Die Geschichte von Anduin in World of Warcraft sorgt für Diskussion. Gerade „echte Männer“ können damit wenig anfangen – und ernten viel Kritik.
Schaut man sich im Subreddit oder den Foren von World of Warcraft um, dann kommt die neuste Erweiterung „The War Within“ recht gut weg. Abgesehen von kleinen Problemen mit dem Auktionshaus oder der Kontroverse um den Nerf der Level-Geschwindigkeit scheinen die meisten von der Story und der Welt begeistert zu sein. Hin und wieder tauchen jedoch Kritikpunkte an Anduin auf, dem König der Allianz, der in der Geschichte eine tragende Rolle spielt.
Denn einige sind der Ansicht, dass der König „zu viel rumheult“ oder sich „mal nicht so anstellen soll“.
Für viele ist das eine ziemlich sonderbare Ansicht, wenn man doch bedenkt, dass Anduin gerade massive Traumata verarbeiten muss.
So wird das Thema diskutiert: Im Subreddit von WoW wird das Thema im Beitrag „An die Leute, die sich beschweren, dass Anduin Gefühle hat“ angeregt diskutiert. Der Nutzer celestial-milk-tea schreibt dazu:
Es tut mir leid, dass irgendwer euch das Gefühl gegeben hat, dass ihr nicht die Erlaubnis habt, als Mann Gefühle zu haben und dass das auch für fiktionale Charaktere gelten sollte. Männer dürfen Gefühle haben, dürfen über diese Gefühle mit anderen reden und sollten auch dazu ermutigt werden, das zu tun. Gutes Writing hat Charaktere mit Emotionen und es ist eine gute Sache, wenn eine Story dich irgendeine Art von Verbindung zu einem Charakter und deren Emotionen fühlen lässt.
Es gibt in dieser Community viele Veteranen mit PTSD [„Posttraumatische Belastungsstörung“ oder auch PTBS] und es bricht mir das Herz zu sehen, wie einige über Anduins PTSD sprechen und wie er doch „einfach darüber hinwegkommen“ soll, in dem Wissen, dass es Leute hier mit einer ähnlichen Erfahrung gibt, die so etwas zu lesen bekommen. Seid netter und benehmt euch besser.
Der Beitrag bekommt mit über 3.200 Upvotes jede Menge Zustimmung und wird angeregt diskutiert. Dass nicht alle diese Ansicht teilen, zeigt sich aber an der vergleichsweise geringen Zustimmung von „nur“ 79 %.
So antwortet die Community: Unter dem Beitrag wird angeregt diskutiert. Besonders scheint manche zu verwundern, dass viele Leute so negativ auf den Umgang mit Gefühlen reagieren. Immerhin trägt die Erweiterung den Namen „The War Within“, also „der Krieg im Inneren“ – da sei es doch schon absehbar, dass es dabei auch um interne, emotionale Konflikte gehen würde.
So schreibt Eiknarf95:
Dachten wir wirklich alle, dass eine Erweiterung mit dem Namen „War Within“ sich ausschließlich mit Kämpfen in Höhlen beschäftigen würde und nicht mit PTBS, mentaler Gesundheit und interner Charakter-Entwicklung? […]
Nur um das klar zu machen: Ich bin absolut für diese Art von Storytelling und denke es ist großartig, dass wir solche tiefen und emotionalen Themen mit einigen der größten Charaktere in der Lore erforschen können.
Gerade einige Menschen, die nach eigener Aussage unter PTBS leiden, stimmen dem zu, wie etwa geckobrother:
Als Veteran mit PTBS muss ich sagen, ich liebe wie sie ihn geschrieben haben. Das ist sehr realistisch, wie es ihm manchmal gut geht und dann plötzlich triggert ihn etwas und verstimmt ihn. Ich stehe komplett hinter Blizzard und wie sie ihn aktuell schreiben.
NadalaMOTE vertritt eine ähnliche Ansicht und fand die Geschichte recht stimmig:
Als ein Mann mit PTBS fühlten sich Anduins Probleme extrem vertraut an.
Was ich nicht erwartet habe, was mich wirklich schockiert und tief berührt hat, war das Mitgefühl, das ihm von Faerin gezeigt wird. Jemanden so damit hadern zu sehen, war mir sehr vertraut. Jemanden zu sehen, der geheilt und vervollständigt wurde und in der Lage war, diese Wärme und das Licht auf jemanden mit Schmerzen zu übertragen, jemanden auf der „anderen“ Seite zu sehen. Das hat mich tief berührt.
Was sind Anduins Probleme? Dass Anduin in den Augen mancher Fans zu einem „verheulten Waschlappen“ wurde, liest man immer wieder – auch gelegentlich hier in den Kommentaren. Der Grund für seine gegenwärtigen inneren Konflikte und Selbstzweifel ist das Leid, das er in Shadowlands erfahren hat. Dort wurde er von Sylvanas und dem Kerkermeister entführt und letztlich mithilfe von verzauberter Rüstung dazu gezwungen, gegen seine Überzeugungen zu handeln und mehrere Gräueltaten zu begehen.
Für Anduin waren diese Erlebnisse so einschneidend, dass er dabei sogar seine Verbindung zum Licht verloren hat. Er fürchtet, wenn er das Licht um Hilfe bittet, wird es ihm nicht mehr helfen – und aus dieser Angst heraus versucht er es gar nicht erst.
Besonders die Geschichte in Heilsturz, dem dritten Gebiet von The War Within, beschäftigt sich viel mit Anduin, seiner persönlichen Entwicklung und der Verarbeitung dieser traumatischen Erlebnisse. Eine emotionale Geschichte, die aber eben nicht allen gefällt, die sich nach „starken Helden ohne Gefühle“ sehnen. Dabei hat die aktuelle Erweiterung durchaus ziemlich düstere Stories.
Nicht allen Fans gefällt eine Geschichte, in der Gefühle auch mal zum Tragen kommen. Manche sehnen sich einfach nach „starken Helden“ und „dauerhafter Action“. Wenn das dann mal nicht vorkommt, wird das Spiel gleich als „WoW: The Feelings Within“ oder „World of Emotioncraft“ bezeichnet. Ein bisschen unangenehm ist das ja schon.
Falls euch die ganze Story von WoW interessiert, haben wir da auch was.

Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.
Klingt irgendwie nach der “Ich klick eh alle Videos weg”-Fraktion, die auch gern mal die Levelphasen überspringen und eigentlich lieber einen Loot-Shooter spielen wollen.
Persönlich habe ich kein Problem mit der Geschichte sowie der aktuellen Entwicklung von Anduin und freue mich sogar, dass die Storyschreiber endlich wieder beginnen vernünftige und nachvollziehbare Geschichten zu schreiben.
Das genau das aber aktuell auf Gegenstimmen trifft ist nachvollziehbar und einer Spielerschaft geschuldet, welche man selber herangezüchtet hat. Alles zwischen Legion und Dragonflight hat leider genau solche Spieler bestens bedient. Es wurde eine Geschichte ohne Rücksicht und Verstand präsentiert, die geradezu mit der Axt auf alles eingeschlagen hat, was uns vorher lieb und wichtig war.
Dragonflight hat vieles besser gemacht, aber dafür durch BfA und Shadowlands entstandenen Probleme ausgeblendet. Mit dem aktuellen AddOn spürt man, dass man sich hier wirklich dem inneren Kampf stellen will. Möchte man die beiden erwähnten AddOns nicht gänzlich ignorieren und trotzdem etwas von den bekannten Charakteren zeigen, sollte man den Charakteren eben auch die Zeit geben, dass was man ihnen angetan hat zu verarbeiten.
Ich weiß nicht, das finde ich nicht.
Legion hatte einige der emotionalsten Geschichten überhaupt. Der Tod von Ysera. Der Nachtgeborene in Azsuna, der seiner Magiesucht erliegt. Die vielen kleinen Geschichten in den Nebenquests, wie etwa das elfische Paar, bei dem eine der beiden Frauen ein Satyr wurde.
Ich glaube nicht, dass man sich da eine “Spielerschaft rangezüchtet” hat, die das aktuelle nicht mag. Ich glaube, es gibt einfach eine ganze Reihe von Männern, die noch immer “Gefühle = Iiiih, gib mir lieber Blut und Mord” denken – und dann noch eine ganze Reihe von Jugendlichen, die ohnehin in ihrer “Edgy Teenager-Phase” hängen (die wir alle doch mal hatten) und zu einem ähnlichen Gedanken kommen.
Ich verstehe total, dass man manchmal brachiale Action und keinen Herzschmerz will. In einem reinen Action-Spiel ist das auch okay. Aber in einem Rollenspiel mit Charaktertiefe muss man damit leben, dass es auch Gefühle und Emotionen gibt. Denn sonst sind die Charaktere am Ende flach und schrecklich langweilig.
Es kommt hier wohl beides zu Tragen, zum einen hat Blizzard mit gewissen Entscheidungen bzgl. Spielmechaniken dafür gesorgt, dass man alles nur schnell & besser machen muss/kann und ohne Verluste auf andere, bzw. ohne andere. Die Soziale Komponente ist für Außenstehende so gut wie nicht vorhanden. (Community etc. pp.).
Wiederum ist es genau dieses Verhalten was man heutzutage allgemein wahrnimmt/erlebt. Und ich würde nicht nur Männer da mit einbeziehen, ebenso Frauen, auch wenn der andere Teil überwiegt.
Es mag zwar nicht das selbe sein, aber irgendwie kann ich es vergleichen. Denn mit Animes läuft es zur Zeit genauso ab. Es gibt wirklich nur noch wenige die sich wirklich mit einer Charaktertiefe beschäftigen, meistens läuft alles nach dem selben Schema ab. Hauptsache sich berieseln lassen, nicht groß Nachdenken und über Action freuen, sobald man aber 1-2x Folgen mit Charaktererzählung auseinander setzen muss, wird oftmals weitergeschaltet und als schlecht deflamiert, “weil ja nichts passiert”.
So ähnlich scheint es bei vielen Leuten auch in der Gamingszene zu sein, ganz nach dem Motto: “Gefühle sind nur was für Schwache”.
Find Anduin auch ziemlich nervig und das lässt man dann als subplot laufen aber so ist das recht aufdringlich und tatsächlich nicht mal gut geschrieben.
Zum PTSB Part, das ist in den USA noch eine Ecke schlimmer als in DE, da ist die Schnittmenge derer höher die damit was anfangen können und kann man daher durchaus auch mal in ein RPG als Subplot einbauen. Gleichwohl ist das unglaubwürdig geschrieben das Anduin da nun durch die Gegend läuft und man erstmal eine Gruppentherapie Sitzung in einer Höhle hält.
Das passt an der Stelle halt überhaupt nicht und hätte das eher im Gasthaus bei der Bierkrug Szene platziert. Da wäre die Umgebung passend und wirkt realistischer zumal da nicht wirklich was passiert ist hat man das verschenkt. Wäre quasi kongruent zu den Lager Szenen von DA / BG / DD gewesen und hat halt einen Grund warum man das so macht.
Nicht böse gemeint, aber warum passt es nicht ?
Ich meine man sitzt nirgendwo die ganze Zeit rum und “therapiert” Anduin. Es passiert immer wieder Nebenbei. Wir sind in einem Abschnitt wo es um das Licht geht, ein ganz großes Thema in Hallowfall. Genau das Licht, was Anduin meint, dessen er unwürdig geworden ist.
Hallowfall ist an sich eine perfekte visuelle Form von Anduin. Der Kristall, der das Licht ist, der aber immer wieder dunkel wird. Genau umgekehrt wie bei Anduin, hier herrscht momentan komplette Finsternis und ab und zu kommt doch wieder Licht rein, auch wenn er es noch nicht ganz wahrhaben möchte. Es ist super geschrieben, und nicht “aufdringlich”.
Wir kämpfen gegen die Finsternis und ab und zu kommt dann Anduins Einwurf, dass er des Lichts nicht würdig ist, es kommen ein paar Zeilen von Faerin und dann geht’s weiter. Und das nicht mal durchgängig, sondern wirklich erst als man am ersten
Ich habe absolut keine Ahnung, warum du findest, dass die entsprechenden Szenen “nicht passen” oder “schlecht geschrieben” sind. Das Feedback von Leuten, die an PTBS leiden ist bisher: Das ist ziemlich gut, das ist echt überzeugend.
Außerdem hält man keine “Gruppentherapie-Sitzung in einer Höhle”. Anduin hat einen kurzen Trigger-Moment, der auftaucht, als die Dunkelheit ihn zu übermannen droht. Exakt so funktioniert PTBS. Das taucht halt nicht nur auf Wunsch dann auf, wenn es gerade “convenient” ist.
War 12 Jahre bei der Bw und in 6 Einsätzen + kenne etliche mit PTSB, da unterhält man sich nicht nebenbei drüber und noch weniger mit jemanden den praktisch gerade getroffen hast.
Mal abgesehen davon das in der Situation mit ganz anderen Sachen beschäftigt bist. Da hast 3 Reaktionen die Auftreten, Kampf, Flucht oder Starre und ja das gilt auch für Leute mit PTSB in allen Ausprägungen da halt mit Adrenalin vollgepumpt wirst. Das kann danach sogar eine Weile dauern bis davon wieder runterkommst.
Ist wie gesagt eher was für den Tresen beim Gastwirt aber nicht wir prügeln uns durch eine Höhle in die eingeschlossen sind. Und ja hab da gewisse Erfahrungswerte … .
Also ich habe P.T.B.S. eine Lange zeit und Unterhalte mich drüber nicht bei einem Bier in der Bar zwar mit Freunden drüber geredet aber Nebenbei da es vielen an Verständnis mangelt ist es schwer zu erklären wie das ist und wenn jemand etwas ähnliches erlebt hat ist es einfacher auch wenn man die Person noch nicht lange kennt.
Ich finde Anduin durchaus nachvollziehbar und die Leute die Rumheulen und sonst was labern die kennen Depressionen und PtBS aus Filmen und alles läuft nach Drehbuch ab und genauso ….jeder Mensch ist anders und geht damit anders um.
Aber vielen ist gemein das sie einfach alles fühlen Scham,Wut,Traurigkeit und dann nur noch das es kommt wie eine Welle die dich mitreißt egal wie stark du bist .
Ich Lebe damit und mit einer Rezividierenden Depresiven Störung nun über 20 Jahre und ohne Medikamente geht gar nichts Ich funktioniere dann einfach nicht mehr.
Und wenn man alleine ist….ist Da nur noch diese Stimme in deinem Kopf und du und gegen sich selbst Kämpfen und deine eigenen Gedanken ist sehr schwer sehr schwer und ermüdend.
Hoffe konnte bißchen erklären es ist alles etwas abstrakt und nur meine Erfahrung wie gesagt jeder geht anders damit um.
„Echte“ Männer sind meist irgendwelche hängengebliebenen, halbwüchsigen Know-it-alls.
Nicht wert, sich drüber aufzuregen.
Joar, diese Aussagen kenne ich leider. Mein Bruder sagt nämlich genau das gleich. “Der soll mal nicht soviel rumheulen…. das Game heißt World of WARCRAFT… ich will Krieg und Tod, sodass endlich mal wieder was auf dem Spiel steht und nicht ein weinerlichen Typen” Und egal mit was für einer Logik ich an die ganze Sachen rangehe, kommt meistens “Als ich damals noch gespielt habe war das immer dreckige Orcs, Krieg, düstere Stimmung und wesentlich mehr Gewalt als jetzt dieses Blümchenwiese mit “Turalyon und Alleria haben sich ja jetzt sooooo doll lieb und müssen sich unbedingt 10 Minuten sagen, wie sehr sie sich lieb haben”
Das schüttel ich mittlerweile auch nur noch mit dem Kopf und nicke einfach x)
“Das schüttel ich mittlerweile auch nur noch mit dem Kopf und nicke einfach x)”
… Das sieht bestimmt lustig aus!
Hahaha upsi, ich erkenne jetzt den Logikfehler 😛 Ich meinte natürlich “innerlich schüttel ich mit dem Kopf”