Ex-Lead von WoW feiert China: „Ihr MMO-Design ist dem des Westens 10 Jahre voraus“ – Spieler befürchten Schlimmes für „Ghost“

Ex-Lead von WoW feiert China: „Ihr MMO-Design ist dem des Westens 10 Jahre voraus“ – Spieler befürchten Schlimmes für „Ghost“

Greg „Ghostcrawler“ Street war in China, um dort einige Kollegen bei NetEase zu besuchen. Sein begeistertes Lob über die Expertise der chinesischen MMORPG-Entwickler stößt auf Gegenwind.

Warum besucht der Entwickler NetEase? Der ehemalige Lead-Entwickler von World of Warcraft und vom neuen MMORPG für League of Legends arbeitet mit seinem eigenen Studio Fantastic Pixel Castle seit einer Weile bekanntlich an Projekt „Ghost“, mit dem er alles, was gerade im Genre der Online-Rollenspiele schiefläuft, besser machen möchte.

Seit November 2023 ist klar, dass er auf den chinesischen Konzern NetEase als strategischen Partner zurückgreifen kann. Ihr wisst schon, das ist das Unternehmen, mit dem Blizzard zeitweise Beef hatte, wodurch World of Warcraft und Co. lange nicht in China erscheinen durften.

Wie genau die Zusammenarbeit aussieht, ist unklar. Damals kommentierte Ghostcrawler die Partnerschaft wie folgt:

Wir möchten das Spiel der Community früh und oft zeigen, um sicherzustellen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und um konstant Feedback einzuarbeiten. Das ist möglich, weil NetEase ein strategischer Partner ist, der unsere Vision versteht und uns die kreative Freiheit, die Ressourcen und die Unterstützung gibt, die es braucht, damit wir erfolgreich sein können.

Erstes Gameplay aus dem Prototypen von Ghost – also noch eine sehr frühe Version des MMORPGs:

Was berichtet Ghostcrawler von seinem Besuch? Im Zuge dieser Zusammenarbeit war der Chef-Entwickler jetzt also in Hangzhou und Guangzhou, um persönlich mit den Kollegen von NetEase zu schnacken. Sein anschließendes Fazit auf X:

Ihr MMO-Design ist dem des Westens etwa 10 Jahre voraus, während sich unseres ein wenig eingefroren anfühlt. Ich habe viel gelernt und eine Menge leckeres Essen gegessen. Ich werde bald wiederkommen!

Unter dem Post bekam Greg Street im Anschluss einigen Gegenwind ab, es wurden aber auch viele Fragen gestellt, um den Grund für diese Aussage genauer zu beleuchten. Zudem befürchtet manch einer, dass Ghostcrawler jetzt einige „Unarten“ aus asiatischen MMORPGs auch für Ghost übernehmen könnte.

  • Perpetual hater kommentiert etwa auf X: „Ihr Design könnte dem Westen 100 Jahre voraus sein und der Westen wird trotzdem erfolgreicher sein, weil der Osten sich als gierig erwiesen hat, wenn es um MMOs geht.“
  • Griffin Best hofft auf X: „Bitte kein Auto Play oder Pay to Win, das ist dort weitverbreitet.“
  • SyphinB3 schreibt auf X: „Ich bin mit der aktuellen MMO-Formel aus dem Osten nicht einverstanden. Abgesehen von der Grafik, der fantastischen Charakteranpassung und den Kämpfen scheinen sie nicht in der Lage zu sein, die Systeme richtig hinzubekommen, noch können sie ein starkes Endgame entwickeln. Es wird am Ende immer ein Ressourcen-Grind, um die Ausrüstung zu leveln […].“

Wie reagiert Ghostcrawler auf die Kommentare? Ganz Ghostcrawler-typisch sehr kommunikativ, mit diversen Antworten und Ausführungen. In einem Post auf X erklärt der Entwickler beispielsweise:

Ich sage ja nicht, dass man chinesische MMOs lieben sollte, wenn man im Westen lebt. Ihr seid wahrscheinlich sowieso nicht deren Zielgruppe. Ich sage nur, dass ich als Designer die Tiefe ihres Designs sehr schätze, vor allem die horizontale Progression, mit der das Spiel, an dem ich gearbeitet habe, WoW, zu kämpfen hatte.

In einem anderen Post auf X ergänzt Street, dass sich Ghost an eine westliche Zielgruppe richten wird, weshalb er auch auf Bezahlmodell, Art-Design und Charakter-Progression setzen wird, die genau für den Westen ausgelegt sind. NetEase sei ein chinesischer Publisher, der von diesen westlichen Spielen gerne mehr im Portfolio hätte, so der Entwickler weiter.

Was in diesem Zusammenhang spannend ist: Immer mehr asiatische Unternehmen möchten mit ihren MMORPGs im Westen größere Erfolge feiern und passen dafür auch ihre Design-Ausrichtung an.

2 Beispiele dafür sind ArcheAge Chronicles und Aion 2, die einen deutlich größeren Fokus auf PvE-Inhalte sowie Story setzen werden, als es bei den jeweiligen Vorgängern der Fall war. Zu Aion 2 soll es übrigens in Kürze endlich genauere Details geben: Ein neues MMORPG kommt 2026 zu uns, soll größer werden als Throne and Liberty, aber mit weniger Pay2Win

Deine Meinung? Diskutiere mit uns!
8
Gefällt mir!
Kommentar-Regeln von MeinMMO
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
3 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Abstimmungen
Inline Feedback
Alle Kommentare anzeigen
Yoma

Da war er wohl etwas zu auskunftsfreudig. Unternehmen wollen Geld verdienen und Spieler keins ausgeben. Diese Diskrepanz wird immer bleiben.

“vor allem die horizontale Progression, mit der das Spiel, an dem ich gearbeitet habe, WoW, zu kämpfen hatte.”

Denke das kann man so nicht sagen. WoW hat sich bewußt für vertikale Progression entscheiden und damit viel Geld verdient. Trotzdem halte ich für Spieler horizontale Progression für das Bessere. Worauf btw GW1 was ungefähr zur selben Zeit erschienen ist, gesetzt hat. Was mich allerdings immer wieder wundert das speziell WoW Spieler die vertikale Progression bejubeln und sogar für das einzig wahre halten. Ne ok wundern tuts mich nicht. 😉 Vertikale Progression ist für Unternehmen auf jeden Fall das einfachere Modell, für horizontale musst du dir gut überlegen wie du die Spieler bei der Stange hälst. Denke das war für Blizard auch der entscheidende Punkt. Das Geld kam erst später.

Zuletzt bearbeitet vor 10 Monaten von N0ma
Franzl

Spieler wollen kein Geld ausgeben? Etwas zu pauschal oder?! Ich bspw. gebe gerne Geld aus. Aber nur im Verhältnis und niemals für Pay2Win.
Hingegen hatte ich in StarTrek Fleet Mitspieler, die 10.000 Euro in der Woche nur dafür ausgaben. Derzeit ist dieser Trend, ein Rennen zwischen denen die am meisten Geld ausgeben, zu generieren, fast nur bei Handy-Spielen zu beobachten, das dürfte jedoch nur kurzfristig gelten. Wir haben längst die akzeptierte(!) Klassengesellschaft in Spielen.

Yoma

“Spieler wollen kein Geld ausgeben? Etwas zu pauschal oder?!”

Zu pauschal würde ich nicht sagen. Grundsätzlich versucht man schon so wenig wie möglich auszugeben. Was nicht heist das ich nicht auch selbst was ausgebe für Spiele die mir gefallen. Gerade erst für Lotro.

Mit der Aussage von oben wollte ich nur sagen Unternehmen versuchen soviel wie möglich aus Spielern herauszuleiern während Spieler versuchen so wenig wie möglich auszugeben. Diese Diskrepanz ist grundsätzlich da.

“Hingegen hatte ich in StarTrek Fleet Mitspieler, die 10.000 Euro in der Woche nur dafür ausgaben.”

Wobei die das nicht machen um die Spielefirma zu unterstützen sondern für ihre eigene Ingame Reputation. Was im Umkehrschluß nicht heisst das nicht auch Spielefirmen direkt unterstützt werden, zb via Alpha Version Unterstützungspakete.

“Wir haben längst die akzeptierte(!) Klassengesellschaft in Spielen.”

So schlimm ist es denke ich nicht. Gerade die P2W Diskussion verhindert das, ok von Handy Spielen mal abgesehen. 😉 Ich bewerte Ingame Erfolge auch weitaus höher als Kauf Sachen, zb Mounts, Titel usw.

Zuletzt bearbeitet vor 10 Monaten von N0ma
Passwort vergessen

Bitte gib Deinen Benutzernamen oder Deine Email-Adresse ein. Du erhälst einen Link, um ein neues Passwort per Email zu erstellen.

3
0
Sag uns Deine Meinungx