World of Warcraft bringt einen geliebten Charakter um. Nur leider ist das so gar nicht heroisch oder dramatisch abgelaufen.
Spoilerwarnung: In dem Artikel geht es offensichtlich um Inhalte aus Patch 12.1.5. Ihr wurdet gewarnt.
Ihr kennt mich jetzt schon ein paar Jahre lang. Ich liebe das Warcraft-Universum. Ich liebe Warcraft III, ich liebe World of Warcraft und so ziemlich alle Bücher – auch die umstrittenen. Ich habe viel Freude an dem Gameplay, ich liebe das Housing und vor allem die Nebenquests sind in Midnight richtig, richtig gut. Aber was zur Hölle ist mit der Hauptgeschichte und den Schicksalen einiger Charaktere los?
Ein sang- und klangloses Ende einer Heldin
Patch 12.1.5 stellt mit seiner „Auflösung“ für mich den Tiefpunkt einer Charakterentwicklung dar, die ich seit Shadowlands nicht mehr gesehen habe.
Wer es noch nicht weiß, hier der Spoiler: Lady Liadrin stirbt am Ende des Kampfes gegen Kith’ix.
Sie verausgabt sich im Kampf, bricht danach zusammen und stirbt sang- und klanglos, noch bevor irgendjemand etwas bemerkt.
Lor’themar und Zul’jarra erreichen sie erst, als sie bereits gestorben ist.
Was mich am allermeisten stört ist, dass ihr Tod schlicht nur ein „Plot Device“ war. Denn weil sie gestorben ist, reißen sich Zul’jarra und Lor’themar irgendwie am Riemen und gehen einen Waffenstillstand zwischen den Sin’dorei und den Amani ein. Weil Liadrin das ja so gewollt hätte und dafür einstand.
Ich könnte im Strahl kotzen.
Ich habe nichts dagegen, dass Charaktere in der Handlung sterben. Das muss manchmal passieren. Das kann episch, heldenhaft, tragisch oder schockierend sein. Aber eines dieser vier Attribute muss der Tod eines so wichtigen Charakters, der seit über 20 Jahren Teil von World of Warcraft ist, einfach haben.
WoW war in seiner Erzählung immer dann am besten, wenn es überspitzt und ein wenig „drüber“ war:
- Wenn Varian heldenhaft an der Verheerten Küste in den Tod springt und von Gul’dan hingerichtet wird.
- Als Ursoc im Shadowlands-Video zum Ardenwald geopfert wird, damit der Wald überlebt.
- Der Tod von Rastakhan, der mit seinem letzten Atemzug erst offenbart, dass er auch seine Tochter verflucht hat.
- Der Tod von Saurfang, der am Ende des Mak’gora von Sylvanas einfach aus dem Leben gezaubert wird.
Das waren alles Tode, die der „Rule of Cool“ folgten – etwas, das häufig kritisiert wird, aber zu der heldenhaften, überzeichneten Welt von Warcraft einfach gut passt. Es ist eben eine heroische Fantasy-Welt, in der die Überzeichnungen funktionieren.
Zum Glück bin ich mit dieser Ansicht auch nicht alleine:
Schade
ist das einzige, was mir da noch einfällt
Ich habe lange nachgedacht: Sehe ich das zu eng? Muss man den Tod im Kontext des ganzen Raids sehen? Ja, auf jeden Fall. Liadrin kanalisiert das Licht beim Kampf gegen Kith’ix mit aller Kraft. Aber es gibt keine erkennbaren Anzeichen dafür, dass sie über ihre Grenzen hinausgeht und sich so sehr verausgabt, dass sie buchstäblich stirbt.
Am Ende bricht sie einfach zusammen, als wäre sie an Altersschwäche gestorben.
Ich saß da wirklich vorm Bildschirm, habe geblinzelt und die Brauen zusammengezogen und mir gedacht: „Ah, ein typischer Schock-Moment, aber gleich wacht sie wieder auf.“ Tut sie aber nicht. Sie ist einfach zusammengebrochen und tot.
Blizzard, ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, was bei eurem Story-Team gerade abgeht. Ich weiß nicht, ob da gerade zu viele Köche den Brei verderben oder ein einzelner zu viel Kontrolle hat – aber ihr müsst irgendetwas ändern. Wenn ihr einen geliebten, langjährigen Charakter tötet, dann will ich dabei etwas fühlen. Und das Gefühl darf einfach nicht Enttäuschung darüber sein, dass man es auf die langweiligste, belangloseste und aus meiner Sicht schlicht dümmste Art und Weise getan hat.
Was mich noch mehr stört: Das ganze „Danach“ ist komplett inkonsequent und undurchdacht.
Denn bei der Trauerrede in Silbermond kann man mit vielen NPCs sprechen – vor der Rede und danach. Vor der Rede von Lor’themar – wo die Anwesenden scheinbar noch nicht wissen, dass Liadrin tot ist – sagen die NPCs so sagen wie „Ich hoffe, es gibt gute Neuigkeiten“ oder „Ich frage mich, warum man uns zusammengerufen hat?“
Das wäre nicht so wild, wenn die nicht alle nach der Rede sagen würden: „Lor’themar hat uns schon vorher erzählt, was passiert ist“, gefolgt von ein paar netten Worten zu Liadrin. Das ist so inkonsequent. Das muss doch jemandem auffallen, dass die Charaktere sich komplett widersprüchlich verhalten.
Ich will mich nicht auf das hohe Ross setzen und sagen „Also das hätte ja sogar ich besser schreiben“ können. Stattdessen will ich einfach sagen: Blizzard, ich dachte wirklich, ihr könntet das besser schreiben. Schade.
„Schade.“ Das einzige Wort, was mir zu Liadrin in Erinnerung bleiben wird. Einer der wichtigsten Charaktere der Blutelfen überhaupt. Ich habe keine Ahnung, wie ihr das geschafft habt, ist aber auch irgendeine Art von Leistung.
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