Fallout 76 hat einen entscheidenden Fehler gemacht, der sich jetzt rächt

Bethesdas Online-Spiel Fallout 76 wird schon seit der Ankündigung kritisiert, besonders heftig ist dies aber seit dem Release. Was ist da schief gelaufen? Unser Autor Andreas sagt: Fallout 76 hat einen entscheidenden Fehler gemacht.

Ist Fallout 76 wirklich schlecht oder entlädt sich hier der Frust von enttäuschten Fallout-Fans, die etwas anderes erwartet hatten? Ist vielleicht Bethesda selbst schuld an der ganzen Misere?

Ein Online-Spiel von einem Single-Player-Studio

Warum wurde schon die Ankündigung kritisiert? Bethesda ist bekannt für Single-Player-Spiele wie The Elder Scrolls: Skyrim, Fallout 3 und Fallout 4. Zwar existiert mit The Elder Scrolls Online ein MMORPG zu einem Bethesda-Franchise, doch dieses wurde von Zenimax Online entwickelt.

Als Fallout 76 auf der E3 2018 angekündigt wurde, kam es zu etwas Stirnrunzeln, weil ein Studio, das eigentlich für Einzelspieler-Stories bekannt ist, und nun ein Onlinespiel macht.

Fallout-76-Feuer

Außerdem hatte sich Bethesda ausgerechnet die Fallout-Reihe dafür ausgesucht, in den Markt der Online-Games vorzustoßen.

Fallout ist bekannt für:

  • Stories rund um den einsamen Wanderer
  • Das Gefühl der Einsamkeit in der Endzeit-Welt
  • Abwechslungsreiche und vielschichtige Quests
  • Interessante NPCs
  • Ein düsteres Szenario, das durch die Quests, Geschichten und NPCs mitgetragen wird

Nun ein Online-Spiel im Fallout-Universum zu etablieren, das von Single-Player-Fans geliebt wird, ist extrem schwer. Es war abzusehen, dass ein „Fallout Online“ kritisiert wird. Das Marketing war also entscheidend. Doch genau an diesem Punkt hat Bethesda einen großen Fehler gemacht hat.

Bethesda will alle erreichen

Welchen Fehler hat Bethesda begangen? Bethesda ist ein Studio, welches für vom Start weg erfolgreiche Spiele bekannt ist.

Für Fallout 76 erwartete Bethesda ähnliche Ergebnisse. Doch wie erreicht man mit einem Onlinespiel eine möglichst breite Zielgruppe mit einer so großen Fanbasis, die eigentlich ein weiteres Single-Player-Spiele erwartet und kann in den ersten Tagen große Erfolge mit hohen Verkaufszahlen feiern?

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Bethesda eierte lange herum. Es gab keine klare Aussage, was Fallout 76 sein sollte.

  • Fallout 76 sollte im Grunde ein Onlinespiel werden
  • Es hieß aber auch, dass selbst Single-Player-Fans ihren Spaß haben können
  • Es sollte zwar keine NPCs in Fallout 76 geben aber dennoch Quests mit einer Story
  • Offenes PvP für Fallout 76 wurde angekündigt, doch mit harten Strafen für „Griefer“ und starken Einschränkungen belegt
  • Zwar sollten Survival-Elemente eine Rolle spielen aber nicht wirklich wichtig sein

Immer wieder erweckte Bethesda den Eindruck, als würde man sich schon im Vorfeld für das Spiel entschuldigen. Dass es keine klare Aussage über die Art des Spiels gab, ließ vermuten, dass Bethesda jeden ansprechen aber niemanden vergraulen wollte.

Fallout-Fans sollten das bekommen, was sie erwarten aber man wollte auch etwas Neues für eine breitere Zielgruppe erschaffen.

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Das Marketing ging nach hinten los

Was ist Fallout 76 denn jetzt? Nach Release zeigte sich, Fallout 76 ist im Grunde „Fallout Online“. Ein Online-Spin-Off, bei dem der Fokus auf den Multiplayer-Elementen liegt. Das Gruppenspiel steht an erster Stelle.

Gerade Single-Player-Fans, die durch die Aussagen von Bethesda doch so etwas wie ein „Fallout 4.5 mit Freunden“ erwarteten, zeigen sich enttäuscht. Nicht nur von den Spielern, sondern inzwischen auch von der Presse ist zu hören (via GameStar), dass gerade der Story-Aspekt und die Quests das sind, was an Fallout 76 enttäuscht.

Der Umstand, dass es keine NPCs gibt und diese durch Tonbandaufnahmen „ersetzt“ wurden, führt zu einem Fallout, das sich anders spielt und anders anfühlt als die bisherigen Teile. Denn NPCs waren nun einmal ein wichtiger Faktor in den Spielen. Und diese fehlen jetzt.

Darüber hinaus werden oft ähnlich ablaufende Quests ohne echte Story-Highlights sowie fehlende Entscheidungen während der Geschichte angeprangert. Dinge, auf welche Single-Player-Fans großen Wert legen.

Damit richtet sich Fallout 76 im Grunde gar nicht an Einzelspieler-Fans oder zumindest nur in einem sehr geringen Maß. Der gesamte Single-Player-Aspekt wirkt aufgesetzt.

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An wen richtet sich das Spiel denn dann? Fallout 76 ein Onlinespiel, das für Bethesda den Einstieg in den Bereich der Games as a Service darstellt. Entsprechend sind auch Fans von Onlinegames die primäre Zielgruppe. Und genau diese finden das Spiel gar nicht schlecht. Im Gegenteil, sie äußern sich sogar positiv darüber.

Vor allem diejenigen, die gerne Survivalgames spielen und vorher noch nichts mit Fallout am Hut hatten, können sich für Bethesdas Spiel begeistern. Und genau das zeigt, was Fallout 76 für ein Spiel ist und an wen es sich richtet: Eine neue Zielgruppe aus Online/Survivalspielern.

Das wird auch bei den Community-Wertungen auf Mein-MMO.de sichtbar. Auf einer Seite, die sich vor allem an Online-Fans richtet, werden relativ hohe Wertungen vergeben.

Eine klare Aussage wäre wichtig gewesen: Um den Shitstorm und die vielen negativen Bewertungen auf Metacritic zumindest etwas eindämmen zu können, wäre es nötig gewesen, eine klare Aussage darüber zu tätigen, was Fallout 76 wirklich ist. Spieler möchten wissen, worauf sie sich einlassen, wofür sie Geld und Zeit investieren sollen.

Mit diesem „Herumgeeiere“ hat sich Bethesda keinen Gefallen getan. Denn nun, nach Launch, ist klar, was Fallout 76 für ein Spiel ist. Single-Player-Fans, die sich angelockt fühlten, kommen sich veräppelt vor. Und diesem Frust lassen sie freien Lauf, indem sie das Spiel im Internet heftig kritisieren.

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Ein Rettungsplan ist nötig

Kann Bethesda Fallout 76 noch retten? Filtert man die positiven Stimmen aus der Community heraus, dann ist Fallout 76 offenbar ein gutes Online/Survivalspiel mit Potential.

Und genau darauf sollte sich Bethesda nun konzentrieren. Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich die Einzelspieler-Fans nun so weit beruhigen, dass sie Fallout 76 doch noch gut finden können.

Bethesda sollte sich also auf folgendes fokussieren:

  • Ausbau des Online-Aspekts und des Gruppenspiels
  • Mehr Gruppen-Events
  • Mehr PvE-Gruppeninhalte
  • Weniger oder gar keine Quests mehr für Solospieler
  • Survivalaspekt weiter ausbauen
  • Fraktions-PvP
  • Weitere Möglichkeiten beim Basenbau in der Gruppe

Fallout 76 Thumbs Up Gameplay

So sollte Bethesda reagieren: Bethesda sollte sich davon wegbewegen, Fallout 76 auch den Single-Player-Fans schmackhaft machen zu wollen. Denn diese erwarten etwas völlig anderes.

Weiter darauf zu pochen, dass auch Einzelspieler-Fans mit dem Onlinegame Spaß haben können, wäre wohl der falsche Weg. Denn Fallout 76 zeigt, dass es in Sachen Quests und Story nicht an die Single-Player-Titel der Reihe heranreichen kann.

Bethesda muss sich auf die Spieler konzentrieren, die Spaß mit Fallout 76 haben und für diese neue Inhalte anbieten. Dann kann der Titel als Spin-Off neben der Hauptreihe existieren und durchaus erfolgreich werden.

Darüber hinaus sollte Bethesda nun auch erkannt haben, wie wichtig den Fans Einzelspieler-Titel sind und sich bei den kommenden Spielen wie Starfield und The Elder Scrolls 6 wirklich wieder auf diesen Aspekt konzentrieren, ohne Online-Experimente. Einen solchen Marketing-Fehler verzeihen die Fans sicher kein zweites Mal.

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