4 Spiele, die unfertig erschienen, aber den vollen Preis wollten – Die neue Norm?

Wie man etwa an den Beispielen Wild West Online, Shroud of the Avatar oder auch The Culling sieht, scheint es immer gängiger zu werden, Spiele bewusst unfertig zu veröffentlichen – und Fans werfen den Entwicklern dafür sogar noch jubelnd Geld in den Rachen. Sogar Sea of Thieves passt in dieses Schema. Autor Andreas Bertits hat hierzu eine ganz eigene Meinung.

Wild West Online_neu 1

Unfertig aber „released“: Wild West Online

Wie unfertig wurde Wild West Online veröffentlicht? Wild West Online könnte als das Paradebeispiel für unfertig veröffentlichte Spiele gelten. Schon während der Alpha machte das MMO den Eindruck, als würde die Hälfte fehlen, darunter sogar Texturen an Objekten. Unmengen an Bugs verdarben den Spielspaß. Versprochene Features wie Kopfgeldjagden waren gar nicht integriert. Na gut, war ja noch Alpha, mag man denken. Doch jetzt, nach dem offiziellen Release am 10. Mai befindet sich das Onlinespiel noch in demselben Zustand.

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Shroud of the Avatar

Was ist mit Shroud of the Avatar? Platzhalter-Dialoge bei NPCs, ein unausgegorenes Balancing, ein Offline-Modus, in dem sich das Spiel in späteren Passagen kaum noch meistern lässt, weil die NPC-Begleiter nutzlos sind. Dazu geklonte Spielgebiete und Bugs, bei denen man bei jeder Quest damit rechnen muss, dass sich die Mission nicht mehr beenden lässt, gehören neben einem unnötig komplizierten und hässlichen UI zu den Dingen, die zeigen: SotA ist schlicht bei Veröffentlichung am 27. März nicht fertig gewesen.

Die Entwickler geben dies sogar zu und veröffentlichen die kommenden Monate Updates – nicht mehr, um weitere Features hinzuzufügen, sondern, um das Spiel fertigzustellen – nach Release!

The Culling 2

The Culling – Eingestellt, neu gestartet, eingestellt und schon wieder ein Neustart geplant. The Culling wusste von Anfang an nicht, was es überhaupt für ein Spiel sein wollte. Vielleicht beeinflusst durch den Erfolg von Battle-Royale-Shootern wie Fortnite wurde das Spielprinzip stetig verändert, bis das Original nach Kritik am unfertigen und „schlechten“ Zustand eingestellt werden musste. Die Spielerzahlen waren auch im Keller. The Culling 2 kam auf den Markt und ihm widerfuhr dasselbe Schicksal. Nun plant das Team, wieder zum Anfang zurückzukehren… Klingt nach keinem besonders durchdachten Konzept. Vielleicht wäre es besser gewesen, von Anfang an ein klares Konzept aufzubauen und dieses durchzuziehen.

Sea of Thieves

Sea of Thieves – Es soll sich weiterentwickeln. Als Sea of Thieves am 20. März veröffentlicht wurde, war von der Beta her schon klar, dass es sich in einem unfertigen Zustand befinden würde. Und die Entwickler erklärten, dass sie ein Spiel auf den Markt bringen wollten, das sich weiterentwickelt. Dennoch: Bei Release bot das Onlinespiel einfach viel zu wenig Content. Ja, es werden Inhalte nachgereicht und so langsam macht sich der Titel auch. Doch der fade Beigeschmack, ein unfertiges Spiel – und das sogar bewusst – veröffentlicht zu haben, bleibt einfach bestehen.

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Sea of Thieves Sunken Curse 1

Unfertig, aber Vollpreis

Unfertige Spiele kosten genauso viel wie fertige. Es werden also Spiele veröffentlicht, die nicht fertig sind oder sich zumindest zum Release nicht in einem Zustand befinden, den man als fertig oder als ausgereift ansehen könnte. Und dennoch kosten sie genauso viel Geld wie ein fertiggestelltes Produkt. Paradox, ist aber so.

Ist es nicht normal, dass MMOs nicht „fertig“ sind? Das kommt darauf an, was man unter „fertig“ versteht. Ein Spiel, das den Status „released“ hat, sollte als ausgereiftes Produkt für sich alleine stehen können, sich gut spielen und Spaß machen. Dass Updates dazu genutzt werden, neuen Content hinzuzufügen oder die restlichen Bugs zu fixen, ist okay. Bei Release jedoch sollte ein Spiel einen guten Status haben, der als „fertig“ oder „ausgereift“ bezeichnet werden kann. Immerhin verlangen die Entwickler dann auch den vollen Preis für ihr Produkt.

Wo liegt das Problem? Das Problem liegt darin, dass dieses Verhalten Schule macht und von den zahlenden Kunden unterstützt wird. Wer den vollen Preis für ein offensichtlich unfertiges Produkt bezahlt, der sorgt dafür, dass weitere Entwickler auf diesen Zug aufspringen. Wir werden damit also immer häufiger Spiele sehen, die ganz offensichtlich unfertig und vielleicht sogar in einem desolaten Zustand veröffentlicht werden, aber trotzdem den vollen Preis kosten. Hier stellt sich die Frage, ob die Spieler dafür bezahlen wollen, nur als Tester zu fungieren oder ob es nicht vielleicht mal an der Zeit wäre, den Entwicklern zu zeigen, dass nur ausgereifte Produkte unterstützt werden dürfen.

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Ausnahme Early Access?

Was ist mit Early Access? Early Access ist ein zweischneidiges Schwert. Die Intention dahinter ist durchaus in Ordnung und legitim. Ein Spiel in einem frühen Zustand zu veröffentlichen, um die Spieler durch Feedback an der Entwicklung teilhaben zu lassen und zu sehen, was gut funktioniert und was nicht. Immerhin sind Early-Access-Titel auch als „unfertig“ gekennzeichnet. Allerdings nutzen immer mehr Entwickler Early Access einfach dazu aus, Spiele unfertig zu veröffentlichen, um schnell Geld zu machen. Hier sollte man als Kunde stets gut aufpassen, welche Titel man unterstützt.

Bless Online

Rächt sich so etwas nicht? Die Spieler haben es in der Hand, wie sie mit dieser Situation umgehen. Werden solche unausgereiften Vollpreisspiele stark kritisiert, schlecht bewertet und nicht mehr gekauft, dann sollte das den Entwicklerstudios eine Lehre sein und vielleicht achten sie in Zukunft wieder mehr darauf, Qualität abzuliefern. So lange aber derartige Produkte gekauft werden, wird sich vermutlich auch kein Lerneffekt einstellen.

Was raten wir? Schaut, wofür ihr euer Geld ausgebt. Seid ihr euch bei einem neuen Spiel unsicher, dann wartet mit dem Kauf lieber etwas ab und lest euch Tests und Bewertungen sowie Kommentare von den Spielern durch, die sich den Titel bereits gekauft haben. Oder nutzt über Steam die Refund-Option, um ein Spiel, das nicht euren Vorstellungen von einem Qualitätsprodukt entspricht, innerhalb von zwei Stunden wieder zurückzugeben. Solche Rückgaben treffen die Entwickler oft dort, wo es wehtut.

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