Wie Aufpassen in der Schule mir geholfen hat, einen Raid-Boss in FFXIV besser zu verstehen

Wie Aufpassen in der Schule mir geholfen hat, einen Raid-Boss in FFXIV besser zu verstehen

In der Schule lernt man ja bekanntlich fürs Leben. MeinMMO-Autorin Irina Moritz hat aber definitiv nicht damit gerechnet, dass ihr Deutsch-LK mal ausgerechnet im MMORPG Final Fantasy XIV nützlich werden würde.

Lasst uns kurz zusammen erinnern: Wie oft habt ihr früher in der Schule euch im Unterricht gelangweilt und gedacht „Das werde ich später doch gar nicht mehr brauchen“? Doch im Laufe eures Lebens gab es dann plötzlich Situationen, in denen ihr das alte, verstaubte Wissen aus der Schule überraschend nützlich war.

Einen solchen Moment hatte ich ausgerechnet im MMORPG Final Fantasy XIV. Da schlug mir mitten in einem Raid-Boss-Kampf die geballte Ladung an Erinnerungen an meinen Deutsch-Leistungskurs aus der Schule entgegen.

Es handelt sich dabei um Hesperos, den 4. Boss im neuen Endwalker-Raid Pandaemonium. Oder um genau zu sein, seine epische Form.

Achtung: Der Artikel enthält milde Spoiler zur Story vom Pandaemonium-Raid.
Alles, was ihr zu Final Fantasy XIV: Endwalker wissen müsst – in 3 Minuten

Raid-Progress durch eine griechische Tragödie

Schon damals, als die normale Version von Pandaemonium erschienen war, beschlich mich das unwohle Gefühl, dass mir der ganze Kram dort doch irgendwie bekannt vorkommt. Irgendwie war mit der Boss-Kampf gegen Hesperos vertraut.

Die Namen darin, die Struktur, alles weckte irgendwie Erinnerungen, aber ich konnte nicht genau festnageln, warum. Bis mir ein Licht aufging.

Der gesamte Kampf ist nämlich nach dem Prinzip der griechischen Tragödie aufgebaut. Und die habe ich vor langer Zeit im Deutsch-Leistungskurs dermaßen gründlich durchgekaut, dass es auch heute noch nachwirkt.

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Der komplette epische Kampf von P4S ist in 2 Phasen aufgebaut und beide tragen Elemente der griechischen Tragödie in sich.

Das Stück in dem Raid heißt „Akanthai“, was aus dem Griechischen übersetzt in etwa „Dornenblume“ oder „Dornbusch“ bedeutet. Die Mechaniken von Hesperos werden in 5 Akte und einen Hervorruf aufgeteilt, wie es sich eben für eine ordentliche Tragödie gehört.

Das Witzige daran war, dass sich sogar die Mechaniken an den strengen Aufbau gehalten haben. Eine Tragödie spielt immer am selben Schauplatz und hat eine einheitliche Handlung. In dem Kampf wurden diese Regeln eingehalten, indem die Entwickler viele verschiedene Versionen einer Mechanik ausgeführt haben.

Der Boss platzierte Dornen auf dem Kampffeld, die zwar immer gleich aussahen, aber in jedem Akt eine andere Funktion und Mechaniken hatten. Und die muss man möglichst perfekt abspielen, denn sonst winkt der Gruppe ein Wipe oder Enrage.

Zudem hat Hesperos auch mit einer ganzen Reihe von Begriffen aus der griechischen Tragödie um sich geworfen. Oft sehr wörtlich in Form von Mechaniken:

  • Als Pinax bezeichnet man eine Wand aus Holz oder Bronze, auf der das Hintergrundbild einer Tragödie aufgemalt ist. Also eine Art Kulisse.
    • In dem Raid-Kampf war Pinax eine Mechanik, die den Boden der Kampfarena, also die Kulisse, verändert.
  • Kothornos ist eine besondere Art von Schuhen mit einer hohen Sohle, die von Schauspielern in Athen getragen wurde, um größer zu wirken.
    • Kothornos Kick ist ein Angriff, bei dem Hesperos einem Spieler mit einem Tritt starken physischen Schaden zufügt
  • Periaktoi waren im griechischen Theater ebenfalls für die Kulisse zuständig. Die Vorrichtungen konnten gedreht werden, wodurch dem Publikum verschiedene Seiten mit aufgemalten Bildern präsentiert wurden.
    • Im Raid-Kampf handelt es sich dabei um einen schweren AoE-Angriff. Das Kampffeld wird dabei durch Pinax in 4 Flächen geteilt und Periaktoi töten alle Spieler, die nicht in der einen richtigen Fläche stehen, die vorher signalisiert wurde.

Und immer wieder wirft der Boss Hesperos seine „Chlamys“ auf den Boden oder scheucht damit die Spieler durch die Gegend. Dieser besondere Mantel wurde zwar nicht spezifisch im Theater verwendet, stammte ursprünglich aber auch aus Griechenland.

Antike ist ein beliebtes Thema in Videospielen

Griechische Antike und ihre Mythen sind ein beliebtes Element, das oft in Games verwendet wird. Entwickler greifen gerne auf Ereignisse oder Persönlichkeiten zurück, die daraus entsprangen. God of War und Assassin’s Creed sind da wohl die bekanntesten Beispiele.

Auch in FFXIV gibt es eine gefühlte Tonne solcher Anspielungen und Elemente. Allein das neue Addon Endwalker ist vollgestopft mit Namen aus den griechischen Legenden wie etwa Elpis, die Hoffnung aus der Büchse der Pandora.

Manche sind offensichtlich. Einige davon sind hingegen gut versteckt, wie die Tragödie im Kampf gegen Hesperos im epischen Pandaemonium-Raid, die ich nur bemerken konnte, weil ich vor langer Zeit in der Schule aufgepasst habe.

Also, Frau Körner, falls Sie das hier lesen (was sehr unwahrscheinlich ist), bedanke ich mich für Ihren Deutschunterricht. Seien Sie unbesorgt, an Antigone werde ich mich noch mein Leben lang erinnern.

Ein Spieler hat einen der Bosse in Pandaemonium übrigens alleine gelegt:

Final Fantasy XIV: Spieler legt neuen Raid-Boss solo als Krieger – „Bitte lösch‘ das“

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2 Kommentare
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N0ma

gute Ausbildung zahlt sich aus 🙂
Wobei ich kein Freund von Rätseln im Kampf bin, wie bei „Die Nebel von Tirna Scithe“, aber scheint ja hier nicht der Fall zu sein.
Btw FF14 hatte ich angefangen wegen den Instanzen, nicht wegen der Story. Aber mittlerweile tatsächlich die MSQ durch.

T.M.P.

Lol…
Ich les die Headline, denk so: Ok, Mathe? Geometrie?
Moment. Deutsch-LK? Wie jetzt?
Brauch ich etwa Grammatik für nen Raid-Boss? Vielleicht ein Rätsel?

Da stand ich wohl etwas auf dem Schlauch^^

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