Tech-Firmen sagen, KI bedeute weniger Arbeit, aber Mitarbeiter geben an, bis zu 90 Stunden pro Woche arbeiten zu müssen

Titelbild Mann erschöpft Büro Office

Weniger arbeiten dank KI? Viele Tech-Firmen werben damit, aber in der Realität sieht es wohl anders aus. Eine Studie verweist darauf, dass der Einsatz von KI nicht weniger Arbeit, sondern am Ende mehr Arbeit bedeuten könne: Künstliche Intelligenz bedeute in vielen Fällen nicht einfach weniger Arbeitszeit, sondern eine Verdichtung und Veränderung der Aufgaben.

Künstliche Intelligenz wird mittlerweile in vielen Bereichen eingesetzt. Das wichtigste Argument für den Einsatz von KI ist die oft genannte Zeitersparnis. Die künstliche Intelligenz übernimmt eine komplexe Aufgabe und man selbst könne sich um andere Dinge kümmern.

Vor allem Tech-Firmen werben mit der potenziell großen Zeitersparnis von KI:

  • Anthropic hat damit geworben, dass sein beliebtes Programmierwerkzeug und Chatbot Claude in der Lage sein soll, sieben Stunden lang ohne Pause selbstständig zu arbeiten.
  • Mark Zuckerberg von Meta erklärte (via Inc.com), dass KI-Tools weitaus weniger Mitarbeitern ermöglichen würden, mehr zu leisten als jemals zuvor.
  • Und OpenAI sagte (via BBC.com), dass man die 4-Tage-Woche einführen könne, da künstliche Intelligenz die Arbeit beschleunigen würde.

Eine 4-Tage-Woche dank künstlicher Intelligenz? Klingt erste einmal super und wäre vermutlich der Traum vieler junger Menschen, die ohnehin von einer 5-Tage-Woche weg wollen.

Ehemalige Tech-Mitarbeiter berichten jedoch gegenüber der BBC, dass KI in der Regel deutlich mehr Arbeit bedeute: Aus 40 Wochenstunden werden dann schnell einmal 70 oder sogar 90 Stunden. Insbesondere in Zeiträumen, wo Projekte abgeschlossen werden müssen. Sogenannte „Sprints“, in der Gaming-Industrie besser als „Crunch-Zeit“ bekannt.

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Studenten spionieren Passanten mit versteckter Kamera und einer KI aus, finden Name und Adresse in Sekunden heraus

KI bedeutet nicht weniger Arbeit, sondern eine Verdichtung der bereits vorhandenen Aufgaben

Bedeutet künstliche Intelligenz wirklich weniger Arbeit? Tatsächlich gibt es mittlerweile Forschungsberichte, die darauf hinweisen, dass KI-Tools die Arbeitsbelastung der Menschen sogar noch weiter erhöhen würden. Und dafür gibt es verschiedene Gründe, zeigt etwa eine Studie der Universität Kalifornien: KI mache die Arbeit nicht weniger, sondern würde diese einfach intensivieren:

  • Leute, die schnell arbeiten und durch KI unterstützt werden, übernehmen noch weitere Aufgaben, die dann auch mehr Zeit benötigen. Von einem Zeitgewinn könne dann keine Rede mehr sein.
  • Zusätzlich wird immer wieder von Problemen durch KI berichtet. Fehler müssen entweder händisch korrigiert oder anderweitig angepasst werden, was ebenfalls wieder Arbeitszeit beanspruchen würde.
  • Ein weiterer Punkt: Viele Arbeitnehmer füllen die mit KI gesparte Zeit mit neuer Arbeit, weil sie denken, ihren Wert für den Arbeitgeber unter Beweis stellen zu müssen.

Neil Thompson, Innovationsforscher am MIT, erklärte gegenüber der BBC, dass es ein Trugschluss sei, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz weniger Arbeit bedeute. Stattdessen würde aber neue Arbeit entstehen, die die alte ersetze:

Die Leute gehen davon aus, dass 20 % weniger Arbeit eine Vier-Tage-Woche bedeutet. Aber es entsteht neue Arbeit.

Künstliche Intelligenz bedeutet daher in vielen Fällen nicht einfach weniger Arbeitszeit, sondern eine Verdichtung und Veränderung der Aufgaben. Damit steigt dann auch die allgemeine Last auf die einzelne Person. Das erkannte übrigens auch schon der Chef von Nvidia. Denn Jensen Huang erklärte, dass KI den Leuten deutlich mehr Arbeit geben werde, anstatt die eigene Arbeit überflüssig zu machen.

Generell bleibt vor allem die Annahme, dass die größte Herausforderung durch KI nicht zwingend nur ein Jobverlust ist, sondern auch der Wandel des Arbeitsalltags. Prozesse werden dichter, Anforderungen steigen. Dramatischer als Huang hingegen beschreibt es Dario Amodei, der Chef der KI-Firma hinter Claude: KI vernichtet Arbeitsplätze und Firmen beschönigen die Bedrohung

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