Chrono Odyssey
Chrono Odyssey wirft den typischen, endlosen Trash-Mob-Grind
asiatischer MMOs über Bord und bietet stattdessen einen stark PvE-fokussierten Action-RPG-Loop, der sich mechanisch eher an Singleplayer-Hits wie Elden Ring oder Monster Hunter orientiert.
Im PvE-Alltag verbringt man die meiste Zeit damit, die düstere Welt zu erkunden und anspruchsvolle, instanziierte Dungeons und Open-World-Bosse zu erledigen. Dafür sind zwei Punkte extrem entscheidend:
Punkt 1: Vorbereitung
Chrono Odyssey nimmt seine Spieler kaum an die Hand ‒ und das ganz bewusst. Schon früh wirft man Spielern beispielsweise einen für das aktuelle Level sehr schwierigen Boss in den Weg, mit der Mission, ihn auf das Kommende vorzubereiten. Nachdem man fast unweigerlich gescheitert ist, sagt das Spiel ganz unverblümt: Du bist wohl zu schwach, komm wieder, wenn du so weit bist.
Das ist der Punkt, an dem der Titel wirklich glänzt und man anfängt, Nebenquests zu erledigen oder die Welt zu erkunden. Besonders cool ist dabei, dass auch die Map nicht einfach verrät, wo etwas ist.
So gab es im Beta-Test einen Dungeon, den man bloß durch Erkundung finden konnte, der aber bei jedem Abschluss eine Währung gab, mit der man ein starkes Ausrüstungsset kaufen konnte. Gefunden haben das vielleicht 5 % der Spieler, aber genau das macht es so spannend ‒ ein MMORPG, das Geheimnisse mitbringt und erforscht werden will.
Punkt 2: Kampfsystem
Chrono Odyssey ist so etwas wie das Dark Souls unter den MMORPGs. Nicht nur die Bosse haben es in sich, ihr müsst auch ausweichen, parieren und die Angriffsmuster auswendig lernen. Das ist nicht nur überlebenswichtig, sondern eine Voraussetzung, um durch das Spiel zu kommen. Die Entwickler planen aber, basierend auf dem Feedback aus der Beta, die eine oder andere Stellschraube einzubauen, um sich Herausforderungen etwas erleichtern zu können.
Erwartet keinen sanften Einstieg. Die Levelphase von Chrono Odyssey ist ein echter Kraftakt, der allerdings auch wieder nur die Vorbereitung für das noch schwieriger Endgame sein wird. So ist man wohl nicht in nur einem Tag auf der maximalen Stufe. Der Level-Prozess gehört genauso zum Spiel wie das Endgame, denn hier soll jeder Sieg wirklich erarbeitet werden.
Das Endgame wiederum dreht sich stark um die Wirtschaft, die Materialien für das Aufwerten und Craften von Ausrüstung liefern muss. Diese Items brauchen die Spieler, um sich noch größeren Feinden zu stellen, die dann natürlich noch besseren Loot liefern.
Ein Traum für echte MMORPG-Fans
Auf den ersten Blick stößt Chrono Odyssey viele Spieler direkt ab. Das ist ein großes Problem der Entwickler, denn die vergangene Beta war für viele, die den Titel blind probiert haben, einfach zu schwierig. Kein Wunder. Wenn ihr euch auf WoW freut und Dark Souls bekommt, schaut ihr auch zunächst verdutzt beim Geistheiler vorbei.
Die Zielgruppe des MMORPGs besteht aus genau den Spielern, die sich die guten alten Zeiten der MMORPGs zurückwünschen und eine Herausforderung suchen. Ihr müsst die Welt erkunden und so eigenständig die Rätsel der Welt, Bosse und wichtigen Orte finden.
Das steht konträr zum heutigen, komfortablen MMORPG-Markt, ist aber genau richtig für alle, die sich „die guten alten Zeiten“ zurückwünschen und bei denen der Fortschritt des eigenen Charakters an erster Stelle steht.
Passend zur Zielgruppe der anspruchsvollen Genre-Fans sind bislang keine Features wie Dailys oder andere FOMO-Designs bekannt. Gleichzeitig geht es mit eurem Charakter nur voran, wenn ihr selbst etwas tut. Das könnte ein Reiz sein, den es schon länger nicht mehr gab. Denn anders als bei Aion 2 bedeutet ein mächtiger Charakter hier wirklich Erfahrung und Skill.
Nichts für Aufgeber
Trotz des wirklich interessanten Ansatzes hat die geschlossene Beta klare Kanten gezeigt. Chrono Odyssey ist wirklich nichts für jeden. So dürfte der Titel etwas wie der Gegenentwurf von Throne and Liberty sein. Statt um Gildenkriege um Burgen, Open-World-PvP und Co. geht es in Chrono Odyssey um kooperatives PvE-Spiel, bei dem eine Hand die andere wäscht.
Wer zudem eine niedrige Frustrationsgrenze hat und seinem Charakter auch gut und gerne dabei zuschauen könnte, wie er im Autoplay Feinde vernichtet, der ist bei Chrono Odyssey falsch aufgehoben. Die Beta hat außerdem Schwächen bei der Performance offenbart, die zwar bei Release nicht mehr so vorhanden sein müssen, ein vernünftiger PC könnte jedoch dennoch eine Voraussetzung für eine vernünftige Spielbarkeit sein.
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