Der frühere PlayStation-Chef Shawn Layden hat über das Ende der Disc durch Sony gesprochen. Er hält diese Entscheidung für ein großes Risiko.
Wer spricht da? Shawn Layden war ab 1987 insgesamt 32 Jahre lang bei Sony tätig und hier unter anderem 25 Jahre bei PlayStation. Er prägte maßgeblich die äußerst erfolgreiche Ära der PlayStation. Im Jahr 2019 verließ er dann den Konzern.
In dem Podcast „The Expansion Pass“ auf YouTube hat Layden jetzt über Sonys Entscheidung gesprochen, die Disc ab 2028 abzuschaffen. Er hält die Entscheidung für keine gute Idee, kann sie aber finanziell nachvollziehen.
Nur ein kleiner Teil kauft heute eine Disc, „aber das sind superwichtige 20 %“
Was genau sagt Layden? Layden erklärte, dass die Entscheidung vermutlich wegen der Kosten und Gewinne gefällt worden sein müsse, auch wenn ihn das traurig mache. So sagte er:
Ich glaube, es wurde damals, als die Ankündigung erschien, bereits berichtet, dass ich über diese Entscheidung traurig war. Da ich nicht dabei war, weiß ich natürlich nicht, welche Faktoren dabei eine Rolle gespielt haben und was in der Kalkulationstabelle stand – denn ich bin mir sicher, dass es sich um eine Entscheidung handelt, die stark auf Zahlen basiert, bei der Kosten eingedämmt und Gewinne maximiert werden.
Die Mehrheit, sagte er, würde zwar am liebsten digital kaufen. Die Leute, die aber die Discs kaufen, seien die treusten Spieler für die Plattform. Denn das seien genau die Leute, die ein Spiel auch mehrfach kaufen würden, nur um sich dann ein Exemplar originalverpackt in den Schrank zu stellen.
(…) Aber ich glaube schon, dass insbesondere im Gaming-Bereich vielleicht 80 % der Leute herunterladen und 20 % nicht – oder wie auch immer diese Aufteilung letztendlich aussehen mag.
Aber das sind superwichtige 20 %. Ich meine, das sind größtenteils die Treuesten der Treuen. Das sind oft die Leute, die von jedem Spiel zwei Exemplare kaufen, oder? Das eine bleibt in der Folie, und das andere spielt man. Es ist genau wie bei Comic-Sammlern; man kauft immer zwei Comics. Ich denke, die Möglichkeit, die physische Disc zu besitzen … wir dürfen nicht vergessen, dass einer der Hauptantriebe für Gamer dieser Sammelwahn ist, oder? Wir sind neugierige, sammelfreudige Menschen, und wir zeigen gerne unsere Sachen her. „Schau dir meine Sachen an.“ Aus diesen Gründen stimme ich dieser Entscheidung nicht zu.
Das große Problem ist in seinen Augen aber die Tatsache, dass man den Spielern derzeit klarmache, dass sie zwischen Besitz und digitalem Vermögenswert wählen müssten. Genau das sei aber das Tückische daran. Und da Spieler immer vom Schlimmsten ausgehen würden, sorge genau das dafür, dass hier gerade ein großer Imageschaden entstehe:
Gleichzeitig – und ich halte das für den wohl heimtückischeren Aspekt daran – verschiebt sich die Fragestellung von „Besitzt du ein Spiel?“ hin zu „Hast du Zugriff auf einen digitalen Vermögenswert?“ Wenn du nichts besitzt, bedeutet das, dass du nichts verkaufen kannst. Wenn man etwas nicht verkaufen kann, bedeutet das, dass man es nicht besitzt. Und wenn man es nicht besitzt, was kauft man dann eigentlich? Wenn man nur Zugang kauft, klingt das, ehrlich gesagt, nicht gerade verlockend.
Die Leute werden – wie es nun einmal so ist – das Worst-Case-Szenario durchspielen. Und das bedeutet einen erheblichen Imageschaden und einen Reputationsverlust. Wie gesagt, ich habe keinen Einblick in die damit verbundenen Finanzen, aber das ist ein erheblicher Imageschaden, und ich hoffe, dass ihnen das klar war.
Sony hatte sich aber mittlerweile bereits zum Ende der Disc geäußert und erklärt, dass man an seinem Entschluss, dem Ende der Disc, festhalten wolle. Man habe sich diese Entscheidung gründlich überlegt und wolle diese jetzt auch umsetzen. Denn die Digitalisierung würde immer weiter fortschreiten und vor keinem Inhalt haltmachen.
Sony stellt die Disc-Produktion ein. Die Entscheidung wird stark kritisiert, doch sie dürfte kaum noch zu ändern sein. Das zeigt das wichtigste Werk für die Disc-Herstellung in Österreich. Denn hier will man bereits alle Mitarbeiter auf neue Produkte umschulen: Viele hoffen, Sony überdenkt das Ende der Disc noch einmal, aber dafür dürfte es schon längst zu spät sein
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