Seit Jahren schon gibt es Berichte über die schlechte Arbeitssituation bei Cloud Imperium Games, dem Unternehmen hinter Star Citizen. Jetzt konnten wir erstmals Zeuge des toxischen Miteinanders werden. Dennoch steigt der Geldzähler immer weiter.
Wobei wurden wir Zeuge? Ihr habt es vielleicht mitbekommen: Der jüngste Livestream zu Star Citizen lief alles andere als gut. Die spielenden Mitarbeiter kämpften mit Bugs und technischen Problemen. Man merkte ihnen an, dass sie dafür keinen Plan B haben.
Letztlich schritt Content Director Jared Huckaby ein und beendete das Event frühzeitig, jedoch ohne die Show vernünftig abzumoderieren. Stattdessen warf er den metaphorischen Ball nach der Ansage wieder seinen jüngeren, überforderten Kollegen zu und brachte sie damit in eine sichtlich unangenehme Situation.
Es folgten danach noch mehrere Minuten, die schwer anzuschauen sind und die darauf hindeuten: Zwischenmenschlich scheint es im Team zu kriseln. Die Art und Weise, wie vor allem der Content Director agiert und mit seinen jüngeren Mitarbeitern umgeht, könnte man als respektlos und toxisch werten. Man sieht zudem förmlich den enormen Druck, der nach all den Jahren auf den Entwicklern liegen muss.
Berichte aus der Entwickler-Hölle
Das ist nur die Spitze des Eisbergs: Seitdem sich die Games-Branche stark professionalisiert hat, kommt es nur noch sehr selten vor, dass man derart ungeschönte Einblicke erhält.
Häufig wacht ein PR-Team darüber, welche Infos in welcher Form nach draußen gelangen. Vieles, was (noch) nicht an die Öffentlichkeit gelangen soll, wird durch Verschwiegenheitsklauseln geschützt. Entwickler, die öffentliche Auftritte machen, durchlaufen vorher häufig eine Schulung.
Entsprechend bemerkenswert war der desaströse Auftritt vom Team von Star Citizen beim eingangs beschriebenen Livestream.
Es war aber nicht der erste Hinweis darauf, dass intern bei Cloud Imperium Games (kurz: CIG) viel falsch laufen muss. Schon vor Jahren berichteten wir über die teils schlechte Bezahlung von Mitarbeitern, krasse Crunch-Phasen mit Überstunden-Pflicht und Entlassungen ohne Abfindungen.
Ein besonders düsteres Bild zeichnete im Oktober 2024 ein Bericht von Branchen-Insider Tom Henderson. In dem ging es um Missmanagement, Streichung geplanter Lohnerhöhungen und Weiterentwicklungsmaßnahmen, unsinnige Investitionen (in beispielsweise eine Etagen-große Kaffeebar) und die unorthodoxen Entwicklungsprozesse bei CIG.
Immer wieder fiel dabei auch der Name von Studio-Gründer Chris Roberts, der mit seinen ständigen Einmischungen und Ideen die Entwicklung seit Jahren spürbar verzögern soll. Das passte zu einem Bericht von Forbes aus 2019. Zudem soll die modifizierte Version der CryEngine, die für Star Citizen genutzt wird, für viele Probleme sorgen.
All diese Dinge in Kombination sollen viele erfahrene Entwickler über die Jahre von CIG vertrieben haben. Neue, oft unerfahrene Entwickler wurden offenbar teils nur deswegen eingestellt, weil sie Fans von Star Citizen seien. Um diese Fans herum soll sich eine fast schon kultartige Mentalität aufgebaut haben.
Wie bewertet MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz all das? Ich weiß nicht, wie es euch geht. Aber das klingt nicht nach einem Ort, an dem ich arbeiten wollen würde. Die Einblicke aus dem jüngsten Livestream bestätigen diesen Eindruck. In so einem Umfeld muss es unfassbar schwer sein, ein kreatives Mammutprojekt wie Star Citizen umzusetzen.
Da wundert es mich nicht, dass das SciFi-MMO trotz des vielen Geldes und der langen Entwicklungszeit weiterhin weit von einem finalen Release weg zu sein scheint.
Das Ding ist nur: Star Citizen kann sich all das leisten. Schon jetzt, in seinem weiterhin unfertigen Zustand, reden wir hier von einem der finanziell erfolgreichsten Games-Projekte aller Zeiten. Und viele Unterstützer sind derart involviert, dass sie auch in Zukunft weiterhin viel Geld in ihren Traum vom SciFi-MMO stecken werden, auch wenn es den Entwicklern, die diesen Traum umsetzen sollen, nicht gut geht.
Daran wird auch der jüngste Fauxpas nichts ändern. Seit dem Stream ist der Crowdfunding-Ticker auf robertsspaceindustries.com bereits um einige tausend Dollar gestiegen. Die Show muss weitergehen. Egal, was es kostet.
Überraschen kann mich all das nicht mehr. Schon im Mai 2025 hatte ich der Community eine Teilschuld an den diversen Problemen und Auswüchsen von Star Citizen gegeben. Chris Roberts fehlt dank der finanziellen Unterstützung der Fans seit Jahren schlicht der Zwang, sein Spiel fertigstellen zu müssen. Mehr dazu hier: Star Citizen ist nach 14 Jahren und 800 Millionen Dollar zu weit gegangen – Aber eigentlich ist die Community selbst schuld
Deine Meinung ist uns wichtig!
Gefällt dir der Artikel? Hast du irgendwelche Kommentare? Sag uns, was du denkst!

Kommentare
Es ist doch kein Geheimnis das zufriedene Mitarbeiter produktiver sind, zur Arbeit gehen ohne sich schlecht zu fühlen und das das Produkt am Ende überzeugt.