MeinMMO-Dämon Cortyn hat sich in Final Fantasy Resonance verloren. Und plötzlich fühlt man sich wieder, als sei man 13 Jahre alt.
Der Herbst diesen Jahres ist wirklich voller toller Spiele. Manche warten auf GTA VI, andere haben World of Warcraft Forever im Blick und sogar Fans von Final Fantasy bekamen mit „Resonance“ ein neues Spiel spendiert. Genau das habe ich mir auch angeschaut und muss sagen: Es ist verdammt gut geworden.
Ich will ehrlich mit euch sein. Als ich die ersten Trailer von Final Fantasy Resonance gesehen habe, dachte ich mir: Ach herrje. Wieder so ein Spiel, das auf den Pixel-Zug aufspringt. Aber schaut am besten erst einmal selbst in den Trailer:
Ein Pixel-Spiel, das exakt so wunderbar funktioniert
Nicht falsch verstehen: Pixel-Spiele können super sein, meine über 450 Stunden in Stardew Valley können das bestätigen.
Doch für mich war Final Fantasy immer ein optisches Meisterwerk. Egal ob es Final Fantasy IX auf der PS1 war, Final Fantasy X auf der PS2 oder Final Fantasy XVI auf der PS5 – das waren alles Spiele, die für ihre Zeit optisch extrem beeindruckend waren.
Das war nie der wichtigste Aspekte von Final Fantasy für mich, aber doch eben einer, der dazu gehörte.
Entsprechend war mein Lächeln eher sehr, sehr schief, als ich den Trailer von Final Fantasy Resonance sah. Es war wie eine Reise in das letzte Jahrtausend. Gepaart mit dem Preis eines Vollpreistitels (50 € auf Steam und 60 € auf der PS5) hatte ich eigentlich wenig Lust, es mir anzuschauen.
Es war meine Schwester, die mir dann von der Demo vorschwärmte und am Ende siegte die Neugierde. Ich habe die Sünde der Vorbestellung begangen und direkt ab Mitternacht losgezockt.
Um das hier kurz und knapp zu sagen: Final Fantasy Resonance war für mich jeden Euro war. Das Spiel ist so eine wunderbare, nostalgische Reise in die Vergangenheit, die einfach Spaß macht.
Zuerst sprech ich mal den Chocobo im Flur an: Die Grafik.
Die ist fantastisch und das meine ich vollkommen ernst. Die ersten 10 Minuten fühlt es sich ein wenig sonderbar an, Pixel-Sprites durch 3D-Umgebungen zu steuern, doch nachdem man in den Zwischensequenzen sieht, was die Entwickler daraus gemacht haben und wie viel Persönlichkeit und Detailliebe hier in jeder Szene steckt, ist man sehr schnell überzeugt.
Ich behaupte sogar zu sagen: Mit jeder anderen Grafik wäre die Story nicht so gut rübergekommen. Denn die Story ist ebenfalls recht retro – eine klassische Heldenreise, auf der man den Bösewichten lange hinterherjagt und oft scheitert – aber sie passt einfach. Story und Grafik passen hier so fantastisch wie ein langer Bart zum Esper Ramuh.
Dabei gibt es sogar CGI-Sequenzen, wenn die Helden aus früheren Final-Fantasy-Teilen auftauchen – also Zidane, Tidus, Squall oder Lightning. Das geht nahtlos in die Kampf-Animationen über, die (natürlich!) wieder komplett übertrieben funkelnd und explodierend sind. So, wie man es aus Final Fantasy kennt und liebt.
Ebenfalls wichtig: Die Dialoge der Haupt-Geschichte sind allesamt vollständig vertont.
Final Fantasy aus jeder Pore des Spiels
Dazu kommt der Humor des Spiels. Der ist fantastisch. Ein Endboss fängt einem harten Kampf einfach damit an, seinen Gehilfen mit Phönixfedern wiederzubeleben und dann zu sagen: „Jetzt schaut nicht so, ich seh doch auch, dass ihr die ganze Zeit Phönixfeder und Potions benutzt, dann mache ich das einfach auch.“ Da muss ich grinsen.
Dabei ist Final Fantasy Resonance voller Klischees. Also wirklich, von vorne bis hinten. Doch es ist eines der wenigen Spiele, bei denen das überhaupt nicht negativ ins Gewicht fällt.
In absolut jedem Final Fantasy weiß man direkt beim ersten Auftauchen einer zwielichtigen Gestalt: Das ist der Bösewicht. Egal ob Sephiroth, Kuja oder Seymour – die Charaktere tauchen in ihren Spielen auf und man weiß direkt an ihrer Optik: Das sind die Bösen, die müssen es nur noch offenbaren.
Final Fantasy Resonance ist da nicht anders. Zwar ist der Bösewicht von Anfang an bekannt, aber er ist versteckt unter einer Maske. Doch spätestens eine Szene später hat man schon eine sehr gute Ahnung, wer dahinter steckt
Für manche wäre das ein ruinierter Plot-Twist, weil die Enthüllung erst 30 Stunden später ansteht – aber es passt einfach gut.
Am meisten freut mich, dass das Kampfsystem rundenbasiert ist, wie in den klassischen Teilen der Serie. Es gibt eine Zeitleiste, die anzeigt, wann welcher Charakter an der Reihe ist und das ermöglicht eine Menge taktische Planung.

Natürlich mit dabei: Stagger-Balken (um Gegner zu Betäuben) und Limit Bursts, also große, verheerende Angriffe, die man erst aufladen muss. Kennt man, liebt man.
Da man jeden Charakter nicht nur mit Gegenständen ausrüstet, sondern auch noch mit der „Seele“ eines Helden oder einer Heldin aus früheren Teilen der Reihe, ergibt sich ein ziemlich komplexes Skill-System, bei dem man die Charaktere gänzlich nach den eigenen Wünschen formen kann.
Eine nostalgische Reise, die einfach passt
Für mich ist Resonance eine Reise in die Vergangenheit. Eine Reise, die ganz bewusst mit den Erwartungen spielt, nostalgische Erinnerungen an alle alten Final-Fantasy-Teile weckt und dennoch ein eigenständiges, tolles Spiel geworden ist.
Wenn ich vor der PlayStation sitze und mit Rain, Lasswell, Fina und Lid durch die Welt streife, dann fühle ich mich plötzlich wieder, als wäre ich nochmal 13 Jahre alt und würde heimlich „nur noch eine halbe Stunde“ in die Nacht hineinzocken, weil ich einfach nicht aufhören kann, obwohl doch am nächsten Tag die Latein-Klausur ansteht.
Nur wartet jetzt eben keine Latein-Klausur, sondern eine Chefin mit angehobenen Brauen und leicht verurteilendem Blick. Aber den steck ich weg. Ist ja alles nur und ausschließlich für die Arbeit …
Falls ihr damals mit Final Fantasy groß geworden seid und vielleicht mit Teil 7, 8, 9 oder 10 einen großen Teil eurer Jugend verbracht habt, dann kann ich Euch Final Fantasy Resonance nur wärmstens ans Herz legen. Denn das Spiel ist die Quintessenz dessen, was ein gutes, klassisches Final Fantasy ausmacht.
Ich hoffe, dass Square Enix den Erfolg dieses Spiels im Blick behält und daraus die richtigen Schlüsse für die Zukunft zieht. Denn das Spiel zeigt eindeutig: Es braucht kein wildes Action-Kampfsystem und hypermoderne Grafik. Klassische, rundenbasierte RPG-Kämpfe, passender Humor und viel Liebe zum Detail reichen vollkommen. Da kann die Grafik dann auch altbacken sein, wenn man sie klug mit modernen Elementen mischt.
Und ganz ehrlich: Jetzt habe ich nochmal richtig Lust, Final Fantasy XVI zu spielen …
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