MeinMMO-Redakteurin Jasmin kennt Dragon Quest schon seit einigen Teilen. An den siebten Teil, der jetzt ein Remake bekommt, kann sie sich noch besonders gut erinnern. Trotzdem hat sie die düstere Atmosphäre emotional erwischt.
Die Dragon-Quest-Reihe ist eine der ersten JPG-Reihen, die es überhaupt gab. Das Besondere an den Videospielen ist, dass die Charaktere von Akira Toriyama, dem Schöpfer von Dragon Ball, gezeichnet wurden.
Für mich war Teil 7 der Einstieg in die Reihe. Ursprünglich erschien das JRPG im Jahr 2000 für die PlayStation, doch bis nach Europa hat es der Teil nie geschafft. Erst mit der Version für den Nintendo 3DS kam Dragon Quest 7 2016 nach Deutschland.
10 Jahre später erscheint jetzt eine Reimagined-Version von Teil 7. Und obwohl ich die Story noch grob im Kopf hatte, war ich überrascht, wie sehr mich die Geschichten aus dem Spiel emotional berührt haben. An einem Punkt kam es sogar vor, dass sich eine kleine Träne in meinem Auge bildete.
Kurzgeschichten mit düsterer Atmosphäre für den Feierabend
Das Abenteuer starten wir als Sohn eines Fischers. Das ganze Dorf glaubt, dass die Insel der einzige Ort auf der ganzen Welt sei und der Rest des Planeten nur aus Ozean bestehen würde. Mit der Zeit findet der Fischersohn zusammen mit seinen Freunden unterschiedliche Tafeln, die sich als Portale in die Vergangenheit entpuppen.
Jede Tafel führt auf eine Insel, die unter einem traurigen Schicksal leidet. Sobald wir die Insel in der Vergangenheit gerettet haben, taucht dieselbe Insel auch in der Zeitlinie des Fischersohnes auf. Beim Erkunden der Inseln erfahren wir dann, was aus den Nachfahren der jeweiligen Inselbewohner aus der Vergangenheit geworden ist.
Die Geschichte entwickelt sich dabei wie viele ältere japanische Rollenspiele. Zunächst handelt es sich um ein einfaches Abenteuer eines unschuldigen Jungen. Später muss der gesamte Planet gerettet werden.




Das Besondere am Spiel ist, dass jede Insel eine in sich geschlossene Kurzgeschichte ist. Dabei ist eine Story düsterer als die andere. Auf keiner Insel gibt es das perfekte Happy End. Im Hintergrund gibt es zwar die Geschichte rund um die Hauptcharaktere, doch die einzelnen Inseln stehen klar im Fokus.
Auf einer Insel herrscht beispielsweise eine bedrückende Stille im Dorf, denn es gibt keine Frauen mehr. Monster haben alle Frauen entführt und in einen ominösen Turm verschleppt. Unser Ziel ist es, die Frauen zu befreien, da die Männer zu schwach sind, um die Monster zu bekämpfen.
Obwohl ich einige der Geschichten noch von meinem Spieldurchgang von vor 10 Jahren in Erinnerung hatte, hat mich eine Insel komplett von den Beinen gerissen. Die Geschichte wurde für das Remake leider als optionale Insel eingeteilt und muss nicht einmal mehr besucht werden, um das Ende des Spiels zu erreichen. Doch ich würde euch empfehlen, sie unbedingt abzuschließen.
Das passiert auf der besagten Insel
In diesem Dorf wurden alle Menschen versteinert. Als einziger Überlebender findet sich nur ein alter Mann, der zum Zeitpunkt der Versteinerung nicht im Dorf anwesend war. Er versucht seit vielen Jahrzehnten, ein Heilmittel zu finden, um seine Freunde und Familie aufzuwecken.
Sein ganzes Leben widmete er also der Beschaffung des Heilmittels. Doch er stellt über die Jahre fest, dass die Bewohner gar nicht mehr gerettet werden können. Denn nicht nur an ihm selbst, sondern auch an den Steinstatuen nagt der Zahn der Zeit. In den Statuen bildeten sich teilweise Risse, die nicht mehr repariert werden können und ein Wiederleben unmöglich machen.
Dank unserer Hilfe schafft es der alte Mann zumindest, die Seelen der Steinstatuen zu befreien. Als er auf die Seele seiner verstorbenen Frau trifft, sagt er ihr, dass sie sich ganz bald wiedersehen würden. Schließlich ist der Mann schon sehr alt und es liegt nahe, dass ihm nicht mehr viele Jahre bleiben, bis auch er in den Himmel aufsteigt.
Die Szene hat mich in diesem Moment so mitgenommen, dass ich fast geweint hätte. Es finden sich viele weitere solche Geschichten, die vermutlich auf jeden Spieler anders wirken. Es besteht eine hohe Chance, dass auch euch eine der Geschichten besonders nahegeht und ihr emotional mitgerissen werdet.
Das finde ich vor allem deshalb so erstaunlich, weil es zwischen den einzelnen Inselgeschichten keinen roten Faden gibt. Abgesehen von der Heldentruppe gibt es keine zusammenhängenden Charaktere, die irgendwie auf jeder Insel zumindest einen Gastauftritt haben.
Jede Insel schafft es, ihre Dramatik innerhalb von nur einer Spielstunde zu vermitteln. Es braucht also nicht immer eine 70 Stunden lange Story, um einen Spieler emotional zu packen, wie ich am eigenen Leib feststellen musste.
Wenn ihr also immer nur häppchenweise Zeit habt, Dragon Quest 7 zu spielen, ist es das perfekte Spiel für euch. Ich habe den Titel für mich am besten genießen können, indem ich abends immer ein oder zwei Stündchen gespielt und immer eine Insel pro Tag erledigt habe. Viel mehr habe ich vom Kopf her auch gar nicht geschafft.
Idyllische Optik rund um die Charaktere
Ganz und gar nicht düster ist dagegen die Optik des Spiels. Für das Remake wurden die Hauptcharaktere in der Realität als Puppen gebaut und später digital ins Spiel gebracht. Das sieht man den Figuren auch an. Ich konnte einzelne Stofffalten erkennen und hatte das Gefühl, dass ich die Textur mit meinen Augen fühlen konnte.
Die Entwickler haben den Rest des Spiels an die Optik der Charaktere angepasst. Die Welten wirken dabei wie kleine Dioramen, die man beispielsweise schon aus Fantasian Neo Dimension kennt, einem anderen JRPG von Square Enix.
Selbst bei den Bäumen hatte ich das Gefühl, dass sie bestimmt total flauschig sind, und wollte sie am liebsten einmal in die Hand nehmen. Für ein Cozy Game hätte ich diese Optik definitiv erwartet, aber nicht bei so einem düsteren Spiel wie Dragon Quest 7 Reimagined.
Doch genau dieser Gegensatz macht das Spiel für mich so gut. Nachdem man das traurige Schicksal einer Insel miterlebt hat, beruhigt einen die schöne Optik.
Allerdings muss ich dazu sagen, dass keine der Inseln irgendeinen ikonischen Ort hat, der mir im Nachgang irgendwie im Gedächtnis geblieben ist. Viele der Inseln sind mit Wäldern und Gebirgen überzogen und die steinernen Gänge der einzelnen Tempel und Dungeons ähneln sich zu sehr.




Ein guter Einstieg in die Reihe
Da jeder Teil von Dragon Quest für sich steht, muss man die Spiele nicht der Reihenfolge nach zocken. Wenn ihr noch nie etwas von Dragon Quest gehört habt, könnte Teil 7 womöglich der perfekte Einstieg für euch sein. Und das liegt an mehreren Dingen:
- Nach jedem Gebietswechsel gibt es eine automatische Speicherung.
- Die Kampfgeschwindigkeit ist jederzeit anpassbar. So kann man nervigen Grind erträglicher machen.
- Es gibt keine Zufallskämpfe mehr. Dadurch steuert ihr selbst, wann ihr welchen Gegner ansteuern wollt.
- Es gibt sogar einen automatischen Kampfmodus, bei dem ihr nicht einmal mehr eine Taste drücken müsst.
- Es wurden Inhalte gestrichen, wodurch die Spielzeit drastisch gekürzt wurde.
In Kombination mit einem besonders leichten Schwierigkeitsgrad kann man die Kämpfe quasi überspringen. Ihr rennt auf einen Gegner zu, drückt die Starttaste und lasst den Kampf Kampf sein. In den paar Sekunden könnt ihr Besteck aus der Spülmaschine ausräumen, ein Wäscheteil auf die Leine hängen oder kurz aufs Handy schauen, wer euch geschrieben hat.
Es braucht also nicht immer die volle Aufmerksamkeit, wenn ihr nach einem anstrengenden Tag nach Hause kommt, Hausarbeiten erledigen müsst und noch ein wenig spielen wollt. Alle Veteranen können natürlich auf solche Quality-of-Life-Verbesserungen verzichten und direkt mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad starten.
Mit Dragon Quest 7 Reimagined könnt ihr also schauen, ob die Reihe etwas für euch ist. Trotz der vielen Neuerungen kommt sie nämlich mit den Gegebenheiten eines klassischen japanischen Rollenspiels daher. So gibt es nur eine Handvoll Charaktermodelle, die sich auf jeder Insel wiederholen, und rundenbasierte Kämpfe stehen an der Tagesordnung.
Für wen ist Dragon Quest 7 Reimagined geeignet?
Du solltest Dragon Quest 7 Reimagined spielen, wenn du…
- nach dem Feierabend geschafft bist und noch eine schnelle Runde zocken möchtest
- auf klassische japanische Rollenspiele stehst und mit ihren Nachteilen leben kannst
- Lust auf düstere und ernste Themen hast
Du solltest lieber die Finger davon lassen, wenn du…
- auf actionreiches Gameplay stehst
- das Spiel innerhalb von 10-20 Stunden abschließen möchtest
Wenn ihr euch dennoch dazu entscheidet, Dragon Quest der Reihe nach zu spielen, haben wir gute Nachrichten für euch. Zu den ersten beiden Teilen erschienen vor kurzem ebenfalls Remakes. MeinMMO-Redakteur Niko hat sie auf Herz und Nieren geprüft und kommt zu einem ähnlichen Ergebnis wie ich: Ich habe ein neues RPG auf Steam fast 40 Stunden gespielt und gar nicht gemerkt, dass es eigentlich 39 Jahre alt ist
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