Homelander ist, obwohl er der Schurke ist, das Aushängeschild von The Boys. MeinMMO-Redakteur Nikolas Hernes analysiert, was hinter seiner Figur steckt.
Ursprünglich stammt Homelander aus dem Comic The Boys, der von Garth Ennis und Darick Robertson geschrieben und gezeichnet wurde. Zwischen 2006 und 2012 lief die Comic-Reihe. Er ist einer der Hauptschurken der Reihe, dem Butcher und seine Crew den Garaus machen wollen.
Sein großes Mainstream-Exposing hatte er in der Prime-Video-Serie The Boys. Dort wird er von Anthony Starr verkörpert, der sich damit in der Popkultur verfestigt hat. Auch wenn einige Fans mit seinem Finale nicht zufrieden waren, versteckt sich in der Figur mehr, als man auf den ersten Blick sehen kann.
Achtung: Es kommt zu leichten Spoilern zur Serie The Boys.
Der Poster-Boy von Vought
In der Welt von The Boys ist Homelander der größte Superheld auf der Welt. Für genau diese Aufgabe wurde er auch gezüchtet
. In den Comics war er der erste Mensch, der erfolgreich im Embryostatus mit Compound V behandelt wurde und überlebte. Dort basiert er auf der DNA von Stormfront, die in den Comics ein Mann war.
In der Serie ist es ähnlich: Homelander wurde diesmal aus der DNA von Soldier Boy erschaffen und auch als Embryo mit Compound V behandelt.
In beiden Varianten hatte er keine richtige Kindheit und musste sich diversen Vought-Experimenten unterziehen. Im Erwachsenenalter wurde er dann zu Homelander. Er trägt meist einen blauen Anzug und ein Cape der US-Flagge. Gehalten wird die Flagge von einem (in der Serie 2) goldenen Adler.
Visuell ist er quasi eine Parodie auf Superman und Captain America – 2 Helden, die als immer strahlende Beispiele für die Hoffnung stehen. Statt aber nur als Witz zu funktionieren, hat Homelander deutlich mehr Ebenen.
Kein Held, kein Schurke: Er ist Promo-Material
Es gibt so einige böse
Supermen, etwa Omni-Man oder den Plutonian, aber hinter Homelander steckt eine andere Idee. Er ist in erster Linie ein Produkt, Werbematerial für die Firma Vought. Seine Heldentaten sind schön und gut, sie kurbeln aber die Aktien und Verkäufe von Produkten an.
Dadurch schafft die Serie auch noch einen Schwenk in die Welt von Kino-Universen, die man dank Marvel, Star Wars oder DC auch in der echten Welt kennt. Homelander und das, was er repräsentiert, sind nicht einfach nur eine Parodie auf Superman, sondern auf das Superhelden-Genre an sich.
Aber: In The Boys ist Homelander, trotz all seiner boshaften Taten, ein fühlendes Wesen – eben kein Produkt. Da er aufgrund seiner Experiment-Vergangenheit keine Kindheit hatte, ist er süchtig nach Anerkennung – vor allem, wenn sie nicht aus Angst entsteht. Das zeigt er etwa, wenn er Leute verschont, die er sonst eigentlich töten würde.
Aus diesem Drang der Anerkennung und seiner Rolle als wichtiges Marketing-Tool entwickelt sich ein Gott-Komplex. Anders als bei Superman-Klonen, die rein durch ihre Kraft böse
werden, war Homelander von Anfang an dazu bestimmt, eine Gefahr zu werden. Aber deshalb ist sein Gott-Komplex in der Serie auch immer verzahnt mit Vought und seinem Marketing.
Homelander ist nie erwachsen geworden. Er ist ein Kind mit der Macht, ganze Städte zu zerstören. So könnte man auch seine Obsession mit Muttermilch interpretieren und seine Beziehung zu Stillwell. Homelander wird seit seiner Geburt nicht als Mensch angesehen, sehnt sich aber nach Anerkennung und Liebe von ebendiesen. Das ist ein Dilemma, das ihn in genau diesen Schurken verwandelt.
Dieses Dilemma muss man aber auch vor die Kamera bekommen, und das kann nicht jeder. Anthony Starr hat das aber geschafft und ihn dadurch zur Ikone gemacht.
Ohne Anthony Starr wäre Homelander nicht Homelander
Es gibt Rollen, die erst dank ihrer Darsteller lebendig werden, und das trifft auch auf Homelander zu. Anthony Starr, der vorher nie eine Mega-Rolle hatte, konnte sich mit The Boys aber in der Popkultur verfestigen. Das liegt vor allem daran, dass er den zerbrochenen Geist von Homelander und das vorher erwähnte Dilemma verkörpert.
Das erreicht er vor allem durch seine Mimik. Schaut man sich ikonische Szenen mit Homelander an, dann arbeitet Anthony Starr sehr stark mit zitternden Lippen und seinen Augen. Dadurch projiziert er das Dilemma in sein Schauspiel hinein, und als Zuschauer bekommt man auch ohne viel Dialog ein Gefühl dafür, dass er eine Figur ist, die jederzeit explodieren könnte.
Über Starr sagte Kripke in einem Interview bei Gold Derby im Jahr 2024: Er gehört zu den größten Bösewichten aller Zeiten, und er macht die Figur einfach so authentisch und vielschichtig und manchmal auf seltsame Weise verletzlich – einfach menschlich.
Ein paar Clips seines Schauspiels seht ihr hier:
Die politische Ebene von Homelander
Die letzte Ebene, die für den Charakter (vor allem in der Serie) wichtig ist, ist die politische. Auch wenn viele das nicht hören wollen, kommentierte die Serie als Satire immer schon politische Themen. Das bestätigten Kripke und Starr auch im Interview mit Gold Derby.
Das führt natürlich zum Konflikt mit den Fans, die Homelander sogar als Helden oder Idol sehen. In der Figur finden sich seit Staffel 1 wichtige Themen wieder, die auch in der heutigen politischen Landschaft relevant sind. Dazu gehört etwa das Thema Machtmissbrauch. Er ist so mächtig, dass er sich damit zum mächtigsten Mann der USA macht.
Homelander ist die Personifizierung einer kritischen Zeit in den USA (und auch anderen Ländern), die von Social Media, KI und anderen modernen Aspekten geprägt wird, aber sich scheinbar zurückentwickelt. Darum endet die Serie auch im Weißen Haus und deshalb ist er auch ein Nichts, sobald er seine Fähigkeiten verliert.
Kripke möchte damit wahrscheinlich die Regierung kritisieren. Immerhin legte er sich öffentlich auf x.com auch mit Elon Musk an, einer Person, die stark hinter der US-Regierung steht.
Homelanders Kraft hat ihn zu dem gemacht, was er ist, und mit dieser Macht wurde er größenwahnsinnig. Ob man die Darstellung und die Art und Weise, wie das Politische und Gesellschaftliche implementiert wird, jetzt mag, sei jedem selbst überlassen. Aber Serien-Homelander war von Anfang an ein Spiegel der echten Welt.
Wie steht ihr zu Homelander? Mögt ihr ihn als Schurken oder findet ihr einen Charakter noch stärker? Schreibt es uns gerne in die Kommentare. Viele Fans hat das Ende von The Boys enttäuscht, aber Serien können es auch gut machen: 9 Serien, die ihr gucken solltet, wenn euch das Finale von The Boys und Stranger Things enttäuscht hat
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