GTA 6 zeigt in den ersten Einblicken ins Spiel, mit Grafik sowie mit neuen Gameplay-Aspekten, einen noch größeren Detailgrad, was Realismus betrifft. Welche Rolle inmitten dieses realitätsnahen Ansatzes ein Artstyle spielt und wie sich dieser ausdrückt, schaut sich MeinMMO-Redakteurin Caro genauer an.
Wie realistisch ist GTA 6 wirklich? Dass Realismus in GTA 6 eine große Rolle spielen wird, wurde seit Beginn des Marketings mit jedem Screenshot, Trailer und Interview deutlicher:
Grafisch strahlt das Spiel mit realistischen Shadern, Lighting und einfach einem enorm hohen Maß an Detailverliebtheit. Vor Schweiß glänzende Körper, realistisches Haarverhalten, eine Umgebung, die auf Wind, Wetter und weitere Einflüsse reagiert – die Aufzählung könnte diesen Artikel schnell sprengen.
Trotzdem besitzt auch ein so realistisch aussehendes Spiel wie GTA 6 eine eigene visuelle Handschrift. Das war Rockstar während der Entwicklung sehr wichtig:
Mit dem Fortschritt der technischen Möglichkeiten steigt auch die Chance, etwas sehr Realistisches zu schaffen. Es muss natürlich besser aussehen … Aber man muss auch seinen eigenen Ansatz finden. […] Das Ziel ist nicht, realistisch zu sein, sondern den Eindruck von Realismus zu vermitteln und dabei im Einklang mit dem zu bleiben, was wir tun.
– Rob Nelson (Quelle: TroisCouleurs, übersetzt von Vinewood Motors auf X)
Man mag sich fragen: Wie kann man Hyperrealismus stilisieren? Wie kann man etwas realistisch Aussehendem einen Artstyle verleihen?
GTA 6 ist der (bald, sehr bald) lebende Beweis, dass das geht. Und wieso besagter Artstyle so wichtig ist.
Ein Artstyle ist mehr als „nur Style“, sondern Sprache
Der Artstyle von GTA 6 ist genau das, was Grand Theft Auto als Spielereihe ausmacht: Es handelt sich um keine beinah dokumentarisch kühle Übermittlung der realen Welt, sondern – ebenso wie oftmals die narrativen Inhalte – um eine Überspitzung.
Wer sich alles rund um GTA 6 anschaut, dem wird aufgefallen sein, wie bunt dieses Spiel werden wird. Pastelltöne in den Farben von Meer und Beach-Vibes, bunte Neonlichter aus dem Nachtleben und frisch lackierten Sportwagen, der Kontrast zwischen dekadentem Glanz und dem Dreck, der darunter schlummert. Und das zieht sich durch das ganze Spiel, was man bereits an Screenshots erkennen kann:




Die Bilder stammen allesamt von Rockstars offizieller Website zu GTA 6.
Aber Farbe ist nur ein Aspekt eines Artstyles. Neben dem tonalen Einklang der Farbgebung sorgt ein Artstyle auch für Lesbarkeit.
Betrachtet man im echten Leben einen x-beliebigen Menschen auf der Straße, könnte alles hinter ihm oder ihr stecken. In einem Videospiel, in dem das Aussehen in der Regel eine Geschichte, eine Einstellung oder schlichtweg den Nutzen eines Charakters darstellen soll, muss dieses im Design erkennbar sein.
Besonders deutlich wird das im Charakterdesign von Cartoons oder anderen Animationsprojekten, doch auch realistische Charaktere können in ihrer Gestaltung mit subtiler Stilisierung einem Artstyle folgen.
Ja, sie mögen zwar durch Details wie Schweiß, Härchen und Falten sehr realistisch aussehen, doch besitzen immer noch ein leicht durch Stereotypen beeinflusstes Aussehen. Das macht sie sofort lesbar, vor allem im Setting des Florida-Lifestyles:
- Sonnenverbrannte Körper sowie ein älterer Mann, der den Hintern einer deutlich jüngeren Frau abcheckt.
- Ein mit Bling und Gold übersäter Boss eines Drogenlabors
- Viele, viele Kurven bei Tänzerinnen und Frauen, die sich für Social Media in Szene setzen
- Ein muskelbepackter Türsteher, der beinah eine Tür ausfüllen könnte
- Fehlende Zähne beim eher „Second-Hand“-igeren Mechaniker





Die Bilder stammen allesamt von Rockstars offizieller Website zu GTA 6.
Rockstar arbeitet hier trotz realistischer Shader mit der gleichen Theorie, wie man sie auch beim Design von deutlich cartoonigeren Charakteren nutzen würde, und nutzt dezent überzogene Silhouetten und Formen, um ihnen Ausdruck zu verleihen.
Eine ganz bewusste Entscheidung
Die richtige Balance zwischen Realismus und Stilisierung zu finden, war dem Team während der Entwicklung sehr wichtig. So erklärt Rob Nelson, Co-Studiochef von Rockstar North, gegenüber dem LOVE-Magazin:
Manchmal muss etwas realistisch wirken, um das Eintauchen in die Spielwelt zu fördern, und umgekehrt muss man manchmal zugunsten dessen, was für den Spieler am praktischsten ist, auf Realismus verzichten – Realismus kann zwar erheblich zum Eintauchen in die Spielwelt beitragen, aber zu viel davon kann langweilig wirken, daher versuchen wir, die richtige Balance zu finden.
Während eine realistische Grafik durch die immer besser werdenden technischen Möglichkeiten geschaffen werden kann, ist es vor allem ein Artstyle, die Kunst hinter der Welt von GTA 6, die die Geschichte erzählt.
Aus eigenen Worten empfinde ich es wie folgt: Realismus mag die Immersion fördern und lässt mich in ein Spiel eintauchen, doch ein Artstyle ist das, was mich inspiriert und ein Spiel sowie seine Welt authentisch macht. Und für mich ist GTA 6 mit den bisher gezeigten Inhalten ein Projekt, das vor Authentizität strotzt.
Was haltet ihr von dem Artstyle von GTA 6? Ist euch das Spiel „zu“ realistisch, oder ist genau das der Vibe, den ihr bevorzugt? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!
Der Realismus in GTA 6 bezieht sich nicht nur auf die Grafik. Um die Kultur von Miami in Vice City einzubinden, hat das Team sehr ausgiebig recherchiert und diskutiert, wann sie womöglich etwas zu weit gehen würden: GTA 6: „Jetzt verstehst du, warum es so lange gedauert hat“ – Rockstar diskutierte endlos, wie aufwendig ein Sandwich sein darf
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