Twitch: Mit dem Erfolg stieg der Druck – „Ich bekam Angstzustände, die an Panikattacken grenzten“

Twitch: Mit dem Erfolg stieg der Druck – „Ich bekam Angstzustände, die an Panikattacken grenzten“

Auf Twitch scheinen große Streamer den Traum vieler Gamer zu leben: Sie zocken den ganzen Tag oder quatschen einfach nur mit ihren Fans und verdienen damit Millionen, so jedenfalls stellen sich das manche vor. Doch hinter den Kulissen stecken harte Arbeit und ein enormer Druck. Für manche ist der Erfolg zu viel. Jetzt äußerte sich der beliebte Streamer Stephen „jorbs“ Flavall und erklärte, was hinter dem Phänomen „Streamer-Burnout“ steckt.

Wer ist jorbs?

  • Der US-Amerikaner begann 2011 zu streamen – mit dem Plan, eine Karriere daraus zu machen
  • Dafür wollte er immer ungefähr 300 Zuschauer gleichzeitig haben – genug, um davon leben zu können
  • Reich oder berühmt wollte er mit dem Streamen auf Twitch nicht werden
  • Groß wurde er mit dem Deckbuilding-Roguelike „Slay The Spire“, er gilt als einer der Top-Spieler weltweit
  • Auf Twitch hat er mittlerweile über 100.000 Follower, bis zu 2.800 Menschen sehen ihm gleichzeitig zu

Mittlerweile kennen viele die großen Streamer wie xQc, Asmongold oder auch Amouranth. Aber wer waren eigentlich die Streamer, die den Weg für die nachkommenden Generationen ebneten?

Irgendwann ist der Chat nicht mehr zu managen

In einem Interview mit dem Sender National Public Radio (NPR) sprach jorbs über seine Höhen und Tiefen als Twitch-Streamer. Zu seinen Anfängen hatte er nur ungefähr 15 Zuschauer auf einmal. Damit kam er gut zurecht. Er konnte sich mit ihnen auseinandersetzen, Witze machen, gemeinsam Spaß haben.

„Bei ungefähr 200 Zuschauern fing es an, anstrengend zu werden“, sagte jorbs gegenüber NPR. Mittlerweile ist er näher an 2.000 gleichzeitigen Zuschauern.

Wenn so viele Leute dir Fragen stellen und dir sagen, was du tun sollst, ist das absolut nicht mehr zu bewältigen. Ich fing an, Angstzustände zu haben, die an richtige Panikattacken grenzten.

jorbs via NPR

Wie gehen noch größere Streamer mit der Reizüberflutung um? Bei den richtig großen Streamern wie xQc sehen sogar bis zu 100.000 Menschen gleichzeitig zu. Da kommen teilweise nicht einmal mehr die Zuschauer mit, wie diese Frage auf reddit zeigt. Diese Streamer haben aber in der Regel Mods und Mitarbeiter, die ihnen bei der Bewältigung der Flut an Kommentaren helfen können.

Kleinere oder mittelgroße Streamer sind da in einem schwierigen Bereich. Manchen, wie jorbs, wird es schon bei 2.000 zu viel, sie sind aber vielleicht nicht groß genug, um sich fremde Hilfe dazu zu holen. Dadurch können sie sich auch schlechter gegen Trolle zur Wehr setzen.

Mittlerweile hat jorbs ein kleines Team, dass ihm bei Sponsorenverträgen und Interviews hilft. Auch die Unterstützung seiner Community habe ihm sehr geholfen. Doch ein solches Support-Netzwerk aufzubauen, kann Jahre dauern.

Streamer haben das Gefühl, immer auf Sendung sein zu müssen

Dieses Problem kommt dazu: Für die meisten Arbeitnehmer hierzulande sind Pausen und Urlaube selbstverständlich. Bei Selbstständigen sieht die Sache schon anders aus und das trifft auch Twitch-Streamer besonders zu. Viele haben das Gefühl, immer auf Sendung sein zu müssen, immer zu produzieren.

So erging es auch jorbs. Bei Pausen besteht für Streamer immer die Gefahr, dass die Zuschauer sich langweilen und zu einem anderen Stream wechseln – schließlich gibt es Millionen andere Angebote auf Twitch und die Konkurrenz ist hart.

An Urlaub ist da gar nicht zu denken. Zu groß war die Sorge bei jorbs, dass Zuschauer das Interesse an seinem Kanal verlieren könnten, wenn er ein oder zwei Wochen nicht auf Sendung sei. Darunter leiden auch andere Streamer.

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So geht es jorbs heute: Mittlerweile hat sich die Lage bei ihm offenbar entspannt. Seine Inhalte seien einzigartig genug, dass die Zuschauer zurückkommen, wenn er mal weg ist, glaubt er mittlerweile. Richtig Urlaub hat er trotzdem selten.

Veranstaltungen wie die TwitchCon würden zwar den Eindruck einer Pause erwecken, erklärt jorbs, tatsächlich handle es sich jedoch nur um Arbeits-Wochenenden. Schließlich ist man dort nicht als Privatperson.

Viele Streamer spielen eine Rolle, die Fans erwarten ein bestimmtes Verhalten von ihnen.

Streamer werden auf bestimmte Inhalte festgenagelt

An diesem Problem leiden „One-Game“-Streamer: Viele Streamer verbindet man mit einem bestimmten Spiel: Für jorbs war es Slay The Spire, Ninja wurde mit Fortnite groß und Asmongold ist unzertrennlich mit WoW verbunden.

Wenn die Twitch-Streamer dann ein anderes Spiel zeigen möchten, reagieren Fans teilweise unzufrieden. Im schlimmsten Fall brechen sogar die Zuschauerzahlen ein.

Manchmal werden die Streamer dadurch unter Druck gesetzt: Sie haben das Gefühl, nicht mehr das streamen zu können, was ihnen Spaß macht.

Wer auf die Zuschauer nicht mehr so direkt angewiesen ist, weil er finanziell längst unabhängig ist, kann da auch mit Trotz reagieren.

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Diese und weitere Faktoren würden dazu führen, dass sich immer mehr Content Creator vorübergehend zurückziehen, so NPR. Manche kämen nicht mehr zurück.

Mit „Streamer Burnout“ gibt es sogar schon einen Begriff für das Phänomen.

Manchen Streamern fällt es schwer, Pausen einzulegen. Bei anderen ist die Auszeit unfreiwillig – sie werden von Twitch gesperrt. Die Einnahmen, die in dieser Zeit entfallen, können kleinere Streamer besonders hart treffen. Manche sind frustriert und wünschen sich mehr Kommunikation von Twitch.

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Quelle(n): NPR, dexerto
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Paras

Als das damals vor zehn Jahren oder länger angefangen hat groß zu werden mit LetsPlays und so, habe ich auch darüber nachgedacht und sogar mal angefangen, aber ziemlich schnell wieder aufgehört.
Viele denken da halt mit zocken und aufnehmen bzw. streamen Geld machen, aber es ist nicht so einfach und mit einer Menge Schattenseiten verbunden. So von wegen das Hobby zum Beruf machen ist größtenteils Unsinn, weil ab dem Zeitpunkt ist es dann halt Beruf und nicht mehr Hobby – zumindest wenn man es halt des Geldes wegen macht.

Zunächst einmal hat man mit einer Menge Probleme und Aufwand zu kämpfen, häufig dann noch weil irgendwelcher Schnickschnack wie aufwendige Intros oder ähnliches. Programme und Spiele die Probleme machen können, immense Leistungskosten bzw. Einbußen die evtl. auch Probleme machen.
Zumal Kosten! Hardware, Software und sonstige Hilfsmittel das kann richtig tief ins Geld gehen wenn man entsprechende Qualität haben will. Da muss man sich teils sogar richtig reinfuchsen. Manche brauchen sogar ein ganzes Team, das ihnen hilft und Arbeit abnimmt, weil sonst Hallo Überforderung.

Und dann halt der Hauptpunkt. Man muss liefern! Ständig und auch wenn man eigentlich grade kein Bock hat. Häufig muss man sich dann auch verstellen um gut anzukommen und Anforderungen erfüllen und dann natürlich auch stets darauf achten nicht irgendwelche Regeln zu missachten die einem womöglich das Genick brechen. Das ist mittlerweile vor allem auch oder vielleicht auch ganz dank extremer Konkurrenz weitaus extremer als es damals war. Bei Twitch dann oftmals auch fast schon willkürlich.

Die meisten wahrscheinlich sogar 90% verdienen gar kein Geld bzw. stecken mehr rein als raus kommt und bleiben im Grunde ewig klein. Das weiß ich auch weil ich mit kleinen Streamern teils zu tun hatte.
Die erhoffen sich über Zeit mehr Aufmerksamkeit aber bleiben eigenlich gleich mit höchstens kleiner aber dafür treuer Community. Monate und Jahrelang – je wie nach sie es halt durchziehen. Oft auch Leute die nebenbei richtig arbeiten und ihren Job an den Nagel hängen wollen. Wunschdenken.

Wenn man Erfolg hat ist man daran gebunden und muss wie gesagt ständig liefern und dementsprechend Druck ausgesetzt.
Früher konnten die Streamer noch den Ton angeben, aber das ist mehr und mehr verschwunden, da sie natürlich abhängig von den Zuschauern sind. Das heißt auch Dinge spielen die man gar nicht spielen will, weil die Community es halt fordert oder sonst die Fliege macht. Allgemein Dinge tun die einen ankotzen und das darf halt auch nicht so rüberkommen, was in dem Format halt schwierig ist.
Also Leute die das hauptberuflich machen tun mir leid.
Ich kann davon nur abraten. Vor allem seit Gaming allgemein immer toxischer geworden ist. Sieht man ja auch an denen die erfolgreich sind. Mir erscheint das teils wie Arschlöcher die für Arschlöcher Unterhaltung machen, wobei die Frage ist wer die schlimmeren und größeren sind.

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