WoW wird offenbar in einen hässlichen politischen Konflikt um Zensur gezogen

Beim MMORPG WoW gibt es Aufsehen um neue Patch-Notes für den Test-Server. Denn die sollen Worte im chinesischen Client mit politischer Brisanz filtern: Es ist wohl ein Fall von Zensur der chinesischen Regierung gegen Proteste in Hongkong.

Das verändert der neue Patch: Der neue Patch auf dem Test-Server für WoW, der nächste Woche kommen soll, passt unter anderem den „Schimpfwort-Filter“ für die chinesische Sprache an, wie ein Spieler auf reddit berichtet.

Der Nutzer postete eine Liste von Wörtern, die jetzt mit dem nächsten Patch eine „ID“-Nummer erhalten und als „Schimpfwort“ gelten. Der Nutzer gibt aber keine Quelle an, wie er an die Daten gelangt ist.

Das Heikle ist es, dass es sich bei den neuen „zensierten Begriffen“ nicht um Schimpfwörter handelt, sondern um politische Schlagworte.

Die bald gefilterten Worte hängen alle mit dem Protest zusammen, der sich seit Tagen in Hongkong formt und in Demonstrationen Bahn bricht. Die politischen Unruhen dort richtet sich gegen eine größere Einflussnahme der chinesischen Regierung auf Hongkong.

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Worum geht es bei dem Konflikt? Hongkong war lange britische Kronkolonie, wurde aber 1997 wieder an die Volksrepublik China übergeben. Seitdem gärt ein Konflikt um das Modell des „Ein Land, zwei Systeme“:

  • Viele Einwohner von Hongkong wollen möglichst autonom bleiben und sich eher am Westen orientieren. Ihnen stehen Sonderrechte zu, etwa Recht auf freie Meinungsäußerung, Presse- und Versammlungsfreiheit
  • Peking scheint aber seinen Einfluss auf Hongkong vergrößern zu wollen

Erst in den letzten Tagen kochte der Konflikt erneut hoch. Hunderttausende Einwohner von Hongkong protestierten gegen die Einflussnahme Chinas und forderten den Rücktritt von Regierungschefin Lam (via SpiegelOnline). Man spricht von den größten Demonstrationen seit 3 Jahrzehnten.

Grund ist ein neues Auslieferungsgesetz.

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Diese Worte werden in WoW angeblich bald gebannt: Auf Englisch übersetzt sind es Begriffe wie:

  • „Hong Kong Strike“
  • „Hong Kong parade“
  • „Anti-Corruption“
  • „FreeHongKong“
  • „Extradition Law“
  • „NoExtraditionToChina“
  • und ähnliche.

Das soll nur den chinesischen Client betreffen.

Wenn die Begriffe im Schimpfwort-Filter hängen, ist es nicht möglich, Gilden oder Charaktere zu erstellen, die so heißen. Außer werden die Worte bei aktivem Filter ausgeblendet.

Es wirkt so, als sollte der Schimpfwort-Filter verhindern, dass politischer Protest auch die World of Warcraft erreicht.

Das ist das Problem: Im Reddit-Forum diskutiert man, dass der Chat-Filter von WoW hier benutzt wird, um Meinung zu zensieren.

Man fragt sich, ob Blizzard das wirklich gutheißt oder ob sie ihren chinesischen Partnern von NetEase zu sehr nachgeben, Eine fragen, ob Blizzard überhaupt eine Wahl hat.

NetEase vertreibt als lokaler Partner Blizzards Spiele in China. Die Firma ist es auch, die mit Blizzard zusammen Diablo Immortal entwickelt.

In jedem Fall eine heikle Angelegenheit. Man weiß, dass westliche Firmen Kompromisse eingehen müssen, wenn sie in China Geschäfte machen wollen, da die chinesische Regierung den Zugang zum Markt reglementiert.

Im Moment gibt es noch keine Statements zu dem Fall.

Wir werden auf MeinMMO berichten, sobald mehr über die Situation bekannt ist.

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