Norwegen ist eines der wenigen Länder, das ernsthaft darüber nachdenkt, einen großen Wunsch der Gen Z zu erfüllen

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In Norwegen machen viele bereits um 15 Uhr Feierabend, aber die Menschen leiden dennoch unter Burnout und Stress. Die 4-Tage-Woche soll jetzt die Lösung sein, ein Prinzip, auf welches die Generation Z große Hoffnungen setzt.

Norwegen gilt als eines der Länder, in denen es sich am besten leben und arbeiten lassen soll. Auf dem Human Development Index liegt Norwegen seit Jahren auf einer Top-Position und steht gerade (März 2026) auf Platz 2, direkt hinter Island.

Norwegen setzt wie viele nordeuropäische Länder auf ein besonderes Arbeitszeitmodell: Das „schwedische“ Modell zeichnet sich durch hohe Flexibilität, flache Hierarchien und eine starke Ausrichtung auf die Work-Life-Balance aus, oft mit Fokus auf kürzeren Arbeitszeiten (via Zeit.de)

Doch obwohl die Menschen in Norwegen potentiell bereits weniger arbeiten als sie müssen und viele bereits um 15 Uhr Feierabend machen, trotz offizieller 40-Stunden-Woche, klagen die Leute über ähnliche Probleme wie wir: Burnout, Erschöpfung und der Wunsch den Job für mehr Freizeit aufzugeben. Davon berichtet 4 Week Global, eine Organisation, die sich weltweit für die 4-Tage-Woche einsetzt:

  • Die Zahlen sprechen von 2,2 Millionen Fehltagen pro Quartal, von denen etwa 25 % auf Erschöpfung, Burnout und andere arbeitsbedingte Störungen zurückzuführen sind.
  • 27 % der Norweger erwägen, ihren Job aufzugeben, um mehr Zeit für ihre Familie und ihr Privatleben zu haben.

Die „Lösung“ für diese Probleme hofft man jetzt in der Einführung der 4-Tage-Woche zu finden. Ein Arbeitszeitmodell, welches für viele junge Menschen der Generation Z die Lösung vieler Probleme darstellen soll und einen Wunsch vieler junger Menschen darstellt: 4 Tage Arbeit und dafür einen Tag mehr für Freizeit und Familie zu haben.

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4-Tage-Woche als Lösung für Burnout, Stress und Kündigungen?

Die „Lösung“ für diese Probleme hofft man jetzt in der Einführung der 4-Tage-Woche zu finden. Bereits im Herbst 2024 startete in Norwegen eine erste Pilotstudie zur 4-Tage-Woche. Im Herbst 2026 soll nun die Planungsphase gemeinsam mit 4 Week Global beginnen, in der die Pilotteilnehmer Beratung und Unterstützung erhalten, um einen nachhaltigen Übergang zu einer verkürzten Arbeitswoche zu vollziehen.

Ziel der verkürzten Arbeitswoche in Norwegen ist es, die Arbeitszeit der Teilnehmer um 20 % zu reduzieren, ohne dabei die Arbeitsqualität zu reduzieren, also: weniger Arbeitszeit bei gleicher Arbeitsqualität.

Das Prinzip dahinter ist das sogenannte 100-80-100-Modell: Die Mitarbeiter bekommen weiterhin 100 % ihres Gehalts und leisten nur noch 80 % ihrer Arbeitszeit, dafür leisten sie aber weiterhin 100 % Produktivität. Also mehr Leistung in weniger Zeit.

Die Organisation 4 Week Global erhofft sich aus dem Projekt vor allem Daten und Informationen, für die „Suche nach einem nachhaltigeren und erfüllteren Arbeitsleben für alle.“ Grundsätzlich, so die Organisation, könnte jede Firma an dem Projekt teilnehmen und würde dann entsprechend Hilfe dabei erhalten.

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Wie sieht es in anderen europäischen Staaten aus? Bisher gibt es nur einen Staat in Europa, wo die 4-Tage-Woche wirklich gesetzlich verankert ist und das ist in Belgien. Hier gibt es aber die wichtige Einschränkung, dass die Arbeitszeit weiterhin gleich bleibt: die 40 Stunden pro Woche verteilen sich nur auf weniger Tage. In Deutschland überlegt man auch, ob eine 4-Tage-Woche bei 40 Stunden Arbeitszeit sinnvoll wäre.

In anderen Staaten hat man die 4-Tage-Woche zumindest getestet oder es gab verschiedene Pilotprojekte. Am bekanntesten sind die Projekte beispielsweise in Island, wo viele Arbeitnehmer bei dem System geblieben ist. Eine feste gesetzliche Regelung gibt es hier aber bis heute nicht.

Es geht aber auch genau andersherum: Anstatt der 4-Tage-Woche 6 Tage pro Woche arbeiten. Das hat man jetzt in Griechenland gemacht. Kritiker sehen das mit Sorge und warnen bereits jetzt schon vor Übermüdung und höheren Gesundheitskosten für die Beschäftigten. Obendrein würde eine längere Arbeitszeit nicht zwangsläufig eine höhere Leistung bedeuten: Während man in Deutschland noch über die 4-Tage-Woche diskutiert, hat man in einem europäischen Land die 6-Tage-Woche gestartet

Quelle(n):
  1. 3djuegos.com

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skaalian

Ein Versuch ist es doch wert. Sollte es nicht klappen, einfach eine EU Mitgliedschaft beantragen. Deutschland wird die Situation schon retten. Im Zweifel arbeiten alle dann einfach bis 80.

OliverZick

Ich bin ja nun nicht mehr der Jüngste und arbeite seit über 25 Jahren Vollzeit in der Medienbranche. Arbeitssituationen, die ich viele Jahre einfach „weg geatmet“ habe, machen mir zunehmend zu schaffen (Überstunden, Termindruck, Kreativität auf Kommando …) Im Laufe der letzten Jahre merke ich das zunehmend. Jüngst dadurch, dass ich seit Ende Januar schon drei mal Krank war.

Wenn ich mit meinen Eltern und älteren Bekannten darüber rede, höre ich immer das selbe: Sie hatten früher auch Stress und Druck, finden aber dass das heute viel schlimmer ist, weil durch Internet und Digitalisierung die Wege so kurz sind, man immer mehr in immer kürzerer Zeit schaffen soll. Wenn man permanent Mails bekommt, neue Aufträge in der Projektsoftware, Wiedervorlagen und kurzfristige Videokonferenzen, ist halt irgendwann der Kanal dicht. Hinzu kommen private Verpflichtungen, Kinder etc. pp. Die ungewissen Zeiten, in denen wir leben tun ihr übriges.

Hatte ich früher noch den Eindruck, Digitalisierung würde alles besser machen, sehe ich das mittlerweile anders. Und selbst wenn einem KI Tools in vielen Bereichen gerade bei „Pampelarbeiten“ helfen, bedeutet das im Umkehrschluss aber auch wieder nur, dass man mehr in kürzerer Zeit schafft. Das ist doch irre.

Ich bin auch kurz davor, mit meinem Chef darüber zu sprechen, ob ich kürzer Arbeiten kann. Einfach, weil der Akku leer ist. Leider verdiene ich als Ossi nicht so viel und das würde sich schon bemerkbar machen. Es ist ja leider auch so, dass gerade alles immer und immer teurer wird und jede Lohnerhöhung innerhalb kürzester Zeit durch die Verteuerung direkt gefressen wird. Der Personalmangel tut sein übriges, so dass ich mich kaum traue, dass Thema anzusprechen. Wir haben – zum Glück – gut zu tun und die Auftragsbücher sind voll. Aber irgendjemand muss die Aufträge halt auch „abarbeiten“. 😉

Leider kenne ich nur sehr wenige Leute, denen es nicht in der ein oder anderen Form ähnlich geht. Es scheint sich also nicht um einen Einzelfall zu handeln.

Und in solchen Situationen darf man sich dann von unserem Kanzler anhören, wir sollen doch alle mehr arbeiten gehen. Mal davon abgesehen, dass es Branchen gibt, die schon seit Jahren am Limit sind (Pflege, Gesundheitswesen …), muss man sich doch auch mal die Lebensumstände vor Augen halten. Und was bringt es, wenn die Menschen noch mehr racken und dann mit Mitte 40 in den Burnout rutschen? Was bedeutet dass dann für unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft und das Gesundheitswesen? Vielleicht funktioniert das Mantra vom ewigen Wachstum halt auch einfach nicht ewig?

Ich finde es auf jeden Fall sinnvoll, zu schauen, was andere Länder besser machen. Was das für deren Gesellschaft bringt und ob man sich als Gesellschaft nicht eine Scheibe davon abschneiden sollte. Das betrifft ja nicht nur die Arbeitswelt sondern z.B. auch Schul- und Bildungsmodelle wo Deutschland fast noch im 19. Jahrhundert festhängt.

T4nnenhirsch

Arbeiter so : Klagen über Erschöpfung und Burnout.
Regierung so : Lösung => 100% der Arbeit in 80% der Zeit schaffen.

Ja, macht mal 😂

Cortyn

Das deckt sich aber mit den Pilotversuchen in mehreren Ländern. Die meisten Leute in 32-Stunden-Wochen sind produktiver und zufriedener als ihre 40-Stunden-Kollegen.

T4nnenhirsch

Na, wenn das so ist, ist das ja eine super Idee.
…dennoch finde ich, daß meinen oben genannten Satz zum Nachdenken anregt.

Desweiteren : Von welcher Berufsgruppe wird denn da gesprochen ? Handwerker ? Fliessbandarbeiter ? Pflege & Ärzte ? Polizei & Feuerwehr ? Handel ?
Denke, keiner dieser Berufsgruppen fällt in diese Kategorie.

lingris

Schichtbetriebe kannst du doch auch auf 32h aufteilen. 4 Tage Woche heißt ja nicht “Mo-Do”.

Problematisch ist ja vor allem (wie immer leider) der Gesundheitssektor.

Da ist das Personalproblem ja schon jetzt so groß, dass die 40h nicht reichen.
Das muss man natürlich auch angehen, unabhängig der Stundenzahl. Wenn der Bereich attraktiver wird (und eine 32h Woche kann auch dabei helfen), dann lässt sich das Problem evtl. auch lösen.

Aber ansonsten: 32h pro Woche sorgt für einen Tag mehr Erholung, was die Balance mehr von Work zu Life schiebt, was auch positive Auswirkungen für die Arbeit haben kann. Ausgeruht und ausgeglichen arbeitet es sich eben konzentrierter.

Das Ziel sollte ja eigentlich sein: Man arbeitet, um gut Leben leben zu können und nicht: Man lebt um zu arbeiten.

Mehr Geld oder andere Boni alleine helfen interessanter Weise nicht für eine bessere Motivation. Das funktioniert ein paar Tage, dann gleicht sich das wieder an.

Das belgische Model finde ich da aber eher wie ein schlechter Kompromiss. Ein 10h Tag könnte auch das Gegenteil auslösen.

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