Wie stellt man eigentlich genetisch verbesserte Supersoldaten dar, die wie Halbgötter unter Menschen wandeln? Warhammer 40.000 kämpft täglich mit dieser Frage und das neue Total War beantwortet sie mit Gameplay. MeinMMO-Redakteur Benedict Grothaus hat das neue Spiel bereits angezockt und konnte mit den Devs quatschen – auch über Xenos und ihre Besonderheiten.
Vermutlich dürften die meisten von euch wissen, dass Space Marines keine Menschen mehr sind. Sie durchlaufen eine Metamorphose, haben mehr Organe, sind deutlich größer und leben länger als die Menschen, die sie einst waren.
In Warhammer 40.000 zählen sie zu den absolut stärksten Kämpfern der Galaxie und kaum ein Feind kann im Zweikampf gegen einen Space Marine, loyal oder dem Chaos verschworen, bestehen. Sie sind lebende Waffen und als solche gezüchtet worden. Allein ihre Rüstungen sind so absurd robust, dass sie genauso gut einen buchstäblichen Panzer tragen könnten.
Die Lore löst ihre Stärke, indem Orden der Space Marines nur 1.000 „echte“ Astartes haben dürfen, auch wenn einige Orden auf die Regel pfeifen. Wie aber stellt man eine solche Übermacht in einem Spiel dar, in dem andere Fraktionen eine Rolle spielen?
Total War: Warhammer 40.000 schafft genau das, eindrucksvoll, aber auch ein wenig beängstigend. Hier steht der namensgebende Krieg im Vordergrund und das merkt man.
200 Space Marines machen 2.000 Orks platt und es ist nicht mal knapp
Bereits vor der gamescom durfte ich die Demo von Total War: Warhammer 40.000 zocken und mein Fazit dort war: Das fühlt sich nicht mehr an wie Total War, aber spielt sich fantastisch. Auf der Messe konnte ich dann eine leicht polierte Version testen und das sogar auf Deutsch.
Da ich nun aber schon etwas Übung hatte, konnte ich mich mehr dem strategischen Teil widmen und versuchen, meine Taktiken im Kampf zu optimieren, mit fast schon erschreckendem Ergebnis:
- In einer der beiden Echzeit-Schlachten stelle ich etwa 200-300 Space Marines auf, aufgeteilt in Nahkämpfer, Fernkämpfer, Psioniker, Panzer und sogar einen der berühmten Cybots, die nur im Notfall aktiviert werden.
- Die Orks dagegen stehen auf der anderen Seite mit fast 2.000 Einheiten, bestehend aus Boyz mit verschiedenen Waffen, einigen Panzas und einem fetten Stompa.
- Im Ergebnis ist klar zu sehen, wie unfassbar stark Space Marines sind: Obwohl Orks wortwörtlich für den Kampf leben, verliere ich nur vier Einheiten beim Sieg. Die Orks sind allesamt tot oder geflohen.
In jedem anderen Total War wäre ein solches Ungleichgewicht unmöglich zu schaffen gewesen. Mit Warhammer 40.000 hat Creative Assembly aber geschafft, die unterschiedlichen Fraktionen treffend darzustellen.




Jede Fraktion in Total War: Warhammer 40.000 soll einzigartig sein
Nicht nur die Zahlen verdeutlichen das beim Spielen, sondern auch die Herangehensweise: Während Orks vor allem auf Nahkampf setzen und versuchen, mit Jump-Packs in meine Reihen zu gelangen, kontere ich mit Doktrinen und Orbitalschlägen. Space Marines sind diszipliniert, feuern ohne Abzug der Genauigkeit sogar in Bewegung und kämpfen im Zweifel bis zum Tod.
Diese Disziplin ist eines der Alleinstellungsmerkmale der Space Marines und wird ergänzt durch strategische Möglichkeiten, etwa dem orbitalen Abwurf von Verstärkungs-Truppen oder dem „aus dem Kampf zurückziehen“ durch Teleportation für erneuten Einsatz bei bestimmten Einheiten.
Im Gespräch mit den Entwicklern erklären mir diese, dass jede Fraktion so ihre Lore widerspiegeln soll. Drop Pods wie sie die Space Marines nutzen, werden beim Astra Militarum nicht möglich sein. Menschen würden durch den Aufprall einfach zerfetzt werden.
Das Imperium der Menschheit, das sich am ehesten spielt wie von Total War gewohnt, nutzt andere Möglichkeiten zur Verstärkung, etwa einfach in Form von Truppen von außerhalb des Schlachtfelds. Orks dagegen werden … einfach irgendwas auf den Planeten stürzen lassen und mal schauen, was passiert. Die Mechaniken sind aber alle noch in Arbeit.
Übrigens werden die vier Start-Fraktionen allesamt mit jeweils zwei Unter-Fraktionen, also quasi legendären Lords, erscheinen. Es wird allerdings nicht möglich sein, als Astra Militarum oder Space Marines dem Chaos zu verfallen.
Space-Elfen sind ein sterbendes Volk und Total War: Warhammer 40.000 will das klar machen
Besonders spannend fand ich aber die Erklärung für das Gameplay der Aeldari, die schon aus Lore-Gründen vorsichtiger spielen müssen:
Wir wollen das reflektieren, wo sie in der Lore stehen, in der Geschichte. Es soll greifbar sein. Von allen Fraktionen zu Release werden sie sich am einzigartigsten anfühlen. Du wirst keine Horden von ihnen haben […]
Im Kampf sind die Aeldari unglaublich schnell und werden sehr agil agieren. Da müssen die Schläge sitzen. Sie werden dich täuschen, Fallen legen, dich in Positionen zwingen, wo sie dich flankieren und hart zuschlagen können. Aber sie sind verwundbar, das ist ihre Schwäche. Sie wollen nicht in lange, direkte Kämpfe verwickelt sein wie die Orks oder Space Marines. Du brauchst ein wenig taktisches Geschick, um das Meiste aus ihnen herauszuholen. […]
Die Aeldari sind ein sterbendes Volk und wir wollen eine authentische Darstellung. Es wird nicht Massen von ihnen geben, die die Galaxie übernehmen. Bei denen geht es darum, den Fortbestand der Spezies zu sichern […] um Diplomatie und Manipulation der Beziehung mit anderen.
Für alle Aeldari-Spieler unter euch, die Entwickler haben mir einige Einheiten bereits bestätigt, darunter:
- Howling Banshees
- Sweeping Hawks
- Shuriken-Kanonen
- und natürlich Runenpropheten und allgemein starke Magie
Spielt, wie ihr wollt – auch mit Doom Stacks
Trotzdem sollen euch solche Lore-Gründe nicht vollkommen darin einschränken, wie ihr das Spiel angeht und spielen wollt. Persönlich zocke ich Total War am liebsten, indem ich riesige und starke Armeen baue, die einfach alle anderen im automatischen Kampf plattmachen.
Das soll möglich sein, inklusive der berüchtigten „Doom Stacks“, also Armeen mit bestimmten Einheiten, die alles plattwalzen können, zumindest in gewisser Weise:
Wir entwickeln das Spiel noch und natürlich wird es einige Grenzen dabei geben, wie du eine Armee aufstellen kannst. Aber wir wollen nichts von der Power-Fantasy wegnehmen. Kern der Total-War-Erfahrung ist die Spieler-Fantasie. Deine Fantasie. Wenn du haufenweise Terminatoren – wobei, die könnten schwierig werden. […] Aber wenn du es schaffst, genügend Ressourcen anzuhäufen, kannst du sicherlich eine beträchtliche Armee aufstellen.
Total War: Warhammer 40.000 sieht jetzt schon richtig gut aus, aber auch ganz anders als erwartet
Was ich bisher gesehen habe, waren vor allem Kämpfe und wenig von der Kampagnen-Karte, die in Total War durchaus eine wichtige Rolle spielt. Es gab lediglich einen Planeten zu sehen mit einer einzigen Siedlung und auf Felder begrenzte Bewegungen der Armee.
Laut der Entwickler ist das jedoch nur der „kleinste Teil“ der Kampagne, die sich schließlich über eine ganze Galaxie – oder einen Teil davon – spannt, und nicht nur wie früher auf einem Planeten oder Kontinent abläuft. Es soll sich noch deutlich größer anfühlen und mehr zu sehen geben, auch wenn Schlachten natürlich allein wegen des Settings eine wichtige Rolle spielen.
Für die Kampagne gibt es sogar einige neue Mechaniken, etwa eine Art Ruf-System für Space Marines, durch das das Imperium bewertet, wie treu ihr ihm dient, oder eben nur euch selbst:
- Missachtet ihr die imperialen Wünsche und beansprucht mehr Ressourcen und Gebiete für euch, habt ihr zwar kurz einen Boost auf eure Kapazitäten, aber das Imperium misstraut euch.
- Tretet ihr dagegen Gebiete ab und lasst das Imperium verwalten, entgehen euch zwar kurzfristige Belohnungen, aber auf lange Sicht bekommt ihr eventuell mehr Ressourcen und Unterstützung.
- Die Art, wie euch das Imperium sieht, kann sogar von Planet zu Planet unterschiedlich sein, weil die entsprechenden Gouverneure ihre eigene Agenda verfolgen können.



Genau diese Systeme sind es, die ich mir noch unbedingt ansehen will, aber das wird noch eine Weile dauern. Eine Closed Beta soll noch 2026 erscheinen, der Release wird irgendwann 2027 erwartet – dafür nicht nur auf Steam, sondern auch erstmals auf Xbox und PS5.
Was haltet ihr bisher von dem, was ihr zum neuen Total War wisst? Welche Fraktion fehlt euch und welche wollt ihr unbedingt noch sehen? Schreibt einen Kommentar!
Auf die Frage hin, welche „geheime“ Fraktion kurz vor Release noch vorgestellt wird, meinten die Entwickler: Es wird zum Start nur die vier genannten Fraktionen geben. Imperium, Space Marines, Orks und Aeldari. Da das Spiel aber lange laufen soll, gibt es genügend Chancen für mehr Inhalte, auch wenn einige sicherlich unfairer wären als andere: Alle großen Fraktionen von Warhammer 40.000 im Power-Ranking – Wer könnte die Galaxie beherrschen?
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