Die Liste der von den Kündigungen bei ZeniMax betroffenen Mitarbeiter wird immer länger und länger. Xbox tauscht quasi die gesamte Führung aus. Was MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz daraus schließt, dürfte allen Fans von Elder Scrolls Online nicht gefallen.
Vor ein paar Tagen erst hatte ich über eine offizielle Auflistung vom Bundesstaat Maryland berichtet, laut der 213 Mitarbeiter von ZeniMax von den aktuellen Entlassungen bei Xbox betroffen sein sollen. Damals war aber noch unklar, ob sich bereits alle Betroffenen bei der Behörde gemeldet hatten und wen es im Detail erwischt hat.
Eine inoffizielle Liste der Fans aus dem offiziellen Forum von ESO deutete aber bereits an, dass auch viele Veteranen betroffen sind, welche die Entwicklung des MMORPGs in den vergangenen 12 Jahren maßgeblich mitgeprägt hatten.
Jetzt haben wir mehr Klarheit.
Xbox ersetzt fast die gesamte Führung von Elder Scrolls Online
Die gesamte Liste der von den Entlassungen betroffenen Jobs findet ihr beispielsweise auf scribd.com. Zu den insgesamt 379 gekündigten Mitarbeitern gehören aber auch noch 166 von ZeniMax Media. Die hatten mit der Entwicklung von Elder Scrolls Online nichts zu tun.
Was auffällt: Die Xbox-Verantwortlichen haben fast die gesamte Führung der ZeniMax Online Studios vor die Tür gesetzt. Nach dem Weggang des ehemaligen Studio-Chefs Matt Firor im Juli 2025 sollte eigentlich ESO-Veteran Joe Burba die ZeniMax Online Studios in eine erfolgreiche Zukunft führen – gemeinsam mit Executive Producerin Susan Kath und Studio Game Director Rich Lambert. Alle drei sind jetzt weg.
Als Rich Lambert noch Game Director von Elder Scrolls Online war, ist MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz mit ihm und Lead Dungeon Director Mike Finnigan regelmäßig durch die neuen Verliese gezogen.

Betroffen sind aber auch viele andere Leads, etwa für die Bereiche Art, Audio und Business Development. ESO verliert zudem viele Gesichter, die das MMORPG in den vergangenen Jahren in Streams und bei Events repräsentiert haben. Community Managerin Gina Bruno beispielsweise, Lead Dungeon Director Mike Finnigan, Senior Writer Designer Jeff Grubb oder Narrative Director Bill Slavicsek.
Außerdem kein gutes Zeichen: ZeniMax durch die Entlassungswelle in Zukunft auf mehr als 60 Senior-Tester aus der Qualitätssicherung (QA) verzichten.
All das macht man nicht, wenn man Elder Scrolls Online weiterhin als Wachstumsprojekt sieht und in Zukunft umfassende Content-Updates veröffentlichen möchte.
Wer übernimmt jetzt die Führung? Josh Henderson soll jetzt die Leitung der ZeniMax Online Studios übernehmen. Als Head of Business Operations hatte er bisher vor allem die Finanzen im Blick. Es liegt daher auf der Hand, dass es Xbox bei ZeniMax jetzt um strikte Budget-Kontrolle geht.
An seiner Seite steht Nick Giacomini, der nach der Beförderung von Rich Lambert vergangenes Jahr die Rolle des Game Directors übernommen hat. Er dürfte sich vor allem um alles kümmern, was ESO inhaltlich betrifft.
Vergangenes Jahr hatte unsere MeinMMO-Chefredakteurin Leya Jankowski noch mit Rich Lambert und Nick Giacomini über die Zukunft von ESO gesprochen.

Ich sehe Schwarz für eines der besten MMORPGs auf dem Markt
Zwar haben einige der verbleibenden ZeniMax-Mitarbeiter während der ESO Taverne 2026 noch den hoffnungsvollen Vergleich gezogen, dass man jetzt so groß sei wie seinerzeit zur Ära von Wrothgar und Summerset – und man daher ESO nicht abschreiben solle. Mir fehlt jedoch zunehmend der Glaube.
Mit Leuten wie Rich Lambert, Matt Firor und Mike Finnigan hatte ich über die ganzen Jahre hinweg immer wieder zu tun. Nicht nur bei Interviews und Events, wir sind auch mehrfach gemeinsam durch die Verliese von Tamriel gezogen. Ich glaube daher recht gut zu wissen, wie sehr sie für ESO gebrannt haben, wie groß ihr Einfluss bei der Entwicklung war und dass sie ESO auch privat hoch und runter gespielt haben.
Solche Leute kann man nicht ersetzen oder ersatzlos kündigen, ohne dass das negative Auswirkungen auf die Entwicklung eines Spiels hat.
Dazu kommen weitere Faktoren. Von 300 bis 350 Mitarbeitern etwa 60 bis 71 Prozent zu kündigen, wäre für jedes Studio ein harter Schlag. Umso mehr, wenn man eigentlich noch dabei war, die Trümmer von der Entlassungswelle im vergangenen Jahr aufzukehren.
Über allen Verbliebenen hängt jetzt zudem ein Damoklesschwert, schließlich sollen in den kommenden Monaten weitere 1.600 Stellen gestrichen werden … wer kann in so einer Situation noch kreative Bestleistungen abliefern?
Dazu kommt eine neue Führung, die auf Budget und Finanzen fokussiert ist, und die krasse Reduzierung des QA-Bereichs. Das riecht alles nach einem besseren Wartungsmodus, bei dem man 08/15-Saisons rotieren und das Spiel melken möchte, bis kein Geld mehr raustropft.
Ich hoffe, ich irre mich. Merken werden wir das so richtig aber wohl erst im kommenden Jahr. Bis Ende September steht der Content-Fahrplan durch die aktuelle Saison. Die für das 4. Quartal und Anfang 2027 geplante Skyrim-Saison könnte jedoch bereits ins Wasser fallen oder in spürbar geschrumpfter Form erscheinen. Mehr dazu erfahrt ihr hier: Eines der letzten großen MMO-Studios aus dem Westen taumelt auf den Abgrund zu und es zerreißt mir das Herz
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