tarkov, Hunt: Showdown, Arena Breakout: Infinite, Gray Zone Warfare… alles Spiele, die – ähnlich wie ARC Raiders – eine vergleichsweise realistische, matschige Farbgebung haben. Mit The Cycle: Frontier haben wir zudem in den vergangenen Jahren bereits einen eher bunten Extraction-Shooter sterben sehen.
Die Mischung aus Hardcore-Gameplay mit PvP-Fokus und der recht bunten Map-Gestaltung hat wahrscheinlich eine sehr kleine Zielgruppe und so ist es nur schwierig vorstellbar, dass Marathon trotz spielerischer Qualität zukünftig Unmengen an neuen Spielern anziehen und die Zahlen drastisch kann.
Sony hat die Qual der Wahl
Marathon schlägt sich durchwachsen. Während die Kern-Community das Spiel mag, weiterhin Spaß hat und die Arbeit der Entwickler seit Release schätzen, sinken die ohnehin schon nicht starken Zahlen des Shooters. Für Sony und Bungie bleiben jetzt eigentlich nur zwei Möglichkeiten, wie sie mit Marathon weitermachen können:
- Die Entwicklung einstellen und Verluste minimieren
- Marathon weiter unterstützen, fortlaufende Entwicklungskosten in Kauf nehmen und versuchen, langfristig die Ausgaben durch neue Spielverkäufe und Mikrotransaktionen reinzuholen
Option 2 ist allerdings ein Drahtseilakt, weil eine Balance zwischen Kosten und Einnahmen gefunden werden muss. Es dürfen nicht zu viele Entwickler an Marathon arbeiten, damit die fortlaufenden Kosten möglichst gering gehalten werden. Es dürfen aber auch nicht zu wenig Beschäftigte sein, weil Content-Mangel, unzureichendes Reagieren auf Spieler-Feedback oder eine durchwachsene Qualität bei neuen Inhalten die zahlenden Spieler vom Spiel vertreiben oder zumindest das Interesse, ihre vorhandene Kaufkraft auszuleben, senken könnte.
Sony und Bungie müssen jetzt quasi von einem Comeback träumen, wie es No Man’s Sky der gesamten Spielebranche vorlebt. Das Survival-Spiel erntete zum Release viel Kritik, aber heute ist es vor allem für beispielhaften Support mit starken kostenlosen Inhalten bekannt. Erst kürzlich stellten sie eine Art Pokémon-Update vor: No Man’s Sky bringt unerwartetes „Pokémon-Update“, sogar Palword reagiert darauf
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Die 200-250 Millionen Kosten sind doch eigentlich garnicht das Problem. Wir wissen doch alle wo diese herkamen. Von den treuen Destiny Spielern, die über Jahre alles immer wieder gekauft haben. Von daher wurde hier ja auch kein Kredit aufgenommen sondern einfach nur Kohle verbrannt.
Mein Eindruck von Marathon ist, dass sie anscheinend einen Reboot vor 2-3 Jahren gemacht haben. So viel Content und verschiedene Assets hat das Game ja nicht. Trotz des Artstyle, welcher nicht unbedingt unansehnlich ist, wirkt es auf seine Art genereisch und wieder nach dem mindest Nötigen. Also auch hier will man wieder nicht zu viel liefern oder konnte es vielleicht auch nicht.
Dazu kommt jetzt der Gameplayloop. Die ganze Woche Zeug sammeln, oder versuchen, um es dann am Wochende im Cryo zu verbrennen. Dazu dann noch der Regelmässige Reset. Ich glaube da ist vielen die Zeit zu schade, selbst wenn das Gunplay gut ist. Bisher habe ich, bis auf die Anfangstage, wo alles neu war, nicht wirklich interessante Sachen gesehen. So wie sie es dargestellt hatten sollte ja das Cryo Ding der Gamechanger sein. Davon sieht und hört man aber nichts.
Man geht davon aus, dass die ersten Jahre während der Konzeptphase das Team sehr viel kleiner war und erst später die meisten der schließlich fast 300 Entwickler dazukamen.
Ich kann mir auch vorstellen, dass schon Content für die nächsten Seasons fertig oder zumindest in Arbeit ist. Das sieht man ja oft bei Live-Service-Games. XDefiant hat ja in der letzten Season, als das Ende schon feststand, auch nochmal einiges veröffentlicht, das eigentlich für spätere Seasons gedacht war – und zuvor litt das Spiel seit Monaten unter mangelndem Content.
Den Artstyle finde ich persönlich alles andere als generisch. Da denk ich eher an die typischen UE5-Games, die alle möglichst realistisch aussehen wollen. Beim Content-Loop bin ich aber bei dir. Das spricht wahrscheinlich einfach zu wenig Leute an. Ich habe immer noch Spaß an Marathon, aber Cryo Archiv ist nichts für mich, da ich fast ausschließlich Solo oder im Duo spiele. Irgendwann wird also der Punkt kommen, an dem der normale Gameplay-Loop langweilig wird und ich die Endgame-Inhalte nur bedingt spielen/ genießen kann. Und dann spielt man halt was anderes.
2027 wird es Marathon nicht mehr geben.
War mir (und vielen anderen)von Anfang an klar, dass es ein Flop ist/wird.
Was wirklich schade ist weil es so ein gutes Spiel ist. In meinen 34 Jahren hab ich keinen besseren Shooter gespielt.
In meinen 39 Jahren, hab ich definitiv bessere Shooter gespielt. Aber Marathon ist definitiv nicht schlecht! Hatte meinen Spaß damit.
Ich wette um alles, das es Marathon 2027 noch geben wird.
Ich bleib dabei, egal was passiert. Marathon ist grandios. Seit März kein anderes Game mehr gespielt und mehr als 100 Stunden in Marathon verbracht. Ich glaube viele wissen gar nicht was ihnen für ein Spiel entgeht.
Fakt ist, Kohle hat sich bereits mehr als gelohnt und ich bin mir sicher. Ich Spiel Marathon auf jeden Fall noch sehr sehr lange.
>>Bungie zeigt, dass sie willig sind, der Marathon-Community ein bestmögliches Spiel zu liefern…<<
Bin ja gespannt wie lange Bungie das beibehalten wird. Würde mich zudem nicht überraschen zu hören, dass der vermeintlich so gute Service nur auf Druck von Sony zustande kommt bzw. beibehalten wird. Bei D2 sind sie sich zumindest nach wie vor treu geblieben. Die TWID-Posts werden gefühlt jede Woche magerer.