Kann eine KI einen Gaming-PC zusammenstellen? MeinMMO-Redakteur Benedikt Schlotmann wollte wissen, ob ein Chatbot ihm die richtige Konfiguration anbieten kann. Auf Anhieb hat das nicht geklappt, denn kein Chatbot, ChatGPT, Perplexity und Gemini, schaffen es fehlerfrei. Dennoch liefern alle sinnvolle Informationen.
Für viele PC-Bauer, insbesondere Anfänger, stellt die Wahl der richtigen Komponenten eine große Hürde dar. Denn es gibt viel Auswahl und durch die hohen Preise ist die Situation nicht besser geworden, sondern noch eine Ecke schwieriger.
Ich dachte mir: Vielleicht kann mir ja ein Chatbot den perfekten Gaming-PC zusammenstellen, ohne dass man viel Erfahrung haben muss. Linus Tech Tips hat das vor ein paar Jahren ebenfalls versucht. Insgesamt habe ich drei Bots getestet: ChatGPT (kostenlos), Perplexity (kostenlos) und Googles Gemini (kostenlos, Flash). Keiner hat es auf Anhieb geschafft.
Meine abenteuerliche Reise mit den Chatbots durch die Welt der Gaming-PCs lest ihr in diesem Artikel. Folgende Frage habe ich allen drei Bots gestellt:
Hallo! Ich möchte mir gern einen Gaming-PC der Mittelklasse zusammenbauen. Mein Budget liegt bei 1.500 Euro, der PC sollte WQHD-Auflösung mit stabilen 100 FPS schaffen, die Grafikeinstellungen zu reduzieren ist eine berechtigte Option. Welche Hardware würdest du mir im Juli 2026 derzeit empfehlen?
Soweit möglich habe ich bei Nachfragen ebenfalls allen Bots identische Fragen gestellt, um die Ergebnisse vergleichbar zu machen. Wie gut das funktioniert hat, lest ihr im Folgenden.
ChatGPT: Gute Konfiguration, aber hartnäckig bei falschen Preisen
Grundsätzlich ist die vorgestellte Konfiguration von ChatGPT ziemlich vernünftig. Bei der CPU hat sich ChatGPT für eine Mittelklasse-CPU mit attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis entschieden, bei der GPU für die RX 9070 XT, die ich derzeit auch als beste Mittelklasse-Option halte.
ChatGPTs 1. Konfiguration (1.500 Euro)
| Komponente | Empfehlung | Straßenpreis (ca.) |
|---|---|---|
| CPU | AMD Ryzen 7 9700X | 270–310 € |
| CPU-Kühler | Thermalright Phantom Spirit 120 SE oder Peerless Assassin 120 SE | 40–50 € |
| Mainboard | B850 ATX (MSI Tomahawk / Gigabyte Eagle / ASUS TUF) | 170–210 € |
| RAM | 32 GB (2×16 GB) DDR5-6000 CL30 | 90–110 € |
| Grafikkarte | AMD Radeon RX 9070 XT 16 GB | 650–720 € |
| SSD | 2 TB PCIe-4.0 NVMe (WD SN850X, Lexar NM790, Kingston KC3000 o.ä.) | 100–130 € |
| Netzteil | 750 W, 80+ Gold (be quiet!, Corsair RMx, Seasonic Focus) | 100–120 € |
| Gehäuse | Fractal Pop Air, Montech Air 903, Corsair 4000D Airflow, Phanteks XT Pro Ultra | 80–110 € |
Das Problem sind hingegen die Preiseangaben: Ich bekomme derzeit nirgendwo 32 GB DDR5 für 110 Euro und eine 2 TB M.2-SSD genauso wenig.
Auf Nachfrage, stellt dann der Chatbot fest, dass er sich verrechnet hat und bietet mir aktualisierte Preise an: Diese sind aber nur 30 Euro höher als vorher. Zusätzlich bietet mir ChatGPT trotzdem noch einmal die gleiche Konfiguration an, weist aber darauf hin, dass ich auch zur Version ohne XT greifen könne.



Erst nachdem ich der KI die aktuellen Preise bewusst nenne, rechnet ChatGPT den Build erneut mit den aktualisierten Preisen durch und kann mir ein angepasstes System empfehlen. Interessanterweise ist ChatGPT der einzige Bot, der mir ein System mit nur 16 GB RAM empfiehlt, argumentiert das aber mit der Leistung:
Das ist einer der seltenen Zeitpunkte, an denen ich bewusst nur 16 GB RAM verbauen würde. Normalerweise würde ich das 2026 nicht empfehlen – aber aktuell kostet das Upgrade auf 32 GB rund 200 € Aufpreis, während es in Spielen oft nur wenige Prozent Mehrleistung bringt.
Obendrein empfiehlt mir ChatGPT, dass ich nachher noch nachrüsten könne, wenn die Preise wieder niedriger ausfallen.
Gemini: Falsche Preise, ausverkaufte Grafikkarte, aber dann klappt es
Gemini bietet mir auf Anhieb ebenfalls eine brauchbare Konfiguration an. Interessant ist, dass Gemini von sich aus sparsamer ist und mir nur die normale 9070 ohne XT anbietet und auch den günstigeren AMD Ryzen 5 9600X , der für Gaming in der Regel aber mehr als ausreichend ist.
Geminis 1. Konfiguration (1.500 Euro)
| Komponente | Empfehlung | Ungefährer Preis |
| Prozessor (CPU) | AMD Ryzen 5 9600X (6 Kerne / 12 Threads) | ~170 € |
| Grafikkarte (GPU) | AMD Radeon RX 9070 (16 GB GDDR6) | ~580 € |
| CPU-Kühler | Arctic Freezer 36 | ~25 € |
| Mainboard | MSI B650 Gaming Plus WIFI (oder Gigabyte B650 Eagle AX) | ~140 € |
| Arbeitsspeicher (RAM) | 32 GB DDR5-6000 CL30 (z. B. G.Skill Flare X5) | ~100 € |
| Festplatte (SSD) | 2 TB M.2 NVMe SSD (z. B. WD Blue SN580 oder Lexar NM790) | ~110 € |
| Netzteil (PSU) | 750W be quiet! Pure Power 12 M (ATX 3.0 / vollmodular) | ~100 € |
| Gehäuse (Case) | Endorfy Arx 500 Airflow (oder Montech Air 903 Base) | ~75 € |
| Gesamtpreis | Selbstbau-Preis | ~1.300 € |
Googles KI macht aber den gleichen Fehler wie ChatGPT und gibt völlig utopische Preise an. 100 Euro für RAM und SSD sind heute einfach nirgendwo findbar.
Bei Nachfrage stellt Gemini fest, einen Fehler gemacht zu haben und aktualisiert korrekt die Preise beim RAM, ersetzt aber auch die RX 9070 durch eine RX 7800 XT (16 GB). Das ist aber eine Grafikkarte, die man heute gar nicht mehr kaufen kann. Und das muss man wissen, ansonsten kauft man eine veraltete Grafikkarte oder stellt einfach fest, dass man diese nirgendwo mehr kaufen kann.
Bei einer dritten Runde wechselt Gemini die 7800 XT durch eine RX 9060 XT aus und reduziert die 2 TB auf 1 TB, um bei rund 110 Euro zu bleiben.



Der finale Build von Gemini liegt dann bei 1.340 Euro und ist tatsächlich sinnvoll anwendbar: Konkret bietet mir Googles Chatbot einen AMD Ryzen 5 9600X mit einer RX 9060 XT an, mit 1 TB SSD. Aber ohne Nachfragen wäre ich nicht so weit gekommen.
So sieht übrigens meine Nachfrage zu den Preisen aus. Diese habe ich ebenfalls allen Chatsbots so gestellt.
Danke für die Empfehlungen. Die Preise, die du angibst, stimmen aber nicht: Die 32 GB Arbeitsspeicher bekomme ich derzeit nirgends für 110 Euro und die 2 TB NVMe-SSD ebenfalls nicht. Kannst du noch mal die Daten mit marktaktuellen Preisen prüfen und mir sagen, welche Hardware du mir empfehlen kannst, damit ich unter 1.500 Euro bleibe?
Perplexity: Gleich zwei Builds, falsche Preise und ein gutes Ergebnis
Perplexity bietet mir nicht nur einen Build an, sondern gleich zwei: ein System mit AMD-Karte und ein Nvidia-Setup. Beide vorgeschlagenen Builds sind von der Hardware her absolut in Ordnung, das von Perplexity gefällt mir persönlich sogar am besten, weil es wirklich der derzeit beste Mittelklasse-Build ist, weil sich der Bot für einen X3D-Prozessor entschieden hat. Diese Konfiguration wäre auch meine aktuelle Empfehlung für 2026, wenn man einen Gaming-PC neukaufen möchte.
Als Alternative zur RX 9070 XT von AMD nennt mir Perplexity übrigens wahlweise die RTX 5070 Ti oder die RTX 5070, weist aber daraufhin, dass ich hier potentiell draufzahlen müsse.
Perplexitys 1. Konfiguration (1.500 Euro)
| Teil | Empfehlung | Zielpreis |
|---|---|---|
| CPU | AMD Ryzen 7 7800X3D | 279 bis 324 Euro |
| CPU-Kühler | Solider Tower-Kühler, z. B. Thermalright Peerless Assassin-Klasse | 35 bis 50 Euro |
| Mainboard | B650 oder B650E mit Wi-Fi | 130 bis 180 Euro |
| RAM | 32 GB DDR5-6000 CL30/32 | 95 bis 125 Euro |
| SSD | 2 TB NVMe PCIe 4.0 | 100 bis 140 Euro |
| Grafikkarte | Radeon RX 9070 XT 16 GB | 645 bis 690 Euro |
| Netzteil | 750 W, 80+ Gold | 90 bis 130 Euro |
| Gehäuse | Airflow-Mid-Tower | 70 bis 120 Euro |
Bei den Preisen hakt es mal wieder: Denn die stimmen auch bei Perplexity nicht. Nach Nachfrage bietet mir Perplexity dann auf Anhieb ein aktualisiertes Setup mit neuen Preisen an und orientiert sich an realistischen Marktpreisen.
Spannend: Der Chatbot bietet mir erst das alte Build mit aktualisierten Preisen an, erklärt, dass dies zu teuer sei und bietet mir dann ein neues, aktualisiertes Setup mit passenden Preisen an. So kann ich nachvollziehen, warum das alte Build zu teuer ist und wo ich sparen könnte.
Der Bot bietet mir am Ende final einen AMD Ryzen 5 7600 und eine RX 9060 XT (16 GB) an und wahlweise eine Reduktion der SSD auf 1 TB (anstatt 2 TB) an. Preislich passt es dann genau.


Fazit: Alle Chatbots bieten gute Informationen, scheitern aber an aktueller Preislage
Wie schneiden die Bots ab? Alle drei Bots nennen mir eine auf Anhieb vernünftige Konfiguration an, die man grundsätzlich empfehlen kann. Perplexity bietet hier zusätzlich neben AMD noch ein Nvdia-Build an, das ist ein netter Pluspunkt.
Für alle drei gilt: Alle begründen schlüssig, warum sie sich für bestimmte Hardware entschieden. Die Empfehlungen sind daher nachvollziehbar und alle drei Bots raten entschieden dazu, eine Grafikkarte mit 12 oder sogar besser 16 GB VRAM zu nehmen.
Grundsätzlich gilt aber, dass ich bei allen drei Bots nachfragen muss und das setzt zumindest voraus, dass ich die Preise schon im Kopf habe. Ein Anfänger, der nur mal eben eine Liste mit Teilen haben will, die er anschließend bestellen oder in einen Konfigurator eingeben kann, dürfte hier schnell ein Problem bekommen, weil die Preise nicht stimmen.
Wären die Preise aber derzeit nicht so volatil und so extrem hoch, wären die Antworten tatsächlich ohne Nachfragen ziemlich nützlich.
Welcher Chatbot gewinnt? Zurück zu meiner Fragestellung: Ich wollte mir ein Gaming-System für 1.500 Euro im Juli 2026 zusammenstellen lassen. Wer gewinnt im Vergleich?
- Schaue ich mir den Weg zum Ziel und die Ergebnisse an, dann gewinnt Perplexity. Der finale Build ist empfehlenswert, die Preise sind stimmig und ich könnte die Hardware so wählen oder als Fertig-Build zu bestellen.
- ChatGPT bleibt hartnäckig bei falschen Preisen, erst als ich die konkreten Preise nenne, wird das Ergebnis des Bots brauchbar. ChatGPT ist der einzige Bot, der einen Neukauf hinterfragt und mir rät, auf gebrauchte Hardware zu setzen oder meinen alten PC noch 6 bis 12 Monate zu verwenden.
- Gemini liefert mir in einem Zwischenschritt falsche Informationen, die vermutlich nicht jedem aufgefallen wären. Im schlimmsten Fall hätte mich Gemini dazu verleitet, eine veraltete und überteuerte Grafikkarte zu kaufen. Wenn ich sie überhaupt bekommen hätte. Gemini ist aber der einzige, der lieber sparsamer rechnet, anstatt das Budget bis zum Maximum auszureizen.
Gemini und ChatGPT sind insgesamt bei den einzelnen Komponenten konkreter und geben direkt Produkte an, Perplexity bleibt wiederum eher allgemein.
Was ist eigentlich besser: Einen PC selbst bauen oder einen fertigen kaufen? Unter Gamern ist das eine häufige Diskussion, die meist darin endet, dass viele stolz aufs Bauen sind. MeinMMO-Redakteur Benedict Grothaus sieht das anders – und hatte deswegen schon Zank in der Redaktion: Ich habe früher PCs selbst gebaut – Heute würde ich das nie wieder machen
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