Wer hätte das vor ein paar Monaten gedacht? Das MMORPG-Genre blickt plötzlich wieder in eine spannende Zukunft, und auf manch ein Highlight müssen wir gar nicht lange warten. MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz feiert, was gerade bei den Online-Rollenspielen passiert.
Das MMORPG-Genre blickt auf die vielleicht schlimmsten Jahre seiner Geschichte zurück, vor allem 2025 war desaströs. Selten sind in so kurzer Zeit so viele große, spannende und namhafte Projekte auf dem Friedhof der gescheiterten Entwicklungen gelandet. Ich sage nur: Project Blackbird von Zenimax, Project Ghost von Greg Street, das Warhammer-MMORPG von Jack Emmert oder auch das MMORPG zu Herr der Ringe von Amazon Games.
Auf der Liste der kommenden Online-Rollenspiele standen plötzlich fast nur noch asiatische Vertreter, die es hier im Westen immer recht schwer haben, ein LoL-MMORPG, das noch sehr weit weg ist, sowie ein neues EverQuest und ein Guild Wars 3, über die man seinerzeit nur wenig wusste.
Ein paar Monate später hat sich der Wind spürbar gedreht. Mit Aion 2 feiert gerade das größte Themenpark-MMORPG mit PvE-Fokus seit Jahren einen starken Launch. Einige sehr spannende Starts folgen in den kommenden Monaten. Unsere Faktenlage zu Guild Wars 3 ist eine ganz andere. Und jetzt hat auch noch ein Studio aus England ein neues Online-Rollenspiel für ein historisch wichtiges Franchise angekündigt.
Gehen wir die einzelnen Punkte durch, die mir so viel Hoffnung für die Zukunft der MMORGPs machen …
Wenn Jagex ein neues MMORPG macht, sollten Genre-Fans jubeln …
Jagex hat RuneScape 4 angekündigt. Das ist eine tolle Nachricht, auch für alle, die mit RuneScape und Old School RuneScape nichts anfangen können. Wir reden hier schließlich von einem der ganz wenigen westlichen Studios, die in den vergangenen 11 Jahren den Mut gefasst haben, ein neues, ambitioniertes MMORPG zu entwickeln. Das Jagex diesen Schritt geht, ist ein tolles Zeichen!
Und Jagex ist nicht irgendein Studio. Die Engländer machen seit 27 Jahren Online-Rollenspiele und obwohl ihre beiden aktuellen Titel mal so gar nicht aktuell aussehen (sondern uralt), gelingt es ihnen, auch im Jahr 2026 starke Erfolge zu feiern. Während andere MMORPGs mit sinkenden Spielerzahlen zu kämpfen haben und es nur schwer schaffen, neue Spieler auf die Server zu locken, hat Jagex genau hier offenbar den heiligen Gral gefunden:
- Old School RuneScape kann immer wieder neue Meilensteine für seine aktiven Spielerzahlen verzeichnen – im April 2026 waren beispielsweise beeindruckende 250.000 Spieler zeitgleich auf den Servern.
- Etwa 50 Prozent der aktuell aktiven Community von Old School RuneScape soll erst in den vergangenen 5 Jahren zur RuneScape-Franchise dazugestoßen sein.
Etwa eine Million aktive Abonnenten soll Old School RuneScape aktuell haben. Eine beeindruckende Zahl. Umso mehr, wenn man auf das Alter von RuneScape schaut. Diesen finanziellen Erfolg können sie nun in ein modernes RuneScape 4 stecken, ohne befürchten zu müssen, dass ihnen irgendein Investor irgendwann den Geldhahn zudreht oder dass ein Publisher Druck bezüglich des Bezahlmodells macht. Besser geht es kaum!
Mehr zum MMORPG-Genre findet ihr auch auf dem YouTube-Kanal von MeinMMO. Dort beschäftigen wir uns in einem Video zum Beispiel mit der Vorfreude auf WoW Forever:
Endlich wieder MMORPGs für alle!
In den vergangenen Wochen und Monaten ist aber noch viel mehr passiert, das mich sehr positiv auf mein Lieblingsgenre blicken lässt. Ganz vorneweg gehört dazu natürlich die Ankündigung von WoW: Forever, das mich ab November sicherlich eine ganze Weile nicht mehr loslassen wird.
Auf so ein WoW Classic Plus warten viele Fans von Azeroth seit vielen Jahre und die Beta deutet bereits an, wie toll das werden dürfte. Warum? Nun, weil es diese Art von entschleunigtem MMORPG mit Gewicht auf die Level-Phase sowie das soziale Miteinander kaum noch gibt.
Außerdem erfuhren wir auf und nach der gamescom endlich konkrete Infos zu Guild Wars 3. ArenaNet hat bereits zweimal bewiesen, dass sie tolle Online-Rollenspiele machen können. Ob der neue MMO-Lite-Ansatz am Ende jedem gefällt, weiß ich nicht. Aber ich bin mir sicher, dass das Spiel nur so Erfolg haben kann. Im kommenden Jahr soll die Beta stattfinden und ich bin gespannt wie ein Flitzebogen.
Deutlich früher, nämlich bereits ab dem 19. Oktober dürfen alle Interessierten eine Woche lang auf Steam ArcheAge Chronicles ausprobieren. Das entfernt sich zwar stark vom Vorgänger, könnte mit seinem stärkeren Fokus auf Story und PvE-Inhalte für Solisten sowie kleine Gruppen aber ebenfalls für viele Genre-Fans spannend sein. Der Early Access soll noch dieses Jahr starten.
Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Riot arbeitet bekanntlich schon seit vielen Jahren an seinem LoL-MMORPG und hat zumindest in der Theorie die Voraussetzungen, um einen fetten AAA-Themenpark auf die Beine zu stellen. Kommendes Jahr steht mit Chrono Odyssey ein spannendes MMO-Debüt an, das sich nach der Beta erfreulich viel Zeit genommen hat, um die vielen Baustellen der Testphase anzugehen. Das Potenzial ist da.
Ich könnte jetzt zudem noch auf ein Honor of Kings: World zeigen, das mir in der Beta im Mai gut gefallen hat. Aber auch auf viele andere Projekte, kleine beispielsweise wie Apogea, Drakantos oder Hana, die unterm dem Radar fliegen.
Oder auf die vielen weiterhin sehr aktiven MMO-Oldies, die ständig neue Content-Updates erhalten und mit denen man sich prima die Wartezeit auf kommende Neuerscheinungen vertreiben kann. Und natürlich auf ein Aion 2, das aufgrund seiner Eigenheiten zwar nicht allen Themenpark-Fans gefallen dürfte, aber für Fans von Asia-Grindern ein Fest ist.
Lange Rede, kurzer Sinn: Die Zukunft sieht endlich wieder rosig aus und für jeden MMO-Typen dürfte etwas dabei sein. Wer hätte das vor ein paar Monaten gedacht? Ich nicht. Verratet mir gern in den Kommentaren, ob es euch auch so geht! Um einige der MMO-Geheimtipps der absehbaren Zukunft ging es übrigens in diesem Artikel: 6 kommende MMORPGs auf Steam, die richtig gut werden könnten, über die aktuell aber niemand spricht
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