Ukrainische Twitch-Stars streamen den Krieg für russisches Publikum

Ukrainische Twitch-Stars streamen den Krieg für russisches Publikum

Während der Krieg in der Ukraine weiterläuft, sind einige einheimische Twitch-Stars weiterhin online. Dabei zeigen sie ihrem vor allem russischen Publikum ihren brutalen Alltag in Videos und Bildern. Einer von ihnen musste allerdings flüchten und erzählt von seinen Erlebnissen.

Trotz des Krieges sind in der Ukraine zahlreiche Twitch-Streamer nach wie vor aktiv. Vlad „lomaka“ Lomakin war einer von ihnen, bevor er mit seiner Familie flüchten musste.

In einem Gespräch mit der Seite Motherboard gab der Ukrainer Einblicke in seinen Alltag als Twitch-Streamer vor seiner Flucht und wie seine Kollegen versuchen, russische Zuschauer aufzuklären.

Vor seiner Flucht teilte Lomakin ebenfalls Videos und Bilder aus dem Kriegsgeschehen. Dabei erreicht er rund 93.000 Subscriber, die vornehmlich in Russland leben sollen. Dadurch erhielten diese Einblicke, die sie sonst durch die einheimische Zensur nicht zu Gesicht bekommen würden.

Zuschauer reagieren sehr positiv – „Einige Leute kamen und entschuldigten sich“

Lomakin selbst lebte in Charkiw, im Osten der Ukraine. Die Stadt befindet sich seit Wochen stark unter Beschuss durch das russische Militär, das auch Truppen in der Region zusammenzieht. Deswegen verließ er die Stadt und flüchtete zu seiner Familie nach Dnipro, weiter westlich in der Ukraine.

Seine Bilder und Videos zeugten bis dahin von der Zerstörung der Stadt, die viele mittlerweile als Ruine bezeichnen. Seine jungen, russischen Zuschauer zeigten sich dabei sehr unterstützend.

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Das sind die Erfahrungen des Streamers: Laut Lomakin reagierten die meisten seiner russischen Zuschauer solidarisch mit den Ukrainern. Das Feedback sei überwiegend mitfühlend.

„Zum Glück verstehen meine Follower alles. Sie sehen ganz klar, dass dies ein Krieg ist, dass Zivilisten sterben und viele gezwungen sind, ihre Häuser zu verlassen. […] Viele Leute haben sich im Chat für die Aktion ihres Präsidenten [Putin, anm. d. R.] entschuldigt, obwohl sie ihn nicht gewählt haben.

vice.com

Der Streamer glaubt, dass die russische Regierung mit Twitch eine Lücke übersehen hat. Während die meisten sozialen Medien in Russland offline genommen wurden, ist die Streaming-Plattform noch ohne Hilfsmittel wie VPN erreichbar.

YouTube, Instagram und Facebook sind nur einige Beispiele von sozialen Netzwerken, die in Russland gesperrt wurden.

Die Twitch-Lücke gebe den ukrainischen Streamern die Möglichkeit, ihren russischen Followern die ukrainische Sichtweise und die Folgen des Krieges zu vermitteln.

Er und andere Streamer veröffentlichten auch ein Video, in dem sie Twitch darum bitten, sich nicht aus Russland zurückzuziehen. Denn viele westliche Unternehmen haben sich auch ohne russische Aufforderung aus dem Land zurückgezogen.

Durch Twitch habe man eine Möglichkeit, das junge russische Publikum über die Geschehnisse außerhalb ihres Landes aufzuklären, ohne Zensur oder Filter durch die russische Regierung.

Unsere Expertise auf MeinMMO bezieht sich auf Gaming. Wer sich näher über den Konflikt von Russland mit der Ukraine beschäftigen will, dem empfehlen wir, sich auf offiziellen Seiten oder bei Nachrichtenmagazinen zu informieren:

– Ukraine-Live-Blog (via Zeit)
– Krieg in der Ukraine: Weißrussische Truppen offenbar in Ukraine einmarschiert (via nzz)
– Solidarität mit der Ukraine (via auswärtiges-amt)

Wichtiger Hinweis: Falls euch wegen der aktuellen Situation dunkle Gedanken plagen: Ihr seid nicht allein. Holt euch bitte Hilfe. Zum Beispiel bei der Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 oder der Online-Seelsorge, bei der ihr auch einen Chat nutzen könnt. Das ist kostenlos und gilt bundesweit.

Laut Vice haben ukrainische Streamer seit Beginn des Krieges viele zusätzliche Follower gewinnen können. Dazu sollen vor allem russischsprachige Zuschauer gehören.

Obwohl immer mehr Streamer wegen des Krieges offline gehen müssen, bleiben die verbliebenen aktiv und machen weiter. Doch nicht alle russischen Follower reagieren positiv auf die Schilderungen der ukrainischen Streamer.

Das sagt zumindest Twitch-Streamer, früherer CS:GO-Champion und russisch-sprachiger E-Sport-Kommentator ceh9: „Das ist der Grund, warum mich die Situation schmerzt. Viele Streamer aus der Ukraine können nicht verstehen, warum ihre Zuschauer aus Russland nicht glauben, dass Flugzeuge ihre Heimatstädte bombardieren.“

ceh9 lebt aktuell in Lviv. Er wurde vor kurzem auf Twitch gebannt, da er in einem Stream tote Körper zeigte und jemand dies meldete. Sein Account wurde wieder freigegeben, nachdem er sich entschuldigt hatte, es handelte sich um ein Versehen. Er kommt auf rund 700.000 Follower.

Viele befürchten nun, dass Twitch bald ebenfalls in Russland gesperrt werden könnte.

Schwestern streamen auf Twitch aus der Ukraine – Werden von Bomben unterbrochen

Quelle(n): vice.com
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