Asia-Spiele sind alle Einheitsbrei: Warum diese Kritik nach der ONL an der Realität vorbeigeht

Asia Games Diskussion

Wenn Geoff Keighley zu einer seiner Games-Shows einlädt, hat er stets auch ein breites Angebot an Ankündigungen aus Korea und China im Gepäck. So auch bei der ONL der gamescom 2026. Im Anschluss entbrannte eine Diskussion über „Look and Feel“ dieser Spiele.

Nodus Fall und Petit Planet von HoYoverse. Das Anime-GTA Ananta. Der wilde Genre-Mix Sea of Remnants. Silver Palace: House of Greed. Aion 2 natürlich. Showa American Story. Onimusha: Way of the Sword. Cinder City von NCSoft. Zoopunk. Like or Die. Final Fantasy VII Revelation. Aniimo. Nezha Genigods. Project Zeta und Tarae von Krafton. Monster Hunter Outlanders. Roco Kingdom. The Defiant. Once Human.

Geoff Keighley hatte zur ONL der gamescom 2026 ein besonders prall gefülltes Füllhorn an Spiele-Ankündigungen aus dem asiatischen Raum dabei. Im Kommentarbereich der Streams und auf Social Media ist das natürlich auch aufgefallen. Immer wieder führten Spieler dabei an, dass die ganzen Spiele aus China und Korea gleich aussehen würden, etwa hier auf X.

Der Branchen-Analyst Daniel Ahmad, der sich auf den Videospiele-Markt in Asien spezialisiert hat, widerspricht dieser Kritik auf X vehement. Die Behauptung, das alles sei Einheitsbrei, kommentiert er wie folgt:

Das sagen die Leute zwar, aber das liegt nur daran, dass bei den großen Präsentationen meist AAA-Titel mit großem Budget gezeigt werden, die sich immer sehr ähnlich sind. Das neue Spiel von HoYoverse hat zum Beispiel überhaupt nichts mit den früheren Titeln des Entwicklers gemeinsam.

Es gibt jede Menge kleinere (und größere) Spiele von Entwicklern aus China und Korea, die äußerst einzigartig sind, von Titeln wie „Road to Empress“ über „Eastward“, „The Scrolls of Taiwu“, „Dyson Sphere Program“, „Warm Snow“, „My Time at Sandrock“, „Party Animals“, „Sultan’s Game“, „Escape from Duckov“, „AI Limit“, „TBH Task Bar Hero“, „Sephiria“, „Guardian Tales“ bis hin zu „Dave the Diver“ usw.

Ganz zu schweigen von der reichen Geschichte der MMOs, über die beide Länder verfügen.

MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz blickt auf diese Diskussion, die Kritik einiger Spieler und das Argument von Ahmad und findet sich zwischen den Stühlen wieder.

Einer der vielen neuen Trailer von der ONL der gamescom 2026 aus Asien:

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Eine Region mit Geschichte

Ich kann jeden Spieler auf jeden Fall verstehen, der sich die Trailer asiatischer Spiele anschaut und diese aufgrund ihres optischen Stils oder ihres Gameplays kaum auseinanderhalten kann.

Spiele werden ganz oft durch ihre kulturellen und gesellschaftlichen Wurzeln und durch ihre Historie geprägt. Und von Spielen, die in der Vergangenheit große Erfolge erzielen konnten.

Es gibt beispielsweise Gründe dafür, warum asiatische Spiele lange auf einen Genderlock bei der Charaktererstellung gesetzt haben. Oder warum in Asien von Anfang an viele Online-Games ein Free2Play-Modell genutzt haben – das hat mit Faktoren wie den Internetcafés oder dem Einbruch diverser asiatischer Märkte (etwa in China und Taiwan) für klassische Buy2Play-Spiele durch Software-Piraterie zu tun.

Sogar für die dortige Akzeptanz von Pay2Win gibt es eine Erklärung: Durch lange Arbeits- und Schulzeiten sowie die stundenweise Abrechnung im Internetcafé hatten viele asiatische Spieler nur wenig Zeit zum Zocken, aber dafür etwas mehr Geld über. Der Kauf von Fortschritt oder Ausrüstung im Item-Shop etablierte sich daher als legitimer Ausgleich für die fehlende Spielzeit.

Der visuelle Stil vieler Asia-Spiele wird indes seit vielen Jahren stark durch die Beliebtheit von Animes und Mangas aus Japan geprägt, die über die Landesgrenzen hinweg unzählige Fans begeistern und vergleichbare Animationsstile bei Filmen, Serien und Spielen hervorgebracht haben. Und durch den enormen Erfolg von FromSoftware … plötzlich wollen alle so Dark Fantasy sein wie Dark Souls oder Elden Ring.

All das in Kombination sorgt am Ende dafür, dass asiatische Spiele häufig gewisse Eigenheiten beim visuellen Stil, beim Gameplay und bei der Monetarisierung mitbringen. Eigenheiten, von denen man als westlicher Spieler leicht abprallen kann.

FromSoftware prägt mit seinen Spielen seit Jahren die Spiele-Entwicklung auf der ganzen Welt:

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3 heiß erwartete, neue Spiele für Fans von Elden Ring und Dark Souls

In Teilen gerechtfertigte Kritik, aber das Problem ist global

Wenn wir auf die Historie der westlichen Spiele schauen, merken wir aber schnell, dass das bei uns kein bisschen anders ist. Auch die Spiele aus Europa und den USA sind stark geprägt von vergleichbaren Faktoren. Weil hier der Kapitalismus stark ausgeprägt ist, streben die Entscheider westlicher Aktienunternehmen ganz oft vor allem nach dem, was zuletzt besonders erfolgreich war.

Als World of Warcraft bei uns wie eine Bombe einschlug, schossen danach vergleichbare Online-Rollenspiele aus dem Westen wie Pilze aus dem Boden. Ähnlich war es nach den ersten erfolgreichen MOBAs, Battle-Royale-Shootern, Extraction-Shootern und und und.

Im Westen geht es zudem ganz oft um Franchises und den Ausbau erfolgreicher Spielereihen. Ein Jahr ohne ein neues FIFA beziehungsweise EA Sports FC oder Call of Duty? Undenkbar! Diese Philosophie spiegelt sich auch in anderen Bereichen wie dem westlichen Kino wider, wo sich ebenfalls nur selten neue IPs und Ideen, aber dafür umso mehr Fortsetzungen und bekannte Franchises finden.

Kurzum: Die Kritik vom Einheitsbrei lässt sich aus meiner Sicht auch sehr leicht auf die westliche Spiele-Landschaft projizieren.

Zumindest, wenn man auf den AAA-Bereich schaut. Denn da gilt ganz oft: Je größer das Budget, desto geringer die Risikobereitschaft, desto weniger Innovation gibt es bei Optik und Game-Design und desto gleichförmiger fühlen sich die Spiele am Ende an. Das trifft global auf AAA-Spiele aller Märkte und Länder zu.

Daniel Ahmad weist aus meiner Sicht aber ganz richtig daraufhin, dass nicht nur im Westen jedes Jahr viele besondere, innovative, oft eher kleine (Indie-)Spiele entstehen, sondern auch in Asien. Bei einigen der genannten Titel wie Dave the Diver oder Escape from Duckov hatte ich sogar gar nicht auf dem Schirm, dass sie aus Asien kommen.

Sein Hinweis auf die asiatischen MMOs geht jedoch nach hinten los. Denn dort haben wir es ganz oft mit AAA-Budgets zu tun. Und mit der Kritik aus der westlichen MMO-Community, dass man viele asiatische Genre-Vertreter durch ihren generischen Unreal-Engine-5-Look kaum auseinanderhalten kann. Oder dass genau diese Spiele aus Sicht eines westlichen Spielers ganz oft mit einer zu aggressiven Monetarisierung zu kämpfen haben.

Crimson Desert ist so absurd umfangreich und groß … so ein Spiel kann heutzutage nur aus Asien kommen.

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Crimson Desert bringt mit Enhanced kostenloses Update, zeigt Inhalte im Trailer

Mehr Vielfalt und Spaß durch Spiele aus Asien

Zu kurz kommt mir in der ganzen Diskussion indes der Hinweis, dass in Korea und China seit einiger Zeit sehr spannende Spiele entstehen, an die sich die meisten westlichen Studios in der aktuellen, sehr schwierigen Phase, wohl nie rantrauen würden. Ich denke hier an Umfangsmonster wie Where Winds Meet oder Crimson Desert, die so besonders sind, dass sie trotz ihrer Macken große Erfolge im Westen feiern konnten.

Ich für meinen Teil freue mich daher sehr auf Nodus Fall, das so wunderbar HoYoverse-untypisch aussieht. Aber auch auf Honor of Kings: World, das mir beim ersten Test bereits viel Spaß gemacht hat. Auf Phantom Blade Zero. Auf das bunte DokeV. Auf den Nachfolger vom bereits sehr guten Black Myth: Wukong.

Und fällt euch was auf? Die meisten dieser Spiele sind keine Fortsetzungen oder bauen auf eine weltweit bekannte Marke auf. Das passiert in Asien zwar auch, siehe NCSofts Ausbau von Franchises wie Aion, Lineage oder Guild Wars, aber eben flankiert von vielen frischen IPs.

Und wenn sich Spiele als zu generisch und austauschbar erweisen – egal ob sie aus dem Westen, Osten, Norden oder Süden kommen -, dann lasst uns sie gleichermaßen abstrafen: kein Kauf, keine Spielzeit. Markterfolg ist am Ende ganz oft der größte Faktor, der über die Spiele bestimmt, die wir in Zukunft bekommen, und zwar überall auf der Welt.

Wie seht ihr das? Könnt ihr meiner Argumentation folgen oder habt ihr eine andere Meinung zu dem Thema? Verratet es mir gern in den Kommentaren! Mehr zu den Eigenheiten, die viele Online-Rollenspiele aus Asien leider ganz oft in den Westen mitbringen, findet ihr hier: 5 Fehler, die MMORPGs aus Asien vermeiden müssen, wenn sie bei uns Erfolg haben möchten

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