Mit World of Warcraft Forever hat Blizzard das wohl größte Spiel, das sie jemals entwickelt haben – zumindest was die potenziellen Spieler angeht.
Wer sich mit Blizzard oder World of Warcraft nicht auskennt, für den müssen die letzten Wochen seit der BlizzCon entweder bizarr oder nur verwirrend gewesen sein. World of Warcraft erfindet sich neu und die ganze Gaming-Welt spricht davon. Schon wieder.
Das macht Blizzard ungefähr alle 2 Jahre, wenn eine neue Erweiterung rauskommt. Das ist nichts Neues, das ist bekannt und jedes Mal reagiert die Fanbasis, als hätte man das Ei des Kolumbus gefunden, das ein MMORPG-Genre revolutionieren wird.
Manche schauen auf WoW Forever und fragen sich: Was soll das eigentlich? Noch einmal die Classic-Welt? Noch einmal ein Neuanfang? Haben wir das im Grunde nicht schon in mehreren Varianten ausprobiert? Haben wir nicht durch WoW Classic, die Saison der Entdeckungen und auch mit Anniversary Classic nun alles oft genug in verschiedensten Versionen durchgekaut?
Und ja, zum Teil haben diese Stimmen recht. In ganz vielen Belangen ist WoW Forever „das alte“ noch einmal aufgewärmt. Etwas hübschere Grafik mit schicken Wetter-Effekten, ein paar neue Quests pro Gebiet und Anpassungen an den Klassen, damit auch wirklich jede Spezialisierung sinnvoll sein kann.
Dennoch glaube ich, dass ein sehr großer Teil der WoW-Veteranen – egal ob sie Classic-Fans sind oder Retail spielen – noch nicht ganz begreift, wie groß WoW Forever wirklich sein wird.
Das Potenzial schier endloser Spielerinnen und Spieler
Was viele nicht auf dem Schirm haben, ist der Sog, den World of Warcraft Forever zum Launch ausüben wird. Damit meine ich nicht nur den Reiz, den es für aktuelle und ehemalige WoW-Spieler haben wird. Klar, alleine das ist eine ziemliche Menge, doch das größere Potenzial liegt in den Personen, die World of Warcraft bisher nicht ausprobiert haben.
Es gibt noch mindestens zwei weitere Gruppen, die Blizzard bisher noch nicht angezapft hat und die in Scharen zu WoW Forever strömen werden.
Alle, die den Schritt nie gewagt haben
Die erste Gruppe ist die Menge an Personen, die in den letzten 21 Jahren mal von World of Warcraft gehört hat. Sie haben den Launch vielleicht verpasst und sahen sich seither einer immer größeren Hürde gegenüber, die überwunden werden musste. Seien es die inzwischen 11 Erweiterungen im modernen WoW oder das Überkommen von Spielerinnen und Spielern, die Classic bereits auswendig kennen.
Ich bin mir sicher: Absolut jede und jeder von euch kennt mindestens eine Handvoll Leute, die grundsätzlich Interesse an WoW haben, aber die immer das Gefühl hatten, „den Einstieg verpasst“ zu haben. Sie waren beim Launch nicht dabei und dann war es einfach zu spät.
Das Versprechen, dass mit WoW Forever ein Spiel gänzlich „neu“ startet, dass man kein knappes Dutzend Erweiterungen spielen muss und gleichzeitig mit allen anderen frisch anfängt, da das Spiel noch nicht gelöst ist – das ist für viele die „zweite Chance“, von der sie immer dachten, dass sie niemals kommen wird.
Die Kinder der damaligen Nerds
Die zweite Gruppe besteht vor allem aus jüngeren Menschen, die „WoW-Eltern“ haben. Eine ganze Generation Kinder, deren Eltern irgendwann in der Vergangenheit mal WoW gespielt haben – sei es zu Vanilla, zu Wrath of the Lich King oder Legion. Das ist eine Generation, die World of Warcraft bisher zum großen Teil belächelt hat, aber doch irgendwie immer im Hinterkopf hatte: Es wäre schon interessant zu verstehen, was meine Eltern an dem Spiel so geliebt haben.
Es könnte für viele ein wirklich schönes Familien-Hobby werden, vor allem weil es eben keine endlose Item-Hatz gibt, sondern einen „ewigen“ horizontalen Fortschritt. Es ist egal, ob der klischeehafte Familienvater nur abends eine Stunde Zeit hat, während Tochter und Sohn 90 % ihrer Freizeit in Forever stecken können. Auch bei solchen Unterschieden können sie Forever gemeinsam genießen.
Ich bin mir sicher: Mit WoW Forever hat Blizzard mal wieder die Lizenz zum Gelddrucken gefunden. Das einzige, was den Erfolg von Forever noch schmälern könnte, wäre ein verhunzter Start mit anhaltenden Server-Problemen, Bugs oder Exploits. Doch selbst das dürfte nur einen Bruchteil der potenziellen Spielerschaft abschrecken.
Was jedoch für mich außer Frage steht: WoW Forever wird gigantisch und dürfte eine tragende Säule von Warcraft werden. Das stellt kein Problem für das moderne WoW dar, aber die bisherigen Classic-Versionen dürften der Reihe nach sterben. Oder wie seht ihr das Ganze?
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