Ich liebe das PvP von Destiny am meisten, wenn die Balance kaputt ist

Die Balance bei Destiny im PvP wird seit jeher kontrovers diskutiert. Das hat sich bei Destiny 2 nicht geändert. Bungie hat früher herausstehende Nägel immer eingeschlagen, um ein möglichst glattes und poliertes Erlebnis zu garantieren. Nun will man bewusst einige Nägel herausstechen lassen. Gut so, meint unser Autor Sven.

Die ewige Diskussion: Die oftmals hitzige Debatte um die perfekte Balance von Waffen und Rüstungsteilen wird bereits seit Launch von Destiny 1 unaufhörlich geführt. Besonders starke exotische Waffen wie die Dorn, die SUROS Regime oder nun die Graviton-Lanze und die Schwingen der Wachsamkeit stehen häufig im Fokus dieser Kontroverse. Denn sie galten oder gelten immer noch bei Teilen der Community als overpowered (OP) – also als übermächtig.Destiny 2 Forsaken 25

Perfekte Balance fordert ihren Tribut: Dabei hat der Wunsch zahlreicher Spieler nach mehr Ausgewogenheit im PvP bereits dem ein oder anderen Ausrüstungsstück seine Existenzberechtigung genommen. Denn in der Vergangenheit hat Bungie immer wieder versucht die Balance im Schmelztiegel zu wahren – meist durch Nerfs besonders starker Ausreißer. Meistens endeten diese Versuche damit, dass das jeweilige Gear unbrauchbar wurde und in der Versenkung verschwand. Auch im PvE.

Umdenken bei Bungie – Nagelbrett statt glatter Fläche: Mit der Kriegsgeist-Erweiterung für Destiny 2 hat bei Bungie ein Umdenken stattgefunden. Vorher hat man herausstehende Nägel stets eingeschlagen, um ein möglichst glattes PvP-Spielerlebnis zu garantieren. Mit Warmind ist man dazu übergegangen, eben solche Nägel bewußt herausstechen zu lassen.

Auch wenn zahlreiche Hüter dadurch nun wieder verstärkt nach Nerfs bestimmter Waffen oder Rüstungsteile rufen, denke ich, dass dieser neue Ansatz genau der richtige Weg ist, die Space Magic ein Stück weit mehr zurückzubringen.Destiny 2 Faction Rally Title

Perfekte Balance heißt nicht automatisch Spielspaß

Perfekte Balance ist langweilig: Das habe ich als langjähriger Counter-Strike-, Call-of-Duty- und Battlefield-Spieler für mich persönlich mit dem Erscheinen von Destiny 1 feststellen müssen. Seitdem sind es genau diese herausstehenden Nägel, diese Unebenheiten und Besonderheiten, die ich an der Destiny-Reihe so liebe und die das Spiel für mich einmalig machen.

Die Dorn hat mich zum PvPler gemacht

Mit oder gegen OP-Waffen – beides macht mir Spaß: Nehmen wir stellvertretend die Handfeuerwaffe Dorn in ihrer ursprünglichen Form vor dem Nerf als Beispiel. Diese Waffe allein hat mich überhaupt dazu gebracht, die ersten Schritte im auf mich bizarr wirkenden Destiny-PvP zu machen. Die Dorn machte aus mir außerdem einen absoluten PvP-Fanatiker und zählt für mich bis heute zu meinen absoluten Lieblingen des gesamten Destiny-Arsenals.

Ich habe diese Waffe geliebt und habe sie gerne aufgrund ihrer Stärke und ihrer besonderen Mechanik gespielt – aber mindestens genau so gerne auch gegen sie. Denn auch wenn die Waffe ohne Zweifel dominant und mächtig war und für eine Menge Chaos im Schmelztiegel gesorgt hat – kaum etwas hat mir so viel Spaß bereitet, als mich mit einem Dorn-Spieler mit meiner eigenen Dorn im direkten Duell zu messen oder ihn sogar mit einer vermeintlich unterlegenen Waffe zu besiegen.

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Das sorgte für mehr Glücksgefühle als jeder Kill in dem so glatt gebügelten Counter Strike oder Call of Duty. Und auch mit den aktuell mächtigsten Waffen wie der Graviton-Lanze oder den Schwingen der Wachsamkeit geht’s mir nicht anders. Ich spiele beide gerne, aber noch lieber gegen sie. Das ist auch in Zeiten einer vermeintlich einseitigen Meta mein größter persönlicher Antrieb.destiny_2_kriegsgeist_gear-neu

OP-Helm: Lindwurm Krone?

Auch Rüstungen können gerne OP sein: Im Fall von Rüstungsteilen sieht es sehr ähnlich aus. So gibt es aktuell viel Wind um den Jäger-Helm Lindwurm-Krone. Zahlreiche Fans sind der Meinung, der Helm sei OP und den übrigen Klassen fehle es an entsprechenden Alternativen. Auch hier werden die ersten Rufe nach einem Nerf laut.

Seit ich Destiny zum ersten Mal angeworfen habe, bin ich stolzer Hunter-Main. Den Helm spiele ich aktuell selbst ganz gerne. Und ich treffe im PvP oft auf Spieler oder ganze Jäger-Gruppen, die den Helm nutzen. Doch auch seine unübersehbare Power finde ich persönlich weder schlimm noch nervig. Denn auch in diesem Falls freut’s mich um ein Vielfaches mehr, wenn sich der gegnerische Jäger im direkten Duell noch so dreht und windet, um am Ende trotz des Helmes den Kürzeren zu ziehen. Auch, wenn ich selbst dabei des Öfteren ins Gras beiße.

An solchen Triumphen habe ich persönlich viel mehr Freude, als an einem glattgebügelten PvP, wo es oftmals keinen Unterschied macht, welche Waffe ich spiele, sobald ich mit ihr vertraut bin.Destiny 2 Thumbs up

Polierwahn hat viel kaputt gemacht

Perfekte Balance kostete Destiny 2 fast die Seele: Denn Destiny 2 verlor im Rahmen seiner Neuausrichtung genau durch diesen Fokus auf die perfekte Balance eine Menge von seinem Reiz und der berühmten Space Magic. Lange Zeit war es fast schon egal, welche Waffe man spielt. Das PvP in Destiny 2 gleichte dem eines x-beliebigen PVP-Shooters. Doch seit dem Umdenken ist das Spiel in meinen Augen dank zahlreicher Änderungen und nicht zuletzt durch diese herausstechenden Nägel wieder auf dem richtigen Weg.

Die Richtung stimmt: Nun kommt zumindest in Teilen das Destiny-Feeling bei Waffen und Ausrüstung zurück. Und genau das habe ich schon immer an Destiny geliebt. Genau das macht es für mich speziell und hebt es von der breiten Masse ab. Es ist das besondere, mächtige, manchmal auch übermächtige Gear. Etwas, das für Chaos im Schmelztiegel sorgen kann und das so begehrt ist, dass jeder es haben will und jeder seinen Namen, seinen Charakter und manchmal sogar seine Geschichte kennt.

Eins habe ich für mich über all die Jahre mit Destiny feststellen können – Chaos, abstehende Nägel und besondere Ausreißer machen mir in Hüter-Duellen mehr Spaß als eine noch so perfekte Balance. Deshalb begrüße ich die Entscheidung Bungies, Nägel wie die Graviton-Lanze oder die Lindwurm-Krone nicht länger zugunsten eines glatten Brettes einzuschlagen.Destiny 2 3 guardians

Bitte mehr davon, Bungie: Was ich mir jedoch wünsche sind noch mehr solcher begehrenswerter Ausreißer. Und da die Jagd nach diesem Gear einen weiteren besonderen Anreiz darstellt, sollte es in meinen Augen auch noch bestenfalls verdammt schwer zu bekommen sein.

Denn das übermächtige Gjallarhorn ist für mich beispielsweise niemals in Destiny 1 gedroppt. Ich habe es von Xur gekauft – zwei Wochen, bevor es obsolet wurde. Doch die Jagd danach hat mich all die Zeit motiviert und am Spielen gehalten. Dabei habe ich all die „verschwendete“ Zeit niemals bereut. Im Gegenteil: Danach habe ich mir einfach die nächste seltene Karotte gesucht und ging wieder glücklich auf Jagd. Davon wünsche ich mir für die Zukunft von Destiny 2 einfach mehr. Für jede Klasse und für jede Waffengattung.

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Was haltet Ihr davon, dass Bungie nun bewußt auf das Nagelbrett-Prinzip setzt und Ausreißer nicht länger in Grund und Boden nerft? Seid Ihr der Meinung, dass es dem PvP gut tut? Oder raubt Euch vermeintliches OP-Gear den letzen Spaß im Schmelztiegel?

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