Destiny 2 tut viel, um das verkorkste PvP zu retten – Aber ist das genug?

Der MMO-Shooter Destiny 2 bringt mit dem Eisenbanner das 6-Spieler-PvP aus Destiny 1 zurück. Außerdem stehen zahlreiche weitere Änderungen an. Allerdings fragen sich PvP-Fans: Reicht das?

Ende März wird mit dem Update 1.1.4 das PvP in Destiny 2 grundlegend überarbeitet. Bungie hört auf die Community und lässt vom monotonen 4vs4-Modus ab. Die Macher von Destiny 2 bringen unter anderem mit dem altbekannten 6vs6-Eisenbanner nun frischen Wind in den Schmelztiegel. Diese Änderung wird von den Fans begrüßt – vielen wird so ein großer Wunsch erfüllt.

Kommt mit dem 6vs6-Modus nun die ersehnte Wende im Schmelztiegel?destiny-2-eisenbanner

So steht es aktuell um das PvP in Destiny 2

Das PvP erfreut sich in Destiny 2 aktuell keiner großen Beliebtheit und ist teils harter Kritik ausgesetzt. Hielt das PvP den Vorgänger während jeder noch so großen Content-Dürre am Leben, so kämpft der Modus in Bungies neustem Destiny-Ableger nun um sein eigenes Überleben.

Denn durch einige fragwürdige Design-Entscheidungen hat das Destiny-PvP für die Fans an Reiz eingebüßt und fast vollständig seine Einzigartigkeit – die Space Magic – verloren. Die meisten Hüter sind sich einig: das PvP in Destiny 2 ist langweilig und unattraktiv.

Momentan wird PvP-Enthusiasten selbst aus den eigenen Reihen vermehrt dazu geraten, auf andere Alternativen zurückzugreifen, will man ein anständiges PvP-Erlebnis genießen – zu Zeiten von Destiny 1 für Fans kaum vorstellbar.destiny-2-eisenbanner-hüter

Seit geraumer Zeit kämpft Destiny 2 mit einem extremen Spielerschwund im PvP-Bereich. Die Teilnehmerzahlen der Prüfungen der Neun, die gerne als Indikator für den Allgemein-Zustand des Schmelztiegels herangezogen werden, stellten in den letzten Wochen einen Negativ-Rekord nach dem anderen auf – ein Ende des Negativ-Trends ist dabei nicht in Sicht. Die Anzahl der Trials-Teilnehmer bei Destiny 2 ist mittlerweile nicht einmal mehr halb so hoch, wie in den schwierigsten Phasen des Vorgängers.

Kurzum – das PvP macht in Destiny 2 aktuell eine sehr schwere Zeit durch und genießt bei den Hütern keinen besonders guten Stand.

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Darum ist das PvP in Destiny 2 so unbeliebt

Bereits während der Beta zu Destiny 2 machte sich bei vielen Destiny-Veteranen und PvP-Fans Ernüchterung breit. Das Spiel sah auch im Schmelztiegel optisch klasse aus. Es spielte sich jedoch – verglichen mit dem beliebten Vorgänger – merklich anders. Ein Großteil der fundamentalen Schmelztiegel-Änderungen stieß bei den meisten Fans dabei auf nur wenig Gegenliebe und Verständnis.

Bungie versuchte, zu beschwichtigen und argumentierte, es handle sich um einen älteren Build und die Release-Version werde sich gameplay-technisch spürbar davon unterscheiden. Doch blieben fast alle Kernprobleme der Beta auch im fertigen Spiel bestehen – und das bis heute.

Das macht den Schmelztiegel für Hüter so unbeliebt und wird Bungie regelmäßig vorgehalten:

  • Die Lauf-Bewegungen der Hüter sind langsam und träge.
  • Die Sprünge fühlen sich nicht mehr so dynamisch und präzise an.
  • Die „Time-to-Kill“, also die Zeit, die mit einer Waffe unter optimalen Umständen benötigt wird, um einen anderen Hüter auszuschalten, wurde zu stark erhöht. Wer als geschlossenes Team agiert, hat nun klare Vorteile.
  • Schmelztiegel-Matches sind dadurch langweilig und monoton. Die Teams stehen geschlossen an bestimmten Punkten und warten auf Gegner. Konnte man in Destiny 1 mit hervorragenden individuellen Fähigkeiten auch mehrere Gegner oder gar komplette Teams ausschalten, ist dies in Destiny 2 praktisch unmöglich. Einsamer-Held-Momente gibt es kaum noch. Gegen Team-Shooting ist man alleine chancenlos.
  • Die Fähigkeiten der Hüter wurden durch die Bank abgeschwächt. Neben dem Waffen-Gameplay machen jedoch genau diese klassenspezifischen Fähigkeiten wie Granaten, Nahkampf oder die Super den Chrakter des Spiels aus – so auch im PvP-Modus. destiny-2-eisenbanner
  • Erschwerend kommt die deutlich erhöhte Abklingzeit aller Fertigkeiten hinzu. Dadurch büßt Destiny 2 zu viel von seinem Wiedererkennungswert ein. Ohne ohne einen gut dosierten Einsatz der Fähigkeiten unterscheidet sich das Spiel nun kaum von anderen Vertretern des Shooter-Genres. Das Gefühl eines übermächtigen Hüters, der bereits ganze Alien-Königshäuser gerichtet hat und es entsprechend auch seinen Hüter-Kontrahenten im Schmelztiegel einheizen kann, will so einfach nicht aufkommen.
  • Die Individualisierungs-Möglichkeiten der einzelnen Hüter-Klassen wurden stark beschnitten. Die nur noch rudimentär vorhandenen Wahlmöglichkeiten der Fokusse in Verbindung mit enttäuschenden oder zu vernachlässigenden Exotics stoßen den Fans bitter auf. Im Vergleich zum Vorgänger hat Destiny 2 hier stark an Charakter und Build-Vielfalt eingebüßt.
  • Die aktuelle Meta ist entgegen aller Pläne Bungies durch das neue Design der Waffen-Slots zu eintönig. Ganze Waffengattungen wie Scharfschützen-Gewehre oder Schrotflinten haben fast gänzlich ihre Existenzberechtigung verloren und spielen im Schmelztiegel kaum noch eine Rolle. Andere Waffen-Arten, wie zum Beispiel die Impuls-Gewehre, sind generell zu schwach und nicht konkurrenzfähig.
  • Auf das Token-System und den fast schon trivialen Loot wird ohnehin geschimpft – auch im Schmelztiegel. Mit der Jagd nach God Rolls oder Schmelztiegel-spezifischen Waffen wie einer Eyasluna entfällt im Vergleich zum Vorgänger eine der tragenden Motivationssäulen.Destiny-2-Saladin
  • Die große Auswahl an PvP-Modi aus dem Vorgänger wurde auf einige wenige Playlists reduziert. Die beliebten Private Matches aus Destiny 1 schafften es zur Verwunderung vieler gar nicht erst ins Spiel.
  • Der gesamte Schmelztiegel wurde in Destiny 2 auf den 4vs4-Modus ausgelegt. Andere ständige Modi wie zum Beispiel Rumble, 2vs2, 3vs3 oder 6vs6 gibt es nicht. Lediglich während der Scharlach-Woche war ein 2vs2-PvP-Modus eine Woche lang spielbar. Auf Dauer erweist sich diese Schmelztiegel-Ausrichtung als sehr monoton.

So versucht Bungie aktuell, das PvP zu retten

Mit der Einführung der Meisterwerk-Waffen und Meisterwerk-Rüstungen hat sich Bungie bereits einiger dieser Probleme angenommen – wenn auch in begrenztem Rahmen. Hüter können auf diese Weise bereits mehr Orbs generieren und somit ihre Super und die ihrer Verbündeten schneller aufladen – auch im Schmelztiegel. Die Schadensreduktion während der aktiven Super, die durch das Tragen von Meisterwerk-Rüstungen gewährt wird, kann sich im PvP ebenfalls als nützlich erweisen. So fühlen sich die Spieler wieder ein wenig mächtiger.

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Ferner hat Bungie in Form von neuen Schmelztiegel-Emblemen und Rüstungsornamenten auch bereits kosmetische Belohnungen eingeführt, um die Hüter-Herzen zu besänftigen.

Aber am 27. März wird mit dem Update 1.1.4 das PvP nun grundlegend überarbeitet:

  • Bungie lässt vom omnipräsenten 4vs4-Modus ab und bringt das altbekannte 6vs6 für das Eisenbanner zurück. Damit erfüllt man den meisten PvP-Fans einen ihrer größten Verbesserungswünsche für den Schmelztiegel.
  • Auch der von vielen Hütern schmerzlich vermisste Rumble-Modus soll im Zuge des Updates eine triumphale Rückkehr hinlegen. Zudem wird Rumble im Vergleich zu Destiny 1 größer: Statt sechs Hütern werden sich in Destiny 2 gleich acht Hüter im Jeder-gegen-Jeden-Modus jagen.
  • Rumble, Hexenkessel und Eisenbanner werden sich in einer wöchentlichen Playlist befinden, in der die Modi durchrotieren. Sie werden also nicht ständig aktiv sein.
  • Ein Doppel-PvP-Modus ist zurzeit ebenfalls in Entwicklung. Das Scharlach-Doppel kam zwar bereits gut an, jedoch möchte man den Modus etwas aufpolieren, ihn weiter verbessern und flexibler machen. Sobald dieser fertiggestellt ist, wird auch er der wöchentlichen PvP-Playlist hinzugefügt. Ein Release-Datum gibt es dafür noch nicht.
  • Umfangreiche Sandbox-Änderungen an Waffen und Fähigkeiten werden vorgenommen. Hüter sollen nun schneller und agiler werden, einige Waffengattungen werden Buffs und Feintuning erhalten.
  • Die Munitionsverteilung und das Gameplay im Schmelztiegel werden angepasst.
  • Strafen für Quitter im Schmelztiegel werden eingeführt.
  • Eine Schutzmechanik, die verhindert, dass sich die Maps im PvP zu oft wiederholen, wird eingeführt.
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Weitere Änderungen und Anpassungen am Schmelztiegel in Form kommender Updates hat Bungie ebenfalls schon in Aussicht gestellt:

  • Die Private Matches sollen wieder ihren Weg ins Spiel finden.
  • Ein saisonales Schmelztiegel-Ranking-System soll eingeführt werden.
  • Die Gruppenkämpfe sollen verbessert werden.
  • Mit der Überarbeitung der Exotics soll die Build-Vielfalt gefördert werden – auch im PvP.

Weitere Anpassungen und Sandbox-Änderungen werden dabei vom Feedback der Fans abhängig gemacht.

Gelingt Bungie mit Änderungen wie dem 6vs6 die Wende im PvP?

Die Liste der kommenden Änderungen für das PvP ist groß, Bungie hat im März einiges vor in Destiny 2. Doch drehen die Entwickler überhaupt an den richtigen Schrauben, um die Spieler auch langfristig in den Schmelztiegel zurückzuholen und diesem wieder zu alter Größe zu verhelfen?

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Große Hoffnungen ruhen dabei auf dem Hightlight des Updates 1.1.4 – dem künftigen 6vs6-PvP-Modus des Eisenbanners. Damit gehen die Macher von Destiny 2 auf einen der dringlichsten Wünsche der PvP-Fans ein. Denn viele Hüter vermissen schmerzlich die 6vs6-Gefechte aus dem Vorgänger. Für die meisten sind neben dem aus den Trials of Osiris bekannten 3vs3-Modus genau diese 6vs6-Kämpfe eng an das besondere Destiny-Feeling im PvP geknüpft.

Für viele macht nach wie vor genau diese Erfahrung den Reiz des Schmelztiegels aus. Das konnte ihnen Destiny 2 bisher nicht bieten. Doch wird der Einzug des 6vs6 allein die erhoffte Wende für das PvP in Destiny 2 bringen? Das darf durchaus bezweifelt werden.

6vs6 in Destiny 2 – sicher kein Allheilmittel

Der 6vs6-Modus wird definitiv frischen Wind in den Schmelztiegel von Destiny 2 bringen und die PvP-Fans für eine Weile an ihre Bildschirme fesseln können. Die Frage ist nur – für wie lange?

Zunächst muss sich der Modus in Destiny 2 bewähren. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass der Großteil der PvP-Karten in Destiny 2 für 4vs4-Gefechte entwickelt wurde. Wie sich die erhöhte Spielerzahl auf das Gameplay auswirkt und ob entsprechend größere Maps folgen werden, muss zunächst abgewartet werden.

Des Weiteren wird es weitaus mehr als nur einen neuen PvP-Modus brauchen, um den Schmelztiegel auf lange Sicht attraktiv zu gestalten. Das 6vs6 wird die Hüter mit großer Sicherheit für eine Weile beschäftigen – auch die kurzweiligen, spaßigen 2vs2-Kämpfe während der Scharlach-Woche konnten schließlich so einige Spieler an die Bildschirme zurückholen. Sollte sich jedoch an den fundamentalen Problemen des PvP und des Spiels generell in absehbarer Zeit nichts ändern, so wird auch der Spaß an den 6vs6-Gefechten schnell wieder verfliegen.destiny-2-hüter-pvp

Zwar wurde auch weiteren durchaus wichtigen Wünschen der Community entsprochen: Es kommen neue Modi und somit mehr Abwechslung, die Fähigkeiten und die Bewegungsgeschwindigkeit der Hüter wird angepasst. Auch die Waffen werden überarbeitet.

Bei genauerer Betrachtung wird jedoch deutlich, dass einige fundamentale Kern-Probleme von den kommenden Updates leider weiterhin unangetastet bleiben. Neue Modi wie das 6vs6 sind zwar eine willkommene Abwechslung, auch die Sandbox-Anpassungen und das Bewegungs-Tuning werden dem Spiel mit Sicherheit langfristig gut tun. Das allein wird aber nicht dazu beitragen können, dass der Schmelztiegel auch auf lange Sicht die Hüter intensiv beschäftigen wird.

Bungie ist definitiv auf dem richtigen Weg, das Spiel zu einem insgesamt besseren Erlebnis zu machen. Aber solange wichtige Aspekte wie die zu hohe Time-To-Kill und das daraus resultierende Team-Shooting, der Mangel an Individualisierungs-Möglichkeiten und die damit verbundene fehlende Spieltiefe und das triviale Loot-System nicht von den Entwicklern angegangen werden, wird es nicht zu dem Ergebnis führen, was sich alle schlussendlich erhoffen – nämlich eine konsequente Weiterentwicklung von Destiny.

Was haltet Ihr von den kommenden Änderungen? Ist Bungie mit 6vs6 auf dem richtigen Weg? Schreibt Eure Meinung gerne in den Kommentar-Bereich.


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