Hearthstone: Sogar Mitarbeiter von Blizzard protestieren gegen den Bann

Dem beliebten Spiele-Studio Blizzard fliegt gerade eine Entscheidung bei Hearthstone um die Ohren. Spieler rufen zum Boykott auf, sogar die eigenen Mitarbeiter scheinen mit der Entscheidung unzufrieden zu sein. Sie äußern ihren Protest stumm.

Gegen was protestieren die Leute? Der Hearthstone-Grandmaster Chung „Blitzchung“ Ng Wai wurde von Blizzard hart bestraft. Er hatte sich in einem Live-Stream politisch geäußert und Stellung gegen China und für Hong Kong bezogen.

So rief er in einem Live-Stream von Blizzard: „Liberate Hong Kong, revolution of our age!“

Hong Kong gehört zwar zu China, die Bewohner dort genießen aber demokratische und wirtschaftliche Freiheiten, die im Rest von China nicht gelten. Das läuft unter dem Begriff „Ein Land – zwei Systeme“ und hängt mit der Vergangenheit von Hong Kong unter britischer Regierung zusammen.

In letzter Zeit scheint China seinen Einfluss auf Hong Kong vergrößern zu wollen, dagegen protestieren viele. So auch der Hearthstone-Grandmaster, der selbst aus Hong Kong stammt. Er soll mit Hearthstone seit 2017 etwa 20.400$ verdient haben (via liquipedia).

Blizzard entzieht Hearthstone-Profi seine Existenz als eSportler

So wurde Blitzchung bestraft: Nach dem Ausruf wurde der Hearthstone-Profi aus dem lukrativen und prestigeträchtigen Grandmaster-Programm rausgeworfen. Das ist die Existenz-Grundlage, um mit dem eSport von Hearthstone sein Leben zu bestreiten. Es gibt nur 48 Grandmaster weltweit und es ist schwierig, dort reinzukommen – und normalerweise genauso schwierig, wieder rauszufliegen.

Zudem wurde Chung für ein Jahr von allen Hearthstone-Turnieren gesperrt und Blizzard behält das Preisgeld von Season 2 ein.

Die zwei Caster, die während Blitzchung das rief, kicherten und in Deckung gingen, wurden ebenfalls gefeuert.

Blizzard bezieht sich auf die Regel 6.1 der Hearthstone Grandmasters. Diese Regel untersagt Äußerungen, die Blizzard in Misskredit bringen, eine Gruppe beleidigen oder sonst irgendwie das Image von Blizzard beschädigen.

Blizzard-Mitarbeiter decken Werte ab

So protestieren Blizzard-Mitarbeiter: Am Eingang vom Blizzard-Hauptquartier in Kalifornien steht eine 3,6 Meter hohe Statue eines Orcs. Dort sind die Ideale von Blizzard eingraviert wie: „Gameplay First“, „Think Globally“ oder „Every Voice Matters“.

Wie der eSports-Announcer und frühere Blizzard-Mitarbeiter Kevin Hovdestad über Twitter teilte, hat jemand die Sätze „Think Globally“ (Denke weltweit) und „Every Voice Matters“ (Jede Stimme zählt) mit einem Papier abgedeckt. Das seien erzürnte Mitarbeiter gewesen.

Er wertet das als Protest, dass nicht jeder bei Blizzard mit dem Bann einverstanden ist.

Update 10.10. 9:44 Uhr: Wie PCGamer berichtet, gab es um die Statue gestern sogar noch mehr Aufregung. Angeblich hätten sich 20 Blizzard-Mitarbeiter in einer Art Streik vor der Orc-Statue versammelt, um dort zu protestieren.

Sie hatten Regenschirme dabei – die gelten als Protest-Symbol.

BlizzardOrc-Protest

Wo formiert sich der Protest noch? Es gibt Boykott-Aufrufe gegen Blizzard. Das Subreddit zu Hearthstone explodierte. Zwischenzeitlich hatten die Moderatoren das Subreddit sogar geschlossen – später aber wieder aufgemacht.

Die sozialen Netzwerke sind voll mit kritischen Äußerungen gegen Blizzard.

Auch bei anderen Veranstaltungen, wie einem College-Turnier zu Hearthstone, tauchte ein Banner auf mit „FREE HONG KONG, BOYCOTT BLIZZ.“

Hearthstone-Hong-Kong

Problematisches Verhältnis von West-Firma zu China im Fokus

Das steckt dahinter: Das ist eine Diskussion, die Blizzard nicht gefallen dürfte: Man diskutiert öffentlich, welche Kompromisse westliche Firmen wie Blizzard eingehen, um in China Geld verdienen zu können.

Das ist eine Diskussion, die unter der Oberfläche seit Jahren schwelt. Das Thema wird aber nur selten von den Verantwortlichen thematisiert.

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Jede Firma, die in China Geld verdienen möchte, muss Kompromisse schließen, weil die chinesische Regierung den Zugang zum Markt reguliert und dabei eigene ideologische und wirtschaftliche Interessen verfolgt.

Blizzard geht diese Kompromisse – wie viele andere westliche Firmen – still und stumm seit Jahren ein:

Bislang lief das alles unter dem Radar der meisten Spieler – diesmal nicht.

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Autor(in)
Quelle(n): ViceKotaku
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