MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz hat den DLC „Charting the Unknown“ von Crimson Desert gespielt und verrät, warum die neuen Inhalte so bemerkenswert sind wie das Hauptspiel selbst.
Ich hatte euch bereits davon erzählt, dass ich den DLC „Charting the Unknown“ von Crimson Desert noch vor dem Start von WoW: Forever unbedingt spielen muss. Ich hatte einfach zu viel Spaß mit dem ungewöhnlichen Open-World-Abenteuer von Pearl Abyss. Plus: Die Liste an Neuerungen, die mit dem kostenpflichtigen Inhaltspaket kommen sollten, war wieder einmal wunderbar absurd lang. Das musste ich einfach selbst sehen und spielen.
23 Stunden später ist es getan. Der Tacho für die Gesamtspielzeit steht jetzt bei knapp 180 Stunden. Kliff hat das Herz einer Magierin erobert, sich aus den Tiefen des Meeres ein cooles Lichtschwert sowie ein Hai-Mount besorgt, ein neues Rüstungsset im Schrank und eine neue Bedrohung im Keim erstickt. Außerdem ist er jetzt stolzer Besitzer eines Sägewerks, das er jederzeit zu einem Wirtschaftsimperium ausbauen könnte.
Aber auch seine beiden Gefährten waren nicht untätig. Oongka hat sich selbst bewiesen, dass er seine Freunde beschützen kann, indem er Dinge erschafft (und nicht nur zerstört). Damiane konnte wiederum Demeniss vor einem politischen Umsturz schützen und sich so die Burg ihrer Familie zurückholen. Dort laufen gerade die Sanierungsarbeiten.
Jap, all das gehört zum neuen DLC, der in Sachen Umfang – ähnlich wie schon das Hauptspiel – jede Art von Vernunft vermissen lässt. Und ich liebe das!
Ganz knapp kein Blood and Wine
Wenn es um die besten kostenpflichtigen DLCs aller Zeiten geht, sitzt bei mir seit vielen Jahren „Blood and Wine“ für The Witcher 3 auf dem Thron. „Charting the Unknown“ ist aber gar nicht so weit davon weg. Der Umfang ist für die paar Euro ähnlich verrückt. Allein die hohe See, die Besitzer des DLCs jetzt mit dem eigenen Schiff erkunden und durchtauchen können, ist noch einmal größer als der eh schon riesige Kontinent aus dem Hauptspiel.
Dort trefft ihr Piraten- und Handelsschiffe, tief verborgene Schätze, gefährliche Monster, düstere Geistergaleeren und unentdeckte Inseln. Letztere könnt ihr teils um Häfen erweitern und dort eure Graumähnen zur Arbeit schicken, um besondere Ressourcen zu fördern. Wer jeden Winkel erforschen möchte, braucht ein robustes Segelschiff mit dicken Kanonen und großer Besatzung – so eins könnt ihr euch für viel Ingame-Geld kaufen oder mit der Zeit selbst bauen.
Für eure Tauchgänge besorgt ihr euch wiederum Anzüge, die euch mit Sauerstoff versorgen sowie euer Schwimmtempo steigern, U-Boote oder Unterwassertiere als Mounts (wie Haie, sie lassen sich zähmen wie Pferde). So ausgerüstet rast ihr minutenlang durchs Wasser, bis ihr riesige Kraken auf euch aufmerksam macht oder schicke Lichtschwerter aus Truhen angelt. Allein mit diesem Teil des DLCs könnt ihr Stunden verbringen.
Wichtiger dürften für die meisten Spieler aber die drei neuen Story-Kampagnen sein. Die sind teils ähnlich krude erzählt wie die Geschichte des Hauptspiels, haben aber das Herz am rechten Fleck. Vor allem Oongka und Damiane bekommen frische Charakter-Facetten verpasst, die sie als Figuren interessanter machen. Das Trio will weiterhin einfach nur allen helfen – das wirkt teils etwas naiv, aber auf eine märchenhafte, sympathische Art.
Schön ist auch, dass sich die zugehörigen Herausforderungen nicht nur um Kämpfe drehen (auch wenn es diverse Bosse gibt). Kliff muss sich seinen Weg durch einen riesigen Sandsturm bahnen und für die betroffenen Dörfer neue Wege finden. Oongka lernt die Grundlagen der Ingenieurskunst und bekommt es daher mit Rätseln und Maschinen zu tun. Damiane bekämpft indes einen drohenden Aufstand durch gute Taten und Dialoge mit den verärgerten Menschen.
Die abgeschlossenen Geschichten sind aber recht kurz und sie erreichen nie die Tiefe und Qualität von Geralts letztem Kapitel. Wer die neuen Questreihen spielen möchte, muss übrigens die umfangreiche Hauptgeschichte beendet haben.
Wirtschaftswunder, Hochzeit und Käferjagd
Die Hohe See mit Schiffskämpfen, Inseln und Tauchgängen plus die neuen Storys … das sind tatsächlich nur zwei der vielen Neuerungen von „Charting the Unknown“. Die Entwickler haben beispielsweise die Interaktion mit den NPCs deutlich ausgebaut, sodass ihr bei diesen nun nicht nur euren Ruf steigern, sondern mit ihnen auch Beziehungen eingehen könnt – bis hin zur schick inszenierten Hochzeit.
Damit das klappt, könnt ihr mit der Frau oder dem Mann eures Herzens eine Auswahl von Themen besprechen oder ihr schenkt ihnen regelmäßig etwas. Da es für den Rufzuwachs eine tägliche Beschränkung gibt, fühlt sich das teilweise ganz schön nach Grind an, aber dafür werdet ihr bei bestimmten NPCs wie den Magierinnen mit besonderen Dialogen respektive Quests belohnt – und eben mit der Heirat am Ende.
Viel Zeit könnt ihr aber auch in den Ausbau eurer Unternehmenskraft stecken und Sägewerke oder Restaurants kaufen. Dort stoßt ihr dann die Produktion von Waren an, bestimmt ihre Preise, stellt Mitarbeiter ein, umgarnt besondere Kunden und sorgt in den Läden für Wohlfühlatmosphäre, um letztlich hohe Gewinne zu erzielen. Das Geld könnt ihr dann beispielsweise in bessere Segelschiffe oder den Ausbau eurer eigenen Burg investieren.
Apropos: Nicht nur die neuen Burgen könnt ihr individuell einrichten. Auch euer altes Haus lässt sich abreißen und von Grund auf neu bauen, sogar mehrstöckig – dank einer spürbaren Erweiterung der Housing-Optionen. Und am Ende könnt ihr mit eurem Ehepartner gemeinsam in eurem neuen Heim wohnen.
Wer indes lieber knackige Endgame-Herausforderungen angehen möchte, wird im „Garten der Prüfungen“ fündig. Dort fordert ihr eine Reihe von bekannten Bossen nacheinander heraus, aber in deutlich knackigeren Varianten. Ihr habt dabei quasi drei Leben, da ihr mit Kliff, Oongka und Damiane antreten dürft. Doch dafür gibt es im Garten keine Möglichkeit, sich durch Gerichte zu heilen.
Ihr müsst also fast fehlerfrei spielen, um hier erfolgreich bestehen zu können. Ganz ehrlich: Ich bin hier trotz 180 Stunden komplett überfordert und fange mir schmerzhafte Maulschellen ein. Mich würde es stark überraschen, wenn am Ende mehr als 1 Prozent aller Spieler von Crimson Desert den Erfolg für die Meisterung vom „Garten der Prüfungen“ besitzen.
Als Lohn winken übrigens in den Talentbereichen von Kliff und Co. besondere Effekte, mit denen ihr bestimmte Fähigkeiten der Kämpfer weiter verbessern könnt.
Der DLC „Charting the Unknown“ ist also riesig. Wer alles entdecken, meistern und ausbauen möchte, dürfte noch einmal deutlich über 50 Stunden beschäftigt sein. Den enormen Umfang erkaufen sich die Entwickler aber auch mit einer recht hohen Bug-Dichte – ähnlich wie damals beim Launch.
Teils konnte ich beispielsweise Quests nicht abschließen, weil NPCs nicht da waren, wo sie sein sollten, oder weil meine Graumähnen von einer fertigen KI-Mission für die Fertigstellung eines neuen Hafens einfach nicht zurückgekommen sind.
Man muss dem Team aber erneut zugutehalten, dass sie rund um die Uhr rotieren, um die Fehler zeitnah auszubügeln. Allein am vergangenen Wochenende gab es mehrere Updates mit Hotfixes, durch die sie diverse Bugs aus der Welt schaffen konnten.
Ich bin zuversichtlich, dass sie auch in den kommenden Tagen und Wochen weiter am Feinschliff der neuen Inhalte arbeiten werden. „Charting the Unknown“ ist aber auch schon jetzt ein bemerkenswerter DLC, und ich bin froh, dass er weit genug vor WoW: Forever erschienen ist, um ihn spielen zu können. Habt ihr vielleicht auch schon reingespielt? Verratet es mir gern in den Kommentaren! Jetzt geht der Blick auf ein paar wilde Release-Tage: Diese Woche ist eine der besten für Fans von MMOs – welches Spiel werdet ihr zocken?
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