MeinMMO-Dämon Cortyn hat die neue Kampagne in Warcraft III gespielt. Doch das Urteil fällt ziemlich schlecht aus – denn es fehlt etwas Gravierendes.
Ein klares Highlight der BlizzCon war für mich die Ankündigung von Warcraft III: Forsaken Kingdom. Eine neue Kampagne in Warcraft 3 – nach so vielen Jahren! Das klang zu gut, um wahr zu sein. Und leider muss ich nach rund 15 Stunden Spielzeit sagen: Ja, es war auch einfach zu gut, um wahr zu sein.
Aber lasst mich mal von vorne beginnen.
Der beste Prolog, den sie hätten machen können
Die Kampagne ist in zwei Teile aufgeteilt. Der Hauptteil und die Prolog-Kampagne.
Der Prolog behandelt dabei Ereignisse, die wir im Kern schon kennen, aber eben aus einer frischen Perspektive. Wir sind nicht Arthas, der Lordaeron erobert und seinen Vater tötet, sondern wir sind die Stadtwache. Wir freuen uns über die Rückkehr des Prinzen, bekämpfen Banditen in der Stadt oder sorgen dafür, dass Rosen auf den Weg gestreut werden, wenn der Prinz eintrifft.
Als dann König Terenas getötet wird, bricht die Hölle los. Als Stadtwache versuchen wir, die Zivilisten zu beschützen und zu begreifen, was eigentlich vorgefallen ist. Wir evakuieren viele Leute in das benachbarte Andorhal und decken dabei auf, dass die Kanalisation von Lordaeron schon lange von der Geißel unterwandert war. Abtrünnige Adlige hatten sich dem Kult der Verdammten angeschlossen und diesen Tag lange vorbereitet.
Um Rache zu nehmen, will unser Held, Garek anschließend nach Stratholme, um dort einige der abtrünnigen Adligen zur Rechenschaft zu ziehen. Das klappt „so mittel“ – denn Garek stirbt am Ende.
Die Prolog-Kampagne ist super. Sie ist atmosphärisch und bietet einen perfekten Auftakt, der große Hoffnung für das weckt, was noch kommen mag. Da würde ich wirklich sagen: 10/10 Punkten. Richtig gut. Die Qualität ist überragend. Sie ist alles, was ich wollte.
Auch der Start in die Haupt-Kampagne ist gut, aber man merkt den leichten Abstieg. Irgendwie sind die Cutscenes nicht mehr so aufwändig. Irgendwie sind die Animationen nicht mehr so ausgefeilt.
Garek erwacht als Verlassener und es gab einen Zeitsprung. Er erinnert sich kaum an sein altes Leben und wird kurzerhand von der dunklen Waldläuferin Anya rekrutiert, um dabei mitzuhelfen, Lordaeron für die Verlassenen vorzubereiten. Die letzten Menschen werden vertrieben, Plünderer und Banditen erschlagen und Überreste der Geißel vermöbelt.
Wir erfahren viele kleine, interessante Dinge: Etwa, warum in Unterstadt das Wasser eigentlich so giftig grün ist. Oder was für eine Forschung der Apotheker Putress so geführt hat. Oder was die Unterstadt eigentlich mit dem Leichnam von Garithos gemacht hat.
Das sind kleine, coole Details.
Doch schnell wird klar: Das ist kein normales Warcraft III. Wir steuern keine großen Armeen, bauen keine Basen. Wir spielen eine kleine Truppe von Helden, die wir – ähnlich wie in WoW oder Diablo – mit individueller Ausrüstung versorgen, aufleveln und dabei zusammenhängende Karten erkunden.
Das ist cool und macht durchaus Spaß. Es gibt interessante Beute und sehr viele Geheimnisse. Gegenstände haben interessante Effekte, verleihen neue Fähigkeiten oder mächtige Boni. Bosskämpfe existieren und erfordern schnelle Reaktionen und gutes Mikro-Management mehrerer Helden, um sie zu bewältigen.
Aber: Das ist kein „echtes“ Warcraft III. Das ist ein Action-RPG in der Engine von Warcraft III.
Nervige Fehler, lange Laufwege
Das alleine wäre kein Grund für eine negative Bewertung. Mir hat das bisher viel Spaß gemacht. Doch dann kamen die Bugs. Verheerende Bugs.
Hier zwei äußerst lästige Bugs, denen ich begegnet bin:
Talentpunkte, die dich schwächer machen
Die Dunkle Waldläuferin Anya hat eine passive Fähigkeit, bei der jeder 4. Schuss von ihr Bonusschaden zufügt. Das ist ein Kernaspekt dieser Heldin. Doch sie kann ein Talent wählen, durch das ihre Schüsse zusätzlich Gift-Schaden verursachen. Das Problem: Das deaktiviert ihren Bonusschaden bei jedem 4. Schuss. Ein klarer Bug. Da es im Spiel keine Möglichkeit gibt, die Talentpunkte neu zu vergeben, ist meine Anya nun viel schwächer. Ich habe sie aktiv mit Talenten schwächer gemacht, weil diese Talente nicht funktionieren. Das ist unendlich frustrierend.
Cutscenes, die komplett kaputt sind
Ab dem Ende des ersten Aktes hatte ich immer wieder komische Fehler in den Zwischensequenzen. Wenn ich mit einem NPC sprach, dann begann zwar der Dialog, doch auf dem Bildschirm spielte sich Absurdes ab: Es gab immer „Kopien“ von meinen Charakteren. Garek und Anya standen plötzlich doppelt da und griffen sich gegenseitig an, bis die Kopien besiegt waren. Meine Vermutung: Beim Starten einer Zwischensequenz werden weitere „Charaktere“ beschworen, die dann eben für die Animationen der Szene benutzt werden. Doch da scheint es Fehler zu geben, dass diese Zweit-Charaktere richtige Einheiten sind und auch noch feindlich ausfallen.
Von da an ist jede Zwischensequenz gleich: 2 Gareks und 2 Anyas verprügeln sich und „töten“ in der Sequenz auch den Quest-NPC, sodass die Kamera dann durch einen leeren Raum schweift, wo eigentlich die NPCs stehen sollten. Nach der Cutscene ist dann alles wieder in Ordnung.
Lange Laufwege
Der letzte Punkt ist kein wirklicher Bug, aber: Man muss so viel laufen. So unendlich viel. Von den 15 Stunden bin ich bestimmt 2 Stunden nur quer über die Karte gelaufen, um von einem Ziel-Ort einer Quest wieder zur Unterstadt zu kommen. Vielleicht habe ich eine Option der Schnellreise übersehen oder nicht verstanden – aber Himmel war das anstrengend.
Manchmal gab es auf diesen Laufwegen Dialogen zwischen Anya und Garek oder den anderen NPCs. Das war dann absolut zu verkraften und man konnte dem Gespräch lauschen. Aber sehr, sehr oft klickt man auf den Zielort am anderen Ende der Karte und kann sich dann erstmal einen Tee kochen gehen, weil sowieso nichts passiert.
Warcraft III Forsaken Kingdom wäre gut, ist es jetzt aber noch nicht
Warcraft III: Forsaken Kingdom hat das Potenzial, ein richtig gutes Warcraft-Abenteuer zu sein. Aber es hätte noch mehr Zeit benötigt. Es ist schlicht nicht fertig und eindeutig in keinem Zustand, den man veröffentlichen sollte. Ich kann jedem also nur raten, mit dem Kauf oder dem Starten der Kampagne noch einige Wochen zu warten, bis die Fehler behoben wurden.
Und auch das möchte ich zum Ende noch betonen: Es gibt wirklich vieles, das echt gut ist. Das Gefühl der Nostalgie war streckenweise überragend. Die Musik, die etwa in den Ruinen von Lordaeron läuft, löst bei mir jedes Mal Gänsehaut aus. Die Überarbeitung der Charaktermodelle sieht in der Kampagne so unendlich viel besser aus als es am Anfang in Reforged der Fall war. Die Modelle sind moderner, hübscher und fühlen sich trotzdem nach Warcraft III an.
Ich kann lediglich vermuten, dass es den tiefen Wunsch der Entwickler gab, das Spiel bis zur BlizzCon fertig zu haben, um es dann als coolen „Shadow Drop“ zu veröffentlichen. Doch ganz ehrlich: Das war nichts. Es könnte richtig gut sein. Ich weiß, dass es gut sein wird, wenn es fertig ist. Das spürt man zu jeder Sekunde. Es steckt so viel Liebe und so viele Details in der Welt. Aber es braucht einfach mehr Zeit.
Daher meine ganz klare Empfehlung: Tut euch das noch nicht an. Wartet, bis Warcraft III: Forsaken Kingdom fertig ist. Denn das ist es noch nicht. Ich kann nur hoffen, dass die anderen Releases von Blizzard besser über die Bühne gehen, wie etwa WoW Forever.
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