Warum „tea-baggen“ wir unsere Gegner eigentlich in Online-Spielen?

Wer sich schon Mal in einem kompetitiven Online-Game bewegt hat, ist sicher dem Phänomen des „Tea-baggings“ begegnet. Woher aber stammt diese Praktik und warum üben wir sie eigentlich aus? Findet hier die Antwort.

Was ist Tea-bagging? Wer in Spielen Tea-bagging betreibt, macht sich über einen besiegten Gegner im besonderen Maße lustig und demütigt ihn. Besonders beliebt ist diese Praxis in kompetitiven Online-Shootern, wie etwa Call of Duty. Wird ein Gegner getötet, benutzt man die Duck-Funktion seines Charakters und hockt sich über die Leiche des Gegners. Dabei wird simuliert mit dem Schritt über den Gegner zu streichen oder ihn wiederholt damit anzustupsen.

Der Begriff Tea-bagging leitet sich vom Teebeutel (= tea-bag) ab und ist eigentlich eine Sexual-Praktik. Der Mann legt seinen Hodensack auf (oder in) das Gesicht seines Sexualpartners. Daher auch der Vergleich zum Teebeutel, den man in heißes Wasser tunkt oder dort einfach ruhen und ziehen lässt.

Teebeutel in heißem Wasser
„Tea-bagging“ leitet sich von einem Teebeutel ab, der in heißes Wasser getunkt wird.

Wann ist Tea-bagging in Games gestartet?

So bekommt Tea-bagging Aufmerksamkeit in der Pop-Kultur: Bevor das Tea-bagging seinen Weg ins Gaming findet, wird diese Praxis einem größeren Publikum erstmalig im Film Der Pecker (via IMDb) präsentiert. 1998 stellt die Komödie von John Walters den Akt in einem Strip-Club für Homosexuelle dar – die Szene dazu gibt es auf YouTube zu sehen.

Es ist nicht genau verzeichnet, wann das erste Mal ein Spieler sich dazu entschied, seinen digitalen Teebeutel durch das Gesicht seines Gegners zu ziehen. Wir gehen allerdings davon aus, dass diese Praxis in Videospielen auf die Halo-Reihe zurückzuführen ist. Zumindest erlangt sie hier ihre Popularität.

Tea-Bagging kann natürlich in jedem Spiel praktiziert werden, das eine Duck-Funktion besitzt.

Dieser Zusammenschnitt aus Halo 3 zeigt, wie Tea-bagging praktiziert wird.

So kommt Tea-bagging zu Games: Halo: Combat Evolved ist der erste Titel der Reihe und erscheint 2001. Der First-Person-Shooter hat ein bis dahin einzigartiges Feature. Wer stirbt, sieht seinen eigenen Bildschirm noch für ein paar Sekunden, bevor es in den Respawn geht.

Das hat zur Folge, dass sich andere Spieler einen Spaß daraus machen, die Leichen ihrer Gegner durch Tea-Bagging zu demütigen – denn das macht natürlich besonders Spaß, wenn der Besiegte diese Schmach noch mit ansehen muss.

Zum damaligen Zeitpunkt ist es nur möglich über LAN zusammen zu spielen. Einen Online-Multiplayer gibt es noch nicht. Das ändert sich im Jahr 2004, als Halo 2 seinen Release feiert und die Serie zum Online-Multiplayer-Shooter umwandelt. Hier startet Tea-Bagging richtig beliebt zu werden und in andere FPS-Shooter zu expandieren.

GTA 5 (2013) parodiert das Phänomen in einer Cutszene.

Tea-Bagging als Zeichen der Dominanz

Darum wird Tea-Bagging in Online-Games praktiziert: Wer bei Google nach dem Phänomen des Tea-Baggings schaut, stößt auf zahlreiche Beiträge und Artikel zu dem Thema. Viele fragen sich nach dem Warum. Als Antwort werfen die Spieler häufig ein „um meine Dominanz zu demonstrieren“ in den Raum.

Im Endeffekt finden es die meisten wohl einfach nur witzig. Es gehört irgendwie mit dazu und soll als Necken verstanden werden.

Bis heute ist das Phänomen des Tea-Baggings verbreitet – so auch in modernen Spielen wie Destiny 2

Tea-Bagging wird kontrovers gesehen: Es gibt vereinzelt Berichte (via shacknews), dass Tea-Bagging in Games schon Gruppen junger Heranwachsender dazu animierte, den Akt als Mobbing im echten Leben durchzuführen. Dies gilt bei Körperkontakt jedoch als sexueller Übergriff.

In Video-Spielen kann sich das Opfer des Teebeutels ebenfalls unwohl fühlen. Das passiert vor allem, wenn fremde Spieler beginnen zu tea-baggen.

Generell scheint in der Tea-Bag-Etikette die Regel zu gelten, dass Tea-Bagging ok ist, solange es in einer Gruppe von Freunden passiert und alle Spaß dabei haben. Aber auch, wenn man durch einen fremden Tea-Bagging erlitten hat und sich dafür selbst mit einem Tea-Bagging rächt, wird die Praxis als akzeptabel betrachtet.

Wie steht ihr zum Tea-Bagging in kompetitiven Online-Games?

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Autor(in)
Quelle(n): Thought for your PennyThe Ball Report Polygon
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