Mein liebstes MMORPG ist hier so schwierig zu spielen, ich brauchte 2 VPNs und 4 neue Mail-Adressen dazu

Ragnarok Online Grindfest zu viele VPNs Opera GX benedict titel

Ragnarok Online gehört zu den absoluten Lieblingsspielen von MeinMMO-Redakteur Benedict Grothaus und ist verbunden mit tiefer Nostalgie (und daher ein Dauergast beim Grindfest). Obwohl das MMORPG schon lange Free2Play ist, kann er es hier aber nicht spielen – oder eben nur über große Umwege.

Obwohl World of Warcraft mein Haupt-Spiel geworden ist, als ich etwa 13 oder 14 war, hat mich in den Jahren zuvor Ragnarok Online die meiste Zeit beschäftigt. Dem MMORPG verdanke ich heute zum Teil meine Liebe für Rollenspiele, der Barden-Klasse (der unbestreitbar besten Klasse überhaupt) und dass ich heute mit Videospielen arbeiten darf.

Über die Jahre wurde Ragnarok Online für mich dann immer unwichtiger. Trotzdem zieht es mich immer wieder zurück zum MMORPG aus dem Jahr 2002, zuletzt, weil mich die Beta zum kommenden Ragnarok Zero ziemlich angefixt hat.

Nun ist die Standard-Version von Ragnarok Online in Europa aber nicht spielbar. Als Tech-Laie dachte ich mir: VPN muss ja wohl reichen. Pustekuchen … Am Ende brauchte ich:

  • zwei VPNs, die ich gleichzeitig schalten musste, nur einer alleine hat nicht gereicht
  • OperaGX als neuen Browser, weil dessen eingebaute VPN als einzige funktioniert hat
  • vier neue Mail-Adressen bei verschiedenen Anbietern, die ich der Reihe nach ausprobiert habe – erst eine Wegwerf-Mail wurde akzeptiert

Es folgten dutzende Stunden des Grinds, für die mich die meisten wohl verrückt erklären würden. Aber für mich war das eine wunderschöne Zeit.

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Ragnarok Online stellt die 4th Jobs vor, die neue Stufe der Klassen

Kein anderes MMORPG hat mir je gegeben, was Ragnarok konnte

Es gibt dutzende moderne Spiele, die besser aussehen als Ragnarok Online, besseres Gameplay bieten und deutlich leichter zu spielen sind. Warum also muss ich ausgerechnet dieses Spiel spielen? Die Antwort ist recht einfach: kein anderes Spiel hat je so ein gutes Klassen-System gehabt.

Statt einfach nur eine Klasse und einen Spec oder eine „Subclass“ auszuwählen, wie man es heute von den meisten Spielen kennt, sind die „Jobs“ in Ragnarok Online eine Reise für sich:

  • Ihr beginnt als Novize, der von den NPCs an die Hand genommen wird – quasi ein Kind, das langsam zum Abenteurer wird.
  • Der „erste Job“ legt dann den Pfad fest, den ihr später mal gehen werdet: Schwertkämpfer, Akolyth, Dieb, Händler, Magier…
  • Erreicht ihr ein bestimmtes Level, habt ihr die Auswahl aus zwei weiterführenden Klassen: Schwertkämpfer werden Ritter oder Kreuzritter, Diebe werden Schurken oder Assassinen usw.

Das gesamte System verleiht den Charakteren eine Tiefe, an die kein anderes Spiel (und schon gar kein MMORPG) je herangekommen ist. Ich beginne nicht als Held (und auch nicht als „Niemand“), sondern werde langsam erwachsen, erfahrener, mächtiger.

Später kamen noch weitere Klassen dazu: nach einem „Rebirth“ auf Max-Level fängt man wieder auf Stufe 1 an und kann dann zu „transzendierten“ Jobs aufsteigen, später zu dritten und sogar vierten Entwicklungen des Pfades – in meinem Fall etwa: Assassin, Assassin Cross, Guillotine Cross und ganz am Ende Shadow Cross.

Viel Freude für lau – trotz gierigem Cash-Shop (und mieser Übersetzung)

Das alles dauert natürlich seine Zeit. Private Server überbrücken das oft mit maßgeschneiderten Raten, etwa 5x so viel XP und Drop-Raten. Einige Irre arbeiten sogar mit Multiplikatoren im Zehntausender-Bereich. Nur: Genau das will ich nicht, ich will ja diese Reise erleben.

Mit meinem frischen Account in Ragnarok Online – den ich eigentlich ja gar nicht haben darf, aber pssst! – habe ich dann direkt viele Stunden lang gegrindet, um einen Charakter nicht nur auf Maximal-Stufe 100, sondern sogar wiedergeboren erneut auf Level 100 zu bringen. Transzendiert geht es dann sogar noch weiter.

Eine Mordsgaudi. Zwar kannte ich die ganzen Gebiete schon von damals, aber gerade Endgame-Dungeons, für die ich früher zu schlecht war, kann ich heute endlich besichtigen. Viele Fans stört an Ragnarok Online der gierige Pay2Win-Shop und ja, man kann dort Dinge kaufen wie XP-Boosts oder sogar Leih-Items.

Für mich war das aber nie relevant. Ich will mich mit niemandem messen, sondern einfach nur zocken. Abgesehen davon wäre es vermutlich sowieso schwierig, von hier aus Geld auszugeben …

Einziges Manko, das ich damals wie heute ankreiden muss: die Texte im Spiel sind grauenhaft. Ursprünglich ist Ragnarok Online koreanisch und die Übersetzung klingt, als habe man einfach Wörter aus einem Wörterbuch aneinander gereiht. Im neuen Ragnarok Zero scheint wenigstens KI am Werk zu sein und alles gibt’s sogar auf Deutsch, aber das Original muss man schon lieben, um es zu tolerieren.

Ragnarok Online ist für Europäer verboten!!! Oder so ähnlich

Warum nun ist es aber eigentlich so schwierig, Ragnarok Online offiziell und legal zu spielen? Dahinter steckt eine lange und ziemlich verzwickte Geschichte, die ich versuche, kurz zusammenzufassen.

Es gab mehrere regionale Versionen von Ragnarok Online, etwa eine für Europa (euRO), Japan (jRO), Korea (kRO) und eine internationale bzw. englische (iRO). Über die Jahre war das aber wohl nicht mehr lukrativ genug, zumal viele Server auf verschiedenen Patch-Ständen waren, und man hat sukzessive abgebaut.

2018 haben die Betreiber Ragnarok Online in Europa schließlich eingestellt, weil sie offenbar den neuen Datenschutzbestimmungen der EU damals nicht zustimmen wollten. Seitdem ist es hier quasi unmöglich geworden, Ragnarok Online irgendwie „legal“ zu spielen.

Die offiziellen, internationalen Server (iRO) haben einen Geoblock für alle europäischen Länder, eine europäische Version gibt es schon lange nicht mehr. Nur Privatserver sind immer mal wieder aufgetaucht, aber die meisten von ihnen haben nicht lange gehalten.

Seitdem tauchen immer wieder private Server auf, die mal länger, mal weniger lange laufen, ehe sie wieder dicht machen. Warp Portal bzw. Gravity selbst haben Ragnarok Online sogar in einer neuen Version international angeboten, Europäer dann aber ausdrücklich darum gebeten, nicht zu spielen. Na danke.

Lohnt sich so viel Aufwand überhaupt?

Für die meisten von euch? Auf keinen Fall. Ragnarok Online ist zwar ein Spiel mit Iso-Perspektive und Retro-Look, also Pixel und Sprites, und entsprechend „okay“ gealtert, aber die Mechaniken sind grauenhaft.

Ohne Nostalgie kann ich mir nicht vorstellen, dass man in irgendeiner Art Freude an dem klobigen Einsatz von Skills, den wenig intuitiven Shortcuts oder dem Ausrüstungs-System hat, bei dem man ohne Studium kaum sagen kann, welches Item jetzt eigentlich besser ist als ein anderes. Stellt euch Path of Exile vor, nur deutlich langsamer.

Ich würde allerdings diesen Spießrutenlauf jederzeit wieder auf mich nehmen, weil einfach kein anderes Spiel mein Bedürfnis nach dieser Erfahrung so stillen kann, wie es Ragnarok tut. Andere Spiele wie Tree of Savior oder ein Projekt eines verzweifelten Fans haben es mal probiert, aber niemand hat es erreicht und selbst alle Nachfolger von Ragnarok selbst sind miserabel im Vergleich.

Würdet ihr auch so viele Hürden zu überwinden versuchen, nur um euer Kindheits-Spiel nochmal zu zocken? Was ist das Verrückteste, das ihr bisher für ein Game gemacht habt? Schreibt mir gerne einen Kommentar.

Ragnarok Online ist kein Spiel, das ich dauerhaft spielen werde, aber eines, zu dem ich immer wieder zurückkehre und das gerne… wenn es mir denn nicht so schwer gemacht werden würde. Ich weiß, dass allein die deutsche Community nicht klein ist, allein anhand der vielen Privat-Server und der deutschen Gilden im Test von Ragnarok Zero. Hoffnung trage ich also immer noch in mir. Mit ähnlich viel Nostalgie, aber deutlich weniger Hoffnung auf eine Rückkehr schaue ich häufig auf The Secret World zurück: Eines der besten MMORPGs überhaupt hat heute nur noch 124 Spieler auf Steam – Was wurde aus The Secret World?

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