2015 begann Island mit einem Experiment, das das Konzept der 4-Tage-Woche auf den Prüfstand stellte. Die Ergebnisse sind eindeutig.
Wo ist die 4-Tage-Woche ein großer Erfolg? Island startete 2015 das damals weltweit größte Experiment zur Arbeitszeitverkürzung.
2.500 Beschäftigte von 100 Unternehmen und Behörden reduzierten ihre durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 40 auf bis zu 35 Stunden – bei gleichem Lohn. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Aus dem Experiment wurde schon wenige Jahre später für einen großen Teil der isländischen Arbeitnehmer Alltag (via Kontrast).
Eine Studie des britischen Autonomy Institute und der isländischen Association for Sustainability and Democracy
(Alda) beleuchtet nun die genauen Effekte auf die Menschen sowie die Wirtschaft des Insel-Staats (via autonomy.work)
Die jungen Menschen aus der Gen Z dürften aber wenig überrascht sein: In einer Umfrage, über die wir ebenfalls berichteten, gaben nämlich 81 Prozent an, genau davon überzeugt zu sein: Weniger arbeiten und dennoch produktiver sein.
Mit Blick auf die Zukunft hat sich eine Gruppe von Studenten zusammengetan, um auf die Gefahren von Überwachungstechniken und KI hinzuweisen. Das Ergebnis könnt ihr anhand dieses Videos begutachten:
Gesünder, glücklicher, reicher – Island
Was bringt die 4-Tage-Woche Islands Arbeitnehmern? In der Studie zeigen sich die meisten sehr zufrieden mit der kürzeren Arbeitszeit:
- 80 Prozent geben an, zufrieden mit der Verkürzung zu sein.
- 60 Prozent meinen, dass ihr Privatleben sich dadurch verbessert habe. Sie fühlten sich mental und physisch erholter.
Zugleich zeigt die Erhebung, dass die Unternehmen oder Behörden unter den Veränderungen nicht leiden. Die Krankentage nahmen ab, die Produktivität hingegen zu. Erreicht worden sei dies durch die Einführung zusätzlicher digitaler Hilfsmittel und umstrukturierter Arbeitsprozesse.
Zum Beispiel wurden Meetings im Schnitt zurückgefahren. Ein Ergebnis, das gut zu einem Trend passt, den eine Untersuchung eines IT-Riesen zeigt: „Maximale menschliche Ineffizienz“ – Microsoft erklärt, warum wir im Büro so unglaublich wenig Arbeit erledigen.
Wie viele arbeiten inzwischen weniger als früher? Im öffentlichen Dienst auf Landesebene hatten bis Ende des Erhebungszeitraums laut der Studie 71 Prozent und im städtisch-öffentlichen Bereich 57 Prozent ihre Arbeitszeit reduziert. Der Privatsektor bildete das Schlusslicht mit 41 Prozent. Wie es heute aussieht, ist nicht bekannt.
Wie entwickelt sich die Wirtschaft? Islands Bruttoinlandsprodukts (BIP) wuchs zum Beispiel 2023 um fünf Prozentpunkte während Deutschlands Wirtschaft schrumpfte, um 0,3 Prozentpunkte. Laut der weiteren Prognosen wird Island, Deutschland und auch andere Länder Europas in den kommenden Jahren bei der wirtschaftlichen Entwicklung übertrumpfen (via Statistisches Bundesamt (Statista): Island und Deutschland).
Beim Blick auf diese Statistik für die EU bei Statista zeigen, dass Island bereits zwischen 2022 und 2023 mit seinen neun und den schon erwähnten fünf Prozent fast alle EU-Länder hinter sich ließ.
Arbeitnehmer einer bedeutenden Industrienation, die viele von euch vor allem als Schöpfer legendärer Spieleserien kennen, können mit der 4-Tage-Woche wenig anfangen. Sie dürften vom Gesetz her weniger arbeiten, lehnen dies aber rigoros ab: In einem Land arbeiten die Leute mehr als sie müssen, verzichten freiwillig auf die 4-Tage-Woche
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Die Studie zur 4-Tage-Woche in Island, die von Autonomy und Alda durchgeführt wurde, wird oft als Vorbild für Arbeitszeitverkürzungen herangezogen. Allerdings weist die Untersuchung zahlreiche methodische und inhaltliche Schwächen auf, die ihre wissenschaftliche Validität erheblich in Frage stellen.
Subjektive Messung und mangelnder Vergleich
Ein Kritikpunkt ist die subjektive Messung durch Befragungen. Die Teilnehmer wurden gefragt, ob sie bei weniger Arbeit bei gleichem Gehalt besser arbeiten würden. Die Fragestellung selbst legt eine positive Antwort nahe, da die Probanden davon ausgehen können, dass dies die Voraussetzung für die Fortführung eines solchen Modells ist. Dies birgt ein erhebliches Risiko für Verzerrungen (Bias) in den Ergebnissen.
Darüber hinaus fehlen Befragungen während der Ausgangsbedingung, also der 5-Tage-Woche. Ohne diesen Vergleichsrahmen ist es nicht möglich, belastbare Aussagen über Veränderungen in der Arbeitszufriedenheit oder Produktivität zu treffen. Die fehlende Kontrollmessung vor der Intervention ist ein grundlegender methodischer Mangel.
Fehlende Beteiligung von Wirtschaftswissenschaftlern
Die Studie wurde ohne die Mitwirkung von Wirtschaftswissenschaftlern durchgeführt. Dies ist besonders problematisch, da zentrale Fragestellungen wie die wirtschaftliche Tragfähigkeit und die makroökonomischen Auswirkungen einer Arbeitszeitverkürzung fundierte ökonomische Expertise erfordern. Das Fehlen solcher Perspektiven schmälert die Aussagekraft der Ergebnisse erheblich.
Kein echtes 4-Tage-Woche-Modell
Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung handelt es sich bei der untersuchten “4-Tage-Woche” nicht um eine Reduktion der Arbeitszeit um 20 %, sondern oft nur um 10 %. Beispielsweise wurde die Wochenarbeitszeit häufig von 40 auf 36 Stunden reduziert. Das Label “4-Tage-Woche” ist daher irreführend und kann als Etikettenschwindel betrachtet werden.
Verzerrte Stichprobe
Die Studie umfasst fast ausschließlich Unternehmen, bei denen eine Reduzierung der Arbeitszeit vergleichsweise einfach umzusetzen ist, wie Bürojobs und öffentliche Verwaltungen. Branchen mit strukturellen Herausforderungen, wie das Gesundheitswesen oder die Pflege, wurden nicht berücksichtigt. Diese Einschränkung verzerrt die Ergebnisse und lässt keine generalisierbaren Aussagen über die Machbarkeit der 4-Tage-Woche in anderen Branchen zu.
Ausschluss von Abbrechern
Teilnehmer, die vor oder während der Studie abbrachen, wurden in den Ergebnissen nicht berücksichtigt. Dies führt zu einer erheblichen Verzerrung der Ergebnisse, da nur die Rückmeldungen der erfolgreich teilnehmenden Personen einflossen. Es entsteht der Eindruck, dass die Maßnahme universell positiv wahrgenommen wurde, obwohl dies nicht der Fall ist. Nach er Methodik kommen 100 % aller Läufer eines Ultramarathons ins Ziel und sind zu frieden mit dem Lauf.
Ungenaue Vergleichszeiträume
Die Studie gibt keine klaren Vergleichszeiträume an, sondern verweist vage auf “Jahre
davor”. Diese mangelnde Präzision erschwert eine belastbare Interpretation der Ergebnisse und wirft Fragen zur wissenschaftlichen Sorgfalt auf.
Methodische Intransparenz und fehlendes Peer-Review
Es fehlen detaillierte Angaben zur Methodik, insbesondere zur Gestaltung der Fragebögen oder zur Durchführung der Interviews. Ohne diese Informationen ist die Nachvollziehbarkeit und Replizierbarkeit der Studie stark eingeschränkt. Zudem wurde die Studie nicht peer-reviewed, wodurch sie den wissenschaftlichen Standards einer unabhängigen Überprüfung nicht genügt.
Beste Studie ever. Sie ist halt wie die Gen Z – viel Getöse, wenig Substanz, grundsätzlich etwas halbherzig und auf der Mitte des Weges hat man die Lust oder das Interesse verloren.
Du beschwerst dich über diese Studie, aber gleichzeitig scheint das, was du mitbekommst zu reichen um eine ganze Generation zu beurteilen.
Ich glaube der Humor ist an dir vorbei gegangen. Les mal die Überschrift und dann liest du noch mal meinen letzten Satz. Vielleicht verstehst du es dann.
Abgesehen davon beschwere ich mich nicht über die Studie, ich übe fundierte Kritik.
Wirkt nicht so, als wäre ich hier diejenige, die Probleme hat den Humor zu erkennen.
Ich finde den Kontrast der durchaus fundierten Kritik zu deinem letzten Satz zur Generation Z einfach köstlich.
Schauen wir uns mal die Ueberschrift an:
Also wenn eine ganze generation recht haben kann, dann kann auch eine ganze Generation halbherzig sein. Auf diese weiße habe ich mich darüber amüsiert.
Falsch ist nun einmal beides und “aber der hat das auch gemacht” war schon immer ein bescheidenes “Argument”.
Solche Titel sind nicht unüblich, mein Geschmack ist das auch nicht, aber immerhin wird hier niemand denunziert.
Ist doch schön, dass du dich darüber amüsierst, spricht doch dann nichts dagegen, wenn ich das gleiche tuhe.
Was genau möchtest du denn von mir?
Ne, ich glaube es geht immer noch an dir vorbei. Der Satz sollte niemals richtig sein. Das war nie sein Anspruch.
Hab ich auch nie behauptet.
Es gab zwei Möglichkeiten, entweder es war ernst gemeint, was ich durch den Kontrast lustig gefunden hätte oder eben so, was ich als Reaktion auf den Artikel lustig fand.
Deine Erklärungen taten sein übriges.
In beiden Fällen spricht das Denunzieren dennoch nicht an, ist eben nicht mein Humor.
Um noch etwas zum Artikel zu schreiben:
Ich bin auch ein Verfechter der 4-Tage-Woche, nach meiner Erfahrung erhöht das Effizienz und Motivation – jedenfalls bei mir.
Das Problem an dem Modell ist leider schon schlicht die Durchführbarkeit aufgrund von Personalmangel etc.
Bis auf den Satz mit Gen-Z Stimme ich voll zu.
Auch die Angabe des BIP ist lustig. Island hat so viele Einwohner wie eine Mittelgroße Stadt in Deutschland. Der BIP liegt bei Island bei 31 Milliarden. Bei Deutschland 4.5 Billionen. Bei gerade einmal 31 Milliarden eine 5% Steigung zu erreichen ist deutlich einfacher als bei 4.5 Billionen. Setzt man nur den monetären Wert der jeweiligen Steigerung gegenüber, dann ist der Wert von Deutschland 10 mal höher als der von Island.
Man sollte nie einer Statistik trauen, die man nicht selbst gefälscht hat.
Nur 80 Prozent? Ich hätte hier mit deutlich an der 100% Grenze gerechnet, da es bei dem Wert ja auch nur um Arbeitnehmer geht.
60 Prozent ist aber jetzt kein guter Wert. Das heißt ja, das es 40% entweder gleich oder sogar schlechter geht. Das ist absolut kein guter Wert.
Ja gut das ist schon lange kein Geheimnis mehr. Es gibt nichts schlimmeres als Meetings.