Meine Freunde leiden an „WoW Burnout“ – und ich spüre es auch

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WoW-Dämon Cortyn weiß nicht mehr, wo oben oder unten ist. Denn es gibt so viel „Content“, dass man sich einfach ausgebrannt in World of Warcraft fühlt.

Wer mich und meine Artikel kennt, weiß: World of Warcraft ist für mich eine wichtige Sache. Ich liebe das Spiel, gehe mit ihm aber auch hart ins Gericht, wenn irgendetwas aus dem Ruder läuft.

Seit fast 21 Jahren spiele ich WoW nahezu durchgehend. Mal ein bisschen intensiver, mal deutlich weniger. Doch den aktuellen Inhalt habe ich im Grunde immer gespielt und alles so lange abgegrast, bis ich das hatte, was ich daraus wollte. Sei es ein schickes Spielzeug, ein schönes Transmog oder einfach ein weiterer Erfolg, der sich zu den anderen Tausenden gesellen kann – da bin ich manchmal simpel gestrickt.

Doch mit Midnight zeichnet sich ein Phänomen ab, von dem ich erst dachte, es würde nur mich betreffen. Im Gespräch mit Freunden merkte ich aber, dass es auch anderen so geht. Wir haben das einfach mal „WoW-Burnout“ genannt – ein Begriff, der sicher auch schon von anderen verwendet wurde.

Die Kritik: WoW bietet inzwischen so viele Inhalte in immer kürzerer Zeit, dass man gar keine Zeit mehr hat, sich richtig auf ihn einzulassen, ihn zu genießen und eine Weile wirken zu lassen. Es ist ein großes Fast-Food-Dauerfressen mit einigen Highlights dazwischen, aber auch einer Menge seelenlosem Mist, den man im Nachhinein bereut.

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WoW Midnight: Arators Licht und der Feuerbrand

Keine Zeit für das, was Freude bereitet

Ich hatte vor ein paar Tagen ein Gespräch mit einem Freund und da haben wir uns über das Housing unterhalten. Denn eigentlich sind wir beide totale Housing-Fans, lieben das Feature total und würden viel mehr Zeit darin stecken wollen – wenn WoW nicht gerade so überladen mit „Filler-Content“ wäre. Denn am Ende des Monats haben wir beide festgestellt: Das aktuelle Unterfangen unserer Nachbarschaft haben wir gar nicht gespielt. Es stellte sich schlicht die Frage: Bei der ganzen Content-Flut, wo soll da denn noch die Zeit bleiben, um alte Inhalte für ein Unterfangen zu spielen?

Dabei ist auch der Zustand der veröffentlichten Inhalte fragwürdig:

  • Über das wirklich miserable „Decor Duel“ haben wir bereits zu Genüge gesprochen. Das war zu Beginn im Grunde gar nicht spielbar.
  • Das Abgrundfischen könnte ich auch lange besprechen. Das ist eine Art Mini-Spiel, dessen vornehmliche Belohnungen darin besteht, dass man besser in diesem Mini-Spiel wird. Richtige „Belohnungen“ in Form von Transmog oder Spielzeug lassen sich an einer Hand abzählen.
  • Die Ritualstätten sind auch lediglich „Tiefen mit Extra-Schritten“ und einem eigenen Belohnungssystem, das auch noch auf Lootboxen und Zufall basiert, zugleich aber ein total unausgeglichenes Verhältnis zwischen Fortschritt und Belohnungen hat. Denn die meisten dürften bereits alle relevanten Belohnungen aus den Ritualen haben, bevor sie auch nur im Ansatz die „Ruhm-Stufe“ auf das Maximum gebracht haben.

Das sind alles Inhalte, bei denen Blizzard die Notbremse hätte ziehen müssen.

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Bei den Ritualen gab es Belohnungen über Lootboxen – ein System, das auf viel Verachtung gestoßen ist.

Es ist es nicht so, dass sich die verschiedenen Inhalte wie Arbeit oder Pflicht anfühlen – so, wie es zu Shadowlands oft der Fall war. Doch die Menge an Inhalten mit ihren kleinen Mini-Belohnungen, die alle irgendwie „milde interessant genug“ sind, um sie haben zu wollen, ist einfach erschlagend.

Versteht mich nicht falsch. Trotz des wirklich katastrophalen Release von Patch 12.0.5 ist World of Warcraft weiterhin ein tolles Spiel, das mir viel Spaß bereitet. Aber es ist zu viel. Zu viele Inhalte, zu viele Währungen.

Ich mochte es immer, in World of Warcraft den Zustand zu erreichen, bei dem ich „fertig“ mit allem war, was mir wichtig war. Ich habe etwa die Ruf-Fraktionen nach dem Launch so schnell wie möglich auf ehrfürchtig gebracht (oder jetzt auf Ruhm-Stufe 20) und natürlich alle Quests erledigt. Dann gab es zumeist einige Wochen lang Pause, bevor der nächste Patch kam. In der Zeit konnte man dann an persönlichen Zielen arbeiten – seien es Pet-Battles, alte Erfolge oder ein wenig Rollenspiel betreiben.

Inzwischen geht das kaum noch. Patch 12.0.5 erschien, noch bevor ich mit den Ruhm-Fraktionen fertig war. Ich hatte das tolle Jagd-Feature mit Astalor noch nicht auf das Maximum ausgebaut. Die Tavernen-Quests der Arkantina habe ich irgendwann ganz links liegen gelassen.

Ich komme schlicht nicht zu „noch mehr“ Inhalten.

WoW Housing Garden
Diesen Mondbrunnen-Garten wollte ich schon vor Wochen bauen – doch bin erst jetzt dazu gekommen, weil ich mir aktiv sagte: “Vergiss den aktuellen Content.”

Tempo, Tempo, Tempo – Keine Zeit für Entfaltung

Dieses Tempo wirkt sich auch auf die Story aus und führt zu fragwürdigen Entscheidungen. Denn ein weltveränderndes Ereignis, wie eben Midnight, wurde in 4 Wochen abgehandelt. Zwischen dem Angriff auf den Sonnenbrunnen von Xal’atath, der Gegenwehr des Sonnenbrunnens mit Heiligem Licht, dem Gegenangriff von Xal’atath, der aus dem Sonnenbrunnen den Düsterbrunnen machte, der Reinigung des Brunnens sowie seiner Neuerschaffung als Morgenbrunnen lagen gerade einmal 4 Wochen.

Innerhalb von einem Monat wurde die ganze Kern-Story von Midnight abgehandelt. Dass diese Story aus meiner Sicht auch noch einem ganzen WoW-Volk die Identität geraubt hat, ist Thema für einen anderen Mecker-Mittwoch.

Für jetzt ist nur wichtig: Es geht zu schnell. Dass das Gameplay deutlich zackiger als in Classic ist, finde ich gut – das wäre mir sonst heute eindeutig zu langweilig. Doch dass Content in einer Geschwindigkeit nachgeschoben wird, die gar keine Pause mehr kennt, ist einfach zu viel.

Dass Teile dieses schnell nachgeschobenen Contents aktuell nicht einmal „gut“ ist, macht es zwar leichter, ihn schlicht zu ignorieren. Doch das will ich eigentlich gar nicht. Ich will World of Warcraft spielen, aber gleichzeitig nicht das Gefühl haben, dass ich sämtliche Freizeit opfern muss, um überall irgendwie am Ball zu bleiben.

Ich hätte gerne wieder ein World of Warcraft, das mir auch erlaubt, andere Hobbys zu haben und das mich nicht in immer kürzeren Abständen mit immer mehr Content erschlägt, der dafür immer unausgereifter wirkt und zum Release schlicht unfertig ist.

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Zu viel, zu schnell, zu unerfüllend. Der Content im ersten Patch nach Midnight-Release wirkt nicht wie er soll.

In meinem Freundeskreis nimmt die Anzahl der Leute drastisch zu, die nur noch zu den Raid-Abenden auftauchen. Nicht, weil sie keine Zeit für WoW hätten. Sondern weil sie den Eindruck haben, dass ganz egal, wie viel Zeit sie haben, es ohnehin nicht reichen würde, um einen Zustand im Spiel zu erreichen, der sie zufrieden macht.

Vielleicht ist das ein Problem der „alten“ WoW-Fans wie mich, die seit über 20 Jahren dabei sind. Ich liebe es, irgendwelche Balken zu füllen. Seien es XP, Ruf oder irgendwelche Erfolge. Ich liebe es, mir Belohnungen zu erspielen und mich dann daran zu erfreuen.

Aber ich liebe es auch, irgendwann einen Punkt erreicht zu haben, an dem ich für eine Weile „fertig“ war. An dem ich auf meinen mühsam erspielten Reittier in Silbermond rumstehe und ein bisschen prahle oder einfach locker chatte, ohne dass im Hinterkopf der Gedanke brennt, doch noch irgendeine Art von Content absolvieren zu müssen. Das ist im Grunde gar nicht mehr möglich und führt dazu, dass die Fülle an Inhalten ihren Reiz verliert und zur Belastung wird.

Wenn es nach mir geht, darf World of Warcraft sich wieder mehr Zeit zwischen den Patches lassen. Ich brauche nicht alle 8 Wochen ein neues Update. Mir würden auch alle 12 Wochen vollkommen ausreichen. Dann kann Blizzard an den jeweiligen Inhalten feilen und sie spaßiger machen und vielleicht habe ich dann auch seltener das Gefühl, bei allem irgendwie hinterherzuhinken. Ich will nicht noch mehr Inhalte. Ich will bessere. Die dürfen auch gerne endlich sein. Dann hätte ich auch wieder Zeit, um ganz ohne schlechtes Gewissen einfach an meinem Magierturm weiterzuarbeiten.

Wie nehmt ihr World of Warcraft aktuell wahr? Seid ihr mit der Menge an Content und der Qualität zufrieden? Wünscht ihr euch gar, es würde noch schneller gehen? Oder seht ihr es ähnlich wie ich und ein wenig mehr Ruhe würde dem Spiel deutlich besser tun, als ein immer schnellerer Patch-Zyklus, der langsam aber sich seinen Tribut fordert?

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pineapple-express

Um die Geschwindigkeit geht es mir gar nicht in erster Linie. Viel mehr um den Inhalt an sich. Bei all den Zwischenpatches gibt es nie mehr zu erbeuten als Transmog, Einrichtungsgegenstände und Marken zum Aufwerten. Stattdessen muss ich aber bis … (August?) auf Patch 12.1 und Atal’utek warten. Denn dann geht es ja eigentlich erst weiter. Somit gibt es bis dahin Spielpause.

huehuehue

Selbstverständlich gibt es da “nur” “Transmog, Einrichtungsgegenstände und Marken zum Aufwerten”, denn gäbe es Anderes, wäre das für sehr viele Spieler so etwas wie “verpflichtend” und würde Dinge wie wie FOMO oder “Must-Do” massivst befeuern. So ist es optional, niemand “muss” das alles machen, um “stark genug” zu werden für sich (und für die Auswahlkriterien der Mitspieler). Das ist ganz bewusst so gemacht – Unterhaltung und Beschäftigung für die, die es machen wollen aber so gut wie nichts davon “Pflicht”.

Zuletzt bearbeitet vor 17 Tagen von Huehuehue
TheDude

Man schüttet uns mit “Content” zu, packt aber dieses unsägliche Markencap oben drauf, dass ich in der zweiten Wochenhälfte eigentlich keinen Loot mehr “ausbezahlt” bekomme, obwohl da immer steht, dass ich soundsoviele Marken bekommen haben soll…

seska1973

Wird hier auch was “Fear of Left Out” bedient?

zanareth

Ich seh das Problem nicht in der Contentflut. Sie wollen für jeden was machen und ja, dass spricht nicht jeden an. Aber für mich, und dass seh ich schon seit Shadowlands so ist nicht das Tempo sondern die Flut an “Belohnungsmechaniken” (Mount, Gear, Ruf, Blubberkeks)

Früher war ich den ganzen Tag damit beschäftigt mit meinen Twinks Tagesquests zu machen um bei allen den Ruf zu steigern um den zu pushen.

Heute passiert das im Vorbei laufen. Du erreichst Max-Level von Ruf zu schnell, dass es Bedeutungslos wird. Mounts sind nur noch Recolors von 5 Archetypen die nicht mal sonderlich toll aussehen. Gear ist auch nur noch nen Recolor von 4 – 5 Sets wo man sich nach 1-2 Wochen seine Lieblingsfarbe zusammen hat und der Rest ist doch eigentlich egal.

Selbst die Wochenkiste ist für mich als Tiefenspieler unwichtig weil ich hab ja schon seit wochen in jedem Slot Hero-Gear und der Rest ist Min/Maxing aber das ist ja eigentlich auch nicht mehr wichtig.

Fazit für mich. Weil alle in den Foren immer rumgeheult haben, dass Sie keine Zeit für Mythics/Twinks haben wurde alles so einfach erreichbar gemacht, dass es für mich keinen Wert mehr hat. Wie ein 6 Jähriges Kind was zu Weihnachten 20 Geschenke bekommt und nach 2 Tagen alles doof findet.

vulperabeste

Also ich spiele auch sehr gerne WoW, es macht mir persönlich am meisten Spaß mit meinen Freunden zusammen zu spielen. Den ganzen Solo-Content den Blizzard raushaut spiele ich persönlich gar nicht. Ich hab im ganzen Addon vielleicht 4 Tiefen gemacht (weil die Kampagne mich gezwungen hat), die Ritualstätten habe ich nicht angefasst, ich hab keine Ahnung was dieses Abgrundangeln ist. Das Beute-System war für mich nur am Anfang interessant als man noch Veteran-Gear gefarmt hat, danach nie wieder angepackt, weil diese ganzen Modi meiner Meinung nach langweilig sind.

Außerdem gibt es ja auch noch andere Spiele als World of Warcraft die auch alle sehr viel Spaß machen. Ich habe gar nicht die Zeit diese ganzen Inhalte in WoW zu spielen, aber wozu auch? Für ein Transmog von denen es eh 1.000.000 im Spiel gibt? Für ein Mount die heutzutage eh nichts besonderes mehr sind? Oder für irgendwelche Housing-Gegenstände? Meiner Meinung nach Kokolores.

Und das ist halt dann auch das was ich mich Frage: Spielt ihr alle nur ausschließlich WoW? Sind euch irgendwelche Transmogs / Mounts so wichtig dass man sie innerhalb von 8 Wochen haben muss? Weil diese Inhalte sind ja in 8 Wochen nicht weg, man kann ja weiterhin Ritualstätten spielen nehme ich an. Also wozu überhaupt dieser künstliche, selbst erzeugte Druck diese Inhalte spielen zu müssen? Ihr habt FOMO, aber wovor, wo ist die Angst etwas zu verpassen mit begründet?

Spielt doch einfach nur die Inhalte die euch Spaß machen? Ist auch gesünder für das eigene Wohlbefinden, weil wir reden hier von einem SPIEL und Spiele sollen Spaß machen. Ich spiele ausschließlich M+ in WoW, nichts anderes, weil mir das am meisten Spaß macht, ich würde euch empfehlen dasselbe zu tun, also nicht nur M+ zu spielen, sondern nur die Inhalte die euch Spaß machen. Und wenn es da momentan nichts gibt, dann spielt vielleicht einfach eher Spiele die euch Spaß machen und nicht welche die euch deprimieren.

Hanorian1956

Damit wurde so ziemlich alles gesagt ! Danke !
mfg Hanorian

Miliani79

Einer der Gründe warum ich auch wieder mit WoW aufgehört habe. Spiele jetzt wieder Final Fantasy 14, weil ist irgendwie einfach chilliger in vielerlei Hinsicht 🙂

stefx

Sehe ich fast genauso. Mir würde es auch reichen wenn es “nur” alle 14 Wochen was neues gibt.

nailbender

Ja, geht mir genau so. Es wird einfach irgendwann alles zu viel und da ich mich selbst vor FOMO schützen will, habe ich ganz einfach mit WoW aufgehört.

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