Darum war es richtig, die Schmiede in Destiny 2 doch noch zu öffnen

Es war der Aufreger der letzten Tage: Bungie hatte den Zugang zur letzten Schmiede-Aktivität in Destiny 2, Bergusia, hinter einem komplexen Rätsel. Doch auch nach 29 Stunden intensivster Bemühungen konnte das Puzzle nicht geknackt werden und Bungie öffnete die Schmiede für alle. Richtig so, glaubt unser Autor Robert.

Warum wurden die Niobe Labs so kontrovers diskutiert? Mit dem Weekly Reset hat Bungie den Hütern ein neues Rätsel in die Hand gedrückt, dessen Lösung die letzte Schmiede der schwarzen Waffenkammer, Bergusia, freischalten würde.

Leider gestaltete sich diese Aufgabe als unüberwindbare Hürde für alle Destiny-Cracks auf diesem Planeten.

Zahllose Streamer und Tausende Zuschauer sowie das Subreddit der Rätsel-Finder bissen sich die Zähne an dieser Aufgabe aus. Sie machten zwar Fortschritte, konnten das Rätsel aber nicht lösen.

Nach knapp 30 Stunden zog Bungie die Reißleine und verkündete: Wir öffnen die Schmiede auch ohne des Rätsels Lösung. Diese Entscheidung sorgte für empörte und erleichterte Reaktionen gleichermaßen.

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Während viele Spieler der Meinung sind, dass Bungie hier vorschnell „eingeknickt“ ist und vor der Kritik der „Heulsusen“ kapituliert hat, frage ich mich die ganze Zeit, wie man überhaupt auf die Idee kommt, speziell dieses „Rätsel“ zu verteidigen.

Rätsel sollen schwer sein, nicht unlösbar

Warum konnte das Rätsel nicht geknackt werden? Um das zu verstehen, schauen wir uns die sechste Stufe der Mission an, an der die Hüter viele Stunden verzweifelt sind. Als Hinweis gab es lediglich das Wort „Brocéliande“.

Zwar offenbart eine simple Google-Suche, dass es sich hier um einen Wald in der Bretagne handelt. Hier sollen Teile der Artus-Sage gespielt haben.

Doch bezogen auf das Rätsel in Destiny 2 ergaben sich hunderte von Kombinationsmöglichkeiten:

  • Mit welcher Waffe muss geschossen werden?
  • Welches Symbol muss dabei anvisiert werden?
  • Auf welcher Plattform muss dafür Platz genommen werden?
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Der „Armblaster“ Jötunn

Ihr ahnt es – mit Logik oder sinnvollem Kombinationsvermögen kommt man hier nicht weiter. Speziell die Stufe 6 und die (mutmaßlich) letzte Stufe 7 gerieten zu einem stupiden Try&Error.

Wer die Streams verfolgt hat, wird gesehen haben, wie hanebüchen die Vorschläge zur Lösung des Rätsels wurden. Verzweiflung machte sich breit.

Eines ist sicher: Sollte das Rätsel irgendwann gelöst werden, dann nur, weil jemand zufällig die richtigen Kombinationen ausprobiert hat. Gutes Rätsel-Design geht anders, was Bungie mit der Öffnung der Schmiede zumindest andeutungsweise eingesehen hat.

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Darum sind die Niobe Labs nicht mit anderen Rätseln vergleichbar: Ich habe in den letzten Tagen häufiger die Hinweise von vielen Spielern gelesen, dass es auch früher große Herausforderungen gab, denen sich die Spieler stellen mussten.

Das mag zwar richtig sein, jedoch konnten die Rätsel mit guter Fingerfertigkeit, Kombinations- und Auffassungsgabe gelöst werden.

Das Puzzle in den Niobe Labs hingegen ist schlicht nicht nachvollziehbar.

Es gab allerdings noch ein weitaus größeres Problem, was den Rätsel-Knackern zu schaffen machte.

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Warum gab es keine Checkpoints in den Niobe Labs? Meine Vermutung ist, dass Bungie verhindern wollte, dass die Hüter einfach nacheinander beliebige Kombinationen ausprobieren, bis die richtige Lösung gefunden ist. Tatsächlich musste die Mission stets bei Schritt 1 neu gestartet werden. Wer es bis zur Stufe 7 geschafft hat, musste erst einmal die ersten sechs Kombinationen eingeben – jedes Mal.

So dauerte ein Run gut und gerne 15-20 Minuten, nur um dann die „neue Idee“ für den 7. Schritt auszuprobieren.

Dieser Umstand sorgte dafür, dass

  • Nur wenig Fortschritt erzielt wurde,
  • Das Zuschauen bei den Streamern eintönig und langweilig wurde und
  • Die Streamer selbst früher oder später wenig Lust verspürten, sich jedes Mal neu durch die Mission zu kämpfen

Dass es auch anders geht, hat ausgerechnet Bungie selbst vorgemacht. Wer beim Eskalationsprotokoll scheitert, kann die Aktivität auf der vorletzten Stufe erneut absolvieren. Ein Start von Beginn an, ist nicht mehr nötig.

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Warum hat Bungie keine Tipps gegeben? Tatsächlich hat sich zwischendurch ein Entwickler eingeschaltet und den Hütern zumindest kleinere Hinweise verraten, wie die sechste Stufe gelöst werden kann.

Für die siebte Stufe hat Bungie keine Tipps gegeben, was wohl daran lag, dass jeder ernstgemeinte Hinweis das Rätsel sofort lösen würde.

Stattdessen hat Bungie die Schmiede für alle geöffnet, aber zumindest das Rätsel aktiv gelassen, damit die Hüter weiter knobeln können.

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Izanagi’s Burden – Scharfschützengewehr

Ein Experiment ging schief – nicht mehr und nicht weniger

Warum hat Bungie das Rätsel überhaupt gebracht? Nach eigener Aussage wollte der Entwickler etwas Neues ausprobieren, ein Experiment. Bungie wird aus diesem Event einige Lehren gezogen haben:

  • Rätsel dieser Art werden grundsätzlich positiv von der Community aufgenommen
  • Auch die grundlegende Ausgestaltung der Aufgabe ist erfrischend (Jeder kann mitmachen)
  • Das Rätsel selbst war viel zu schwer, weil offenbar willkürlich  -Hier müsste zukünftig mehr Feintuning erfolgen
  • Ein Rätsel, welches Content ausschließt, ist eine fragwürdige Design-Entscheidung. Rätsel und neue Schmiede hätten auch parallel laufen können

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Darum hat Bungie richtig reagiert: Die tatsächliche Öffnung der Bergusia-Schmiede sowie dem gleichzeitigen Erhalt des Rätsels waren ein sinnvoller Kompromiss zwischen frustrierten Spielern, die gern den neuen Content spielen wollten und den Geheimnis-Jägern, die bis auf den Streamer Gladd sowieso aufgegeben haben.

Auch musste Bungie rechtzeitig intervenieren, da die exotische Waffe Izanagi’s Bürde einen Besuch beim zerbrochenen Thron einfordert, der nur einmal in drei Wochen verfügbar ist. Hätte bis zum nächsten Weekly Reset keiner das Rätsel lösen können, hätten die Hüter weitere drei Wochen warten müssen.

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Auch die Rätsel-Fans müssen gehört werden

Das hat die Aktion gezeigt: Bungie kann nicht nur aus den „negativen“ Reaktionen viel mitnehmen, sondern auch aus dem positiven Feedback. Immerhin gab es viele Hüter, die das Rätsel mochten.

Hier kann Bungie sehen: Die Leute wollen durchaus „richtig knackigen“ Content, der nicht nach wenigen Stunden gelöst ist.

Es hat vielen gefallen, dass hier etwas „wirklich Schweres“ in Destiny 2 war, an dem sich Spieler die Zähne ausbissen. So schwerer Content, der die Spieler über Tage beschäftigt, ist auf jeden Fall gewünscht. Nur über die Form sollte Bungie nachdenken.d2 bergusia

War es die ganze Aufregung wert? Die Schmiede ist nun offen, neuer Content ist verfügbar, neue exotische Waffen können ergattert werden. Das Design der Rätsel-Quest mag fragwürdig gewesen sein, jedoch war es nur ein Experiment – nicht mehr und nicht weniger.

Sollte Bungie aus diesen Erfahrungen lernen, dürften die nächsten Quests in dieser Gestalt ein voller Erfolg werden.

Was glaubt Ihr? Welche Lehren wird Bungie aus der aktuellen Kontroverse gezogen haben?

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