Wie ESO meine Karriere als Game-Journalist gestartet hat

Unsere ESO-Sonderhefte haben für MeinMMO-Redakteur Jürgen Horn eine ganz besondere Bedeutung. Selten hat er so viel Stress und Spaß auf einmal erlebt wie 2014, als zum Beta-Start von ESO ein dickes GameStar-Sonderheft fertig werden muss. Hier kommt Jürgens Rückblick hinter die Kulissen!

Als ich erfahre, dass es auch 2020 ein ESO-Sonderheft geben wird, werden schlagartig Erinnerungen wach: An unser Sonderheft von 2014, zum Beta-Start von ESO. Denn das war auch mein erster großer Job in der Games-Branche und der Start meiner Journalistenlaufbahn. Davor hatte ich nur kleinere Texte verfasst – bis mein Telefon klingelt und ein gewisser Martin Deppe mich fragt: „Kannst Du ein paar Artikel für unser großes ESO-Sonderheft schreiben?“

Eigentlich wollte ich das gar nicht spielen.

Witzigerweise bin ich von dem Jobangebot trotz meiner schwachen Auftragslage gar nicht so begeistert. Denn von ESO halte ich damals erst mal nicht viel. Vielmehr hätte ich mich über einen Sonderheft-Job zum zeitnah veröffentlichten großen MMORPG WildStar gefreut – das ist nämlich cool, innovativ und bunt.

WildStar Geburtstag Rowsdower
Das quietschbunte und abgedrehte MMORPG WildStar war damals 2014 viel höher auf meiner Favoritenliste als ESO!

Die ESO-Beta hingegen kommt als eher konservatives, farbloses Online-RPG ohne große neue Highlights daher. Ich hätte kaum falscher liegen können!
Aber gut, ich bin jung, brauche das Geld, und Elder Scrolls-Fan bin ich ja auch. Online-Rollenspiele mag ich sowieso. Warum also nicht ein paar Info-Artikel und Guides für so ein Sonderheftchen schreiben?

Ein paar Guides? Das ist doch schnell erledigt

Dass es ein bisschen mehr Arbeit und kein Heftchen werden würde, zeigt sich schnell. Denn das Spiel ist noch gar nicht erschienen, wir bekommen lediglich »spezielle« Beta-Keys, die uns nur zu limitierten Zeiten Zugang verschafften. Als Autoren-Team haben wir also nicht viel Zeit, um 144 Seiten Sonderheft mit zig detaillierten Guides zu füllen.

Es gibt auch kaum Info-Quellen, auf die wir zurückgreifen können, fast alles müssen wir von der Pike auf selbst ausprobieren, herausfinden und überprüfen. Und natürlich schreiben. Das ist mit schmalen Spielzeit-Fenstern, plötzlichen Server-Downs und Beta-typischen Bugs ein harter Hürdenlauf! Doch dazu später mehr, erstmal muss ich ganz tapfer sein…

Menno, ich will den Drachenkrieger!

Denn ich habe Pech: Die ganzen coolen Klassen, die ich gern gespielt hätte, haben sich schon die lieben Autoren-Kollegen geschnappt. Es bleibt nur der Zauberer übrig. Und Magier spiele ich in Rollenspielen echt ungern, die sind langweilig, zerbrechlich und laufen in lahmen Walle-Roben rum. Ich will wilde Barbarenkrieger und sonstige Haudraufs mit dicker Waffe! Der Drachenkrieger, der wäre genau mein Ding! Blöd nur, dass die Mitschreiberlinge das genauso gesehen und schneller zugegriffen haben.

ESO-Rashea-Character
Wenn ich schon Magier spielen muss, dann wenigstens einen mit Vollplatte!

Also spiele ich notgedrungen den Zauberer und skille ihn trotzig auf Vollplatte und Zweihänder – weil’s geht! Wirklich sinnvoll scheint meine gewählte Kombo auf den ersten Blick allerdings nicht. Vor allem, weil ich keinen Hoch- oder Dunkelelfen mit Magickabonus spiele, sondern eine nachtschwarze Khajiit.

Elfenohren finde ich nämlich auch doof. Die frechen Katzenwesen hingegen sind viel cooler, und meine Zauberkatze mit Vollplatte sowieso. Kurioserweise klappt das Spiel mit Ausdauer statt Magicka viel besser, als ich gedacht habe.

Bugs, Bugs, überall Bugs!

Wer damals bei der ESO-Beta (und die erste Zeit nach dem Launch) dabei war, der wird sich noch mit Grausen an die vielen Bugs erinnern, die das Spiel noch plagen. Für ein MMO dieser Größenordnung sind Beta-Bugs zwar völlig normal, aber wenn man parallel Guides schreibt und der Druckereitermin bedrohlich naht, treiben sie einen erst recht in den Wahnsinn. Allen voran funktionieren zahlreiche Quests einfach noch nicht, wir verbringen Ewigkeiten damit, lange Questketten zu absolvieren – um dann bei der letzten Aufgabe zu erfahren „Tja, das ist noch buggy, wird gerade gefixt!“

ESO-Queen-Ayrenn
Einige der Quests um die Elfenkönigin waren noch nicht so ganz fertig.

Das ist doppelt bitter, denn wir brauchen die Erfahrungspunkte dringend, um möglichst schnell zu leveln. Durch reines Grinding gibt es nicht viele Punkte, die Quests bringen die beste XP-Beute. Hinzu kommt, dass es in der Beta ab etwa Level 22 zunächst keine machbaren Quests mehr gibt und wir uns durchgrinden müssen, um endlich wieder stark genug für die Folge-Aufgaben zu werden. Was für ein Spaß!

Bugs? Das sind doch
Features!

Noch schlimmer sind da nur die vermeintlichen Bugs, die eigentlich Features sein sollen. Besonders das Phasing macht uns wahnsinnig. Denn ESO will ja nicht einfach nur World of Warcraft in Tamriel sein, sondern die Spieler aus dem Skyrim-Lager abholen – darum wird ESO extrem auf Solo-Rollenspiel getrimmt.

Daher gibt’s auch keine Mini-Map und nur so einen dummen Kompass, der auch noch jedes Mal auf eine neu angenommene Quest wechselt. Wenn man da gerade nicht aufpasst, kann man in die völlig falsche Richtung marschieren. Was mir prompt ein paarmal passiert, sodass ich erneut wertvolle Zeit verliere.

ESO-Mannimarco
Von der großen Story um Mannimarco bekam ich damals gar nciht so viel mit.

Aber zurück zum Phasing. Damit sich der geneigte Skyrim-Fan in ESO wohlfühlt, werden lästige Mitspieler damals regelmäßig ausgeblendet, wenn man in einer mehrteiligen Quest weiter ist als der Rest vom Team. Das ist freilich toll für die Rollenspiel-Atmosphäre, aber gescheites MMORPG-Spielgefühl kommt so nicht auf, denn das gemeinsame Questen mit unterschiedlichen Leveln endet dann doch als Solo-Trip.

Ah ja, und dann ist da noch die unglaubliche clevere Design-Entscheidung, dass man keinen Loot mehr bekommt, wenn man fünf Stufen höher ist als die Mitspieler. Darum will auch kein höher gelevelte Spieler mit einem zusammenspielen, wenn man Hilfe bei gefährlichen Gegnern braucht.

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Dabei hätte Unterstützung mir echt geholfen, denn bald lande ich in Gebieten, in denen ich mit meinen aktuellen Fähigkeiten und Rüstungsteilen kaum weiterkomme – Stichwort Questlücke bei Level 22. Level-Scaling gibt es ja noch nicht, die Gegner sind einfach viel zu heftig.

Ich bin froh über jeden, den ich irgendwie umgehauen bekomme, und feiere jeden Bug, der mir dabei hilft. Ich mag MMORPG-Kämpfe ja eigentlich, aber jetzt weiche ich vielen Gegnern einfach aus. Allein schon, weil jeder Tod mich zurückwirft und die Deadline für meine Guides naht, an die mich Elite-Boss Martin in immer kürzeren Abständen erinnert!

Ich kann keinen Gypsy-Punk mehr hören.

Neben meinen Kämpfen in und mit der ESO-Beta schlage ich mir die Nächte mit dem Schreiben der zahlreichen Guides um die Ohren. Ich komme selten vor 4:00 Uhr nachts ins Bett. Beim Schreiben habe ich wie bei jedem größeren Projekt einen eigenen Soundtrack, den ich auf Spotify rauf und runter höre.

Bei ESO ist es aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen die abgedrehte Gypsy-Punk-Band „Gogol Bordello“. Blöd ist allerdings, dass ich ihre Mucke wohl zu oft genossen habe: Sie ist seitdem in meinem Hirn komplett mit dem Stress der ESO-Beta verknüpft, ich mag sie kaum noch hören. Außer jetzt gerade, während ich diesen Rückblickartikel schreibe. Das geht tatsächlich richtig gut…

Jederzeit wieder!

War also alles total schlimm damals? Keineswegs! Denn so widerspenstig die Beta im Frühjahr 2014 war, so toll war es auch, wenn alles flutschte und ich trotz Sonderheft-Terminen im Nacken in die Spielwelt eintauchen konnte. Die große Stärke von ESO, nämlich das tolle Storytelling, die faszinierende Elder Scrolls-Welt und das große Potential für Rollenspieler, das war damals alles schon vorhanden.

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Daher bin ich ESO seit der Beta treu geblieben, während mein damaliger Favorit WildStar bald in der Bedeutungslosigkeit versank. ESO ist hingegen heute besser als je zuvor und mein absolutes Lieblings-MMORPG. Und das alles begann 2014 mit einem Anruf von Martin. Ob ich ihm heute wieder zusagen würde? Na klar! 

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6 Tage zuvor

Wäre mein Deutsch besser, wäre meine Schreibfehler weniger und und und, würde ich auch vielleicht den Weg versuchen. Aber so, kann ich nur aus der Ferne helfen

Irina Moritz
6 Tage zuvor

Und das hilft auch, danke dafür smile

Nomad
7 Tage zuvor

Hmm, kann ich (nicht) nachvollziehen. Ich habe mehrfach versucht, mit ESO warm zu werden, zumal meine Frau es seit Jahren spielt. Und wir haben nicht so viele Spiele, die wir mögen und schon gar nicht, die wir beide mögen.
Als GW2 abbaute, versuchte ich es auch mit Wildstar. Meiner Frau war es zu „stressig“. Ich fand es auch, so nach Feierabend, nicht gut spielbar. Aber das Kampfsystem von WS war einfach klasse, aber auch nicht einfach. Die anderen aus der alten GW2 Gilde kamen auch nicht damit klar.
Also versuchte ich es wieder und wieder mit ESO. Das letzte mal mit Elsewyr, da sollte ja alles besser sein. Leider war das nicht so, das Kampfsystem so schwammig wie eh und jeh, die Drachen, lol, einer genauso dumm wie der andere. Nichts änderte sich, mit keinem Update kam etwas „Knackiges“ ins Spiel. Dabei ist die Landschaft, die Umgebung so toll, was mich auch immer wieder bewogen hat: „versuchs noch mal“.
Mittlerweile habe ich es aufgegeben. Ich kann alle verstehen, die es mögen. Für mich, und so manchen anderen ist nichts. Geschmacksache.
Ich fand Wildstar, was ja in der gleichen Zeit entstand eindeutig besser. Aber sie haben, wie TESO am Anfang, massive Fehler gemacht. Und leider es nicht geschafft, dass Ruder herum zu reißen.
TESO ist es gelungen, es ist schon ein „rundes“ Spiel geworden. Leider, für mich, ohne Besonderheit. Ein MMO von gestern.
Trotzdem, allen die Spaß damit haben, ich gönne es jedem, möge es noch lange gut laufen (wie ein VW-Käfer).
smile

Chucky
7 Tage zuvor

Habs heute angefangen, beta hab ich zwar gespielt aber wow ist und bleibt meine nummer 1, nur weil ich vampir sein will. hab aber kp ab welchem lvl des geht:D

Sanix
7 Tage zuvor

Toll danke Martin…. wegen dir lebt ESO und Wildstar ist Tod weil Jürgen kein Sonderheft darüber schreiben könnte….. envy

Auch wenn es nicht so sein sollte ich behaupte das jetzt einfach so razz

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