Amazon umschifft mit dem neuen MMO New World einen PR-Albtraum

Bei dem neuen MMO „New World“ von Amazon dachte man eigentlich, es würde in Amerika zur Kolonialzeit spielen. Aber dem ist nicht so: Dieses Setting wäre politisch unkorrekt. Jetzt heißt es, es gebe keine Hinweise auf Amerika im MMO. Das Spiel finde auf einer Insel im Atlantik statt, quasi auf Atlantis.

Wie kam man auf die Idee mit Amerika? New World wurde im September 2016 vorgestellt. Es war aber über Jahre ein unbeschriebenes Blatt. Es drangen nur einige Trailer und Info-Fetzen nach außen.

Doch es gab einige Hinweise darauf, dass New World im Amerika des 17. Jahrhunderts spielen würde:

  • So ist der Begriff „New World“ (neue Welt) eigentlich fest mit der Kolonialisierung von Amerika durch Europäer verbunden, die eine „neue Welt“ entdeckten und in Besitz nahmen
  • Zudem erinnerte das 1. Bild von New World an einen spanischen „Konquistador“
New World Conquistador

Amazon selbst sagte von Beginn an, dass „mystische Elemente“ in dieser neuen Welt eine Rolle spielen würden.

Es war also klar: Das wird ein „fiktives Setting“, kein historisches. Wo das genau spielen würde, ließ man offen.

Die Leaks und Trailer legten aber die Vermutung nahe, das Spiel würde an der Ostküste Nordamerikas im 17. Jahrhundert spielen, mitten in der Kolonialzeit.

New-World-Bär
Sah nach Nordamerika aus.

Warum ist das ein Problem? Der Kolonialismus wird kritisch gesehen. Die Europäer kamen als Eroberer und glaubten an ihre Überlegenheit über die indigenen Völker.

Es wurden Seuchen eingeschleppt, Gräueltaten begangen, Rohstoffe geplündert.

Ein Spiel in Amerika anzusiedeln und die Spieler die Rolle der europäischen Eroberer spielen zu lassen, wäre daher höchst problematisch und könnte sich für Amazon zu einem PR-Albtraum auswachsen, sobald sich jemand Gedanken macht, was man da eigentlich nachspielt.

New-World-Screenshot

„Das ist nicht Amerika“

Das sind jetzt die neuen Informationen: Der Game Director von New World, Scot Lane, sprach mit Eurogamer über die Schwierigkeiten, die es hätte, ein Spiel in Nordamerika zur Kolonialzeit anzusiedeln:

„Der Kolonialismus: Es gibt keine gute Art, diese Geschichte zu erzählen. Wir machen das nicht. Das ist nicht Amerika. Wir haben keine Geschichte von Amerika auf der Insel. Es gibt nichts, was uns mit Amerika verbindet.“

Scot Lane, im Gespräch mit Eurogamer

New World spiele in „einer Insel mitten im Atlantik“, sagt Lane. Man könne das „Atlantis“ oder „Terra Australis Incognita“ nennen.

Alle Leute auf der Insel kamen dorthin, die Insel war vorher nicht bevölkert. Jeder, der dort ist, wurde von Gier getrieben oder dem Verlangen, Azoth zu besitzen – die Quelle der Magie.

Das sei die Geschichte, die man in New World erzählen wolle.

Die düstere Welt von New World fasziniert viele – Was ist die Story dahinter?

Ähnliches Setting, aber ohne historischen Ballast

Das steckt dahinter: Es war vorher schon klar, dass New World in einer „fiktiven Version“ spielt und nicht historisch ist, sondern an ein historisches Setting angelehnt sein wird.

Mit dem Kniff, es auf einer vorher unbewohnten Insel anzusiedeln, geht Amazon einer tiefen Fallgrube aus dem Weg: So kann man die Vorteile eines neues Settings zu Zeiten des Kolonialismus nutzen, ohne sich aber mit dem Schicksal von indigenen Völker befassen zu müssen.

Denn in der Welt von New World gab es keine indigenen Völker, alle sind aus eigenem Antrieb dort gelandet.

New-World-Horro

Es wär interessant zu wissen, ob das von Anfang an der Plan war oder ob das Studio erst während der Entwicklung zu der Erkenntnis kam, welche Probleme das „unverbrauchte“ Setting der Kolonialzeit als Hintergrund für ein MMO so mit sich bringt.

In jedem Fall scheint das Problem nun elegant gelöst zu sein. Man merkt, wie klar sich Scot Lane von Verbindungen auf Amerika distanziert.

Was ist sonst noch neu? Neben der Insel wurden in einem Interview mit MeinMMO auch weitere Neuerungen verkündet. Neben der Abschaffung des PvP-Zwangs wurde auch das Kampfsystem intensiver vorgestellt.

Mehr zu New World, dem Release und der Beta lest Ihr hier.

Neues MMO New World krempelt sich um – Zwangs-PvP ist weg, Open World kommt
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Bodicore
6 Monate zuvor

Das Desatser ist das man aus allem PR machen muss, auch aus Desastern

Meinmmouser
6 Monate zuvor

Jo, man musste halt irgendwie schwarze Frauen und Diverse in das Setting inkludieren.
Dies in der Kolonialzeit wäre selbst für EA/Dice Verhältnisse zu extrem gewesen :>

Phinphin
6 Monate zuvor

Schräge Begründung. Es gibt zig Spiele, in denen die Kolonialzeit als Setting festgelegt wurde, ohne dass es in einem PR-Desaster geendet hat. Genauso wenig gibts ein PR Desaster wenn ich als Ingame-Nazi halb Europa verwüste.
Wenn man dann noch bedenkt, dass das Setting so abstrakt ist, dass da Fabelwesen und Monster durch die Landschaft springen, glaube ich nicht, dass das einen größeren Aufschrei gebracht hätte.

doc
6 Monate zuvor

In welchem Spiel spielt man denn Nazis und verwüstet Europa?

Betty
6 Monate zuvor

Die Möglichkeit bestünde so zumindest.
Aktionäre sind schreckhafte Wesen, jetzt ist man aber auf der sicheren Seite.

Alex
6 Monate zuvor

Diese Spiele sind aber alle etwas älter, heute muss sich doch jeder irgendwo über irgend etwas aufregen um sich selbst zu profilieren, mit Sicherheit hätte es den Aufschrei gegeben.

Nora
6 Monate zuvor

Ami’s mal wieder oh Geschichte die uns nicht gut da stehen lässt, machen wir mal lieber nicht.

Hey Lust auf ein paar Nazi’s zu schießen?

ephikles
6 Monate zuvor

…oder Kommunisten / Russen?

IchhassePvP
IchhassePvP
6 Monate zuvor

Einerseits wäre das nordamerikanische Kolonialzeitsetting etwas gewesen was noch niemand bzw. kaum jemand bisher benutzte, schon gar nicht für ein MMO.

Andererseits spricht mich persönlich ein solches Setting an und ich denke auch unzählige andere potenitelle Spieler.

Über einen Pr-Albtraum kann man sicher spekulieren, nur halte ich wirtschaftliche Konsequenzen für Amazon da eher für gering.

Verrückte gibt es gerade in den USA zwar mehr als genug, die daraus versuchen würden einen Strick zu drehen, aber ich denke nicht dass das der Grund war für den Wechsel des Settings.

Ich vermute daher eher dass die ersten sehr, sehr spärlichen Eindrücke bewusst auf ein solches Setting abzielten um eben erste Aufmerksamkeit zu bekommen, was anscheinend ja auch funktioniert hat.

Seska Larafey
Seska Larafey
6 Monate zuvor

Es gab keine Indigen Völker auf dieser Insel. Passt nicht so ganz. Den allein diese Gesichts Statuen mit dem Roten Juwel in der mitte muss jemand gebaut haben. Aber okay, vielleicht sind die einfach ausgestorben durch ihre alten Gier und so. Jedenfalls war die Insel menschenleer und eine alte Zivilastion hat was zurückgelassen

Das kann man als antrieb nehmen für PvE Missionen. Erkundungen der alten Ruinen und so. Neugier und Gier sind starke triebe

Was assoziiert man mit „Atlantis“ in unseren heutigen Zeit? Reichtum? Macht? Unsterblichkeit? Aliens? Fortschrittliche Menschen?

Die berühmte Festung auf einem Berg wo die Mauern wie aus Laserszkapelle angepasst wurden. Wo sind sie hin? Woher stammen sie?

Habe ich Neugier erweckt? Das kann alles „Alte Ruinen“ auslösen

Das ist besser

N0ma
6 Monate zuvor

Man hätte ja die Indianer diesmal gewinnen lassen können…wenigstens in der Fantasie. So wie Dr. Manhattan nachträglich den Vietnam Krieg gewinnt.

Jona
6 Monate zuvor

Warum gibt es hier kein Emoji für Facepalm ?

N0ma
6 Monate zuvor

würde zu oft benutzt

Paulo (Mr Kermit001)
6 Monate zuvor

🤦🏼‍♂️

IchhassePvP
IchhassePvP
6 Monate zuvor

Sowas in der Art war auch mein erster Gedanke, auch wenn die im Artikel geschilderte Sichtweise sicher nicht ganz abwegig ist.

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