Mary spielt Farming-Spiele nicht zur Entspannung, sondern um zu gewinnen.
Ich bezeichne mich in der Regel eigentlich als eine echt entspannte Spielerin. Ich habe keinen Spaß an Progress-Raids, habe bei M+-Dungeons in WoW nie die höheren Schlüsselstein-Erfolge geholt und mein Damage-Output in Final Fantasy 14 ist vermutlich unterirdisch. Stören tut mich all das nicht.
Ich muss in Spielen nicht die Beste sein. Irgendwo am unteren Ende des Mittelmaß fühle ich mich pudelwohl. Ehrgeiz und der damit verbundene Stress sind Themen für meinen Beruf, nicht für mein privates Gaming-Leben. Außer, es geht um Farming-Sims.
Egal ob Stardew Valley, Coral Island oder Story of Seasons: Sobald ich auch nur eine von diesen angeblichen „cozy“ Simulationen anschmeiße, legt sich irgendein Schalter in meinem Hirn um.
Hinter vielen sogenannten Cozy Games steckt eigentlich knallharter Grind.
Der frühe Vogel fängt Pastinaken und Eier
Sobald ich mit Tag 1 in den Frühling starte, ist jede Sekunde und jede Ausgabe durchgetaktet. Zuerst verballer ich all mein Geld für Saatgut. Dabei achte ich darauf, welche Feldfrucht am ertragreichsten ist. Im Fall von Stardew Valley sind das etwa Kartoffeln, weil sie nur 6 Tage zum Wachsen brauchen und eine 20-prozentige Chance auf eine zweite Kartoffel pro Ernte haben.
Sobald das geklärt ist, schaue ich in den Kalender, um mir alle Feste und Geburtstage physisch(!) auf einem Notizblock aufzuschreiben. Das ist wichtig, um etwa früh genug auf einen Hühnerstall zu sparen, um schon das bestmögliche Ergebnis beim Tierfest zu erzielen. Außerdem klingeln bei Eiern auch schnell die Kassen.

Schneller als jede RTL Dating-Show
In der Regel habe ich mich auch schon vor Spielstart darüber informiert, welchem Junggesellen oder welcher Junggesellin ich mein Herz schenken möchte. Oft weiß ich dann auch schon, welche Geschenke ich mitbringen muss, um möglichst schnell die Hochzeitsglocken läuten zu lassen.
Meist setze ich dabei nicht mal auf die liebsten Geschenke, sondern auf Präsente, die ich schnell und billig einkaufen oder sammeln kann. Zugegeben: Wirklich liebevoll ist das nicht, beschwert hat sich bisher aber auch noch keiner. Parallel wollen ja auch noch die anderen Bewohner etwas Zuwendung bekommen, damit meine Herz-Anzeigen genauso in die Höhe sprießen wie der gepflanzte Mais im Sommer.
Das Spaß-Paradoxon
Obwohl ich mit meiner Spielweise eigentlich die Idee eines gemütlichen Spiels ad absurdum führe, habe ich so mehr Spaß, als wenn ich mich einfach jeden Tag treiben lassen würde. Das Gefühl von Kontrolle, erfolgreichen Plänen und dem Abhaken von Checkboxen (oder in vielen Fällen Bundles für irgendein Community Center) ist für mich befriedigender, als irgendeine Tiefenentspannung.
Gleichzeitig setze ich aber meine eigenen Maßstäbe, mein eigenes Tempo und meine eigenen Erwartungen. Und genau hier trennt sich die MMO-Spreu vom Farming-Weizen.
Der eigene Antrieb vs. Der soziale Druck
Während ich mich in MMOs extern definierten Zielen wie einem Gearscore, DPS-Checks oder Meta-Builds unterwerfen muss, stecke ich mir in Farming-Sims meine eigenen Erfolge.
Psychologische Faktoren wie der soziale Druck durch eine Raidgruppe oder die FOMO-Taktiken durch wöchentliche Resets oder Saisons habe ich nicht. Im schlimmsten Fall kann ich das vergeigte Hühnerfest im nächsten Jahr einfach nochmal spielen.
In MMOs werde ich vom Spiel selbst zum Tryharding getrieben, weil ich sonst den Anschluss verliere oder von Gruppen ausgeschlossen werde. Versagen tut hier auf vielen Ebenen weh. In Farming-Sims hingegen bin ich mein eigener Antrieb und bestimme selbst, wie viel Optimierung ich mir antue. Und genau das macht für mich den entscheidenden Unterschied im Spielspaß, wenn es um Perfektion geht.
Natürlich spiele ich weiterhin mit Leidenschaft beide Genres. Nur eben etwas anders, als sie es von mir initial verlangen.
Wie siehts bei euch aus? Tryharded ihr in Spielen, die das eigentlich gar nicht von euch verlangen oder bin ich damit alleine? Schreibt es mir doch gerne in die Kommentare.
Während die einen Cozy-Games maximal unentspannt spielen, kommen die anderen bei gruseligen Filmen so richtig zur Ruhe. Wie sich MeinMMO-Redakteurin Caro entspannt, erfahrt ihr hier: Die meisten fürchten sich bei Horror-Filmen, doch ich kann dabei toll entspannen – Das hat sogar einen wissenschaftlichen Grund
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